Need for Speed kehrt zurück zu den Wurzeln: Verfolgungsjagden mit der Polizei, rasante Rennen und heiße Luxusschlitten, die in drei Sekunden von null auf hundert beschleunigen. Die Voraussetzungen stimmen, um nach dem schwachen "Pro Street" voll durchzustarten. Netzwelt hat die PC-Version getestet.
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Story: The Fast and the Furious im B-Movie Stil
Need for Speed Undercover bietet wieder eine Story! Die realen Filmszenen hinterlassen jedoch ein gemischtes Gefühl beim Betrachter. Vom "guten B-Movie" bis "unfreiwillig komisch" reicht die Palette der Einspieler. Die Entwickler von Black Box haben nicht mit Zwischensequenzen gespart. Trotz der äußerst klischeehaften Story - als Undercoverpolizist werden Sie in einen Schmugglerring eingeschleust und müssen diesen hochnehmen - am Ende will man wissen, wie die Geschichte weitergeht.
Rennen und Fahrverhalten: 300 km/h und leere Highways
Bei über 300 Sachen den Highway entlang brettern macht Spaß, im Falle von Undercover gestaltet sich die Raserei aber meist anspruchslos. Die letzten Spiele der Serie mit Ausnahme von Pro Street standen alle für unkomplizierte Raserei. Ein wesentlicher Unterschied zu den Vorgängern besteht darin, dass in Undercover die Strecken oftmals über breite amerikanische Highways führen oder über gut ausgebaute Bergstraßen. Wenn es denn einmal in Richtung Stadt gehen sollte, kann auch dort weiter das Gas vollaufgedreht bleiben, denn die scharfen Kurven am Radar entpuppen sich meist als harmlose Vollgaskurven.
Die Bremse muss so gut wie nie betätigt werden. Vom Gas gehen reicht in den meisten Fällen vollkommen aus und wirkt wie eine Bremse in anderen Rennspielen. Insgesamt ist das arcadelastige Fahrverhalten der Autos, gepaart mit der Streckenführung, eher ein besseres Reaktionsspiel als realitätsnahe Simulation. Jedes Rennen beginnt mit einer zehnsekündigen Startsequenz. Dabei wählt das Spiel aus lediglich drei Szenen aus, welche spätestens nach dem zehnten Rennen langweilig werden. Die Rennen selbst sind abwechslungsreich, die Fahrten zu den einzelnen Rennen dürfen getrost übersprungen werden. Oft kommt es jedoch vor, dass die Rennmodi sich wiederholen, wenn diese automatisch vom Computer ausgewählt werden.
Bis zu sieben Gegner sollen für Action auf dem Highway sorgen, jedoch sehen diese meist nach der dritten Kurve nur mehr den Auspuff von hinten. Der Verkehr in den Rennen wurde auf ein Minimum reduziert. Eine Ausnahme bildet lediglich der "Highway Battle". Bei diesem Modus muss der Gegner um 300 Meter im dichten Verkehr abgehängt werden. Rundkurse, Sprint- und Checkpointrennen dürfen bei einem echten Need For Speed natürlich nicht fehlen.
Verfolgungsjagden mit der Polizei stehen ebenso wieder auf dem Programm. Im Vorgänger-Titel "Most Wanted" bereitete diese auf dem höchsten Fahndungslevel vielen Spielern Probleme. Die Polizei errichtete schwer zu durchbrechende Straßensperren, inklusive Krähenfüßen und Kamikaze-Jeeps, die dem Spieler entgegenkamen. Straßensperren können jetzt auch ohne präzises Anfahren in der Zeitlupe und hoher Geschwindigkeit durchbrochen werden, und die Jeeps sind merklich schwächer. Die Gefahr, erwischt zu werden, ist sehr niedrig, denn selbst mit einem Platten und einem kaum lenkbaren Auto konnte netzwelt vor der Polizei flüchten.
Herausfordernder sind die Autobdiebstähle und Überführungsfahrten von Autos. Von der Polizei verfolgt, darf das Auto nur geringen Schaden nehmen - ansonsten ist die Mission gescheitert. Erschwerend kommt oftmals ein Zeitlimit hinzu. Auch die Wagen konkurrierender Gangs müssen zerstört werden. Undercover bietet also viel Abwechslung, jedoch sind die Rennen und Aufgaben oftmals zu leicht - selten wird es knifflig.
Fuhrpark: Alle dabei bis auf Ferrari
Nahezu alle Edelhersteller sind mit von der Partie. Lamborghini, Pagani und Bugatti aus Italien. Porsche, VW, Audi, Mercedes und BMW aus Deutschland, aber auch amerikanische Musclecars von der Dodge Viper bis zum Ford Mustang Shelby GT500 aus dem Film "Nur noch 60 Sekunden" fehlen nicht. Japan steuert seinen Teil mit hochgezüchteten Modellen wie dem Nissan Skyline und dem Toyota Supra bei. Der wohl bekannteste Sportwagenhersteller glänzt aber wie auch in den letzten Jahren mit Abstinenz - Ferrari.
Grafik und Sound: Wie vor drei Jahren
Die Automodelle wurden schön in Szene gesetzt und auch mit Spezialeffekten geizen die Entwickler nicht. Der Zivilverkehr sieht jedoch aus, als wäre er aus einem Rennspiel von vor fünf Jahren kopiert worden. Die Gebäude wirken kantig und schmucklos. Werbebanner und glitzernde Städte wie in den Vorgängern sucht man vergeblich. Der Motorensound ist knackig und auch der Polizeifunk sorgt für Atmosphäre. Die Musik ist ebenfalls abwechslungsreich, aber wer will auch schon, wenn er mit 300 Stundenkilometer auf dem Highway heizt, den sanften Klängen von "Kuschelrock" lauschen.
Schadensmodell: Es fliegen wieder die Fetzen
Auch ein Totalschaden ist erstmals seit langem wieder machbar. Dafür braucht es neben einem grobem Fahrfehler auch mindestens 300 Stundenkilometer und ein stabiles Hindernis, wie einen Bus oder eine Verkehrsinsel. Das Schadensmodell ist gelungen, wenn auch die Autos nahezu unzerstöbar sind und Stoßstangen erst bei massiven Unfällen abfallen.
Tuning: Magerkost für Veredler
Während in früheren Teilen der Serie bei einem Multiplayerduell kein Auto dem anderen glich und man Stunden mit dem optischen Tunen verbringen konnte, spielt das in Undercover eine untergeordnete Rolle. Die Tuningmöglichkeiten wurden so weit eingeschränkt, dass nicht mehr viel Spielraum für die individuelle Gestaltung der Boliden bleibt. Sehr praktisch: Wer nicht viel Zeit für das notwendige Leistungstuning vergeuden möchte, kann zu Komplettpaketen greifen, wenn das Geld hierfür vorhanden ist.
Fazit
Die Seele eines Need for Speed-Titels wohnt auch in diesem Teil, aber nicht die Leidenschaft und das Herz des letzten Teils Most Wanted. Dazwischen fällt noch das schwache Pro Street, welches die meisten Fans als missglücktes Experiment abstempeln. Mit Undercover ist ein neuer Tiefpunkt erreicht. Dem Titel fehlt zwar nicht viel zu einem Hit, aber überall ein wichtiges Stück. Für Arcade-Fans bleibt es noch immer ein gutes Rennspiel - jedoch ohne Anspruch und Tiefgang.
Need for Speed Undercover ist für PC, XBOX 360, Playstation 2 und 3, PSP und Nintendo Wii und DS erhältlich.