IFA-Neuheit 2013

Samsung Galaxy Gear im Test: Faszinierend irritierend

Sie zählt Schritte, knipst Fotos, nimmt Videos auf und gehorcht aufs Wort: Samsungs Galaxy Gear kann mehr als nur die Uhrzeit anzeigen. Doch ob sich Technik-Fans und Durchschnittsbürger eine Smartwatch so vorstellen, bleibt abzuwarten. Der netzwelt-Test fasst die Erfahrungen aus mehreren Wochen Praxiseinsatz mit der Galaxy Gear für Sie zusammen. 

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Kumpel fürs Leben: Ohne passendes Smartphone (im Bild das neue Galaxy Note 3) ist mit der Galaxy Gear nicht allzu viel los. (Bild: netzwelt)
Kumpel fürs Leben: Ohne passendes Smartphone (im Bild das neue Galaxy Note 3) ist mit der Galaxy Gear nicht allzu viel los. (Bild: netzwelt)

Inhaltsverzeichnis

  1. 1Präsentation auf der IFA
  2. 2Anprobe
  3. 3Anrufe
  4. 4Video- und Fotoaufnahmen 
  5. 5Software
  6. 6Akkulaufzeit
  7. 7Fazit

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Dass Samsung im Rahmen der IFA die Smartwatch Galaxy Gear vorstellen wird, galt als offenes Geheimnis. Offiziell enthüllt wurde die Armbanduhr im Rahmen des Unpacked Events im Berliner Tempodrom. Netzwelt konnte die Armbanduhr im Vorfeld der Messe ausprobieren. Der Hersteller hatte dazu bereits in ein Berliner Hotel geladen. Im kleinen Kreis wurden unter anderem die jeweiligen Neuauflagen des Galaxy Note 10.1 und Galaxy Note 3 vorgestellt. Die Galaxy Gear hob man sich bis zum Schluss auf.

Präsentation auf der IFA

Die ganzen Gerüchte im Vorfeld einer Produktneuvorstellung. Der Hype, der in zahlreichen Blogs und Magazinen rund um die Welt angefacht wird. Was vor gar nicht allzu langer Zeit ausschließlich Apple vorbehalten war, daran hat sich auch Samsung gewöhnt. Dennoch: Die Erleichterung der extra aus der südkoreanischen Firmenzentrale angereisten Produktmanager war förmlich spürbar, als die erste laute Aussprache von "Galaxy Gear" in Verbindung mit der dazu passenden Präsentationsfolie durch ein wohlwollendes Seufzen der anwesenden Journalisten quittiert wurde. Deswegen sind sie hier. Jetzt wird es spannend. Wirklich bahnbrechende Neuheiten in diesem Bereich sind eher selten, jetzt kommt eine, so die allgemeine Erwartung.

Als "Companion Device" wird die aufgemotzte Armbanduhr von Samsung vorgestellt. Was nach dem guten Kumpel am Handgelenk klingt, entpuppt sich bei denjenigen als erster Dämpfer, die allzu hohe Erwartungen an die Samsung-Smartwatch hatten: Um alle Funktionen auszuschöpfen, benötigt die Galaxy Gear stets ein per Bluetooth gekoppeltes Smartphone in unmittelbarer Nähe. Ansonsten zeigt die Uhr, überspitzt formuliert, nur die Uhrzeit an. Wie Sie die Uhr mit ihrem Smartphone koppeln, erfahren Sie hier.

Zweiter Dämpfer: Beim Smartphone muss es sich um ein aktuelles Samsung-Handy handeln. Zunächst waren das nur die beiden Modelle Note 3 und Note 10.1. Mittlerweile hat Samsung die Kompatibilität der Uhr erweitert. Insgesamt zehn Smartphones und Tablet-PCs aus dem Hause Samsung können nun mit der Uhr genutzt werden. Die komplette Liste der kompatiblen Geräte finden Sie hier.

Anprobe

Die Uhr ist mit 74 Gramm sehr leicht, das Armband besteht aus robustem Kunststoff, das Gehäuse aus Metall. Zum Marktstart haben Käufer die Wahl zwischen sechs Farben. Grelle Farbgebungen sind dabei ebenso vertreten wie dezente Färbungen, die gut zum Anzug passen. Am Arm bemerkt der Träger das Gadget nach ein paar Minuten nicht mehr. Es sei denn, es geht ein Anruf oder eine E-Mail ein - dann macht sich die Smartwatch per Vibrationsalarm bemerkbar. Auf dem Display erscheint der Hinweis, dass eine neue E-Mail eingegangen ist. Seit einem Software-Update kann der Nutzer diese auch gleich auf der Uhr lesen. Für das bequemere Lesen des Nachrichtentextes oder das Beantworten einer E-Mail muss der Gear-Träger aber sein Smartphone oder Tablet aus der Tasche ziehen. Dann jedoch werden die Inhalte nahtlos auf dem größeren Display angezeigt. "Smart Relay" nennt der Hersteller diese Funktion. 

Samsung Galaxy Gear im Test

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Die Bedienung der Uhr erfolgt mithilfe eines einzigen Knopfs an der Seite sowie über den Touchscreen mit einer Diagonalen von 1,63 Zoll. Im Alltag streicht der Besitzer mit einem Finger über das Display und greift auf diese Weise auf Funktionen des über Bluetooth verbundenen Galaxy-Smartphones zu. Im Test von netzwelt war eine flüssige Bedienung möglich, für die ein Prozessor mit 800 Megahertz sorgt.

Über das gekoppelte Smartphone können Gear-Nutzer auch das Uhrendesign individuell anpassen. Auf dem leuchtenden Mini-OLED-Bildschirm erscheint dann wahlweise ein analoges Zifferblatt oder eine verspielte Animation. Nach einigen Sekunden schaltet sich die Anzeige selbstständig ab.

Anrufe

Im Armband der Smartwatch ist ein Mikrofon sowie ein Miniatur-Lautsprecher eingebaut. Klingelt das Handy im Rucksack oder der Hosentasche, erscheinen auf dem Gear-Display die Anruferinformationen. Ein Wisch nach links und der Gear-Träger nimmt den Anruf entgegen. Dann wird die Smartwatch ans Ohr gehalten und in das Armband gesprochen. Was bei der Präsentation auf der IFA noch als gewöhnungsbedürftig galt, entpuppte sich in der Praxis als äußerst praktisch. Die Galaxy Gear wurde für die netzwelt-Tester vor allem in den eigenen vier Wänden schnell zum Ersatz für Bluetooth-Headset oder Freisprecheinrichtung.

Video- und Fotoaufnahmen 

Eine kleine, im Armband integrierte Kamera nimmt Fotos und Bewegtbilder auf. Die Auflösung beträgt schnappschusstaugliche 1,9 Megapixel. Auch die Videoaufzeichnung ist begrenzt möglich. Nach maximal sieben Sekunden ist jedoch Schluss - ein Tribut an den knappen Speicherplatz von vier Gigabyte, der sich nachträglich nicht erweitern lässt. Die Bilder können auch direkt auf das gekoppelte Smartphone übertragen werden. Das ist besonders praktisch im Schulunterricht oder in der Uni-Vorlesung. 

Datenschützer wird jedoch stören, dass Video- und Fotoaufnahmen von der Außenwelt nahezu unbemerkt auf dem Speicher der Uhr landen. Hürden, die neue Produkte und ihre Träger aber sehr oft zu übewinden haben. 

Software

Über 70 für die Uhr optimierte Apps kündigte der Hersteller zur Markteinführung an. Darunter finden sich prominente Miniprogramme wie Path oder Evernote. Weitere werden mit Sicherheit folgen. Ein spezielles Entwicklerprogramm hat der südkoreanische Hersteller im Rahmen der IFA aber noch nicht explizit vorgestellt. Im Test griff netzwelt auf die Uhren-Apps vor allem beim Sport zurück. Zu beachten ist hier jedoch: Die Galaxy Gear ist nicht wasserfest.

Akkulaufzeit

Die Akkulaufzeit gibt Samsung mit bis zu 24 Stunden an. Im Test musste netzwelt durchschnittlich alle drei Tage aufladen. Das im Lieferumfang enthaltene Ladegerät ist sperrig: Es besteht aus zwei Hälften, muss aufgeklappt werden, die Uhr muss der Nutzer anschließend im Lader platzieren und diesen mitsamt der Uhr an eine Stromquelle anschließen - umständlich.

Samsung Galaxy Gear

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Fazit

Die Galaxy Gear fasziniert und irritiert zugleich. Sie begeistert aufgrund der Ingenieursleistung, die in ihr steckt. Vieles, was Samsung in ein Gadget packt, das nur wenig mehr als ein Tennisball wiegt, füllte vor ein paar Jahren noch ganze Rucksäcke. Viele Nutzer dürften bei dem Gedanken an eine "echte" Smartwatch jedoch nicht an die Kombination aus Uhr am Arm und Smartphone in der Tasche denken, sondern an eine Uhr, die SIM-Kartenschacht, GPS-Modul und viele weitere Funktionen in sich vereint.

Pro & Contra Samsung Galaxy Gear
Pro Contra
+
angenehm zu tragen
-
teuer
+
lange Akkulaufzeit
-
benötigt Smartphone zum Betrieb
+
Benachrichtigungen am Handgelenk lesen
-
nicht wasserfest
+
eignet sich als Freisprecheinrichtung

Die unverbindliche Preisempfehlung von Samsung für die Galaxy Gear lautet 299 Euro. Im Netz wird die Smartwatch bereits ab 220 Euro gehandelt.

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