Berliner Zeitung, 26.11.2010, KOLUMNE
Dr. No und die Geldeintreiber
von Klaus Staeck, Verleger und Grafiker
Zitat:
Langsam gewöhnen wir uns daran, dass das spekulative Zugrunderichten einer Bank oder eines ganzen Finanzsystems auch noch mit fürstlichen Boni belohnt wird. So verzögert sich gerade der Abgang des Dr. No genannten Chefs der HSH Nordbank so lange, bis der Begriff "goldener Handschlag" zur schamlosen Untertreibung gerät. Die HSH ist jene Bank, die das Vermögen zweier Bundesländer ernsthaft gefährdet hat.
Doch bei aller Aufregung kehrt man immer wieder zum Alltag zurück, geht zum Briefkasten und findet einen drohenden Mahnbrief der Proinkasso GmbH aus Neu-Isenburg. Der Adressat wird aufgefordert 253,21 Euro auf ein Konto bei der Berliner Bank einzuzahlen. In einem Telefongespräch mit der "Euro Win Group" habe er angeblich die Teilnahme an einem Gewinnspiel zugesagt. Falls die Erinnerung aussetzen sollte, kann man sich dieses Telefonat auch im Internet noch einmal aufrufen. Datenschutz gefällig? Wer zeichnet Telefonate auf und reicht sie an Inkassojäger weiter? Das ist nicht die einzige Frage, die offen bleiben soll. Die Euro Win Group gehörte im Sommer dieses Jahres zu einem Konglomerat von Gewinnspielfirmen unter dem Dach einer DTM Service GmbH, deren Konten eingezogen wurden. In der Umgangssprache würde man von Gewinnspielmafia reden, ...
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Berliner Zeitung * Zitat aus rechtlichen Gründen gekürzt und Link gesetzt