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Samsung Galaxy NX im Test
Mit Android und Touchscreen

von Dennis Imhäuser;Jan Kluczniok
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Samsung mixt bei der Galaxy NX eine Systemkamera, die aus technischer Sicht semi-professionellen Ansprüchen genügt, mit dem Handy-Betriebssystem Android, einer Priese Instagram, schneller Internetanbindung und Touchscreen-Steuerung. Ein gewagtes Experiment, der netzwelt-Test verrät, ob es gelingt.

Systemkamera mit DSLR-Optik

Optisch ist die Galaxy NX an Samsungs digitale Systemkameras angelehnt. Wie die Sony Alpha 3000 verfügt sie über einen eigentlich für eine DSLR-typischen Griff. Mit diesem lässt sich die NX sicher und angenehm halten - selbst für Fotografen mit großen Händen fällt er tief genug aus. Auch sonst gibt es an der Verarbeitung nichts zu meckern: Das Gehäuse besteht zwar "nur" aus Kunststoff, fühlt sich aber dennoch wertig an - Knarzen Fehlanzeige! Selbst die Deckel für Akku- und Speicherkartenfach sind stabil und geben auch bei Druck nicht nach. Die Galaxy NX ist zudem angenehm leicht. Nebst Kit-Objektiv bringt sie gerade einmal 470 Gramm auf die Waage. Was im Test jedoch negativ auffiel ist, dass die NX im Betrieb schnell warm wird, gerade im Bereich des Handgriffs war eine deutliche Wärmeentwicklung zu spüren.

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Die Galaxy NX kommt in einem großen Karton in den Handel. (Bild: netzwelt)

Technische Ausstattung

Samsung verbaut in der Galaxy NX einen CMOS-Sensor, der eine Auflösung von 20,3 Megapixeln auf einer Fläche von 23,5 x 15,7 Millimetern bietet. Die Systemkamera verfügt über das NX-Bajonett und derzeit stehen insgesamt 13 Objektive zur Auswahl. Die kürzeste Verschlusszeit beträgt 1/6000 Sekunde und die Serienbildgeschwindigkeit maximal 8,6 Bilder pro Sekunde. Für die schnelle Bildverarbeitung sorgt der DRIMe IV-Bildprozessor. Unter fotografischen Gesichtspunkten bietet die Galaxy NX einen großen APS-C-sensor und einen leistungsstarken Bildprozessor.

Unter dem Display hat Samsung aber noch einen zweiten Prozessor für den Smartphone-Teil der Kamera verbaut. Angetrieben von einem Quad-Core-Prozessor, der mit 1,6 Gigahertz getaktet ist. So funktioniert die Gestensteuerung auf der Rückseite flüssig, ohne dass das Betriebsystem ins Stocken gerät. Insgesamt zwei Gigabyte Arbeitsspeicher und 16 Gigabyte interner Speicher sind in der Galaxy NX verbaut. Allerdings ist ein Teil des Speichers durch das Betriebssystem android 4.2.2 alias Jelly Bean und Samsung eigener Software, wie die speziell angepasste Kamera-App belegt. Über einen microSD-Speicherkartenslot, der sich neben dem SIM-Fach befindet, kann die Galaxy NX mit einem zusätzlichen Speicher von bis zu 64 Gigabyte ausgestattet werden. Neben WLAN bietet die Systemkamera 3G- und LTE-Konnektivität. Damit können Bilder und Videos direkt in der Cloud gespeichert oder in sozialen Netzwerken veröffentlicht werden, ohne den Umweg über den PC zu nehmen.

Verschiedene Bedienwege

Dreht der Nutzer die Kamera herum, ist von DSLR- oder Systemkamera-Optik jedoch nichts mehr zu sehen. Wo andere Kameras ein ganzes Arsenal an Knöpfen, Reglern und Steuerkreuzen auffahren bietet die Galaxy NX nur einen 4,8 Zoll großen Touchscreen. Über diesen lässt sich die gesamte Kamera ähnlich wie die Android-Kompaktkamera Galaxy Camera bis hin zum Auslösen steuern. Im Test reagierte der Touchscreen flink auf Nutzereingaben und ließ sich auch bei Sonneneinstrahlung gut ablesen.

Profifotografen werden dem Touchscreen-Bedienkonzept aber wohl eher skeptisch gegenüberstehen. Wer das Auge nicht vom Sucher nehmen will, der kann über die sogenannte "i-Funktion"-Taste auch wichtige Bildparameter wie Blende und Co. beeinflussen. Dafür muss die Taste gedrückt gehalten werden, über den Funktionsring am Objektiv kann dann der jeweils gewünschte Wert eingestellt werden.

Last but not least gibt es noch ein Programmwahlrad wie Nutzer es ebenfalls aus dem DSLR-Bereich kennen. Mit diesem kann der Fotograf auch durch die Bildschirmenüs navigieren, mit einem Fingerdruck auf das Wahlrad können dabei Eingaben bestätigt werden. Das Wahlrad war im Test aber sehr leichtgängig, sodass die Navigation durch die Menüs häufig zum Glücksspiel wurde. Fast immer war der direkte Weg über den Touchscreen bequemer.

Für einen Bedienweg muss sich der Nutzer nicht entscheiden. Die Bedienkonzepte greifen ineinander über und können kombiniert werden. So kann der Nutzer zum Beispiel via Drehkreuz die Auswahl der Blendenöffnung durchschalten und die Eingabe via Touchscreen bestätigen und Auslösen oder er wählt den physischen Auslöser auf der Oberseite der Kamera.

Motivwahl per Sucher oder Display

Auswahl hat der Fotograf auch beim Finden des Motivs. Ihm steht neben dem guten Touchscreen auch ein elektronischer Sucher zur Verfügung. Er bietet eine Auflösung von 1.440.000 Punkten und deckt das Sichtfeld nahezu 100 Prozent ab. Im Test enttäuschte er aber. Das Bild ist sehr grünstichig, und das umschalten zwischen Live View und Sucher geht nur sehr langsam von statten.

Oftmals reagierte der Sucher im Test zudem nicht auf Augenkontakt. Zwar hat Samsung einen Sensor integriert, der das Display abschalten und den Sucher aktivieren soll, sobald sich der Nutzer mit dem Auge den Sucher nähert, dieser arbeitet jedoch wenig zuverlässig. Im Test musste das Auge ganz an den Sucher gepresst werden, andernfalls funktionierte der Sensor nicht. Vermutlich hängt dies mit der Position zusammen. Samsung hat den Sensor rechts neben den Sucher platziert, liegt das Auge nicht ganz auf den Sucher auf, erkennt der Sensor es also nicht. Eine Platzierung unterhalb des Sensors wäre aus Sicht der Redaktion deutlich sinnvoller. Sony zeigt bei Alpha-SLT-Kameras wie reibungslos die Technik funktionieren kann.

Android 4.2 mit Smartphone-Altlasten

Statt eines herstellereigenen Betriebssystems setzt Samsung bei der Galaxy NX auf das Handy-Betriebssystem Android. Dies bietet dem Nutzer große Freiheiten, so kann er dank Mobilfunkanbindung mit der Kamera nicht nur Bilder von unterwegs ins Netz stellen, sondern etwa auch E-Mails lesen oder sich bei Facebook einloggen. Auch die Verwendung von Smartphone-Foto-Apps wie Instagram mit der Kamera ist möglich.

Installiert ist auf der Galaxy NX Android 4.2 nebst Samsungs Nutzeroberfläche TouchWiz. Die mit Funktionen vollgepackte TouchWiz-Oberfläche hat der südkoreanische Hersteller jedoch für den Einsatz auf der Systemkamera abgespeckt. So lässt sich zwar auch die NX mit Gesten steuern, Samsung beschränkt sich dabei aber vor allem auf Gesten mit denen sich Aufnahmen auf dem Display leichter betrachten lassen, so kann etwa wie auf dem 2011er-Smartphone Galaxy S2 mittels Bewegen der Kamera gezoomt werden.

Hinzu kommen die vom Galaxy S4 bekannte App Story-Album, mit der sich auf der Kamera druckreife Fotobücher erstellen lassen und die mit dem Galaxy S4 Zoom eingeführte App Foto Vorschlag, die auf einer Karte interessante Motive in der Umgebung anzeigt. Dafür ist jedoch eine Internetverbindung Pflicht. Viel mehr Zusätze bietet TouchWiz auf der Galaxy NX nicht. Trotz aller Aufräumarbeiten finden sich im NX-Android-System aber noch Smartphone Altlasten - etwa der Fahrzeugmodus. Umständlich ist auch das Formatieren der Speicherkarte. Dieser Menüpunkt befinddet sich nicht in den Kameraeinstellungen, sondern in den Android-Systemeinstellungen. Das bedeutet, dass der Fotograf nicht schnell die Speicherkarte im Kameramodus formatieren kann, sondern umständlich ins Android-System zurückkehren muss und in den Einstellungen den Unterpunkt Speicher suchen darf, bevor er dei SD-Karte auswählen kann und in einem weiterne Untermenü endlich den Befehl "Formatieren" findet.

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Von Vorne erinnert die Galaxy NX an eine gewöhnliche Systemkamera. (Bild: netzwelt)

Smart Modi und Instagram-Filter

Die Kamera-App der Galaxy NX basiert auf der des Top-Smartphones Galaxy S4. Wurde jedoch noch einmal deutlich aufgebohrt. Per Fingerwisch kann der Nutzer eine Reihe Instagram-ähnlicher Filter einblenden, dessen Auswirkung er direkt im Display sieht. Die Auswahl reicht von Comic über Vintage bis hin zu einem Fishey-Effekt. Die Bedienung ist dabei intuitiv und anders als bei der Konkurrenz wenig textlastig.

Wer die Kamera nicht nur im Auto-Modus nutzen will, aber sich mit Blende, Verschlusszeit und Co. noch nicht richtig auskennt, kann mit Hilfe sogenannter Smart Modi die passenden Einstellungen für eine Szenerie finden. Zur Auswahl stehen hier rund zwanzig verschiedene Szenen. Einige Smart Modi sind auch vom Galaxy S4 bekannt - etwa Dramashot. Darüberhinaus lassen sich die einzelnen Bildparameter natürlich auch frei einstellen.

Während diese "Gimmicks" auf den ersten Blick eher die Generation Instagram ansprechen, bieten sich auch professionellen Fotografen hier Anwendungsmöglichkeiten. So kann etwa während des Fotografierens direkt ein Wasserzeichen in das Bild einfügen. Im Smart Modi "Kinder" macht die Kamera vor dem Auslösen zudem Geräusche. Zur Auswahl steht hier etwa das "Miau" einer Katze. Das Geräusch soll ein lächeln in die Gesichter von Kleinkinder "zaubern". Wie gut dies bei Kindern funktioniert bleibt abzuwarten. Bei den anwesenden Redakteuren war der Modus jedoch sehr erfolgreich.

Akkulaufzeit

Android-Smartphones gelten als Stromfresser und auch die Galaxy NX benötigt viel Strom - vor allem das große Touchdisplay auf der Rückseite. Samsung weiß darum und hat die Kamera mit einem 4.360-Milliamperestunden-Akku ausgerüstet. Bei permanent aktivierter Internet-Verbindung und Mischbetrieb soll er in etwa vier Stunden durchhalten, netzwelt konnte diesen Wert im Test bestätigen.

Samsung bietet noch einen Stromsparmodus an, in dem Funkverbindungen im Standby-Modus gekappt werden. Dieser "Smart Network"-Modus führte im Test aber zu keiner spürbaren Verbesserung. Es empfiehlt sich also einen zweiten Akkusatz mitzuführen. Alternativ eignen sich auch mobile Akkupacks, denn der Akku kann direkt in der Kamera per USB geladen werden.

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Galaxy NX mit dem NX 60mm F2.8 Macro ED OIS SSA-Objektiv. (Bild: netzwelt)

Bildqualität

Die Galaxy NX bring eine gute Bildqualität mit. Grundvorraussetzung dafür ist der große APS-C-Sensor, der auch bei höheren Lichtempfindlichkeiten noch gute Resultate liefert. Der Test zeigt eine hohe Auflösung. Die Farbwiedergabe ist gut und die NX gibt Farben natürlich wieder. Dies erkennt man allerdings erst am heimischen PC, weil das auf der Rückseite der Kamera verbaute Display eine zu lebendige Farbwiedergabe aufweißt.

Ab einer Lichtempfindlichkeit von ISO 1.600 greift der Bildprozessor zu stark in die Bilder ein. Details sind kaum noch auszumachen, sondern verschwimmen in einem geringen Rauschen. Was auf den ersten Blick angenehm erscheinen mag ist aber gerade für ambitionierte Hobby-Fotografen ein Ärgerniss. Bei der Nachbearbeitung am PC können selbst feine Details noch gut entrauscht werden. Spätestens bei ISO 6400 ist Rauschen deutlich wahrnehmbar, aber von detailreichen Bildern kann keine Rede mehr sein. Maximal ist eine Lichtempfindlichkeit von ISO 25.600 möglich, aber angesichts der Ergebnisse ist von der Verwendung abzuraten.

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netzwelt
5.6
Samsung Galaxy NX
Vorteile
  • LTE-Modem
  • Apps
  • WLAN
  • Bildqualität bis ISO 800
Nachteile
  • Akkulaufzeit
  • Wärmeentwicklung

Erste Android-Systemkamera

Die Galaxy NX bietet abgesehen von der Mobilfunkanbindung funktionell kaum etwas, was nicht auch andere Kameras haben. Jedoch ist die Nutzeroberfläche für die "Generation Instagram" deutlich eingängiger als die mehrere Seiten umfassenden Textmenüs anderer Kamerahersteller. Profi-Fotografen dürften mit der Bedienung nicht glücklich werden. Insgesamt zu langsam ist die Bedienung über Touchscreen, Drehrad und i-Funktion-Taste. Eine perfekte Kamera also für ambitionierte Einsteiger? Ja. Wäre da nicht der hohe Preis: Die unverbindliche Preisempfehlung lautet 1.499 Euro. Hierfür erhalten Sie auch bereits semi-professionelle DSLRs.


Einzelergebnisse
In Fotos und Videos halten wir schönen Erinnerungen fest oder nutzen die Medien als Ausdrucksform. Im Internet werden täglich unzählige Bilder und Filme ausgetauscht und netzwelt sucht für Sie nach der richtigen Kamera. Ziel eines Testbericht ist es ein Gefühl für die Digitalkamera oder den Camcorder zu vermitteln und vor allem,die Funktionsweise im Alltag. Gleichzeitig sollte die Beurteilung der Bildqualität nicht zu kurz kommen. Daher setzt sich die Gesamtwertung aus Handhabung, Foto, Video, Display/Sucher und der Bildqualität zusammen um eine Digitalkamera ganzheitlich zu erfassen. Die Gesamtnote ergibt sich aus den Einzelnoten, der Redakteur kann jedoch eine Auf- beziehungsweise Abwertung um eine Note vornehmen. Falls eines der Kritierien im Vergleich mit anderen Geräten besonders herausragend ist.
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Handhabung
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Video
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Display/Sucher
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Bildqualität
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Einsortierung
Samsung Galaxy NX von Samsung wurde als Digitalkamera abgelegt. Zusätzlich wurden die folgenden Schlagworte vergeben: Foto, Testbericht, Digitalkamera, Android, Samsung, Kamera, Systemkamera, Review, Samsung Galaxy, Android 4.2 Jelly Bean und Samsung Galaxy NX .
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39070
Samsung Galaxy NX im Test
Samsung Galaxy NX im Test
Mit der Galaxy NX bringt vereint Samsung Systemkamera und Smartphone in einem Gerät. Wie sich der Hybrid aus Bildqualität und Touchbedienung schlägt lesen sie im netzwelt-Test.
http://www.netzwelt.de/news/100591-samsung-galaxy-nx-test.html
2013-09-03 17:09:34
http://img.netzwelt.de/dw320_dh240_sw320_sh240_sx430_sy514_sr4x3_nu0/picture/original/2014/08/samsung-galaxy-nx-produktbild-114877.jpeg
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