Gestatten, Beschatter

Verkehrte Netzwelt: Die Bild.de Leserreporter-Videokamera

Eine Premiere! Das erste Mal in der Geschichte von netzwelt veröffentlichen wir eine Pressemitteilung eines anderen Unternehmens. Ungekürzt, in voller Länge. Aber weil die Redaktion sich nicht so recht traut, wird die Verkehrte Netzwelt vorgeschoben.

Nach dem großen Erfolg der 1414-Leserreporter im Fotobereich erweitert BILD die Leserbeteiligung jetzt um bewegte Bilder. Die technischen Voraussetzungen dafür bietet eine preisgünstige und leicht zu bedienende Videokamera, die der Hersteller Creative in Kooperation mit BILD.de ab 4. Dezember 2008 in 3000 Lidl-Filialen anbietet. Das Besondere an der "BILD.de Leserreporter-Kamera" für 69,99 Euro ist die Upload-Möglichkeit von Videos auf das Online-Portal von BILD.

Der nächste Schritt in der Medienrevolution

BILD-Chefredakteur Kai Diekmann: "Die Einbindung von Leserreportern hat sich in den letzten Jahren sehr stark weiterentwickelt. Das wollen wir jetzt auch auf den Videobereich übertragen. Der so genannte User-Generated-Content ergänzt die Arbeit der professionellen Journalisten ideal, denn die Redaktionen können nicht überall auf der Welt immer vor Ort sein, wenn sich für die Berichterstattung interessante und relevante Dinge ereignen. Deshalb sind Leserfotos in vielen Medien heute schon eine Selbstverständlichkeit. Videos von Leserreportern sind der nächste Schritt in dieser Medienevolution."

BILD erhält bis zu 4.000 Fotos von Leserreportern pro Tag. Seit dem Start der Aktion im Juni 2006 wurden insgesamt rund 9.000 Fotos veröffentlicht - davon fast 1.000 als Seitenaufmacher. Auf BILD.de erschienen mehrere 10.000 Fotos von Lesern.

Bild.de Leserreporter-Kamera


"Wenn man das Gerät an einen Computer anschließt, öffnet sich automatisch ein Programm mit dem die Filme zum Online-Portal von BILD geschickt werden können."

Die nur 90 Gramm leichte "BILD.de Leserreporter-Kamera" mit 2 GB Speicherkapazität und einer VGA-Auflösung von 640 x 480 ist optimal, um unterwegs schnell und unkompliziert Videos aufzunehmen. Vergleichbare Geräte kosten ca. 100 Euro im Handel. Die Kamera passt in jede Hosentasche und eignet sich besonders aufgrund ihrer einfachen Bedienung und der Upload-Funktion über einen integrierten USB-Anschluss für Leserreporter: Wenn man das Gerät an einen Computer anschließt, öffnet sich automatisch ein Programm mit dem die Filme zum Online-Portal von BILD geschickt werden können.

Guten Abend meine Damen und Herren: Hüten Sie sich vor dieser Kamera!

Stürmen jetzt am kommenden Dienstag Millionen Bild- und Lidl-Flyer-Leser in die Lidl-Filialen, um sich das Schnüffel-Gadget zuzulegen? Die Verkehrte Netzwelt steht dieser Gemeinschaftsaktion von Bild.de und Lidl äußerst kritisch gegenüber. Wer beschwert sich jetzt noch darüber, dass der Google-Browser Chrome ungefragt Daten der Nutzer an die Server von Google überträgt, wenn man ständig mit dem Bewusstsein leben muss, auf offener Straße beim Nasebohren abgefilmt zu werden? Wie reagieren das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik und die Tagesschau jetzt? Werden jetzt auch prominente 20:00-Uhr-Warnungen ausgegeben im Stile von "Kaufen Sie diese Kamera nicht"?

Denn der Gedanke an eine Armee von Kamera-bewaffneten Video-Reportern mit selbst ausgeschnittenen Presseausweisen hat etwas Beunruhigendes. Massenkarambolage auf der A2, Dieter Bohlen beim Zechprellen in der Bar, der Nachbar beim Falschparken - überall wird draufgehalten, denn Bargeld lacht: Für ein Foto eines Leserreporters zahlt Bild.de bei einer bundesweiten Veröffentlichung immerhin 500 Euro. Wie viel ein Video einbringen wird, ist noch nicht bekannt.

Manch einer dürfte da einen schönen Nebenverdienst als Beschatter mit Aufklärungsauftrag wittern. Macht sich auch im Bekanntenkreis gut: Und was machst du so? Ich arbeite für die Bild-Zeitung als Videoreporter! Offenes Staunen. Und wenn dieses Klientel vor der Frage steht auf der Autobahn nach einem Unfall erste Hilfe zu leisten oder vorher schnell noch mit der Kamera draufzuhalten, weil das Blut noch so schön frisch im Sucher glänzt, dann möchte die Verkehrte Netzwelt nicht in der Nähe sein. Denn auch Plastikkameras können ganz schön weh tun.