| | # 12 |
| weiss wovon sie redet Registriert seit: 29.06.2005 Ort: Planet Erde
Beiträge: 2.301
| Das würde ich an deiner Stelle auch tun immorb ein Brötchen ist so ein kleines rundes oder eckiges Teil gibt es meist beim Bäcker und in verschiedenen Sorten nachsehen:aufelefa: latzer: latzer:
__________________ Erst Lesen dann Denken dann Posten |
| | # 13 | |
| Registriert seit: 13.02.2007 Ort: Zu Hause
Beiträge: 2.402
| Zitat:
Brötchen ---> Steine, die zum Beschweren der Talfahrt auf das Förderband gelegt werden Mutterklötzchen ---> etwa 30 cm langes Mittenstück (astfrei) aus Holzstempeln herausgeschnitten. Es wurde mit Draht oben, mittig und unten umwunden und dann mit Grubenbeil und Fäustel so immer wieder längs gespaltet, dass man zu Hause "bei Mutter" nach dem Entfernen der Drähte fix und fertiges Anmachholz für den Ofen hatte. Es wurden natürlich nur von den Stempeln "Mutterklötzchen" geschnitten, die nicht unmittelbar für den Ausbau gebraucht wurden, also die im Streb oder in der Strecke als Vorrat gelagert waren.
__________________ ![]() Das Auge eines Straußes ist größer als sein Gehirn. (Ich kenne Menschen, bei denen ist das nicht anders) | |
| | # 14 |
| Gastposter | Lohengrin Ruckzuck ging dat mit dem Umzug von unserer Zweizimmer-Hucke in dat Einfamilienhaus. Wir hatten an guten Möbeln nix inne alten Bude stehn, deshalb landete fast allet aufm Sperrmüll. Son bissken weh tat dat schon, schließlich waren dat unsere ersten Brocken. Der Abschied vonne vertrauten Zechensiedlung und die Nachbarn war auch nich so ohne. Berta baute tagelang am Wasserwerk. Vonne Penunzen ausse Trauerfestreden und dat bissken Stütze richteten wir uns rundum neu ein. Nich in Schippedähl oder wie dat heißen tut, nee, nur in echtet, klassischet Gelsenkirchener Barock. Die Knete reichte sogar noch für ne gebrauchte Flimmerkiste. Unseren uralten schwatten Volksempfänger tauschten wir beim Antiquitätenhändler gegen ein fast neuet Röhrengerät. Jeder Sohnemann hatte sein eigenet Zimmer, Berta bekam ne große Küche, sogar mit Kühlschrank drin, und ich richtete mir n repräservativet Büro ein. Endlich konnte ich meine lieben Verstorbenen, ich meine natürlich, deren Angehörige, würdig empfangen. Vor dem Haus prangte n großet Schild: Wilhelm Püttmann, Spezialist für alle weltlichen Trauerreden Ja, und die Wohngegend, die war einsame Spitze! Hier wohnten fast nur Doktors, Studienräte, Obersteigers und Neureiche in ihre Villas. Zuerst fielen uns zwei Nachbarn auf. Dat waren für mich zwei völlig undefinierbare Gestalten. Nach denen konnze die Uhr stellen. Morgens um 8.30 Uhr, mittags um 12.30 Uhr und abends um 19.45 Uhr verließen die mit ihrem Kläffer dat Nachbarhaus und drehten ne halbe Stunde ihre Gassirunde. Nun, dat wär uns bestimmt nich sonderlich aufgefallen, wenn die Typen nich mit so komischen Klamotten rumgelaufen wären und ihren Köter nich im rosa Strickpullover und ner langen lila Hundeleine ausgeführt hätten. Dat größere Wesen hatte rote Stöckeltreter anne Füße, trug nen braunen, eng taillierten Damenledermantel und hatte ne breite gelbe Filzbombe auffem Kopp. Der Kerl setzte seine Stelzen wie n Manneköng und schaukelte dabei den Hintern. Die andere Figur, dat war son Blonder mit nem strengen Bubikoppschnitt. Der hatte n grauet Flanellkostüm am Balg und trug schwatte Lackstiefel, die ihm bis anne Knie reichten. Diese Person ließ wie ne Prosti , Prosta , also wie ne Bordsteinschwalbe son rotet Lacktäschchen am langen Arm baumeln, ging pillegrad und hakte sich bei dem langen Geschöpf ein. Die Kerle gibbelten auffallend laut, turtelten wie blöd und himmelten sich an. Die knutschten sich sogar manchma mitten auffe Straße, dat schamlose Gesindel! Mir kam der Verdacht, dat mit den beiden irgendwat nich stimmen tat. Selbst unseren Blagen war dat dösige Getue dieser seltenen Heinis längst aufgefallen. Die lachten sich jedet Mal über die zwei kaputt, winkten hinter den Gardinen, kloppten anne Fensterscheiben und warfen Kusshändchen. Dafür sahen se regelmäßig den Stinkefinger. Ich fragte meine Berta: Hömma, Berta, die Kerle sind mir unheimlich. Könnte et sein, dat die vom andern Ufer, also, du weiss schon, son bissken andersrum sind? Nee, Willi, dat sind nur Tunten. Die sind harmlos, aber manche sind auch stockschwul. Ich war überrascht, dat Berta im Beisein vonne Blagen so abscheuliche Wörter gebrauchen tat. Sach ma, Berta, iss Schwulsein in Deutschland nich streng verboten? Gibt et da nich son Sittenparagraf, der die Kerle einlochen könnte? Die stellen doch ne große Gefahr für die Allgemeinheit dar! Da sachte doch tatsächlich unser zwölfjähriger Sohnemann: Nu weisse, Papa, du biss ja wirklich noch von vorgestern. Dat sind 175-er, der 17. 5. iss deren höchster Feiertag. Hasse denn noch nix vonne Schwulenreform gehört? Wir Männer dürfen uns jetz, wenn wir über 18 sind, ungestraft knutschen. Ich hab nix mehr zu dem Thema gesacht, hab nur ma heimlich in unser Lexikon gepeilt und mich über diese verdrehten Typen schlau gemacht. Mir war danach richtig kodderich. Zwei Tage später hörte ich vor unserem Haus quietschende Reifen und n dumpfen Knall. Ich stürzte zum Fenster und sah die Bescherung. Die beiden Tunten liefen völlig aufgelöst um einen VW rum. Ihr Bello im rosa Strick, der regelmäßig an unsere Eingangstür pisste, lag vor dem Auto und war hinüber. Sonst ging der Köter immer anne Leine, warum heute nich? Ging mich nix an. Wat hatte ich mit den beiden Schwuchteln und dem Türpisser zu tun? Nix. Also konzentrierte ich mich wieder auf die nächste Trauerfestrede. Am Nachmittag, so gegen drei, standen die zwei Süßen vor unserer Tür. Beide trugen Hüte mit langen Trauerschleiern, die ihnen bis zum Hintern hingen. Der Kurze hatte sich um seinen rechten Unterarm noch zusätzlich ne schwatte Trauerbinde gebunden. Glück auf, grüßte ich und fragte höflich, wat wollt ihr von mir? Karneval iss erst in zwei Wochen. Wat soll eure bekloppte Maskerade? Der Lange machte zuerst seinen ekelhaft geschminkten Mund auf: Lieber, lieber Nachbar Wilhelm Püttimann , äh , sorry, Püttmann. Uns ist überhaupt nicht nach Karneval zumute, nein, nein. Er schluchzte laut, und der Kurze stimmte mit in dat Gewinsel ein. Ich dachte: Verdammt, iss die Trauer nur gespielt, oder sind die wirklich so daneben? Wat machsse mit die Typen? Auf keinen Fall lässt du die Jammerlappen inne Bude rein! Berta hörte dat Schluchzen und kam zur Haustür geflitzt. Sie hatte natürlich wieder Mitleid mit den Armen den Warmen. Kommen Se doch bitte rein, sachte se, dat iss aber nett, dat Se sich als unsere Nachbarn vorstellen wollen. Ich bin Berta Püttmann, und dat iss mein lieber Willi. Legen Se doch bitte ab und setzen Se sich int Bürochen rein. Ich koch gleich ma n Köppchen Kaffee, ich hab auch noch n Stücksken Pflaumenkuchen. Pardon, gnädige Frau, schnulzte der Lange, wegen unserer tiefen Trauer vergaßen wir, uns vorzustellen. Ich bin Rudolfo von der Tucke, und das ist mein lieber Lebensgefährte Eribert Hinterlader. Ich kriegte fast die Motten. Da führte doch tatsächlich meine Frau zwei Schwuchteln in unser ehrenwertet, unschuldiget Haus rein. Wenn dat unsere Vermieterin gesehen hätte, die würde uns sofort den Mietvertrag kündigen, dat war so sicher wie dat Amen inne Kirche. Ich war schwer in Brass. Ihr habt euch vorgestellt, wollt ihr sonst noch wat? Meine Zeit iss knapp, ich hab nen Haufen Arbeit auffem Schreibtisch. Ach, mein lieber Willili, schicken Sie uns doch nicht sogleich fort. Sehen Sie denn nicht, dass wir in tiefer Trauer sind? Wir sind völlig verzweifelt. Haben Sie denn nichts von dem schrecklichen Unfall heute Morgen gehört? Drang unser Klagen nicht an Ihr Öhrchen? Unser armer kleiner Lohengrin wurde vor Ihrer Haustür überfahren. Ich unterbrach ma kurz. Hömma, Kamerad, ich bin nich euer Willili, merkt euch dat. Und übrigens, ich hab da wat gehört. Dat passiert doch hunderttausend Mal am Tach. Da macht man doch nich son Theater. Dat Auto hatte doch vorne nur ne kleine Beule. Ich fragte die beiden Heulsusen scheinheilig: Sacht mir doch ma, wer iss dat denn, der Lohengrin, iss dat n Familienmitglied? Oh, unwissender Wilhelm, das war unser Herzblatt, unser kleiner Sonnenschein, unser liebes Hundilein. Er riss sich von der dummen, dummen Leine und lief direkt in ein böses, böses Auto. Er ist jetzt tot mausetot. Die beiden heulten wieder um die Wette. Ey, beruhigt euch ma, wat hab ich denn mit dem kaputten Auto zu tun? Willi, ereiferte sich der Kurze, es geht hier doch nicht um das beschissene Auto, es geht hier um unser armes Baby, bitte strapazieren Sie nicht noch gemeiner unsere dünnen Nerven, ich bin der Ohnmacht nahe. Unser armes Hundilein, unser Baby, ist entseelt. Beide heulten wieder auf. Schrecklich! Berta, hasse dat mitgekriegt? Der Strickhund von die beiden iss kaputt. Ich weiß nich, wat dat mit uns zu tun hat. Ja, Wilhelm, dat weiß ich auch nich. Vielleicht sagt ihr ma wat dazu. Wir kuckten die Weicheier gespannt an. Berta holte ne Rolle Lokuspapier, damit die Tränenströme nich auf unseren guten Teppich flossen. Jetz kam der Rudolfo ausse Höhle: Bitte, Wilhelmchen, wir flehen Sie an, bitte, bitte, sprechen Sie am Grab unseres Babys ein paar klitzekleine tröstende Worte. Wir können das nicht in unserem Zustand. Wir bringen keinen Ton heraus. Ein lieber, schnuckeliger Freund, unser Leibcoiffeur Rosario Hecktriebli wird die äußere Gestaltung des Grabes vornehmen. Unser Lohengrin, unser armer Schatz, wird unter einer kleinen Birke in bester Südwestlage seine letzte Ruhestätte finden. Schluchz. Es ist ja alles so schrecklich, so ungerecht, sooo gemein. Warum nahm man ausgerechnet uns das Liebste von der Welt? Ging dat Geheule schon wieder los. Die halbe Lokusrolle hatten die beiden schon verbraucht. Die Lidschattenfarbe und Wimperntusche waren schon in den Gesichtern verlaufen. Ekelhaft! Die beiden gingen mir echt auffen Keks. Ich hatte mir allet verhältnismäßig ruhig angehört. Dat Wilhelmchen hab ich auch noch geschluckt, dann platzte mir aber der Kragen: Seid ihr beiden total bekloppt? Wat fällt euch durchgeknallten Vögel eigentlich ein, mich hier für sonne abartige Grabrede anzubaggern? Macht, dat ihr rauskommt, ich kann euer Parfümgestank und dösiget Gejammer nich mehr ertragen! Berta war über meine Reaktion entsetzt und lenkte ma wieder ein. Willi, beruhige dich doch. Wat iss denn daran so schlimm, son kleinen Hund zu beerdigen? Der Kurze wurde sogar noch saufrech: Lieber Herr Püttmann, lieber Nachbar Wilhelm, warum sind Sie so intolerant gegen Menschen, die Ihren hetero-fanatischen Vorstellungen nicht entsprechen? Hömma, mein Freund, wenn dat Hetero-Gedöns wat Unanständiget iss, dann vermöbel ich dich hier auffe Stelle. Berta, hol ma dat Lexikon aussem Schrank. Ihr bleibt bis zur Aufklärung hier sitzen! Ich kuckte in dat schlaue Buch. Aha, Hetero, so einer iss dat, ja, da habt ihr noch ma Massel gehabt. Ich verließ den Raum, ich konnte die Spinatwachteln nich mehr sehen. Berta beschwichtigte die zwei Elendshäufchen, die zusammengesackt auf ihren Stühlen hockten: Mein Mann iss durch den Umzug und die viele Arbeit sehr nervös und gereizt, bitte entschuldigen Sie sein Verhalten. Er wird morgen selbstverständlich ein paar Worte am Grab von Ihrem armen Lohengrin sprechen, dafür sorge ich, Sie können sich auf mich verlassen. Ach, Frau Püttmann, sülzte der Rudolfo, Sie Gute sind ja so einfühlsam, so mitempfindend, Sie blicken ja so tief in unsere traurigen Herzen. Bitte überreden Sie Ihren zornigen Wilhelm. Er zückte die Brieftasche und legte 150 DM auffen Schreibtisch. Nachdem Berta die beiden verabschiedet hatte, kam ich anne Reihe. Berta machte mich rund. Und wie! Ich kriegte nen Einlauf über Toleranz und Mitgefühl: Wilhelm, dir gehen menschliche Gefühle total ab, du biss ein stinkkonservativer Ignorator und eiskalter Knochen! Willi, dat sind unsere Nachbarn. Von Einfühlsamkeit hasse wohl noch nie wat läuten gehört. Die beiden haben uns nix getan. Dat sind hochsensible Menschen, die tun keiner Fliege wat zuleide. Sei froh, dat dich die Natur nich so hart bestraft hat. Und übrigens, ich hab bereits dat Honorar vom Hinterlader inne Tasche. Und noch wat, Wilhelm, hasse Tomaten auffe Augen? Geh ma vor die Tür und kuck dir ma dein Reklameschild an. Wat steht da drauf, he? Ich sach et dir. Angeblich bisse Spezialist für alle weltlichen Trauerreden. Dat stimmte! Berta hatte leider wieder ma Recht. Aber da war noch wat anderet, wat mir plötzlich wie Schuppen ausse Haare fiel: Ich hatte ne neue, ergiebige Geldquelle angebohrt. Tierbestattungen! So Trauerreden für Tiere könnten, verdammtjuchhe, der Renner werden. Willi, dachte ich, du muss dat jetz pragma , prag , prag , also, ganz nüchtern sehn. Ratzfatz schrieb ich ne extra süße Trauerrede für den Lohengrin, damit sich dat bei die Tierhalters in Herne ganz schnell rumquatschen tat. Zu meiner ersten Tierbestattung setzte ich mir selbstverständlich auch wieder den Schappoklack auffe Birne und dackelte mit Berta zu Hinterlader und Co. Hier kriegte ich wie mit nem Knüppel einen vorn Kopp! Da standen ungefähr zwanzig Backenspalter und Kampflesben in den schicksten Trauerklamotten um son kleinet, mit roten Rosen ausgeschmücktet Loch. Ich erkannte ausse Herner Prominenz jede Menge Leute. Dat hätt ich ja nie zu glauben gewagt, dat die auch , nee, so wat! Überall im Garten brannten weiße Kerzen und rote Grablichter. Ein weißer Baldachin mit rosa Schleifchen überdeckte dat Hundegrab. Ein Plattenspieler orgelte dat Konzert C von dem alten Bach. Ne rosa Kiste stand neben dem Erdhäufchen. Ein riesiger Oschi von Basaltstein mit der eingemeißelten Inschrift Lohengrin stand anne Koppseite. Nach dem letzten Orgelton setzte ich mein Trauergesicht auf und bat die jammernde Trauerschar um Ruhe. Glück auf! Ja, liebe Trauergäste, dat Leben iss verdammt kurz. Der Lohengrin wurde nur drei Jahre jung. Er war für Eribert Hinterlader und Rudolfo von der Tucke der kleine Sonnenschein, ihr süßet Baby. Hundi Lohengrin hat dat Leben der beiden mit tierischer Freude erfüllt. Die Engel des Tierhimmels trugen Lohengrin auf rosa Schwingen in den unendlichen Hundihimmel. Ach du dicket Ei, Rudolfo fiel mit einem langen Seufzer in Ohnmacht. Sofort kamen zwei Obertunten und hielten ihm Riechfläschchen unter seine Gurke. Eribert lief zum Telefon und rief den Notarzt. Rudolfo bekrabbelte sich wieder, stand leicht verwirrt auf und ließ sich vorsorglich von zwei Schönlingen stützen. Sie streichelten mitfühlend über seinen Hintern. Dat gefiel dem Eribert Hinterlader gar nich. Eifersüchtig brauste er auf dat hilfsbereite Gespann zu und zischte: Haut ab, ihr geilen Ratten, Rudolfi stütze ich, nur ich, verpisst euch! Er trampelte vor Eifersucht wie Rumpelstilzchen auffe Wiese rum. Ich bat um Ruhe. Ja, et iss wirklich nen traurigen Anlass, dat wir Hundi Lohengrin heute inne Erde tun müssen, aber, meine Lieben, seid fröhlich, denn er iss inne andere, ne bessere Welt eingegangen. Dort gibt et keine bösen, bösen Autos und abartige Tierquäler, nur ein friedvollet Neben- und Übereinander. Huch, wie schön, oh, wie herrlich, auch übereinander, ratatatata!, rief da son Lüstling hochentzückt. Solche Anspielungen verbat ich mir. Lohengrin hatte gute Menscheneltern, sie gaben ihm allet, wat son Hund braucht. Auslauf, Liebe, Schutz und Schappi. Gern hätten Rudolfo und Eribert ihr Baby Lohengrin auch die Brust gegeben. Oh jaaa, das hätten wir, nicht wahr, Rudolfi? Ich fuhr fort: Ihr habt den Lohengrin sehr verwöhnt. Ein Hund spürt so wat und vergisst dat nie. Er wird euch die Liebe tausendfach aus seinem Hundihimmel zurückschenken und auf ewig euer treuer Schutzengel sein. Lasst uns nun den Kläf , äh, ich meine, den armen Lohengrin einbuddeln. Wat sich jetz vor dem Grab für Szenen abspielten, hatte ich noch bei keiner Beerdigung erlebt. Son kollektivet Aufheulen kann sich kein normaler Mensch vorstellen. Entweder standen hier nur Weltmeister im Trauerheucheln, oder die waren wirklich alle so bestusst. Die tuntige Trauergemeinde lag sich tröstend inne Arme und beweinte die Töle. Plötzlich hörte ich hinter mir Schüsse. Ich versteckte mich hinter Berta. Wat war da los? Drei Amazonen ließen Sektkorken knallen, zwei andere kesse Väter schenkten roten Schampus in rosa Kelche ein. Im Nu hatte diese schrille Bande alle Trauer abgeschüttelt, und Rambazamba-Musik dröhnte volle Kanne aus vier Boxen. Hier war auf einmal der Bär los. Die tuntigen Typen tanzten und knutschten miteinander. Aus der Trauerfeier machten die verdammten Heuchler blitzartig ne ausgelassene Sauf- und Sexorgie. Berta gefiel dieses heitere Trauerfest. Sie soff mit, lachte und schwofte wie übergeschnappt mit diesen Hutzeputzels! Dat war doch die Höhe! Ich riss sie wütend von diesen ausgelassenen Heimchen weg und flüchtete in unser gesittetet Heim, in dem noch Anstand und Ordnung herrschten. |
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| Gastposter | Lohengrin Ruckzuck ging dat mit dem Umzug von unserer Zweizimmer-Hucke in dat gemietete Einfamilienhaus. Wir hatten an guten Möbeln nix inne alten Bude stehn, deshalb landete fast allet aufm Sperrmüll. Son bissken weh tat dat schon, schließlich waren dat unsere ersten Brocken. Der Abschied vonne vertrauten Zechensiedlung und die Nachbarn war auch nich so ohne. Berta baute tagelang am Wasserwerk. Vonne Penunzen ausse Trauerfestreden und dat bissken Stütze richteten wir uns rundum neu ein. Nich in Schippedähl oder wie dat heißen tut, nee, nur in echtet, klassischet Gelsenkirchener Barock. Die Knete reichte sogar noch für ne gebrauchte Flimmerkiste. Unseren uralten schwatten Volksempfänger tauschten wir beim Antiquitätenhändler gegen ein fast neuet Röhrengerät. Jeder Sohnemann hatte sein eigenet Zimmer, Berta bekam ne große Küche, sogar mit Kühlschrank drin, und ich richtete mir n repräservativet Büro ein. Endlich konnte ich meine lieben Verstorbenen, ich meine natürlich, deren Angehörige würdig empfangen. Vor dem Haus prangte n großet Schild: Wilhelm Püttmann, Spezialist für alle weltlichen Trauerreden Ja, und die Wohngegend, die war einsame Spitze! Hier wohnten nur Doktors, Studienräte, Obersteigers und Neureiche in ihre Villas. Zuerst fielen uns zwei Nachbarn auf. Dat waren für mich zwei völlig undefinierbare Gestalten. Nach denen konnze die Uhr stellen. Morgens um 8.30 Uhr, mittags um 12.30 Uhr und abends um 19.45 Uhr verließen die mit ihrem Kläffer dat Nachbarhaus und drehten ne halbe Stunde ihre Gassirunde. Nun, dat wär uns bestimmt nich sonderlich aufgefallen, wenn die Typen nich mit so komischen Klamotten rumgelaufen wären und ihren Köter nich im rosa Strickpullover und ner langen lila Hundeleine ausgeführt hätten. Dat größere Wesen hatte rote Stöckeltreter anne Füße, trug nen braunen, eng taillierten Damenledermantel und hatte ne breite gelbe Filzbombe auffem Kopp. Der Kerl setzte seine Stelzen wie n Manneköng und schaukelte dabei den Hintern. Die andere Figur, dat war son Blonder mit nem strengen Bubikoppschnitt. Der hatte n grauet Flanellkostüm am Balg und trug schwatte Lackstiefel, die ihm bis anne Knie reichten. Diese Person ließ wie ne Prosti , Prosta , also wie ne Bordsteinschwalbe son rotet Lacktäschchen am langen Arm baumeln, ging pillegrad und hakte sich bei dem langen Geschöpf ein. Die Kerle gibbelten auffallend laut, turtelten wie blöd und himmelten sich an. Die knutschten sich sogar manchma mitten auffe Straße, dat schamlose Gesindel! Mir kam der Verdacht, dat mit den beiden irgendwat nich stimmen tat. Selbst unseren Blagen war dat dösige Getue dieser seltenen Heinis längst aufgefallen. Die lachten sich jedet Mal über die zwei kaputt, winkten hinter den Gardinen, kloppten anne Fensterscheiben und warfen Kusshändchen. Dafür sahen se regelmäßig den Stinkefinger. Ich fragte meine Berta: Hömma, Berta, die Kerle sind mir unheimlich. Könnte et sein, dat die vom andern Ufer, also, du weiss schon, son bissken andersrum sind? Nee, Willi, dat sind nur Tunten. Die sind harmlos, aber manche sind auch stockschwul. Ich war überrascht, dat Berta im Beisein vonne Blagen so abscheuliche Wörter gebrauchen tat. Sach ma, Berta, iss Schwulsein in Deutschland nich streng verboten? Gibt et da nich son Sittenparagraf, der die Kerle einlochen könnte? Die stellen doch ne große Gefahr für die Allgemeinheit dar! Da sachte doch tatsächlich unser zwölfjähriger Sohnemann: Nu weisse, Papa, du biss ja wirklich noch von vorgestern. Dat sind 175-er, der 17. 5. iss deren höchster Feiertag. Hasse denn noch nix vonne Schwulenreform gehört? Wir Männer dürfen uns jetz, wenn wir über 18 sind, ungestraft knutschen. Ich hab nix mehr zu dem Thema gesacht, hab nur ma heimlich in unser Lexikon gepeilt und mich über diese verdrehten Typen schlau gemacht. Mir war danach richtig kodderich. Zwei Tage später hörte ich vor unserem Haus quietschende Reifen und n dumpfen Knall. Ich stürzte zum Fenster und sah die Bescherung. Die beiden Tunten liefen völlig aufgelöst um einen VW rum. Ihr Bello im rosa Strick, der regelmäßig an unsere Eingangstür pisste, lag vor dem Auto und war hinüber. Sonst ging der Köter immer anne Leine, warum heute nich? Ging mich nix an. Wat hatte ich mit den beiden Schwuchteln und dem Türpisser zu tun? Nix. Also konzentrierte ich mich wieder auf die nächste Trauerfestrede. Am Nachmittag, so gegen drei, standen die zwei Süßen vor unserer Tür. Beide trugen Hüte mit langen Trauerschleiern, die ihnen bis zum Hintern hingen. Der Kurze hatte sich um seinen rechten Unterarm noch zusätzlich ne schwatte Trauerbinde gewickelt. Glück auf, grüßte ich und fragte höflich, wat wollt ihr von mir? Karneval iss erst in zwei Wochen. Wat soll eure bekloppte Maskerade? Der Lange machte zuerst seinen ekelhaft geschminkten Mund auf: Lieber, lieber Nachbar Wilhelm Püttimann , äh , sorry, Püttmann. Uns ist überhaupt nicht nach Karneval zumute, nein, nein. Er schluchzte laut, und der Kurze stimmte mit in dat Gewinsel ein. Ich dachte: Verdammt, iss die Trauer nur gespielt, oder sind die wirklich so daneben? Wat machsse mit die Typen? Auf keinen Fall lässt du die Jammerlappen inne Bude rein! Berta hörte dat Schluchzen und kam zur Haustür geflitzt. Sie hatte natürlich wieder Mitleid mit den Armen den Warmen. Kommen Se doch bitte rein, sachte se, dat iss aber nett, dat Se sich als unsere Nachbarn vorstellen wollen. Ich bin Berta Püttmann, und dat iss mein lieber Willi. Legen Se doch bitte ab und setzen Se sich int Bürochen rein. Ich koch gleich ma n Köppchen Kaffee, ich hab auch noch n Stücksken Pflaumenkuchen. Pardon, gnädige Frau, schnulzte der Lange, wegen unserer tiefen Trauer vergaßen wir, uns vorzustellen. Ich bin Rudolfo von der Tucke, und das ist mein lieber Lebensgefährte Eribert Hinterlader. Ich kriegte fast die Motten. Da führte doch tatsächlich meine Frau zwei Schwuchteln in unser ehrenwertet, unschuldiget Haus rein. Wenn dat unsere Vermieterin gesehen hätte, die würde uns sofort den Mietvertrag kündigen, dat war so sicher wie dat Amen inne Kirche. Ich war schwer in Brass. Ihr habt euch vorgestellt, wollt ihr sonst noch wat? Meine Zeit iss knapp, ich hab nen Haufen Arbeit auffem Schreibtisch. Ach, mein lieber Willili, schicken Sie uns doch nicht sogleich fort. Sehen Sie denn nicht, dass wir in tiefer Trauer sind? Wir sind völlig verzweifelt.Haben Sie denn nichts von dem schrecklichen Unfall heute Morgen gehört? Drang unser Klagen nicht an Ihr Öhrchen? Unser armer kleiner Lohengrin wurde vor Ihrer Haustür überfahren. Ich unterbrach ma kurz. Hömma, Kamerad, ich bin nich euer Willili, merkt euch dat. Und übrigens, ich hab da wat gehört. Dat passiert doch hunderttausend Mal am Tach. Da macht man doch nich son Theater. Dat Auto hatte doch vorne nur ne kleine Beule. Ich fragte die beiden Heulsusen scheinheilig: Sacht mir doch ma, wer iss dat denn, der Lohengrin, iss dat n Familienmitglied? Oh, unwissender Wilhelm, das war unser Herzblatt, unser kleiner Sonnenschein, unser liebes Hundilein. Er riss sich von der dummen, dummen Leine und lief direkt in ein böses, böses Auto. Er ist jetzt tot mausetot. Die beiden heulten wieder um die Wette. Ey, beruhigt euch ma, wat hab ich denn mit dem kaputten Auto zu tun? Willi, ereiferte sich der Kurze, es geht hier doch nicht um das beschissene Auto, es geht hier um unser armes Baby, bitte strapazieren Sie nicht noch gemeiner unsere dünnen Nerven, ich bin der Ohnmacht nahe. Unser armes Hundilein, unser Baby, ist entseelt. Beide heulten wieder auf. Schrecklich! Berta, hasse dat mitgekriegt? Der Strickhund von die beiden iss kaputt. Ich weiß nich, wat dat mit uns zu tun hat. Ja, Wilhelm, dat weiß ich auch nich. Vielleicht sagt ihr ma wat dazu. Wir kuckten die Weicheier gespannt an. Berta holte ne Rolle Lokuspapier, damit die Tränenströme nich auf unseren guten Teppich flossen. Jetz kam auch der Rudolfo ausse Höhle: Bitte, Wilhelmchen, wir flehen Sie an, bitte, bitte, sprechen Sie am Grab unseres Babys ein paar klitzekleine tröstende Worte. Wir können das nicht in unserem Zustand. Wir bringen keinen Ton heraus. Ein lieber, schnuckeliger Freund, unser Leibcoiffeur Rosario Hecktriebli wird die äußere Gestaltung des Grabes vornehmen. Unser Lohengrin, unser armer Schatz, wird unter einer kleinen Birke in bester Südwestlage seine letzte Ruhestätte finden. Schluchz. Es ist ja alles so schrecklich, so ungerecht, sooo gemein. Warum nahm man ausgerechnet uns das Liebste von der Welt? Ging dat Geheule schon wieder los. Die halbe Lokusrolle hatten die beiden schon verbraucht. Die Lidschattenfarbe und Wimperntusche waren schon in den Gesichtern verlaufen. Ekelhaft! Die beiden gingen mir echt auffen Keks. Ich hatte mir allet verhältnismäßig ruhig angehört. Dat Wilhelmchen hab ich auch noch geschluckt, dann platzte mir aber der Kragen: Seid ihr beiden total bekloppt? Wat fällt euch durchgeknallten Vögel eigentlich ein, mich hier für sonne abartige Grabrede anzubaggern? Macht, dat ihr rauskommt, ich kann euer Parfümgestank und dösiget Gejammer nich mehr ertragen! Berta war über meine Reaktion entsetzt und lenkte ma wieder ein. Willi, beruhige dich doch. Wat iss denn daran so schlimm, son kleinen Hund zu beerdigen? Der Kurze wurde sogar noch saufrech: Lieber Herr Püttmann, lieber Nachbar Wilhelm, warum sind Sie so intolerant gegen Menschen, die Ihren hetero-fanatischen Vorstellungen nicht entsprechen? Hömma, mein Freund, wenn dat Hetero-Gedöns wat Unanständiget iss, dann vermöbel ich dich hier auffe Stelle. Berta, hol ma dat Lexikon aussem Schrank. Ihr bleibt bis zur Aufklärung hier sitzen! Ich kuckte in dat schlaue Buch. Aha, Hetero, so einer iss dat, ja, da habt ihr noch ma Massel gehabt. Ich verließ den Raum, ich konnte die Spinatwachteln nich mehr sehen. Berta beschwichtigte die zwei Elendshäufchen, die zusammengesackt auf ihren Stühlen hockten: Mein Mann iss durch den Umzug und die viele Arbeit sehr nervös und gereizt, bitte entschuldigen Sie sein Verhalten. Er wird morgen selbstverständlich ein paar Worte am Grab von Ihrem armen Lohengrin sprechen, dafür sorge ich, Sie können sich auf mich verlassen. Ach, Frau Püttmann, sülzte der Rudolfo, Sie Gute sind ja so einfühlsam, so mitempfindend, Sie blicken ja so tief in unsere traurigen Herzen. Bitte überreden Sie Ihren zornigen Wilhelm. Er zückte die Brieftasche und legte 150 DM auffen Schreibtisch. Nachdem Berta die beiden verabschiedet hatte, kam ich anne Reihe. Berta machte mich rund. Und wie! Ich kriegte nen Einlauf über Toleranz und Mitgefühl: Wilhelm, dir gehen menschliche Gefühle total ab, du biss ein stinkkonservativer Ignorator und eiskalter Knochen! Willi, dat sind unsere Nachbarn. Von Einfühlsamkeit hasse wohl noch nie wat läuten gehört. Die beiden haben uns nix getan. Dat sind hochsensible Menschen, die tun keiner Fliege wat zuleide. Sei froh, dat dich die Natur nich so hart bestraft hat. Und übrigens, ich hab bereits dat Honorar vom Hinterlader inne Tasche. Und noch wat, Wilhelm, hasse Tomaten auffe Augen? Geh ma vor die Tür und kuck dir ma dein Reklameschild an. Wat steht da drauf, he? Ich sach et dir. Angeblich bisse Spezialist für alle weltlichen Trauerreden. Dat stimmte! Berta hatte wieder ma Recht. Aber da war noch wat anderet, wat mir plötzlich wie Schuppen ausse Haare fiel: Ich hatte ne neue, ergiebige Geldquelle angebohrt. Tierbestattungen! So Trauerreden für Tiere könnten, verdammtjuchhe, der Renner werden. Willi, dachte ich, du muss dat jetz pragma , prag , prag , also, ganz nüchtern sehn. Ratzfatz schrieb ich ne extra süße Trauerrede für den Lohengrin, damit sich dat bei die Tierhalters in Herne ganz schnell rumquatschen tat. Zu meiner ersten Tierbestattung setzte ich mir selbstverständlich auch wieder den Schappoklack auffe Birne und dackelte mit Berta zu Hinterlader und Co. Hier kriegte ich wie mit nem Knüppel einen vorn Kopp! Da standen ungefähr zwanzig Backenspalter und Kampflesben in den schicksten Trauerklamotten um son kleinet, mit roten Rosen ausgeschmücktet Loch. Ich erkannte ausse Herner Prominenz jede Menge Leute. Dat hätt ich ja nie zu glauben gewagt, dat die auch , nee, so wat! Überall im Garten brannten weiße Kerzen und rote Grablichter. Ein weißer Baldachin mit rosa Schleifchen überdeckte dat Hundegrab. Ein Plattenspieler orgelte dat Konzert C von dem alten Bach. Ne rosa Kiste stand neben dem Erdhäufchen. Ein riesiger Oschi von Basaltstein mit der eingemeißelten Inschrift Lohengrin stand anne Koppseite. Nach dem letzten Orgelton setzte ich mein Trauergesicht auf und bat die jammernde Trauerschar um Ruhe. Glück auf! Ja, liebe Trauergäste, dat Leben iss verdammt kurz. Der Lohengrin wurde nur drei Jahre jung. Er war für Eribert Hinterlader und Rudolfo von der Tucke der kleine Sonnenschein, ihr süßet Baby. Hundi Lohengrin hat dat Leben der beiden mit tierischer Freude erfüllt. Die Engel des Tierhimmels trugen Lohengrin auf rosa Schwingen in den unendlichen Hundihimmel. Ach du dicket Ei, Rudolfo fiel mit einem langen Seufzer in Ohnmacht. Sofort kamen zwei Obertunten und hielten ihm Riechfläschchen unter seine Gurke. Eribert lief zum Telefon und rief den Notarzt. Rudolfo bekrabbelte sich wieder, stand leicht verwirrt auf und ließ sich vorsorglich von zwei Schönlingen stützen. Sie streichelten mitfühlend über seinen Hintern. Dat gefiel dem Eribert Hinterlader gar nich. Eifersüchtig brauste er auf dat hilfsbereite Gespann zu und zischte: Haut ab, ihr geilen Ratten, Rudolfi stütze ich, nur ich, verpisst euch! Er trampelte vor Eifersucht wie Rumpelstilzchen auffe Wiese rum. Ich bat um Ruhe. Ja, et iss wirklich nen traurigen Anlass, dat wir Hundi Lohengrin heute inne Erde tun müssen, aber, meine Lieben, seid fröhlich, denn er iss inne andere, ne bessere Welt eingegangen. Dort gibt et keine bösen, bösen Autos und abartige Tierquäler, nur ein friedvollet Neben- und Übereinander. Huch, wie schön, oh, wie herrlich, auch übereinander, ratatatata !, rief da son Lüstling hochentzückt. Solche Anspielungen verbat ich mir. Lohengrin hatte gute Menscheneltern, sie gaben ihm allet, wat son Hund braucht. Auslauf, Liebe, Schutz und Schappi. Gern hätten Rudolfo und Eribert ihr Baby Lohengrin auch die Brust gegeben. Oh jaaa, das hätten wir, nicht wahr, Rudolfi? Ich fuhr fort: Ihr habt den Lohengrin sehr verwöhnt. Ein Hund spürt so wat und vergisst dat nie. Er wird euch die Liebe tausendfach aus seinem Hundihimmel zurückschenken und auf ewig euer treuer Schutzengel sein. Lasst uns nun den Kläf , äh, ich meine, den armen Lohengrin einbuddeln. Wat sich jetz vor dem Grab für Szenen abspielten, hatte ich noch bei keiner Beerdigung erlebt. Son kollektivet Aufheulen kann sich kein normaler Mensch vorstellen. Entweder standen hier nur Weltmeister im Trauerheucheln, oder die waren wirklich alle so bestusst. Die tuntige Trauergemeinde lag sich tröstend inne Arme und beweinte die Töle. Plötzlich hörte ich hinter mir Schüsse. Ich versteckte mich hinter Berta. Wat war da los ? Drei Amazonen ließen Sektkorken knallen, zwei andere kesse Väter schenkten roten Schampus in rosa Kelche ein. Im Nu hatte diese schrille Bande alle Trauer abgeschüttelt, und Rambazamba-Musik dröhnte volle Kanne aus vier Boxen. Hier war auf einmal der Bär los. Die tuntigen Typen tanzten und knutschten miteinander. Aus der Trauerfeier machten die verdammten Heuchler blitzartig ne ausgelassene Sauf- und Sexorgie. Berta gefiel dieses heitere Trauerfest. Sie soff, lachte und schwofte wie übergeschnappt mit diesen Hutzeputzels! Dat war doch die Höhe! Ich riss sie wütend von diesen ausgelassenen Heimchen weg und flüchtete in unser gesittetet Heim, in dem noch Anstand und Ordnung herrschten. |
| | # 17 | |
| Gastposter | Zitat:
Ich fordere Schmerzensgeld. Ich habe mich doch gebessert,bin nicht mehr so ein ![]() Ich =Pilatus,@Herr Bessel=Jesus und der löbliche @Reinhard Pfaffenberg= Barabas "Wen soll ich euch freigeben: Barabas oder Jesus, der auch Christus genannt wird? PS. wer den löblichen Herrn Pfaffenberg noch nicht kennt ==>> Reinhard Pfaffenbergs Heimseite M.f.G. | |
| | # 18 |
| Gastposter | Die Inquisitte Ich machte et mir gerade mit nem Tässken Kaffee inne Küche gemütlich. Berta brachte mir die Tageszeitung, und ich ging wie jeden Morgen die Anzeigen mit die schwatten Kreuze durch. Schade, et war heute kein Bekannter dabei. Ich blätterte zwei Seiten vor, da sprang mir n interessanter Artikel inne Augen rein. Schlaue Buchforscher hatten inne geheimen vatikanischen Keller rumgestöbert und wat Bemerkenswertet rausgefunden. Berta, hömma zu: Die römische Inquisitte, nee, Inquisition steht da, hatte 1820 dat Benimmbuch, den Knigge, inne Buchzensur. Die guten Sitten von dem Freiherr von Knigge, widerstrebten dem Geist der katholischen Kirche. Auch Onkel Toms Hütte machte sich bei den Kerlen in Rom schwer verdächtig. Dat Buch sei son versteckten Aufruf für ne Revolution gewesen. Sach ma, Berta, sind die in Rom eigentlich total bekloppt? Stell dir ma vor, du hättest damals unschuldig den Knigge gelesen, um dir für mich son paar Anstandsregeln einzutrichtern, da wärsse wahrscheinlich als Ketzerin auffem Scheiterhaufen gelandet wie die Jungfrau von New Orleans. Hier steht noch wat, kuck ma: Die Bücher von dem Martin Luther wurden damals auch als äußerst verwerflich eingestuft. Den armen Martin hätten die frommen Brüder damals am liebsten kalt lächelnd abgemurkst. Nur die Revoluzzerbücher von dem Charly Darwin und Hitlers Mein Kampf haben die Buchforscher vergeblich bei die verbotenen Bücher gesucht, iss dat nich seltsam? Berta, glaub et mir, die Kirche hat auch heute noch überall die Finger drin und will alle Welt vorschreiben, wat se zu tun oder zu lassen hat. Selbst inne Politik mischen die immer noch fleißig mit, und wenne nich gehorchen oder kapieren willz, bisse direkt n Ketzer. Wat dann mit dir passiert, wirsse überhaupt nich mehr gewahr, weil dich die römische Inquisitte mit ihren neuzeitlichen Mafiamethoden ruck, zuck aussem Verkehr ziehen tut. Die Querdenker werden nich mehr öffentlich verbrannt oder gevierteilt, nee, son Ketzer von heute kriegt auffem Spaziergang unverhofft einen über die Birne oder findet sich tot unterm LKW wieder. Während wir so angeregt über den Zeitungsartikel quasselten, schellte dat Telefon. Berta, geh ma dran. Willi, iss für dich, da iss son komischen Sekretär am Apparat. Püttmann, Glück auf, wat kann ich für Sie tun? Termin? Kein Problem, heute 15 Uhr. Bis nachher, Glück auf. Berta, dat war der Sekretär von som theologischen Privatdozent, wat der bloß von uns will? Hoffentlich hat man unser Gespräch von vorhin nich heimlich abgehört, und wir kriegen jetz mit die Brüder Ärger. Die schicken dich nämlich, wenne denen nich ganz koscher biss, son Exorzisten inne Bude, der dich so lange foltert, bisse nix Kritischet mehr über die Kirche quatschen tus. Willi, jetz fängsse aber an zu spinnen. In unserem Haus haben die doch keine Wanzen versteckt. Vielleicht hängt der Besuch mit deinen Grabreden zusammen. Die haben nen Pick auf dich, weil du den Pfaffen int Handwerk pfuschst. Die haben dich bestimmt schon lange auffem Kieker. Dat war von meiner Berta verdammt logisch erklärt. Ich kriegte Muffe. Man kann dat bei die scheinheiligen Brüder nie so genau wissen, wat die im Schilde führn. Bis drei Uhr waren dat noch knapp fünf Stunden. Hatten unsere Wände Ohren? Berta, dat ganze Haus wird sofort vom Dach bis zum Keller auf Wanzen und Kameras überprüft. Uns spioniert die vatikanische Mafia nich aus. Ruf die Blagen vonne Straße, die suchen mit. Ja, selbst den Telefonhörer hab ich auseinandergeruppt und gekuckt, ob da wat Auffälliget drinsteckte. Wir fanden im ganzen Haus keinen verdächtigen Hinweis auf Spionageaktivitäten. Um fünfzehn Uhr hielt ein schwatter BMW vor unserem Haus. Wir beobachteten hinter der Gardine, wie ein Mann mit nem langen Staubmantel, also mit som typischen Agentenmantel, aus dem Auto stieg und schnurstracks die Treppe zu uns hochsprang. Flink, zu flink. Berta, der hat unser Haus bestimmt schon tagelang beobachtet, sonst hätte der Kerl zuerst ma die Hausnummer gesucht. Dat iss sehr verdächtig. Solln wir die Tür überhaupt aufmachen? Quatsch, Willi, mach dir nich inne Hose. Du hass doch dat große Reklameschild vor der Tür, dat kann man doch gar nich übersehen. Der Klingelton erschien mir viel lauter als sonst. Alle Sinne waren angespannt. Ich öffnete ängstlich die Haustür. Gott zum Gruße, Herr Püttmann, ich bin Bruder Franziskus Fröhlich. Darf ich eintreten? Glück auf, Bruder Franziskus, kommen Se rein. Wolln Se ablegen? Er schüttelte uns ungewöhnlich lange die Flossen, Berta half ihm aussem Mantel und führte ihn in mein Büro. Ich fragte ihn: Bruder Franziskus, trinken Se n Pülleken Bier mit mir? Er lehnte mein Angebot dankend ab und bat verlegen um ein Tässchen Kaffee. Er wirkte jetz überhaupt nich mehr geheimnisvoll, im Gegenteil, richtig sympathisch war der Kerl. Er war um die vierzig, trug n silbernet Kreuz auf seinem grauen Pullover, und seine blauen Augen passten gut zu seinem Namen. Fröhlich blitzten sie uns an, checkten uns aber sehr genau ab. Lieber Bruder Fröhlich, womit kann ich dienen? Sammeln Se wat fürn guten Zweck? Nein, nein, Herr Püttmann, ich komme zu Ihnen in einer sehr heiklen Mission, die absolute Verschwiegenheit gegenüber jedermann verlangt. Mein Auftrag ist streng geheim und entbehrt nicht einer gewissen Tragik. Bruder Franziskus, machen Se dat ma nich so spannend. Worum geht et denn? Und nebenbei, wat hier besprochen wird, bleibt hier inne vier Wände drin, dieser Raum iss verschwiegener als der Beichtstuhl vom Heiligen Vater. Und jetz ma raus mit die Sprache. Ja, wie soll ich beginnen? Ich bin der Sekretär eines bekannten Theologen. Seine kritische Lehre war unserem Bischof und dem Heiligen Stuhl nicht genehm, man suspendierte ihn vom Priesteramt. Ich unterbrach ihn ma kurz: Bruder Franziskus, sagen Se jetz nich, dat Ihr Chef der Kirchenrebell Antonius Streitbürger iss? Herr Püttmann, Sie überraschen mich. Sie sind nicht nur ein über die Gemeindegrenzen beliebter weltlicher Grabredner, sondern setzen sich auch mit dem Zeitgeschehen und der Kirche auseinander. Sie haben den Nagel auf den Kopf getroffen, ich komme tatsächlich in geheimer Mission von Hochwürden Antonius Streitbürger. Mir fiel der Kitt ausse Brille! Ihr Chef iss der bekannte Theo äh, Theologe Streitbürger? Franziskus, ich verrate Ihnen watt, der Mann besitzt unsere ungebremste Verehrung. Der war doch der einzige Priester auffe Welt, der den Heuchlern in Rom ma gezeigt hat, wat son echten Theo , Theologe aussem Ruhrpott drauf hat. Der machte eben nich jeden Mist mit, den die Kostümheiligen in Rom ihm auffe Augen drückten. Ich wette, dat auf Ihren Chef der Scharfrichter warten tut, um ihn als Ketzer öffentlich auffem Petersplatz zu köppen. Aber sagen Se ma, wat hab ich und meine Familie damit zu tun? Wir können doch nix für seine vernünftigen Ansichten. Ich meine, et wär doch Opfer genug, wenn er stellvertretend für alle Ketzer im Ruhrpott dat Schafott besteigen würde, da muss er uns doch nich gleich mit reinziehen. Herr Püttmann, ich bitte Sie, haben Sie keine Angst, so weit wird es nicht kommen. Mein Auftrag ist nicht nur äußerst heikel, nein, auch sehr, sehr traurig. Hochwürden lässt durch mich fragen, ob Sie an seinem Grab sprechen würden. Wie? Wat soll ich? Wieso soll ich für einen lebenden Hirten der römisch-katholischen Kirche ne Grabrede halten? Ausgerechnet ich? Sie sind vielleicht gut! Sind Sie vom Messwein noch son bissken schicker? Lieber Herr Püttmann, ich bin nüchtern, bitte lassen Sie mich erklären. Hochwürden ist krank, todkrank, sein Leibarzt bestätigte vor zwei Tagen, dass er nur noch wenige Wochen zu leben hat. Sie, werter Herr Püttmann, hat Hochwürden auserkoren, die Grabrede zu halten. Er will keinen Priester oder Abgesandten aus Rom am Grab sehen. Er wünscht eine weltliche Beerdigungsfeier im kleinsten Kreis. Nix da, ich hab doch kein Rad ab. Dat läuft nich mit mir. Meinen Se, ich würde mich mit Rom anlegen? Die machen mich und meine Familie fertig. Nee, bestellen Se Ihrem Chef nen schönen Gruß, ich danke für dat Vertrauen, aber noch bin ich nich lebensmüde. Außerdem bin ich kein Kirchenmitglied mehr. Lieber Herr Püttmann, das wissen wir. Bitte kommen Sie dem Wunsche unseres sterbenskranken Hochwürden nach. Wir haben das Thema weltliche Bestattung zwei Tage diskutiert, er wünscht nur Sie als Grabredner. Selbst ich darf die Trauerrede nicht halten, weil ich noch zu sehr mit den starren Riten unserer Kirche verwurzelt bin. Jetzt mischte sich wutschnaubend Berta ein: Willi, du biss ein elender Feigling! Die Zeiten mit die Inquisitte sind doch längst vorbei, du kannst doch den Letzten Willen einer so angesehenen Person nich einfach ablehnen. Dat iss doch für uns ne besondere Ehre. Für son tapferen Mann, der allen Gläubigen die Augen geöffnet hat, für den wirst du am Grab sprechen, iss dat klar? Berta, du hass gut reden. Wen vierteilen se denn nach der Rede, he? Ich bat um zwei Tage Bedenkzeit. Bruder Franziskus übergab mir n Zettel mit der Telefonnummer vom Sekretariat und ein paar Daten aussem Leben von Hochwürden. Dann lächelte er milde: Herr Püttmann, ich habe Ihre Bedenken erwartet und in unserem kurzen Gespräch erfahren dürfen, dass Sie wirklich der richtige Mann für uns sind. Außerdem möchte ich Ihnen nicht verschweigen, dass ich eine Ihrer letzten Grabreden persönlich beiwohnte und für Hochwürden heimlich mitschnitt. Hochwürden waren begeistert. Gott mit Ihnen. Bruder Franziskus dankte sehr herzlich für das Gespräch und verließ unser Haus. Er fuhr los, und ich beobachtete, wie ihn ein schwarzer 2,5-l-Adler-Diplomat folgte. Ich besprach mit Berta die Lage. Sie bestand darauf, dat ich ohne Honorar den Auftrag erfüllen müsse, dat wäre doch wohl selbstverständlich. Und vonne vatikanischen Bestrafung wollte sie auch nix mehr hören. Gegen siebzehn Uhr schellte et draußen Sturm. Ich riss genervt die Tür auf, da stockte mir der Atem. Man stelle sich dat vor! Zwei hohe katholische Würdenträger standen mit ihren langen, prunkvollen Klamotten bei uns auffe Matte. Beide hatten so kleine, runde Käppis auffem Kopp. Dat eine war rot, dat andere schwatt. Einer stellte sich als Bischof Rabenschwarz vor und machte mich mit seinem Kumpel, Seiner Eminenz, Kardinal Höllenzorn bekannt. Ich peilte auf den vor unserem Haus geparkten Mercedes-Pullmann, da kriegte ich fast nen Ohnmachtsanfall. Vorne rechts und links war jeweils ne gelbweiße Fahne angebracht. Ich war mir sicher, dat war die Standarte vom Vatikanstaat. Am Steuer saß n Chauffeur oder sogar der Papst höchstpersönlich. Ich konnte dat nich so genau erkennen. Die beiden stellten sich als Abgesandte des Heiligen Stuhls vor und baten um ne kurze Unterredung. Sicherheitshalber ließ ich mir ihre Ausweise zeigen, denn et war der 11. im 11.! Dann bat ich die Herren höflich herein. Klar, dat ich jetz schwer beunruhigt war, so hohe Kirchentiere statteten uns nich ohne Grund nen Besuch ab. Et musste um wat ganz Wichtiget gehen. Ich kriegte Schiss. Mich befiel nämlich plötzlich sonne seltsame Vermutung. Ich fragte vorsichtshalber ma nach: Ma wat anderet, meine Herren, iss Ihr oberster Chef auch schwer erkrankt? Nein, Herr Püttmann, der Heilige Vater erfreut sich bester Gesundheit und lässt Sie und Ihre werte Familie, auch wenn Sie nicht mehr zu unseren Schafen zählen, herzlich grüßen. Ich war vonne Socken. Wie? Sie solln uns vom Papst grüßen? Der kennt uns doch überhaupt nich. Und woher wisst ihr, dat ich ausse Kirche ausgetreten bin? Mein Sohn, der Heilige Vater weiß alles und kennt Sie, lieber Herr Püttmann, ganz besonders gut. Lassen Sie uns nun über Hochwürden Streitbürger sprechen. Der Bischof wurde auf einmal sehr sachlich. Wir wissen von dem 15-Uhr-Gespräch mit Sekretär Fröhlich. Wir wissen auch über die Krankheit unseres verlorenen Sohnes Streitbürger. Wir ahnen auch, dass Sie, mein Sohn, die Grabrede halten sollen. Das wird der Heilige Stuhl aus grundsätzlichen Erwägungen unter allen Umständen verhindern. Das ist auch der Grund unseres Besuchs, mein Sohn. Jetz hatte ich aber die Schnauze voll: Entschuldigen Sie bitte, meine Herren, aber dat geht zu weit! Dat geht Sie wirklich nix an, ob ich spreche, für wen ich spreche und wat ich sprechen tu, dat iss ganz allein mein Bier. Ich bin nur meiner Kundschaft verpflichtet. Ich bin übrigens auch nich Ihr Sohn, ich kenne meinen Vater, merken Sie sich dat. Die beiden kuckten mich plötzlich so durchdringend an, als wär mein Todesurteil beschlossene Sache und von Rom längst abgesegnet. Vorsichtshalber rief ich laut nach meiner Berta, denn die beiden wurden mir unheimlich. Irgendwie ging von denen Gefahr aus, dat spürte ich. Dat waren mit Sicherheit neuzeitliche Inquisitöre, schlimmer noch, die wirkten auf mich wie zwei leibhaftige Hufentünnesse ausse Hölle. Berta stürzte in dat Arbeitszimmer und erstarrte vor Ehrfurcht, als sie die hohen Würdenträger erblickte. Der Bischof hielt ihr die Hand mit dem dicken Strunzring entgegen. Berta ignorierte dat Angebot. Ich hätte den Klunkerkuss auch verhindert. Wer weiß denn, wer dat Dingen schon allet abgeleckt hatte. Igitt, pfui Deibel, und dat bei die fiesen Krankheiten von heute. Und außerdem wer küsste denn noch son albernen Ring oder grüßte n alten Hut auf ner Stange? Dat hatte doch damals schon der olle Schiller dem Willi Tell verboten. Meine Herren, bitte kommen Se ma zur Sache. Warum wollen Se meine Grabrede verhindern? Nennen Se mir ma son paar überzeugende Gründe. Gut, Herr Püttmann, erklärte Bischof Rabenschwarz, wie Sie wissen, ist Hochwürden Streitbürger ein unbelehrbarer Theologe, der sich mit dem Heiligen Stuhl überworfen hat. Leider ist er nicht ein einfacher Katholik, sondern ein bekannter Geistlicher, der im Sinne unserer Heiligen Kirche eine christliche Beerdigung erhalten wird. Die katholische Welt erwartet das. Das verstehen Sie doch! Das ist eine kirchenpolitische Entscheidung. Eine Entscheidung des Heiligen Vaters in Rom. Entschuldigen Se ma, Ihr habt dem Antonius Streitbürger dat Priesteramt geklaut, dat war doch auch ne kirchenpolitische Entscheidung. Und meine Entscheidung iss, dat ich die Grabrede auf Wunsch Ihres verlorenen Sohnes halten werde und kein anderer, iss dat jetz klar? Grüßen Se den Heiligen Vater schön von Willi und Berta Püttmann aus Herne-Baukau und trinken Se mit uns zum Abschied als Geste der Versöhnung noch n kleinet Körnchen. Lieber Herr Püttmann, versuchte Kardinal Höllenzorn eine letzte Erklärung, wir trinken gerne ein Schnäpschen mit Ihnen. Wir flehen Sie an, denken Sie doch bitte auch an die Skandalpresse, wenn Hochwürden Streitbürger eine weltliche Beisetzung erfährt! Der Heilige Stuhl würde von den Schmierfinken wieder wochenlang gedemütigt und beleidigt. Liebe Kirchenmänner, dat seid ihr doch selbst schuld. Ihr habt doch den Antonius Streitbürger jahrelang als Ketzer verteufelt. Jetz auf einmal wollt ihr ihn am liebsten wieder heiligsprechen. Dat glaubt euch doch kein Schwein, äh, dat nimmt euch doch kein Mensch ab, verlogener geht et doch nich mehr! Rabenschwarz stand dem Höllenzorn bei: Herr Püttmann, so sollten wir nicht miteinander reden. Bitte lenken Sie doch ein. Wir haben Ihnen vom Heiligen Vater auch ein großartiges Geschenk mitgebracht. Wenn Sie uns entgegenkommen, erhalten Sie eine Dauereintrittskarte für den Petersdom. Das ist aber unser letztes Angebot. Bitte überlassen Sie uns die Grabrede. Nein, nix zu machen, meine Herren, mit Bestechung läuft bei Willi Püttmann schon überhaupt nix. Schämt euch, grüßt euren Chef in Rom, dat Gespräch ist hiermit beendet. Glück auf. Die Herren kuckten mich wie versteinert an, kippten sich wütend den Schnaps hinter die Binde und verließen uns ohne Gruß. Sie stiegen in den vatikanischen Strunzschlitten, der mittlerweile von zwei Dutzend Menschen von allen Seiten begafft wurde, und rauschten davon. Mir war klar, dat die vatikanischen Henker von nun an überall auf mich lauerten. Sonne Demütigung ließ sich Rom von mir armseligem arbeitslosen Würstchen nich bieten. Ich hatte zwar dat gute Gefühl, meine Seele nich verkauft zu haben, sah mich aber im Geiste schon als Märtyrer, gefoltert, gesteinigt, gekreuzigt und als Häufchen Asche in alle Winde fliegen. Ich fühlte mich innerlich einsam, verdammt einsam. Berta zitterten die Knie. Sie war kreidebleich. Ganz ruhig, Berta, ich ruf ma schnell Sekretär Fröhlich an. Ich wählte die Nummer vom Sekretariat. Verdammt, wen hatte ich denn da am Telefon? Hier Streitbürger. Ach, Sie sind es, Herr Püttmann! Haben Sie sich entschieden? Sprechen Sie an meinem Grab? Ich schluckte, ich konnte doch nich wissen, dat mein künftiger Kunde da plötzlich inne Leitung hing, noch voll lebendig. Ich fasste mich erstaunlich schnell: Hochwürdigste Heiligkeit, oder wie darf ich Sie anreden? Dat iss aber wirklich schön, dat ich Sie noch ma lebend sprechen darf. Ich hatte soeben hohen Besuch aus Rom. Man wollte mich von Ihrer Grabrede unter allen Umständen abbringen. Herr Püttmann, ich weiß es bereits, auch ich habe meine Beobachter. Welche Botschaft haben Sie dem Heiligen Stuhl zuteil werden lassen? Ich hab die Kerle abblitzen lassen, ich bin Ihr Mann. Ich steh voll hinter Ihnen, meine Berta auch, ich soll Sie von ihr auch schön grüßen. Wir sind Fans von Ihnen, weil Sie so tapfer sind und auch aussem Ruhrpott stammen. Wir hätten dat sehr gerne gesehen, wenn Se noch son paar Jährchen machen würden, um den scheinheiligen Brüdern in Rom die Meinung zu geigen. Haben Se schon an son Nachfolger gedacht? Der Bruder Franziskus macht doch nen ganz vernünftigen Eindruck. Gut, Herr Püttmann, ich freue mich über Ihre tapfere Entscheidung. Ich muss mich jetzt ausruhen. Bis bald, mein Lieber. Sein bis bald ging mir nich mehr aussem Kopp, die zwei Worte kratzten schwer anne Nieren! Fünf Tage später klingelte dat Telefon: Bruder Fröhlich war am Apparat, er hörte sich traurig an. Sein Chef war von seinem Leiden erlöst. Am Freitag um elf sollte die Beisetzung im engsten Kreis stattfinden, auffem Kommunalfriedhof in Herne, Feld vier, Wiese Nr. sieben, dat war der Platz für anonyme Bestattungen. Der Tod von Antonius Streitbürger blieb nicht geheim. Presse, Fernsehen und viele Neugierige wollten Zeugen der Trauerfeier sein. Allet belagerte den Friedhofseingang. Die Polizei ordnete den Rummel und ließ außer namentlich gemeldeten Personen keinen Menschen durch. Oder doch? Um dat Erdloch herum standen mit mir genau sechs Personen. Zwei Brüder und eine Schwester von Hochwürden, Bruder Franziskus, Berta und ich. Glück auf, liebe Trauergäste, wir nehmen heute Abschied von einem großen Theo , theologischen Kämpfer aussem Ruhrpott. Antonius Streitbürger wollte keine christliche Beerdigung, deshalb hat er mich gebeten, diese traurige Pflicht zu übernehmen. Er wollte keine Kränze, keine Blümkes, nur ne einfache Fichtenholzkiste mit nem schlichten schwatten Kreuz drauf. Das Grab sollte nach Südosten angelegt werden, Richtung Mekka. Der Kopf sollte gen Westen, Richtung Kaaba liegen. Niemand aus Rom sollte wissen, wo man ihn inne Erde tut. Schon der weise Prophet Mohammed soll ma gesacht haben: Dat beste Grab iss dat Grab, dat man nich sieht. Hochwürden wollte den scheinfrommen Glaubensbrüdern mit dieser weltlichen, fast islamischen Beerdigung nochma richtig einen zwischen die Hörner hauen. Pastor Antonius scheute et nich, sich mit die Mächtigen im Vatikan anzulegen. Man jagte ihn aus seinem Priesteramt, weil er laut zu denken wagte. Er lehrte seine Überzeugung, anders als seine heuchelnden, kuschenden Amtsbrüder mit ihren verkrusteten Doggen , äh , ich meine Dogmen, oder wie man dat nennen tut. Gut, er hatte schwer Glück, dat die römischen Inquisitöre ihn nich noch kurz vor seinem Abgang beim Wickel hatten und auffem Scheiterhaufen schmissen. Er war für uns einfache Menschen aussem Ruhrpott ein Held, ein großet Vorbild, ein starker Ruhrpöttler. Seine aufklärenden Worte haben viele Menschen inne Welt wachgerüttelt. Seine unbequeme Botschaft war: Man muss nich allet glauben, wat da so inne Schriften drin steht, man darf auch ruhig ma wat anders inter , äh , interpretitieren. So manchet biblische Ereignis soll nämlich nich so gelaufen sein, wie et später übersetzt wurde. Unser Antonius meinte, dat man viele Bibelgeschichten nur symbolisch sehen müsste, so als mist , äh , mystische Begebenheiten, die vonne besten arabischen Märchenerzähler über Generationen überliefert und ausgeschmückt wurden. Dat höchste katholische Institut in Rom hat unseren lieben Antonius Streitbürger einfach fallenlassen. Ob unser lieber Herr Jesus auch so gehandelt hätte? Er wurde Rom gefährlich, weil lautet Denken inne kirchlichen Welt riskant und hochgradig ansteckend iss. Wir sehen hier am Grab n treuen Wegbegleiter, den Bruder Franziskus Fröhlich, und wie ich glaube, auch n würdigen und streitbaren Nachfolger. Bruder Franziskus, bitte sprechen Sie für Ihren Chef n kleinet Gebetchen. Ich gab den Trägern n Wink. Sie ließen Hochwürden schön langsam inne kühle Erde gleiten und schaufelten danach schnell dat Grab zu. Sie bedeckten seine letzte Ruhestätte sorgfältig mit frischen, grünen Grasnarben und verschwanden diskret. Rein äußerlich war nix mehr vom Antonius zu sehen. Während wir beteten, beobachtete ich ausse verkniffenen Augenwinkel zwei Kerle, die uns mit Fernglas und Kamera hinter ner dicken Linde bespinksten. Dat waren mit Sicherheit Vatikanagenten in Mönchskutten. Die haben vermutlich mit hochempfindlichen Mikrofonen meine Rede aufgezeichnet und später dem Heiligen Vater vorgespielt. Genauso war et. Der iss, wie ich später aus sicherer Quelle erfuhr, total ausgeflippt, hat im Vatikan wie n Bestusster getobt, Kardinal Höllenzorn und Bischof Rabenschwarz Kerzen anne Köppe geworfen, die Versager für impotent und unfähig erklärt, degradiert und als Missionare nach Hippen-Indien gejagt. Er ersetzte die armen Kerle durch die schlimmsten vatikanischen Finsterlinge, die aus Sizilien stammenden Bischöfe Diabolo Satanus und Inkubus Inferno. Ja, und meine Grabrede, die landete natürlich auffen Ketzerindex und kam für vierhundert Jahre unter Verschluss, viel länger als dat Benimmbuch vom ollen Knigge |
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__________________ ![]() Das Auge eines Straußes ist größer als sein Gehirn. (Ich kenne Menschen, bei denen ist das nicht anders) | |





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