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Fujifilm X-M1: Im Test
Besonderer APS-C-Sensor und handliches Gehäuse

von Dennis Imhäuser
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Die Fujifilm X-M1 ist das Mittelklassemodell der Systemkameras von Fujifilm. Das Modell verfügt über einen X Trans CMOS-Sensor sowie ein klappbares Display und fügt sich durch die Retro-Optik ästhetisch in das Kameraprogramm des japanischen Herstellers ein. Neben der X-E2 und X-Pro1 ist sie das günstigste Modell mit dem hauseigenen X Trans-Sensor. Was die X-M1 leistet und wie die Systemkamera den Alltag meistert, hat netzwelt für Sie ausführlich getestet.

Der X-Trans CMOS-Sensor ist eine Eigenentwicklung von Fujifilm und unterscheidet die Systamkamera von anderen Digitalkameras.

Kleinste X Trans CMOS-Systemkamera

Geradezu zierlich wirkt die Fujifilm X-M1. Das Gehäuse ist aus Kunststoff gefertigt und beim ersten Anfassen etwas schwierig zu halten. Die Finger müssen sich erst einmal ordnen und die richtigen Liegeflächen erfassen. Dies liegt vor allem an der schnörkellosen Form des Kameragehäuses. Die Fujifilm X-M1 ist dem Retro-Design der X-E2 angelehnt, doch fällt das Gehäuse mit 117 x 67 x 39 Millimetern deutlich kleiner aus. Trotzdem ist es Fujifilm gelungen, einen kleinen Handgriff auf der Vorderseite  und eine Daumenablage auf der Rückseite anzubringen, durch den die Kamera auch zur Not mit einer Hand gehalten und ausgelöst werden kann.

Dies gilt zumindest, solange das Fujinon XC 16-50mm F3,5-5,6 OIS Kit-Objektiv an der XM1 angebracht ist. Das Kit-Objektiv ist mit 195 Gramm eher ein leichtes Objektiv. Bei einem Teleobjektiv dürfte sich das Handling mit einer Hand schwieriger gestalten. So sind auch beispielsweise Überkopf-Aufnahmen dank klappbarem Display und Einhandbedienung gut zu bewerkstelligen. Typischerweise stützt man mit der zweiten Hand das Objektiv ab, und mit zwei Händen ist die Bedienung natürlich völlig unproblematisch und sorgt für eine bessere Stabilisierung der Kamera.

Apropos Stabilisierung: Die Systemkamera besitzt keinen eigenen, ins Gehäuse eingebauten Bildstabilisator. Fujifilm setzt auf eine Ausgleichslinse in den Fujinon-Objektiven. Ob ein Objektiv von Fujifilm mit einem Bildstabilisator ausgestattet ist, erkennt der Kunde/die Kundin an der Bezeichnung OIS (Optical Image Stabilisation) im Namen des Objektivs. Diese Lösung bietet im Gegensatz zu einer kamerainternen Variante den Vorteil, dass auch das Sucher- oder Live-View-Bild den Effekt der Stabilisierung wiedergibt. Gerade im hohen Brennweitenbereich von Teleobjektiven wird der Effekt deutlich wahrnehmbar. Nachteil ist natürlich, dass nicht jedes Objektiv stabilisiert wird, wie es bei einem kamerainternen Bildstabilisator der Fall wäre.

Stativaufnahmen mit der X-M1 gestalten sich etwas komplizierter, weil das Stativgewinde nicht in der optischen Achse liegt. Zudem hat Fujifilm das Stativgewinde so dicht am Akkufach platziert, dass sich dieses bei angesetzter Stativplatte nicht mehr öffnen lässt.

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Der X-Trans CMOS-Sensor hat eine Auflösung von 16 Megapixeln. (Bild: netzwelt)

Sensor, Bildprozessor und Bildqualität

Im Inneren der X-M1 werkelt ein X Trans CMOS-Sensor, der eine Auflösung von effektiv 16 Megapixeln besitzt. Der CMOS-Sensor ist eine Eigenentwicklung von Fujifilm. Anders als bei den meisten Digitalkameras, egal ob DSLR-, System- oder Kompaktkameras, deren Sensoren mit der Bayer-Pattern ausgestattet sind, wählt der japanische Hersteller bei den hauseigenen Sensoren einen anderen Weg. Im Gegensatz zu einer regelmäßigen Aufteilung der RGB-Pixel, wählt Fuji eine unregelmäßige Aufteilung. Dadurch will der Hersteller einen höheren Dynamikumfang der Kamera erreichen und ungewollten Bildfehlern, wie dem Moiré-Effekt, vorbeugen.

Fujifilm ist von der Technik überzeugt und verzichtet auf einen Tiefpassfilter, der bei Digitalkameras Moiré-Effekte unterbindet, allerdings auch weniger Licht zum Sensor durchlässt. Durch einen fehlenden Antialiasing-Filter gelangt nun mehr Licht auf den X Trans CMOS-Sensor, was zu dem Ergebnis führt, dass Fotos eine höhere Schärfenwirkung aufweisen. Im Test zeigt die Fujifilm gute Ergebnisse, sowohl was Dynamik als auch Schärfe betraf. Der Sensor ist insgesamt sehr "gutmütig" und dank der Möglichkeit, Aufnahmen im RAW-Format machen zu können, bietet Fujifilm dem Fotografen/der Fotografin auch bei der Nachbearbeitung mit dem mitgelieferten RAW-Konverter Silkypix eine Fülle an verlustfreien Arbeitsmöglichkeiten.

Als Bildprozessor kommt der EXR Processor II zum Einsatz. Dieser soll für eine zügige Bildverarbeitung und rauscharme Bilder sorgen. Die maximale Bildgeschwindigkeit der X-M1 beträgt 5,6 Bilder pro Sekunde. Der Pufferspeicher fällt hingegen etwas gering aus, und so sind auf niedrigster Qualität leidglich maximal 30 Aufnahmen in einer Reihe möglich. Bei höchster Qualität inklusive RAW-Aufnahme sind noch 8 bis 11 Bilder am Stück drin. Ebenso sorgt der EXR II für eine rauscharme Entwicklung von Aufnahmen. Bis ISO 1600 ist die Bildqualität gut, bis ISO 800 sogar sehr gut, in Schulnoten ausgedrückt. Erst über einen Bereich von ISO 3200 nimmt Bildrauschen deutlich stärker zu. Videos zeichnet die Fujifilm X-M1 im Full HD-Format (1.920 x1.080 Pixeln) mit maximal 30 Bildern pro Sekunde auf.

Bei der internen Bildentwicklung bietet Fujifilm mehrere vorgefertigte Entwicklungssettings an, die sogenannte Filmsimulation. Diesen Namen wählt der Hersteller bewusst, da sich die verschiedenen Voreinstellungen an analogem Filmmaterial von Fujifilm orientieren beziehungsweise dieses nachahmen sollen. Für Standard-Aufnahmen ist das Profil des Provia-Films hinterlegt, währen der Velvia mit besonders lebendigen Farben überzeugen soll. Für eine gedämpfte Darstellung soll die Filmsimulation des Astia sorgen.

Damit hält Fujifilm an Tugenden fest, die das Unternehmen bereits bei einem Ausflug in die Welt der digitalen Spiegelreflexkameras mit S3 Pro (Veröffentlichung im Jahr 2005) und S5 Pro (Veröffentlichung im Jahr 2007) einführte: Hohe Dynamik durch eine besondere Pattern und Filmsimulationen für ein "analoges" Bildgefühl mit einer Digitalkamera.

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Der X-Trans Sensor arbeitet zuverlässig. Bis ISO 800 ist die Bildqualität sehr gut. (Bild: netzwelt)

Bildschirm und Autofokus

Die X-M1 hat keinen elektronischen Sucher. Einzig das auf der Rückseite verbaute 3-Zoll-Display dient dem Fotografen als Sucher. Es löst mit insgesamt 920.000 Bildpunkten auf. Ein solches Display würde auch der edlen Kompaktkamera X100S gut stehen, welche lediglich eine Auflösung von 460.000 Pixeln besitzt. Der Bildschirm der X-M1 befindet sich hinter einer Plastikabdeckung, die sich im Test allerdings als kratzanfällig erwies. Hier lohnt sich der Schutz des Displays durch eine zusätzliche Schutzfolie. Eine Glasabdeckung aus Gorillaglas wie bei vielen Smartphones wäre die sicherere Lösung gewesen.

Die Schärfe der Aufnahmen lässt sich nicht zuletzt dank Zoomfunktion gut auf dem Display beurteilen. Die Reaktionsgeschwindigkeit und Farbwiedergabe des Displays ist gut. Auch bei Sonneneinstrahlung ist der Bildschirm noch dank dem "LCD Modus Sonne" gut ablesbar. Durch den Klappmechanismus des Bildschirms kann dieser um 90 Grad sowohl nach oben als auch nach unten geklappt werden. Dies erleichtert die Arbeit des Fotografens/der Fotografin bei  Überkopf- und bodennahen Aufnahmen ungemein.

Die X-M1 wird mit einem 1.260 Milliamperestunden starken Akku (NP-W126) geliefert, der insgesamt für circa 310 bis 330 Bilder ausreicht. Im Alltag fällt auf, dass die Kamera ebenso wie die X100S einen sehr tiefen Schlaf hat und die Aufwachzeit kürzer sein dürfte. Die Auslöseverzögerung ist allerdings sehr gering, und auch der Autofokus funktioniert unter guten Belichtungsbedingungen schnell und präzise. Unter schlechten Lichtbedingungen kann wahlweise ein Autofokushilfslicht hinzugeschaltet werden.

Bedienung und Steuerlemente

Auf der Oberseite der Kamera befindet sich neben einem Blitz, den Fujifilm ebenfalls im kleinen Gehäuse untergebracht hat und der sprunghaft herausklappt, ein Blitzschuh für ein externes Blitzgerät. Ein optionaler elektronischer Sucher wird vom Hersteller nicht für die Kamera angeboten.

Die zentralen Bedienelemente sind das Programmwahlrad, der Auslöser und ein weiteres Einstellrad auf der Oberseite. Das Programmwahlrad bietet schnellen Zugriff auf die Betriebsmodi P, S, A und M sowie einer Porträt-, Landschafts- und Sportautomatik. Auch ein Speicherplatz für benutzerdefinierte Einstellungen ist vorhanden. Für Einsteiger/Einsteigerinnen hat Fujifilm natürlich auch noch zwei Vollautomatiken installiert, die die besten Einstellungen für ein Motiv ermitteln sollen.

Das Einstallrad am oberen rechten Rand erfüllt je nach Programmodus verschiedene Aufgaben. Im manuellen Modus ist die Bedienung der X-M1 sehr komfortabel. Das obere und das hintere Einstellrad liegen sehr dicht beieinander, und so hat der Fotograf oder die Fotografin über den Daumen schnellen Zugriff auf beide Wahlräder. Eine sehr gute Lösung, die auch Lust macht, manuell mit der Kamera unterwegs zu sein.

Gleich zwei Einstellräder bietet die X-M1, was eine komfotable Bedinung gerade auch im manuellen Modus ermöglicht.

Neben dem 3-Zoll-Display befinden sich neun weitere Tasten, die Zugriff auf das Kameramenü oder eine Veränderungsmöglichkeit der direkten Kameraparameter, wie Autofokus-Modus, Weißabgleich, Bild- oder Makromodus, bieten. Auf der Oberseite befindet sich noch eine FN-Taste, die mit verschiedenen Parametern belegt werden kann. Standardmäßig erhält der Fotograf/die Fotografin Zugriff auf die ISO-Einstellungen. Die Lichtempfindlichkeit reicht von ISO 100 bis 25.600. Leider ist es die einzige FN-Taste an der Kamera, die man frei belegen kann.

WLAN, Speicherkarte und Anschlüsse

WLAN fehlt der X-M1 ebenfalls nicht. Darüber können Bilder auch direkt von der Systemkamera aus an das Smartphone oder Tablet geschickt werden. Dazu muss Fujifilms Camera App auf dem Android- oder iOS-Gerät installiert sein. Als Speichermedium finden SD-Karten in der X-M1 direkt neben dem Kartenfach Platz. Die Kamera kann SDXC-Karten mit einer maximalen Kapazität von bis zu 64 Gigabyte verwalten. Unter einer in Gehäusefarbe angepassten seitlichen Plastikabdeckung befinden sich ein HDMI-Ausgang und ein Mikro-USB 2.0-Anschluss.

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Der X-Trans CMOS-Sensor hat eine Auflösung von 16 Megapixeln. (Bild: netzwelt)
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6.8
Fujifilm X-M1
Vorteile
  • sehr gute Bildqualität
  • gutes Display
  • WLAN
Nachteile
  • langsamer Autofokus
  • Kunststoffgehäuse

X Trans-Sensor

Die Fujifilm X-M1 verfügt über ein gutes Bedienkonzept und eine gute interne Bildverarbeitung. Das schwarze Testgerät mit dem Fujinon XC 16-50mm F3,5-5,6 OIS ist derzeit für circa 760 Euro im Handel erhältlich. Der X Trans-Sensor überzeugt: rauscharm, mit hoher Dynamik gepaart mit einer guten Grundschärfe. Negativ fielen im Test das Gehäusematerial, das sich nicht sehr wertig anfühlt, und der kratzanfällige Bildschirm auf. Fujifilm hat mit der X-M1 dennoch eine gut ausgestattete Systemkamera für Einsteiger geschaffen, die auch auf eine gute manuelle Bedienung der Kamera nicht verzichten müssen.


Einzelergebnisse
In Fotos und Videos halten wir schönen Erinnerungen fest oder nutzen die Medien als Ausdrucksform. Im Internet werden täglich unzählige Bilder und Filme ausgetauscht und netzwelt sucht für Sie nach der richtigen Kamera. Ziel eines Testbericht ist es ein Gefühl für die Digitalkamera oder den Camcorder zu vermitteln und vor allem,die Funktionsweise im Alltag. Gleichzeitig sollte die Beurteilung der Bildqualität nicht zu kurz kommen. Daher setzt sich die Gesamtwertung aus Handhabung, Foto, Video, Display/Sucher und der Bildqualität zusammen um eine Digitalkamera ganzheitlich zu erfassen. Die Gesamtnote ergibt sich aus den Einzelnoten, der Redakteur kann jedoch eine Auf- beziehungsweise Abwertung um eine Note vornehmen. Falls eines der Kritierien im Vergleich mit anderen Geräten besonders herausragend ist.
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Handhabung
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Foto
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Video
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Display/Sucher
6
Bildqualität
9
Einsortierung
Fujifilm X-M1 von Fujifilm wurde als Digitalkamera abgelegt. Es befindet sich auch in der Bestenliste "Die besten Systemkameras (DSLM)". Zusätzlich wurden die folgenden Schlagworte vergeben: Foto, Testbericht, Digitalkamera, Fujifilm, Kamera, Fotografie, Systemkamera, Review und Fujifilm X-M1 .
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Fujifilm X-M1 ist die Mittelklasse im X-System-Portfolio des japanischen Herstellers. Highlights der Systemkamera sind der X Trans CMOS-Sensor und das klappbare Display. Netzwelt hat die X-M1 für Sie getestet.
http://www.netzwelt.de/news/107431-fujifilm-x-m1-test.html
2013-11-13 18:04:11
http://img.netzwelt.de/dw320_dh240_sw320_sh240_sx430_sy514_sr4x3_nu0/picture/original/2014/08/fujifilm-x-m1-produktbild-114585.png
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