| | # 2 |
| Registriert seit: 15.11.2008
Beiträge: 435
| Die Bundesjustizministerin ist "eine Liberale". Und das ist etwas sehr folgenschweres. Denn diese Leute wehren sich mit Händen und Füßen gegen eine angebliche "Überregulierung" und "Gängelung des freien Marktes". Ideologische Grundlage hierfür ist der Liberalismus, genauer gesagt: der Neoliberalismus (diese hat mit dem klassischen Liberalismus nichts zu tun). Die neoliberale Ideologie hat ihre Ursprünge in einer Wirtschaftstheorie des US-Amerikaners Milton Friedman (Chicaco School) und in ihrer weitgehenden Umsetzung unter den Präsidenten Ronald Reagan und George W. Bush in den USA sowie unter Margaret Thatcher in England. Diese Ideologie besagt vereinfacht dargestellt, dass sich der Staat weitestgehend aus Regulierungen heraushalten solle, damit der "freie Markt" wachse und gedeihe. Es wird das Leitbild des "mündigen Verbrauchers" postuliert, der sich schon selbst zu helfen wisse, und der seine Rechte genau kenne. Der Schutzanspruch des Verbrauchers gegen unlautere Geschäftspraktiken unter Ausnutzung der fehlenden Rechtskenntnis und der Unerfahrenheit bzw. Schwäche (besonders bei alten Menschen und Jugendlichen) wird von den Neoliberalen Vordenkern komplett ausgeblendet. Die Umsetzung des Schutzanspruchs des Verbrauchers in der EU-Richtlinie zum unlauteren Wettbewerb wird von diesen Leuten gewissermassen als "tragischer Unfall" angesehen, der so eigentlich nicht hätte passieren dürfen. Die Umsetzung in konsequentes nationales Recht wird seit Jahren in Deutschland lediglich vorgespielt, tatsächlich aber ganz bewusst hintertrieben. Zum Beispiel gibt es in Deutschland bis heute keine Wettbewerbsbehörde, so wie sonst überall im europäischen Ausland. Das deutsche UWG ist (im Gegensatz zum Ausland) lediglich als eine Art "wohlmeinender Empfehlungskatalog" zu betrachten, aber nicht als für alle Gewerbetreibenden verbindliches und konsequent angewandtes geltendes Recht. Vordenker der neoliberalen Ideologie in Deutschland war und ist nun einmal die FDP. Und nun erwartest Du von einer FDP-Justizministerin, dass die plötzlich den Schutzanspruch des Verbrauchers gegen unlautere Geschäftspraktiken ernst nehmen und konsequent umsetzen soll. Da kannst Du auch einem Pudding erzählen, dass der jetzt einen Walzer tanzen soll. |
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| | # 3 | ||
| Registriert seit: 20.02.2007
Beiträge: 1.180
| Zitat:
Umfrage: FDP sinkt immer tiefer - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik Zitat:
__________________ "Das kann doch nicht sein, dass der Bürger, der sich gesetzmäßig verhält, sich wie ein Idiot vorkommen muss." (Roman Herzog) | ||
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| | # 5 |
| Helferlein Threadstarter Registriert seit: 27.10.2008
Beiträge: 2.180
| Bisher habe ich noch keine Stellungnahme bekommen. Ich habe ja mal vom BMJ eine Massregelung bekommen, dass ich mich zu oft in die internen Angelegenheiten eingemischt hätte, was immer das heisst. ![]() ![]()
__________________ Das was ich hier sage ist meine Meinung und keine Rechtsberatung Frage nicht, was Dein Land für Dich tun kann, sondern was Du für Dein Land tun kannstJFK |
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| | # 6 | ||
| Helferlein Threadstarter Registriert seit: 27.10.2008
Beiträge: 2.180
| Nunja, Das BMJ hat auf meine Mail geantwortet und mit viel bla bla bla meine Vorschläge ad absurdum geführt und sich für die Buttonlösung stark gemacht. Heute kam dann das: Zitat:
Jedenfalls ist das ein Scbhuss in den, oftmals erwähnten aber schuldlosen, Ofen. M.E. ist damit den Abofallenstellern Tür und Tor geöffnet um "rechtmässige Verträge" nachweisen zu können. Wie immer in der Bananen Republik Deutschland wird nur halbherzig und stümperhaft an Gesetze rangegangen und die Verbraucher nicht geschützt, sondern geschädigt. Statt alle Anbieter zu zwingen direkt bei Aufruf der Site den Usern klarzumachen, dass es sich hier um ein kostenpflichtiges Angebot handelt und das schon im Kopf der Website, wird jetzt ein kleiner Buton dazu herangezogen. Das ist das Gleiche wie der Verzicht aufs Widerrufsrecht. Zitat:
http://www.bmj.de/SharedDocs/Verbrau...102?nn=1967012
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| | # 7 |
| Registriert seit: 20.02.2007
Beiträge: 1.180
| Vermute mal stark, dass die Schöpfer dieser Buttonlösung noch stark am Geschäftsverkehr auf Papierbasis orientiert sind. Welche Möglichkeiten das WWW bietet, Internetseiten in Sekundenbruchteilen zu manipulieren, wird vermutlich erst in 10-20 Jahren in die Sach/"Fach"bearbeitergehirne des Ministeriums dringen. Begriffe wie Landingpages dürften ihnen völlig unbekannt sein.
__________________ "Das kann doch nicht sein, dass der Bürger, der sich gesetzmäßig verhält, sich wie ein Idiot vorkommen muss." (Roman Herzog) |
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| | # 8 |
| Registriert seit: 20.02.2007
Beiträge: 1.180
| Die Branche bastelt bereits an "Ersatzlösungen" >> Warnung: software-und-tools und die 1001-Button-Falle |
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| | # 9 |
| Registriert seit: 15.11.2008
Beiträge: 435
| Bereits jetzt kommt nach geltender Rechtslage bei Abofallen kein wirksamer Vertrag zustande. Verstoß gegen die Transparenzpflichten, arglistige Täuschung, Einigungsirrtum, Verstoß gegen Treu und Glauben etc. Die informierten Zeitgenossen zahlen bereits jetzt nicht und haben keine Nachteile dadurch. Es geht hier nur um die uninformierten und hasenfüssigen Betroffenen. Die könnten allerdings durch eine Button-Lösung noch mehr verunsichert werden, denn über Landing-Pages wird ihnen der Button vorenthalten bzw. ein ganz anderer eingespielt, über sich dynamisch verändernde Seitengestaltung etc. wird ihnen später der schönste "Button" vorgespiegelt, und es wird suggeriert, dass angeblich alles gesetzeskonform sei. Das Problem müsste von anderer Seite her angegangen werden. Aber gegen die logischen Folgerungen etwa in Bezug auf die Notwendigkeit der Schaffung einer schlagkräftigen Wettbewerbsbehörde sträuben sich die Lobbyistenclubs in Deutschland mit aller Vehemenz. Die kreativen Freiheiten des "liberalen Unternehmertums", dass "im Notfall auch einmal zu kleinen Schweinereien greifen darf", werden nicht angetastet. Ebenso gibt es keine wirklich durchgreifenden Änderungen im Inkassorecht. Ebenso war die Justiz in Deutschland bisher (noch) nicht bereit, die Abofallenkönige auf breiter Basis anzugehen. Das könnte sich allerdings ändern, man wird hier den Ausgang des Frankfurter Verfahrens abwarten müssen. Wenn die Justiz hier konsequent durchgreift, wird das mehr bringen als 100 Buttonlösungen. Die Justiz hat doch die Wiener Gewinnspielmafia so ziemlich kleingekriegt. Selbst das Millionenferkel ist hoppsgenommen, es ist bezüglich des Telefonterrors auch tatsächlich wesentlich ruhiger geworden. Warum soll das, was bei den angeblichen "Gewinnspieleintragungen" bereits gegangen ist, bei den Abofallen nicht möglich sein? Beides ist Betrug in Reinform. |
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| | # 10 | |
| Plaudertasche Registriert seit: 18.01.2007 Ort: zwischen den Donks
Beiträge: 8.770
| Zitat:
Frau Leutheusser-Schnarrenberger ist, zusammen mit Burkhard Hirsch oder Gerhart Baum eine Bürgerrechtsliberale. Das heißt, sie ist neben wenigen anderen, einer der letzten anständigen Menschen in dieser Dreckspartei. Wie sagte Dieter Nuhr so schön - Wenn man schon keine Ahnung hat.......... | |
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| | # 12 | |
| Helferlein Threadstarter Registriert seit: 27.10.2008
Beiträge: 2.180
| Kaum ist das Gesetz mit der Buttonlösung in der Schlussdebatte gibt es auch schon Aushebelungsversuche. Gefunden von SW Zitat:
Wenn auf jeder Website der Anbieter in Zeile 2 stehen würde:" Dieses Angebot ist kostenpflichtig und verursacht Kosten von € 96,-- jährlich für 2 Jahre also € 192,00 gesamt" und das schwarz auf weiss mit mindesten 12 Punkt Bold (normal sind 8 ) wäre das kaum auszuhebeln. [Ironie an)Aber dann wären ja etliche Geschäftsmodelle gefährdet und das will man doch nicht. Die Bewohner der Bananen-Republik-Deutschland müssen doch abgezockt werden sonst könnten sie ja die Wirtschaft noch mehr ankurbeln (Ironie aus)
__________________ Das was ich hier sage ist meine Meinung und keine Rechtsberatung Frage nicht, was Dein Land für Dich tun kann, sondern was Du für Dein Land tun kannstJFK | |
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| | # 14 | |
| Registriert seit: 15.11.2008
Beiträge: 435
| Zitat:
Frau Leutheusser-Schnarrenberger halte ich für eine fassadenhafte Galionsfigur, die in reiner PR-Taktik vorgeschoben wird, um das Schein-Image der FDP als "die Partei der Bürgerrechte" noch zu wahren. Hierzu wird in einem Stellvertreterkrieg ein Fassadengefecht rund um die Vorratsdatenspeicherung in einem Riesen-Kasperletheater dem Bürger suggeriert, ohne die FDP werde diese Republik in einem Überwachungsstaat versinken, und ausgerechnet die FDP sei "das Bollwerk" gegen den übertriebenen Zugriff des Staates auf persönliche Daten. Hierbei wird eine totale Blockadepolitik selbst gegen eigentlich sinnvolle und auch notwendige Grundbestandteile einer abgespeckten VDS-Lösung gefahren.Dieselbe FDP hat seit Jahren dagegen überhaupt keine Berührungsängste gegen jedwede Liberalisierung des kommerziellen Datenhandels. Es war immer gerade die FDP gewesen, die sich z.B. vehement gegen die Aufhebung des Listenprivilegs im Datenschutz gestemmt hat. Sicherlich kann man über die staatliche Schnüffelei eine Menge sagen, aber die kommerzielle Schnüffelei halte ich in Bezug auf die Gefährdung für die Persönlichkeitsrechte für mindestens genauso gefährlich. Weil damit aber viel Geld zu machen ist, interessiert das die FDP überhaupt nicht. Bürgerrechte interessieren die FDP nur dann, wenn sie möglichst plakativ PR-mäßig einzusetzen sind, und vor allem: wenn sie der "freien Wirtschaft" nicht schaden. Außer des absurden Theaters rund um die VDS fällt mir nicht eine einzige "Leistung" der Frau Leutheusser-Schnarrenberger für die Bürger- und Persönlichkeitsrechte ein. Na, na. Der Ton macht auch die Musik. Wenn es um Meinungsäußerungen geht, sollte man schon versuchen, die Meinung des anderen zu respektieren, auch wenn man nicht mit ihr übereinstimmt. | |
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sei "das Bollwerk" gegen den übertriebenen Zugriff des Staates auf persönliche Daten. Hierbei wird eine totale Blockadepolitik selbst gegen eigentlich sinnvolle und auch notwendige Grundbestandteile einer abgespeckten VDS-Lösung gefahren.