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28.07.2006
 

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The Henney Buggy Band

Sufjan Stevens

CD Cover Künstler Sufjan Stevens
Songtitel The Henney Buggy Band
Genre Rock
Typ mp3
Größe 3,456
Quelle www.betterpropaganda.com
Bewertung
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Zeitloses Meisterwerk

Wenn mir jemand Ende der 90er gesagt hätte, dass ein Singer/Songwriteralbum eines meiner Lieblingsalben der nächsten Dekade werden würde, ich hätte ihn ausgelacht. Aber Sufjan Stevens ist nicht irgendein Songwriter. Mit seinem 2005er Album revolutionierte er das Genre. Sufjan Stevens legt über jeden Mythos, über jede Legende, über jede kleine Geschichte eine geniale Melodie, singt dazu mit warmen, sentimentalen Falsetto hintersinnige und verschmitzte Texte, begleitet von klar phrasierten, wunderschönen Kompositionen. Bestes Beispiel ist Track 4: John Wayne Gacy Jr. Eine Ballade über einen Serienkiller, der einst 33 Kinder in Illinois umbrachte. Mit seinen Illinoisemakern, bestehend aus 4 Streichern, und jeweils einer Trompete und Drum, füllt er diese Geschichten mit Leben und zwar dermaßen real, dass es für den Hörer fast schon wieder surreal wirkt. Er singt über Lincoln, Bürgerkrieg, Großmütter, Decatour, UFOs, die nahe Highland gesehen wurden. 18 Instrumente hat Stevens selbst eingespielt. Ein Garant für einen breit diversifizierten und bunten Klang des Albums. Casimir Pulaski Day wird beispielsweise getragen von einem schwer atmenden Banjothema. Genial wie trickreich und kühn Stevens in den gesamten 75 Minuten arrangiert, wie reichhaltig seine Songideen sind. Da wechseln sich fröhlich klingende Sezessionskriegsflöten, elfenhafte Xylophone, melancholische Violinlinien und maritim anmutende Akkordeonthemen miteinander ab, um dann doch in einen gängigen Rocksong zu münden. Pastorale Kinderchöre folgen auf amish-ähnlichem Hippiegesang. Bestimmte akustische Themen kehren auf späteren Stücken immer wieder. Track by Track fließt alles ineinander, alles kommt wie aus einem Guss. So vermittelt Stevens dem Hörer seine äußerst intime Sichtweise von Amerika. Er erzählt über reale Leute, von realen Geschichten. Er nimmt den Hörer mit zu ganz banalen Alltagsmenschen, dann wiederum in den Kopf eines Serienkillers, später an das Bett eines Todgeweihten, und letztendlich in das Auto einer aus Illinois flüchtenden Person, die ihr Leben ändern will. Es ist ein zeitloses Meisterwerk.

Der Welt bester neuer Songwriter!

Hier brauchen wir nicht lange um den heissen Brei herumreden: Sufjan Stevens ist der talentierteste, beseelteste und grossartigste Songschreiber der Jetztzeit und "Illinois" ein absolutes Wunderalbum! Die Meisterschaft dieses Mannes aus demselben US-Bundesstaat besteht in der Steigerungsqualität der einzelnen Songs - wie eine ruhige Prise beginnend und immer opulenter in seinem Vorwärtsdrank, ja, der kann wirklich Songs schreiben, man höre nur mal zum Einstieg besagte Qualitäten in "Chicago" - da öffnet sich der Himmel und Trompeten, Posaunen und allerlei anderes himmlisches Jubelwerkzeug bläst uns durch Wolken und Nebel. Songs, aus 1000 und 1er Welt. Unerhört gut! Wann kommt der endlich mal nach Europa - dafür schlafe ich auch im Schlafsack vor der Eingangstür.

Ein wunderschönes Album!

Ich empfehle: Mehrfach am besten über Kopfhörer hören, um die verschiedenen Instrumente richtig herauszuhören. Ansonsten lohnt auch ein Blick auf die guten Texte.

I felt it!

So viel gehört über Sufjan Stevens. Doch nur wenig gehört von ihm. Ein, zwei Songs. Richtig gut. Keine Frage. Doch ein komplettes Album? Muss das sein? Warum nicht. Jetzt also Illinois. Ab in den Player. Erstes Lied. Direkt ins Ohr. Direkt ins Herz. Zweites Lied. Nur instrumental. Stutzen. Drittes. Episch. Wunderschön. Viertes. Fünftes. Sechstes. Verliebt! Immer mehr. Rausch. Kein Ende. Wunderschön. Ab an den PC. Michigan bestellen. A sun came bestellen. The Avalanche bestellen. Songs for Christmas bestellen. Dabei Illinois hören. Immer wieder....

Eine besondere Form der "Country"-Musik

Illinois muss ein wunderbares Land sein, dass man so liebevolle Stücke darüber schreiben kann. Gut möglich, dass man Stevens eines Tages in Decatur ein Denkmal errichten wird, denn wer kannte diesen Ort vor seinem kleinen perfekten Popsong, für den Fleetwood Mac alle ihre eigenen Lieder verschenken würden. Hier und anderswo ist schon viel Kluges über Sufjan Stevens und 'Come on feel the Illinoise' geschrieben worden. Der Einfluss der Minimal Music ist natürlich deutlich und schön, manchmal aber etwas zu viel. Ansonsten sind die Einflüsse so zahlreich, dass keiner besonders herauszuheben wäre. Einmal abgesehen von diesem Cure-Zitat im Stück Come On! Feel the Illinoise! ... ", wirklich köstlich. Das Album beginnt sehr zurückhaltend, spirituell. Betreffend die UFO-Sichtung" im Jahr 2000 in Illinois. Dann geht es weiter mit einem Instrumentalstück, einer Art Militärmarsch, mit dem ironischen Titel (...We Apologize for the Inconvenience But You're Going to Have to Leave Now"). Es geht um einen lokalen Indianerkrieg. Das nächste Stück versucht musikalisch die Aufbrauchstimmung im Zuge der Weltausstellung in Chicago abzubilden, wenngleich der Text eher kritisch ist. Der zweite Teil gefällt mir vor allem wegen des oben angesprochenen Zitats. Es folgt der Song über diesen furchtbaren Mörder. Das Lied ist ein sehr schöner Folk-Song, aber ich kann mich schwer mit dem Text anfreunden. Es gibt dazu eine ganz interessante Diskussion unter Songmeanings.net. Jacksonville" ist ein kleines grooviges Country-Stück mit Banjo, Horn und den typischen Steven's-Chören. Dann Decatur". Ein Gedicht, das Stevens' ganzes Songwriter-Talent offenbart. Für mich einer der schönsten Texte und ein Evergreen zum Mitsingen. Wie schon gesagt, die Stadt Decatur muss ihn dafür irgendwie auszeichnen. Chicago ist ein echter Hit, der mich an die Emotionalität mancher XTC Songs we Me and the Wind" oder Great Fire" erinnert. Die Streicher sollen sicher den Wind darstellen (Chicago, the Windy City). Der tief religiöse, unendlich traurige Country-Folk Song Casimir Pulaski Day", in dem es um den Krebstod der Jugendliebe geht, ist hervorragende Literatur (dazu könnte man noch einiges sagen) und irgendwie ein Kirchenlied, mit feierlichen Bläsern am Ende. Einer der Höhepunkte des Albums. Dann gibt es da noch das wunderbare "The predatory wasp of the palisades is out to get us!", das vielleicht musikalisch beste Stück. Ungeheuer zart und nostalgisch, und natürlich von Steve Reich inspiriert. Der Chor macht mir immer eine Gänsehaut. The Seers Tower" (nicht Sears" Tower), ein Lied über die Apokalypse, ist wie ein Gebet. Mich gruselt es dabei immer ein bisschen. Das Album endet mit Out of Egypt, into the...". Das ist zwar schön, aber das Original Music for 18 Musicians" von Steve Reich ist halt einfach noch viel schöner. Ich hätte das auf diesem Album weggelassen. Es hätte besser enden sollen mit dem allerdings tollen The tallest Man the broadest Shoulders", das nochmal die Geschichte von Illinois zusammenfasst. Sufjan Stevens ist mit 'Come on feel the Illinoise' ein großartiges Album gelungen.


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