Zehn wichtige Handyhersteller haben sich auf einen einheitlichen Stecker für den Stromanschluss geeinigt. Schon 2010 sollen neue Handys in der Europäischen Union über einen MicroUSB-Anschluss aufgeladen werden. Mit der freiwilligen Einigung kommt die Industrie einer gesetzlichen Regelung durch die EU zuvor. Vom Universalladegerät sollen Verbraucher und Umwelt gleichermaßen profitieren.
Am gestrigen Montag unterzeichneten in Brüssel Vertreter von Nokia, Samsung, Sony Ericsson, Motorola, LG sowie Apple und des Blackberry-Herstellers Research in Motion (RIM) eine Absichtserklärung über einen gemeinsamen Standard für ein einheitliches Ladegerät und einen passenden Anschluss. Die Liste der Unterzeichner komplettieren drei Firmen, die in Deutschland derzeit keine Handys anbieten: NEC, Texas Instruments und Qualcomm. Zusammen decken die zehn beteiligten Unternehmen etwa 90 Prozent des Handy-Marktes ab.
Von dem einheitlichen Ladegerät sollen in erster Linie die Besitzer von Handys profitieren. Die Suche nach einem Netzteil mit passendem Stecker am Arbeitsplatz entfällt, da Kollegen problemlos mit ihrem Ladegerät aushelfen können. Auch das Kabel-Wirrwarr in der Schreibtisch-Schublade kann deutlich verkleinert werden. Neben der Stromübertragung ermöglicht der als Stecker gewählte MicroUSB-Anschluss zudem die Übermittlung von Daten wie Musik oder Bildern. Die Umwelt profitiert ebenfalls von der Einigung, da nicht mehr jedem neuen Handy ein Ladegerät beiliegen muss und die Menge des Elektroschrotts reduziert wird.

Nokia verwendet bei einigen Handys bereits seit 2007 MicroUSB-Anschlüsse für das Ladegerät.
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Bereits im Februar diesen Jahres kündigte der Industrieverband der Mobilfunkindustrie "GSM Association" auf der Messe "Mobile World Congress" in Barcelona an, dass bis 2012 die meisten Handys mit einem standardisierten Ladegerät ausgeliefert werden sollen. Kurz zuvor hatte EU-Kommissar Günter Verheugen noch einmal Druck auf die Hersteller gemacht. Die jetzt unterschriebene Absichtserklärung sieht sogar vor, dass bereits 2010 die ersten Handys mit dem neuen Stecker ausgeliefert werden. Einige Hersteller wie Nokia oder Samsung verwenden bereits MicroUSB-Anschlüsse bei einigen ihrer Modelle.
Hintertür erlaubt weiterhin eigene Anschlüsse
Für Überraschung sorgte, dass sogar der iPhone-Hersteller Apple das Dokument unterzeichnet hat. Die Firma aus dem kalifornischen Cupertino ist dafür bekannt, bei Anschlüssen seine eigenen Standards zu setzen. Gegenüber dem Blog pocket-link erklärte Apple dann auch, dass an dem bestehenden Dock-System für das iPhone und den iPod Touch keine Änderungen nötig seien. Die Einigung der Hersteller erlaube die Verwendung von Adaptern zwischen dem Universalladegerät und dem aufzuladendem Handy. Eine Hintertür für einige Anschlüsse und die Gängelung der Handy-Nutzer ist also noch vorhanden.