Beweglicher Touchscreen gibt beim Tippen nach

Blackberry Storm: Business-Schwergewicht im Test

In Amerika löste der Marktstart des Blackberry Storm in Verizon-Geschäften Tumulte unter den sehnsüchtig Wartenden aus. Hierzulande ist das Smartphone des Herstellers Research in Motion (RIM) exklusiv über Vodafone erhältlich. Wie so manch anderes Smartphone soll der neue Blackberry dem iPhone die Show stehlen. Die erste Voraussetzung: ein großer Touchscreen.

Inhalt

weihnachtsgewinnspiel

Ein Lösungsbaustein fürs Weihnachts-Gewinnspiel: Blackberry Storm.

Optik: Großes Display in sehr schwerem Gehäuse

Mit einer Display-Diagonalen von knapp 8,3 Zentimetern bietet der Blackberry eine große Anzeigefläche, die auf den ersten Blick durch Helligkeit und kräftige Farben überzeugt. Anders als das iPhone reagiert das Storm nicht auf sanfte Streicheleinheiten, sondern nur auf handfestes Drücken: Der Touchscreen ist so ins Gehäuse eingelassen, dass er auf Druck wie eine mechanische Tastatur nachgibt. Displaybereiche wählt der Nutzer zunächst mit einer sanften Berührung aus und bestätigt dann mit einem kraftigen Tippen.

Wer länger Freude mit dem Storm haben möchte, sollte nicht auf die beigelegte Hülle verzichten. Da das Display zum Nachgeben Spielraum braucht, klaffen an den Seiten deutliche Spalten, in die sich nach einiger Gebrauchszeit Schmutz absetzt. Ansonsten gibt es an der Verarbeitung des Blackberry Storm nichts auszusetzen, gegen Kratzer zeigt sich das Gehäuse resistent. Dafür müssen Blackberry-Besitzer einen ziemlichen Klotz mit sich umhertragen: Für die Hemdtasche ist das Blackberry Storm mit seinen 155 Gramm deutlich zu schwer.

blackberry storm

Der Touchscreen des Blackberry Storm gibt unter Druck nach, so lassen sich Eingaben bestätigen.

Ungewöhnlich: Touchscreen mit mechanischem Feedback

Das Betriebssystem und damit die Oberfläche des Storm ist weitestgehend von vorherigen Blackberry-Modellen bekannt. Das Storm ist jedoch das erste Smartphone von RIM mit einem Touchscreen. Und anders als bei Apples iPhone geht die Bedienung des Storm gar nicht leicht von der Hand. Zunächst erfordert es eine Umgewöhnung, statt durch sanftes Tippen mit starken Druck Bereiche auszuwählen. Zudem reagiert das Blackberry Storm oft verzögert auf die Eingaben - dafür trägt das Betriebssystem die Verantwortung. Ein kleiner Lichtblick: Mit einem Software-Update könnten RIM hier nachhelfen.

Bisher waren Blackberrys für Vielschreiber mit der vollständigen Tastatur eine Wohltat. Das Storm verfügt zwar über drei unterschiedliche virtuelle Tastaturen, das Tippen raubt dem Handy-Besitzer jedoch schnell den letzten Nerv: Um einen Buchstaben auszuwählen, muss dieser erst sanft angewählt und dann heruntergedrückt werden. Das kostet unnötig Zeit und verglichen mit einer gleichgroßen mechanischen Tastatur kommt es deutlich öfter zu Vertippern. Die Autotext-Funktion, eine Art T9, steuert ihren Teil zum Nutzer-Frust bei: Mit den Vorschlägen liegt das Storm meist völlig daneben.

Weiter

Beweglicher Touchscreen gibt beim Tippen nach

Blackberry Storm: Business-Schwergewicht im Test

Deutliche Stärken im Business-Bereich

Das Blackberry Storm ist hauptsächlich für Business-Nutzer gedacht und bringt Programme zum Bearbeiten von Textdokumenten und Tabellen mit, dazu einen Kalender mit reichlich Platz für Termine und ein großes Adressbuch. Komfortabel ist die Copy-and-Paste-Funktion, die Zeit spart. RIM lässt es trotz der Business-Zielgruppe jedoch nicht nehmen, eine ganze Reihe an Multimedia-Funktionen zu integrieren.

Das Storm bietet eine 3,2-Megapixel-Kamera mit Video-Funktion, Mediaplayer und GPS-Empfänger für mobile Navigation. Dazu kommen auf Wunsch Anwendungen wie Flickr, Youtube-Player, Google Maps und Facebook, die sich unkompliziert über das Application Center installieren lassen. Ähnlich wie im App Store von Apple finden sich hier Anwendungen zum Download, die RIM zufolge ständig aktualisiert werden.

blackberry storm

Über das Application Center können Smartphone-Besitzer zusätzliche Programme herunterladen.

Multimedia: Kamera überzeugt im Test nicht

Die Digitalkamera des Storm fällt im Test negativ auf: Sie löst langsam aus, die Fotos verwackeln schnell und die Farben der Fotos wirken blass. Einen besseren Eindruck hinterlässt der MP3-Player, der die gängigen Formate wie MP3, WMA und AAC abspielt. Die Lieder sortiert das Storm automatisch nach Interpreten und Alben, zudem können Handy-Besitzer eigene Playlisten anlegen. Der Player klingt recht klar und laut, die Tonqualität dürfte jedem Durchschnittshörer genügen. Hochwertigere Kopfhörer, die den Klang noch verbessern, lassen sich ohne Adapterstück direkt am 3,5-Millimeter-Klinkenanschluss anstecken.

GPS-Empfänger für mobile Kommunikation

Für die mobile Navigation mit dem integrierten GPS-Empfänger kommt wahlweise Google Maps oder der Vodafone Navigator zum Einsatz. Letzeren muss der Storm-Besitzer vor dem ersten Gebrauch herunterladen. Der Vorteil gegenüber Google Maps: eine sprachgeführte Navigation, durch die sich das Storm auch als Navigationsgerät im Auto eignet. Positiv fällt auf, dass das Blackberry Storm seine Position in wenigen Sekunden erfasst.

Obwohl das Blackberry Storm mit seinem großen Touchscreen zum Internetsurfen einlädt, macht der Browser diese Freude wieder zunichte. Verglichen mit dem Opera Mobile, der bei vielen anderen Smartphones zum Einsatz kommt, bietet der RIM-Browser wenig Komfort - er kann beispielsweise nicht mehrere Tabs darstellen. Außerdem zeigt er Seiten mitunter falsch an und die Textfelder überlagern sich. Ein weiteres Minus: Zwar surft das Storm per UMTS auf der Datenautobahn, auf kostengünstiges WLAN müssen die Besitzer jedoch verzichten.

ZurückWeiter

Beweglicher Touchscreen gibt beim Tippen nach

Blackberry Storm: Business-Schwergewicht im Test

Nachrichten: E-Mail-Konten schnell eingerichtet

Die Messaging-Funktionen des Blackberry überzeugen hingegen. E-Mail-Konten, etwa von kostenlosen Webmailern wie Google oder Yahoo, lassen sich in wenigen Schritte hinzufügen und eingehende Nachrichten landen per Push-E-Mail sofort auf dem Smartphone. Dort präsentiert das Storm sie übersichtlich: Unter dem Menüpunkt Nachrichten speichert das Blackberry alle abgehenden und eingehenden E-Mails, SMS und MMS sowie Entwürfe chronologisch ab.

Intern steht für die Nachrichten-Sammlung ein Gigabyte Speicherplatz zur Verfügung. Dieser lässt sich sehr unkompliziert per MicroSD-Karten aufstocken. Vodafone bietet derzeit die erste 16-Gigabyte-MicroSD-Karte von Sandisk als günstige Zugabe zum Storm an: Statt für über fünfzig Euro erhalten Vodafone-Kunden die Speicherkarte für dreißig Euro.

blackberry storm

Die virtuelle Tastatur lässt sich deutlich schlechter bedienen als eine mechanische Tastatur, die andere Blackberrys bieten.

Die Datenübertragung findet über die mitgelieferte Software statt. Die Desktop-Software dient sowohl zum Übertragen von Dateien, als auch zum Abgleichen von Adressen, Aufgaben und Mitteilungen. Als Massenspeicher, und damit ohne vorherige Installation, können Smartphone-Besitzer ihr Blackberry leider nicht an den PC anschließen.

Beim Telefonieren mit dem Blackberry Storm fallen keine Schwächen auf. Die Gesprächspartner sind laut und deutlich zu verstehen, die Freisprecheinrichtung überzeugt durch Lautstärke und klare Stimmwiedergabe. Handy-Nutzer können auch per Sprachsteuerung Nummern wählen.

Fazit: Schwächen bei Bedienung und Multimedia

Wartezeiten und unbequeme Handhabung: Statt der großen Sturmflut, die vom Storm zu erwarten war, löst das Smartphone höchstens ein Plätschern im Wasserglas aus. Die Ansätze stimmen, an der Ausführung hapert es hingegen. Für Geschäftskunden, die selten mit dem Smartphone Texte verfassen müssen, ist der Blackberry aufgrund der umfassenden Business-Funktionen eine Überlegung wert, denn diese sind gut umgesetzt. Multimedia-Nutzer sind mit anderen Smartphones, beispielsweise von Nokia, besser beraten.

Zurück