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Nokia Lumia 1520 im Test: Phablet mit Windows Phone 8
XXL-Smartphone mit Microsoft Handy-OS

von Jan Kluczniok
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Das Lumia 1520 ist in vielerlei Hinsicht eine Premiere: Es ist das erste Phablet mit Windows Phone 8, und als erstes Smartphone mit Microsofts Handy-OS besitzt es einen Quad-Core-Prozessor sowie ein Full HD-Display. Garniert wird die Ausstattung mit einer 20-Megapixel-PureView-Kamera, drahtloser Ladetechnik und einem kostenlosen Microsoft Office-Paket. Ist Nokia damit der peferkte Mix aus Smartphone und Tablet-PC geglückt? Der Test liefert die Antwort.

Design und Verarbeitung

Nokia setzt beim Lumia 1520 auf sein bewährtes Lumia-Design. Die Hardware des Lumia 1520 steckt dementsprechend in einem bunten Gehäuse aus Polycarbonat. Erhältlich sind in Deutschland die Farben Gelb, Weiß und Schwarz. Die rote Farbvariante ist vorerst nicht für den deutschen Markt vorgesehen. Die Oberfläche des Lumia 1520-Gehäuses ist bei allen drei Farbvarianten matt und nicht glänzend. Fingerabdrücke sind auf dem Polycarbonat dementsprechend nicht zu sehen, auch Staub und Schmutz haftet kaum an dem Smartphone.

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Das Lumia 1520 ist in der Redaktion eingetroffen. (Bild: netzwelt)

Das Gehäuse ist wie beim ersten Lumia-Modell aus einem Block gefräst. Details wie Anschlüsse oder Lautsprecheröffnungen sind peinlich genau ausgeschnitten und gestanzt. Das Lumia 1520 wirkt dementsprechend wie aus einem Guss. Nur wer genau hinsieht und das XXL-Modell mit dem Lumia 1020 vergleicht, wird bemerken, dass Display und Gehäuse nicht perfekt ineinander übergehen, sondern sich dazwischen ein kleiner Spalt befindet. Dieser ist aber so gering, dass er im Alltag kaum auffällt, geschweige denn sich Schmutz oder Staub darin sammeln könnte.

Mit einer Tiefe von 8,7 Millimetern ist das Modell deutlich dünner als die meisten anderen Nokia-Smartphones, das Lumia 925 einmal außen vor gelassen. Mit seinen Abmessungen und dem Gewicht nähert sich das Lumia 1520 aber deutlich an kleine Tablet-PCs wie das Google Nexus 7 an (s. Tabelle) - bei einer Bilddiagonale von sechs Zoll ist dies nicht verwunderlich.

Modell Abmessungen Gewicht Displaygröße
HTC One 137,4 x 68,2 x 9,3 Millimneter 143 Gramm 4,7 Zoll
Samsung Galaxy S4 137 x 70 x 7,9 Millimeter 130 Gramm 5 Zoll
Sony Xperia Z1 144,4 x 73,9 x 8,5 Millimeter 169 Gramm 5 Zoll
Samsung Galaxy Note 3 151,2 x 79,2 x 8,3 Millimeter 168 Gramm 5,7 Zoll
HTC One Max 164,5 x 82,5 x 10,29 Millimeter 217 Gramm 5,9 Zoll
Nokia Lumia 1520 162,8 x 85,4 x 8,7 Millimeter 209 Gramm 6 Zoll
Asus FonePad Note FHD 6 164,8 x 88,8 x 10,3 Millimeter 214 Gramm 6 Zoll
Huawei Ascend Mate 163,5 x 85,7 x 9,9 Millimeter 198 Gramm 6,1 Zoll
Samsung Galaxy Mega 167,6 x 88 x 8 Millimeter 199 Gramm 6,3 Zoll
Sony Xperia Z Ultra 179 x 92 x 6,5 Millimeter 212 Gramm 6,4 Zoll
Google Nexus 7 (2013) 114 x 200 x 8,65 Millimeter 290 Gramm 7 Zoll
Nokia Lumia 1320 164,2 x 85,9 x 9,8 Millimeter 220 Gramm 6 Zoll

Dennoch lässt sich das Lumia 1520 noch gut umgreifen und mit einer Hand bedienen. Hier kommt Nokia auch das Kacheldesign der Bedienoberfläche von Windows Phone zu Hilfe. Positiv ist auch anzumerken, dass das Gehäuse im Gegensatz zu anderen XXL-Smartphones wie dem ZTE Grand Memo überhaupt nicht rutschig ist. Der Transport in der Hosentasche ist bei tiefen Taschen noch möglich.

Man muss also wirklich schon penibel suchen, um in Sachen Verarbeitung Kritikpunkte beim Lumia 1520 zu finden. Doch es gibt sie: So stehen die Kamerataste, der Einschalter und die Lautstärkewippe kaum aus dem Gehäuse hervor, sondern verschwinden darin. Im Gegensatz zu den Hardkeys des Lumia 1020 sind die Buttons daher nur schwer zu ertasten. Auch könnte der Druckpunkt der Tasten knackiger sein. Zur besseren Unterscheidung könnten auch SIM- und Speicherkartenschacht markiert werden.

Hardware

In Sachen Ausstattung zieht Nokia mit der Android-Konkurrenz gleich. Im Lumia 1520 werkelt mit Qualcomms Snapdragon 800 derselbe Chip wie im Samsung Galaxy Note 3 oder Sony Xperia Z Ultra. Das System läuft, wie von Windows Phone gewohnt, flüssig. Spiele und Apps sind im Bruchteil einer Sekunde geladen. Aktuell gibt es wohl keine App unter Windows Phone, die die Rechenpower des Lumia 1520 annähernd ausreizen könnte. Das Nokia-Smartphone ist ein echtes Rechenmonster. Dies hat aber auch eine Schattenseite: Im Test war bereits nach einer kurzen Partie FIFA 13 eine deutliche Wärementwicklung um die Kameralinse herum zu spüren. Diese ist für das Gerät nicht bedrohlich, macht das Halten des Lumia 1520 für den Nutzer aber nicht gerade angenehm.

Der scheidende Nokia-Chef Stephen Elop präsentierte auf der Nokia World in Abu Dhabi das 6-Zoll-Smartphone Lumia 1520. (Quelle: Screenshot Webcast Nokia)

Das Display misst in der Diagonale sechs Zoll und löst in Full HD auf. Die Darstellung ist scharf, die Farben wirken satt und leuchtend. Nur weiße Flächen sehen stets etwas gräulich aus. Die Pixeldichte beträgt 368 Pixel per Inch. Einzelne Bildpunkte sind daher nur zu erkennen, wenn der Nutzer mit der Nase fast auf dem Display klebt. An den Blickwinkeln gibt es ebenfalls nichts auszusetzen, auch die Ablesbarkeit im Freien ist gut.

Der interne Speicher ist 32 Gigabyte groß, im Werkzustand stehen Nutzern davon etwas mehr als 24 Gigabyte zur Verfügung. Per microSD-Karte lassen sich bis zu 64 Gigabyte Speicher nachrüsten. An Speicherplatz sollte es also nicht mangeln. Apps können unter Windows Phone aber nicht auf die Speicherkarte ausgelagert werden. Die neuen Funkstandards LTE und NFC werden natürlich unterstützt.

Sprachqualität und Akkulaufzeit

Die Sprachqualität des Lumia 1520 ist befriedigend. Die eigene Stimme wird klar und natürlich übertragen. Nebengeräusche werden überwiegend gefiltert. Die Stimme des Gesprächspartners klingt auf dem Smartphone dagegen etwas verrauscht. Ohne Bluetooth-Headset macht das Telefonieren mit dem Lumia 1520 so nur wenig Spaß. Hält der Nutzer sein Ohr nicht genau an den kleinen Ohrmuschellautsprecher oberhalb des Displays, versteht er kaum etwas. Im Freisprechmodus kam es zudem häufig zu Aussetzern.

Zur Nutzung des Lumia 1520 ist eine Nano-SIM-Karte erforderlich. Dies ist für Nutzer nicht unproblematisch. Anders als die Micro-SIM lässt sich das neue Kartenformat nicht so leicht aus einer größeren SIM-Karte herausschneiden, denn die Nano-SIM ist nicht nur kleiner, sondern auch dünner als Mini- und Micro-SIM. Wer sich dennoch zutraut, seine SIM zurechtzuschnippeln und zu feilen, findet hier eine entsprechende Anleitung.

Wer den Aufwand scheut, sollte sich an seinen Mobilfunkanbieter wenden und einen Kartenaustausch beantragen. Dieser ist jedoch nicht immer kostenlos, zudem haben nicht alle Mobilfunkanbieter Nano-SIM-Karten im Angebot. Einen Überblick über Verfügbarkeit und Kosten für den Kartentausch bei verschiedenen Anbietern finden Sie hier.

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Der Bildschirm des Lumia 1520 misst in der Diagonale sechs Zoll. (Bild: Nokia)

Der Akku bietet eine Kapazität von 3.400 Milliamperestunden. Er fällt damit größer aus als in den Phablets der Konkurrenz. Je nach Nutzungsintensität und Einstellungen dürfen Nutzer mit einer Laufzeit von zwei oder sogar zweieinhalb Tagen rechnen. Gewechselt werden kann die Batterie vom Nutzer nicht, Nokia bietet aber die Möglichkeit, den Akku drahtlos aufzuladen. Hierzu muss der Nutzer nur eine entsprechende Ladestation erwerben.

Multimedia

Die Kamera auf der Rückseite vereint wie beim Lumia 1020 beide Nokia PureView-Techniken in einem Gerät. Nutzer können also sowohl verlustfrei digital in ein Bild hineinzoomen als auch unter schwachen Lichtverhältnissen noch brauchbare Fotos machen. Beeindruckend ist, dass Nokia beim Lumia 1520 die sperrige PureView-Technik noch einmal verkleinert hat. So ist die Dicke des Gehäuses seit Einführung der Technik von 13,9 (Nokia 808) über 10,4 (Lumia 1020) auf 8,7 Millimeter (Lumia 1520) gesunken. Die PureView-Kamera steht aus dem Gehäuse nur noch minimal hervor.

Möglich wird dies dadurch, dass Nokia den Sensor verkleinert hat: Er ist nur noch 1/2,5 Zoll groß und löst mit 20 Megapixeln auf. Das Lumia 1020 bot noch einen 1/1,5 Zoll großen Sensor mit einer Auflösung von 41 Megapixeln. Auch die Blende fällt mit f/2,4 kleiner als beim Lumia 1020 aus. Platz eingespart hat Nokia zusätzlich durch den Verzicht auf einen lichtstarken Xenon-Blitz. Stattdessen verfügt das Lumia 1520 über zwei LED-Fotoleuchten.

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Das Lumia 1520 macht ordentliche Fotos - selbst im Morgengrauen. (Bild: netzwelt)

Dies hat natürlich Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit der Kamera: Statt eines dreifachen verlustfreien Zooms bietet das Lumia 1520 nur noch die Möglichkeit, zweifach verlustfrei in einem Bild zu zoomen. Die Zoom-Fähigkeiten sind dennoch den meisten anderen Smartphones überlegen - mal abgesehen vom Galaxy S4 Zoom und eben dem Lumia 1020. Aus zehn Meter Entfernung konnte netzwelt im Test etwa an die Speisekarte eines Fischrestaurants in der Nähe der Redaktion heranzoomen und diese war sogar noch halbwegs lesbar.

Das in der Morgendämmerung aufgenommene Bild zeigt, dass die Kamera des Lumia 1520 auch in Sachen Low-Light zu den besseren gehört - an das Lumia 1020 reicht die Performance aber nicht heran. Es ist ein deutlich stärkeres Bildrauschen zu erkennen. Alles in allem ist die Qualität der Bilder überdurchschnittlich gut, "bahnbrechend" wie beim Lumia 1020 ist sie aber nicht. Punkten gegenüber dem Lumia 1020 kann das 1520 aber in Sachen Auslösegeschwindigkeit. Hier ist es nahezu doppelt so schnell. Mithilfe der App "Storyteller" lassen sich nun auch aus Videos und Fotos eine Art virtuelles Fotobuch erstellen. In der Praxis ist die App aber weitaus weniger spektakulär als das Promo-Video vermuten lässt - an HTC Zoe reicht sie nicht heran.

Auch in Sachen Musikgenuss kann das Nokia Lumia 1520 punkten. Sowohl über Kopfhörer als auch über den externen Lautsprecher liegt der Klang auf hohem Niveau. Allerdings muss der Nutzer bei der Wiedergabe von Musik über den Lautsprecher das Smartphone mit dem Display nach unten auf den Tisch legen, um einen optimalen Klang zu erhalten. Mit angeschlossenen Kopfhörern ist auch der Empfang von UKW-Radioprogrammen möglich, leider können diese aber nicht über den Lautsprecher ausgegeben werden.

Software

Als Betriebssystem fungiert Windows Phone 8. Nokia hat dieses mit einer Reihe von Zusatzservices angereichert - dazu zählen die Navigationslösung Nokia Here und der Musikplayer nebst Streaming-Dienst Nokia Mix Radio. Leider sind diese nicht immer optimal mit den Microsoft-eigenen Anwendungen verknüpft. So konkurriert die Nokia Musik-App mit der hauseigenen "Musik + Video"-App. UKW-Radio ist beispielsweise nur in der Microsoft-App verfügbar.

Windows Phone 8 ist nicht optimiert für die Nutzung im Querformat. Die virtuelle Tastatur nutzt nicht einmal den vollen Bildschirm. (Quelle: Screenshot Nokia Lumia 1520)

Noch schwerwiegender: Windows Phone 8 ist nicht durchgängig auf Querformat-Bedienung ausgelegt. Startbildschirm und Menüs werden konsequent im Hochformat dargestellt. Bei einem Smartphone mit Tablet-ähnlicher Bilddiagonale dürften Nutzer aber auch öfter aufs Querformat zurückgreifen wollen. Landet der Nutzer doch in einer App, die das Querformat unterstützt, dann wird er feststellen, dass diese Umsetzung auch nur halbherzig geschieht. So nutzt die virtuelle Tastatur etwa nicht die volle Breite des Bildschirms aus.

Der Windows Phone Store zählt mittlerweile 200.000 Apps - prominentester Neuzugang war in den letzten Wochen Instagram. Versorgungslücken bestehen dennoch: Bei den Google-Diensten Maps, Google+ oder YouTube muss der Anwender auf Drittanbieter-Lösungen oder die mobilen Webseiten der Angebote zurückgreifen. Auch ein offizieller DropBox- oder Sonos-Client fehlt. Dafür erhalten Nutzer eine mobile Version von Microsoft Office gratis. Leider ließ sich das Phablet im Test nicht mit einer Bluetooth-Tastatur koppeln. Dies würde das Arbeiten noch bequemer machen.

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Das Lumia 1520 (links) ist größer als das Galaxy Note 3 (Mitte) und das HTC One Max (rechts). (Bild: netzwelt)

Eine Alternative zum Nokia Lumia 1520 ist das Samsung Galaxy Note 3.

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netzwelt
7.0
Nokia Lumia 1520
Vorteile
  • tolle Kamera
  • großes Display
  • gute Akkulaufzeit
  • kostenlose Office-Version
Nachteile
  • System nicht auf Bedienung im Querformat ausgelegt
  • Nano-SIM-Karte

fehlendes Querformat

Das Lumia 1520 punktet im Test mit Akkulaufzeit, Kamera und Performance. Vom tollen, großen Bildschirm profitieren Nutzer vor allem beim Spielen, Videoschauen, Surfen und Arbeiten. Wer zum Smartphone kein 7-Zoll-Tablet mit sich herumschleppen möchte, findet hier eine Alternative, mit der sich auch arbeiten lässt. Perfekt ist der Mix aus Smartphone und Tablet aber nicht. Vor allem die mangelhafte Querformat-Unterstützung von Windows Phone mindert den Spaß bei der Arbeit. Hier sollte Microsoft mit einem Software-Update nachbessern.


Einzelergebnisse
Smartphones sind Gebrauchsgegenstände. Statt Leser mit Zahlen zu überschütten, haben wir uns für ein praxisnahes Testschema entschieden. Ziel ist es Stärken und Schwächen des Geräts zu ermitteln und eine Einschätzung zu geben, für welche Art von Nutzer das Smartphone geeignet ist. Unsere Wertung setzt sich aus fünf Einzelwertungen ("Design und Verarbeitung", "Ausstattung, Leistung und Bedienung", "Sprachqualität und Akkulaufzeit und "Multimedia") zusammen. Die Gesamtnote ergibt sich aus den Einzelnoten, der Tester kann jedoch eine Auf- beziehungsweise Abwertung um eine Note vornehmen. Falls eines der Kritieren im Vergleich mit anderen Geräten besonders herausragend ist.
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8
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Design und Verarbeitung
7
Ausstattung und Bedienung
7
Sprachqualität
5
Akkulaufzeit
8
Multimedia
8
Einsortierung
Nokia Lumia 1520 von Nokia wurde als Smartphone abgelegt. Das Produkt wurde in die Smartphone-Bestenlisten Die besten Kamera-Smartphones, Die besten Phablets und Die besten Smartphones 2014 aufgenommen. Zusätzlich wurden die folgenden Schlagworte vergeben: Mobile, Testbericht, Handy, Nokia, Smartphone, Review, Windows Phone, Windows Phone 8, Phablet, Nokia Lumia und Nokia Lumia 1520 .
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