Püttmanns ehrliche Grabreden - schwarze Ruhrpottsatire - diverse Folge


Alt 26.03.2007, 21:59   # 1
Bessel
Gastposter
 



Leitwort des Autors:


„Einfache Menschen sind oft viel näher an der Wahrheit, bleiben meist auf dem Teppich, blicken durch und reden Klartext.“

Willi Püttmann und seine liebenswerte Berta reden Klartext – und wie!

Hand aufs Herz, haben Sie schon mal an Ihre eigene Grabrede gedacht? Nein? Warum eigentlich nicht?

Wollen Sie etwa Ihre letzte Reise von jemandem bequatschen lassen, der Sie kaum oder gar nicht kennt? Der vielleicht sogar Lügen über Sie verbreitet oder Sie lobpreist, obwohl Sie doch zu Lebzeiten ein elender Mistbolzen waren?

Machen Sie es sich bequem, und seien Sie gespannt auf Püttmanns ehrliche Grabreden.

Ach, noch was: Trauer kommt beim Lesen nicht auf, versprochen.

Wolfgang M. A. Bessel



Die himmlische Eingebung

Ja, im Ruhrpott der 60er Jahre war so richtig wat los: Kohlenkrise! Mit die Vollbeschäftigung und dat Wirtschaftswunder war Feierabend.
Auch ich, Bergmann Willi Püttmann, lag nach fast dreißig Jahren Maloche aufe Straße und musste stempeln gehn.
Viele Schäfchen fühlten sich von den Kirchen verlassen und desertierten aus ihren Kirchenställen – mit schwerwiegenden Folgen. Unsere gnadenvollen Kirchen sind bei so wat leider schrecklich gnadenlos, vor allem dann, wenne ma sterben tus.
Obwohl, ja, obwohl dat ja Gottesacker heißt und nich Acker vonne Evangelen oder Katholen, kommze ohne dat Kirchenparteibuch zum Verrecken nich mehr bei denen inne Erde rein. Dat kirchliche Erdreich würde ja durch diese abtrünnigen Menschen vollständig entweiht!
Ja, Junge, dat waren Zeiten wie im Mittelalter. Wenn die armen Deubel nich ganz koscher waren, ging et ab vor dat Stadttor, und dann schnell rein in den Dreck. Et waren beschissene Zeiten.

Doch auch in miesen Zeiten gibt et ab und zu Sternstunden.
An einem trüben Mittwochvormittag tat sich für mich der düstere Revierhimmel auf. Dat war ausgerechnet aufm Friedhof, genauer gesacht, aufm Herner Kommunalfriedhof bei die Beerdigung von Nachbar und Kollege Schybulski.

Berta und ich standen in der langen Reihe der Trauergäste und kuckten blöd ausse Wäsche. Warum? Weil niemand am Grab dat Maul aufmachte, um fürn Stanislaus n paar Abschiedsworte zu quatschen. Kein Liedchen wurde geträllert, nich ma n Scheingebetchen gemurmelt. Et war n Trauerspiel!

Mann, dat hätte den lieben Stanislaus schwer gewurmt, ja, sogar unheimlich wehgetan, wenn er diese armselige Vorstellung hier mitgekriegt hätte.
Vielleicht, ja, vielleicht hat er dat sogar, wer weiß dat denn schon so genau?
Dat konnte und wollte ich dem guten Stani wirklich nich antun; dat Herz hat et mir fast zerrissen!

Wat war dat für ne Stimme in mir? Dat war doch nich möglich! Wer sprach da so glockenrein? Ich erhielt einen Auftrag:

„Willi, du sprichst, nun geh schon!“

Ich gehorchte, drängte mich gegen Bertas Willen durch die Reihen und fragte Stanis Mattka, ob ich ein paar Abschiedsworte sprechen dürfe.
Luba nickte mit ner leichten Verbeugung. Dabei kamen ihre 160 Kilo Kampfgewicht gefährlich ins Wanken. Frantek, unser Metzger, fing sie noch soeben am Grubenrand ab, sonst wär et passiert.
Ich stand in meinem alten, engen Hochzeitsanzug vor dem Erdloch, räusperte mich, blickte in die Gesichter der Trauergäste und legte los:
„Glück auf, liebe Trauerklö ..., ääh ... Trauergäste." Die Klöße blieben mir zum Glück im Hals stecken.
„Nein, meine Freunde, dat hat der Stani nich verdient! Son paar Worte auf seiner langen Reise müssen doch wohl sein?“

Die Trauergäste nickten erleichtert. Nur meine Berta zeigte mir nen Vogel.
„Also, Herrschaften, ich kenn den Stani, wie die meisten von euch, als guten Nachbarn und treuen Kumpel. Fast dreißig Jahre sind wir zusammen inne Grube eingefahren. Jedet Mal war dir, lieber Stani, kotzübel, als wir unten ankamen! Dat Problem hattesse heute nich. Sanft hat man dich Dreizentner-Bommel an vier Förderseilen in eine andere Grube einfahren lassen. Dat muss für dich doch ne große Wohltat gewesen sein; du wirss dich bestimmt noch lange und gerne daran erinnern.

Ein-, zweimal pro Woche rückte die Polente mit zwei Mannschaftswagen aus, um Luba und die Kinder vor deinen heftigen Gefühlstausbrüchen zu schützen. Ihr hattet immer ne prächtige Stimmung. Wir Nachbarn haben uns herrlich über euch dat Maul zerrissen.
Deinen urigen Anblick im Fensterrahmen und dein lautet Organ werden wir sehr vermissen.
Unsere Siedlung wird wohl demnächst zur ruhigen, vornehmen Wohngegend erklärt, die Mieten werden kräftig steigen.

Stani, ich darf dich heute an dein so prallet, wundervollet Leben erinnern:
„Oft haben wir uns am Stammtisch gekugelt, wenne knülle wars, polnisch geflucht und Theo, den Wirt, beschimpft hass, weil dein Bier nich richtig gezappt war.
‚Verdammt, perunie, mach mich voll dat Glas, du verdammten Sausack’, hasse inne Kneipe gebrüllt.
Wochenendrabatz stand jeden Freitag auf deinem Programm. Wenn kein Schwein mit dir n ‚Schlegel’ picheln wollte oder dich nur schief vonne Seite anpeilen tat, dem hasse direkt eine geschmiert oder mit ner Schüppe n Scheitel gezogen.
Zu Hause hasse dann noch schnell deine Luba vermöbelt, weile gemeint hass, dat Luba wär ma wieder fällig. Zweimal hasse dafür ja auch im Herner Knast Urlaub machen dürfen.

Ja, Stani, du hattest ne wunderbare Zeit auf Erden. Sei deshalb schön dankbar.“
Ich wendete mich Luba zu: „Oh ja, liebe Luba, dein Mann war schon ein ganzer Kerl.“
Weiter kam ich nich. Luba stimmte nach dieser Lobhudelei wieder ihr Kriegsgeheul an, dat allen dat Blut inne Adern stocken tat.

Nach zwei Minuten war der Anfall vorbei und ich konnte weitersprechen:

„Allet in allem warst du, lieber Stani, ein tüchtiget Mitglied der Gesellschaft.
Sei froh, dasse den ganzen Scheiss mit dat Veränderungsgedöns im Revier nich mehr mitkriegen tus. Da hasse schwer Glück gehabt! Bleib also da, wo du biss. Wenne noch kannz, denk son bissken an uns arme Schweine und drück uns die Daumen, dat wir alle wieder in Brot und Arbeit kommen. Um dat Luba und die Blagen kümmern wir uns, dat iss hiermit versprochen.
Zu deiner Beruhigung noch wat: Der Frantek hat schon lange n Auge auf deine Luba geworfen, also keine Sorge, et iss allet paletti. Glück auf Stani! Ohne Scheiß, mein Freund – du wirss uns fehlen.

Kommt jetz an dat Grab und nehmt Abschied mit ner Schüppe Dreck. Wer dem Stani noch wat zu sagen oder zu verzeihen hat, der kann dat jetz tun, dat iss die letzte Gelegenheit, so Auge in Auge, ihr wisst schon ...“
Dat arme Luba seufzte nach der üblichen Beileids-Gratulantenparade noch ma sehr tief, prustete viermal unglaublich laut in ihre blau karierte Rotzfahne und brüllte über den Friedhof:
„Ich will euch sehen aaale in Friedhofkneipe ´Zum letzten Tritt im *****`!“

Nach diesem unvergesslichen Tag, Himmel und Stani habt Dank, war mir klar, dat ich der vom Himmel berufene Abschiedsredner in Herne sein musste.
Ob mein liebet Bertaken dat genauso sah, da war ich mir allerdings nich so sicher.
Werbung

 
Alt 27.03.2007, 13:19   # 2
Bessel
Gastposter
 

Püttmanns ehrliche Grabreden - Folge 2



Die Falle

Berta würde n Ehemann, der ihr wat von höherer Berufung zum Grabredner verklickern wollte, sofort zum Teufel jagen. Um ihr aber genau dat zu stecken, arbeitete ich an einem raffinierten Plan und lauerte auf n günstigen Moment – der kam schneller als erwartet.

Mein Mittagschläfchen wurde jäh unterbrochen, weil son Idiot draußen Sturm schellte.

Ich sprang wütend vom Sofa, riss die Tür auf, wer stand da im Rahmen? Der stadtbekannte Saufkopp Kalle, der ’Schienen-Kalle’.

Früher war dat ma n richtig staatsen Kerl und gab mit die Weiber an wie Ferkes sein Willem. Er war von Beruf Streckenwärter und wohnte direkt neben uns.
Der Suff schmiss ihn erst vonne Bundesbahn, dann völlig ausse Bahn. Mit seinem ungepflegten, grauen Bart, dem geflickten Bundeswehrparka und schmierigen Cordhose sah er aus wie n echter Penner.
Ich fragte:
„Kalle, wat willze? Ich hab selbst keine Kohle, bin auch n Sozialkrüppel, bin arbeitslos. Du kannz gerne ne Wurstknifte oder nen Teller Erbsensuppe von heut Mittag oder Pellmänner von gestern haben, mehr nich. Komm inne Küche.“

Er folgte schlurfend und setzte sich schwerfällig auf n Stuhl. Ich erkannte erst jetz, dat er zwei verschiedene Turnschuhe anhatte.

Kalle schüttelte den Kopp, starrte mit seinen müden Triefaugen durch mich durch und stotterte:
„Hö-hömma, Willi, du, biss doch jetz son Pr-r- Prediger, oder so-so wat ähnlichet. Man sacht dat wenigstens in unsere Kr-r-r kreise.“ Seine Stimme klang heiser.
Berta bügelte im Schlafzimmer, und weil sie schrecklich neugierig iss, ließ sie die Tür immer n kleinen Spaltbreit offen. Ich wusste genau: in diesem Moment hatte Berta wieder Ohren wie Rhabarberblätter. Sie hörte garantiert jedet Wort. Besser konnte dat nich laufen! Soll se dat Gespräch schön mitkriegen, dachte ich händereibend.
„Hö-ö-hömma, Willi, wir brauchen dich dr-r-ingend. Et iss wat Schr-r-ecklichet passiert.“ Seine rechte Hand zitterte, er war innerlich stark aufgewühlt. Er zuckte auch mit die Augen und schluckte.
Meine Berta spitzte jetz noch angestrengter die Lauscher, da war ich mir ganz sicher.
„Wat iss denn los, Kalle? Mach endlich dat Maul auf.“ Er stammelte:
„Dat Lis-lisbeth iss hin, erfroren. L-lissi war meine D-d-dauergeliebte vom Stadtpark. Wir haben uns im Winter zwei Mo-monate dat Lager und die Kartons zum Zu-zudecken geteilt. Wir ha-haben gestern A-abend am Bahnhof mit die Kollegen und Kolleginnen vonne St-r-r- aße abgestimmt. Wir sind nur son paar Leu-leutchen, die unser Lissi verabschieden tun. Du sollz am Fr-r-eitag wat am Grab sagen.“

Dat war der Satz, auf den ich gewartet hatte!

„Kalle, wat soll ich? Hab ich dat richtig gehört?“, brüllte ich ihn an, damit Berta dat auch gut mitkriegte. „Ich glaub du spinnz, dat mit die Grabrede beim Stani Schybulski war doch nur ma ne Ausnahme, weil keiner wat am Grab quatschen tat!“
„Willi, a-a- alle haben wir für deine Rede wat gesammelt, ha-haben sogar ne Extraschicht beim Schnorren eingelegt, ich hab 262,50 Mark im Parka.“ Er knetete verlegen seine Finger.
Kalles ekelhafte Alkoholfahne vermischte sich mit dem Mief von seinen Käsemauken und kroch langsam in meinen Riechkolben. Schrecklich!
Er kramte dat Geld aus seiner Parkatasche und legte et aufn Küchentisch. Wat fürn herrlichen Anblick!
Klar, Berta hatte natürlich allet mitgekriegt, kam aufgeregt inne Küche gerannt, begrüßte unseren Gast überschwänglich, sogar mit Handschlag und ließ dat Geld, wat zum Greifen nah aufn Tisch lag, nicht mehr ausse Augen. Selbst Kalles Gestank überroch se vor lauter Schrappigkeit.

Ich ließ beide zappeln und sprach erst nach einer fast unerträglichen Kunstpause weter:
„Hömma, Kalle, ich bin n arbeitslosen Bergmann, kein Prediger. So wat Abartiget trausse mir zu? Nee, geh mir weg! Dat iss doch kein Beruf für mich!“
Ich drehte in aller Ruhe zwei Zigaretten mit Brinkmanns Feinschnitt und schob dem Kalle eine rüber.
Ich wiederholte:
„Also, Kalle, völlig ausgeschlossen, du muss dir n anderen Grabredner suchen. Schade, dat Geld könnten wir zwar gut gebrauchen, aber ich kann dat beim besten Willen nich!“ Mit sadistische Freude sachte ich dat.

Ich hatte noch nich ganz ausgesprochen, da tappte Berta voll inne Falle rein. Herrlich!
Sie schrie mit hochrotem Kopp:
„Wilhelm, wie kannze nur so unmenschlich sein! Dat iss hier n Notfall, ein Schicksal, siehsse nich, wat hier los iss? Eine arme Frau hat für immer die Welt verlassen. Die armen Menschen wünschen sich doch nur ne würdige Bestattung! Dat iss deine verdammte Christenpflicht! Du wirss dort sprechen, sonst lernze mich kennen!“

Oh, ich war jetz schwer auf Draht. Aufreizend ruhig erwiderte ich:
„Nee, Berta, nee, wat könnte ich denn schon den Suffköppen sagen? Kannze mir dat ma verraten, lass mich damit in Ruhe!“

Ich hörte im Geiste den zweiten Schlagbügel krachen. Berta wurde fast hysterisch.
„Kokolores, Wilhelm, du lässt dir sofort die Lebensgeschichte von der Lissi erzählen, ich no-tiere die wesentlichen Punkte, und damit basta!“
„Berta, ruhig, ganz ruhig, nur auf deine Verantwortung würde ich eventuell, aber nee, Berta, dat iss wirklich nix für mich, ich kann dat nich. Und noch wat:
Wenn sich dat mit die Trauerrede vom Stani jetz schon wie n Lauffeuer rumgesprochen hat, wat meinze wohl, wer dann noch allet hier angeschissen kommt?“

Mein lieber Scholli, Berta kam herrlich in Wallung, richtig ruppig wurde die.
„Wilhelm, sei froh, dasse noch son paar Kröten nebenbei in deine leeren Taschen stecken darfst. Dat Geld haben wir bitter nötig! Son Angebot lässt man doch nich sausen! Dat iss n Wink vom Himmel, sei also nich undankbar, die Zeiten sind schon schwer genug!“

Dat mit die Berufung von höherer Stelle hatte Berta auch geschnallt, gut so!
Sie wurde immer zahmer:
„Willilein, vielleicht haben wir dann auch ma Geld fürn Telefonanschluss. Ach, Williken, vielleicht könnten wir uns auch ma ne größere Wohnung leisten, vielleicht auch die Kinder aufe höhere Schule schicken ...“
Sie schwärmte und träumte, und ich war wieder ihr Williken, nein, sogar ihr Willilein. In so traurigen Zeiten tut son liebet Wort vonne eigenen Ehegattin richtig gut.
„Hör auf zu spinnen, Berta, dir gehen die Gäule durch! Dat iss hier mit dem Predigerhonorar nur ma son Einzelfall.“ Berta schaute träumerisch zum Himmel und flüsterte bedeutungsvoll: „Wer weiß, Willi, wer weiß.“
Gezielt verzögerte ich meine Entscheidung und qualmte erst ma in aller Ruhe ne Zigarette. Beide starrten mich ungeduldig an. Nach dem letzten Zug antwortete ich wohlwollend:
„Hm, nun ja, gut, ihr habt mich überredet, so soll et denn sein. Ich will gerne meiner Christenpflicht und dem Wunsche dieser armen Menschen nachkommen. Hör gut zu, Berta. Ich frag den Kalle jetz über dat Lissi aus, und du notierst jede Einzelheit für meinen Spickzettel.
So aussem Ärmel läuft sonne Rede nich. Ich weiß doch von der Lissi überhaupt nix. Stuss reden läuft da nich, ich muss verdammt gut sein, dat iss beste Friedhofskundschaft, die Sterbefälle bei den Alkis sind vorprogrammiert.“

Den Satz hätte ich mir besser verkniffen.
Der Kalle peilte mich erschrocken vonne Seite an und brummte: „V-v-verdammter Aasgeier, hö- hö-hör auf damit.“
Bertas Augen glühten vor Ehrgeiz, nee, besser gesagt – vor lauter Geldgier. Schon bei der ersten Frage nach Lissis Alter hatte Kalle nur ne Schätzung parat:
„S-s-so zwischen Ende vierzig und A-a-anfang sechzig!“
Ja, dat fing ja schon gut an! Ich knallte wütend den Kugelschreiber aufn Tisch.
„Ey, Kalle!“, schrie ich, „wie soll ich bei so beschissenen Angaben ein vernünftiget Wort am Grab sagen, wie stellze dir dat vor? Gibt et da noch Angehörige?“
„Nee, wir sind ihre einzigen Angehörigen. Ich ka-kann dir leider nich viel erzählen. Ich weiß nur, dat se n l-l-ecker Dierken war und uns alle sehr l-l-liebte, aber noch mehr liebte se die Blümkes im Stadtpark. Wenn dat Lissi v-v-voll war, legte sie sich dort inne f-r-r-frischen Blumenbeete rein. Am liebsten im Spätfr-r-rühling.“
„Kalle, hatte dat Lisbeth auch n Beruf?“
„Ja, Willi, f-r-r üher war se ma Studienrä-ä-ätin. Manchma hat se mit uns Schr-r-eiben, Lesen und Rechnen geübt. La- la-latein konnte die auch.
„Pec-pec-pecunia non olit“, hat se beim Schnorren aufe Bahnhofstraße gegrö-ö-ölt. Sollte wohl h-h-heißen: „Eure P-p-penunsen duften nicht schlecht.“

Er seufzte tief und schlürfte den heißen Kaffe, den Berta ihm mit nem paar Wurstkniften vorgesetzt hatte.

„Kalle“, forschte ich weiter, „um wieviel Uhr geht dat mit die Beerdigung los?“
So g-g-gegen zehn, wir ha-ben freie Hand. Wir ha-haben nach die Bestimmungen vom Frie- friedhofsgärtner dat Loch selbst gebuddelt und l-l-lassen dat Lissi am F-r-reitag ohne die Friedhofskerle mit die Seile runter. Nordfr-r-iedhof, Feld siebzehn, R-r-reihe sieben, Grab siebenhundertdrei.“
Kalle reichte mir nen Zettel mit die Koordinationen rüber, dann stand er stöhnend auf und peilte mich mit som flehenden Dackelblick an. „W-w-illi, du k-k-kommst doch bestimmt?“
„Jau, Kalle, ich steh Freitag um zehn bei euch aufe Matte.“ Ich brachte ihn vor die Tür.

„Hö-hömma“, sachte er da für mich, „ich w-w-wollte dat nich vor deiner A- a- alten sagen, ich vertrau dir noch son paar wichtige Ei-einzelheiten vonne Lissi an, die du in deine R-r-r-Rede nich vergessen darfs.“

Dann erzählte er mir Sachen, na ja, ob ich dat allet am Freitag bringen kann? Will ma kucken.

Fortsetzung folgt
 
Alt 30.03.2007, 18:42   # 3
Bessel
Gastposter
 
Doppelpack

Penner Kalle war verduftet. Et melmte in unserer Zweizimmerhucke so erbärmlich nach seinen widerlichen Ausdünstungen, dat wir alle Fenster aufreißen mussten.
Bis zu Lissis Abschiedsfeier waren et nur noch zwei Tage. Sofort begann ich mit den Vorbereitungen für meine erste, b e z a h l t e Trauerrede.

„Bertaaa!“, rief ich, „wo iss der verdammte Zettel mit die Aufzeichnungen von dat Lissi?“
„Willi, wat hab ich mit deinem blöden Spickzettel zu tun? Den hasse gestern aufe Brottrommel gelegt, dat hab ich gesehen.“
Nach stundenlanger Suche und Fragerei wurd ich gewahr, dat unser Sohn Max die wertvollen Aufzeichnungen inne Mülltonne gekloppt hatte.
Wie bestusst hab ich draußen inne Tonnen rumgewühlt und bin bei der dritten zwischen Kartoffelsalat, Eierschalen und Kohlenasche fündig geworden. Ich sah aus wie ein Schwein. Ohne diesen wichtigen Zettel hätte ich nich ma gewusst, wo meine Festrede stattfinden sollte. Dat dicke Honorar wär uns fast durch die Lappen gegangen!
Erleichtert rief ich: „Bertaaa! Hab ihn! Und hömma, Berta, da iss noch wat zu besprechen. Bügel ma wacker den Hochzeitsanzug auf, vielleicht kannze unten anne Beine noch ne Naht raustrennen, dann wird der son bissken länger. Opas Krawatte und den Schappoklack such auch ma flott. Alle Klamotten liegen auffem Speicher in Opas Überseekoffer.“
„Willi, wat iss dat denn für’n vornehmen Ausdruck - Schappoklack?“
„Berta, son Dingen haben die feinen Leute bei Trauerfesten auf’m Kopp. Dat iss son schwatten Zylinder, den kannze zusammenklappen, dann macht dat ‚klack’. Da ich durch dat Programm führe, muss ich unbedingt son Apparat aufe Birne haben. Dat macht schwer Eindruck, verstehsse? Und komm endlich inne Gänge, ich will heute noch mein Outfit im Spiegel betrachten!“

Berta reagierte normalerweise auf meine Befehle und vornehme Ausdrucksweise bösartig, sie gab heute ausnahmsweise ma kein Widerwort. Sie akzeptierte still grollend, dat i c h jetz der Chef im Ring war. Sie erkannte, dat unser künftiget Wohlergehen allein von m i r abhing!

Freitag, pünktlich um zehn, stand ich an der verabredeten Grube. Ich war bestens vorbereitet.
Kalle und zwei schrecklich abgerissene Figuren lungerten schon anne Grabstelle rum und tuschelten miteinander. Ich trat grüßend zu ihnen. Da fragte mich doch tatsächlich der beknackte Kalle:
„Bisse wirklich der W-willi Püttmann, m-m-mit dem ich vor zwei Tage allet bequatscht hab?“ Der Blödmann hatte mich in meinem vornehmen Aufzug nich erkannt!
„Kalle, bisse schon am frühen Morgen wieder so voll, dasse mich nich erkennen tus?“
„W-wa ja nur ne F-f-frage.“
„Kalle, wo stecken dat Lissi, und die anderen Trauergäste?“
„Willi, son Mo-moment musse dich noch gedulden. S-s-sechs Kollegen holen die g-gerade ausm Kühlhaus.“ Während er antwortete, hatte er n leichten Linksdrall.
Nach zehn Minuten kamen sechs abgewrackte Gestalten keuchend den langen, steilen Friedhofsweg hochgelatscht, sie trugen ne Kiste aufe Schultern. Dat mussten dat arme Lissy und die restlichen Trauergäste sein. So war et.
Schwitzend stellten die erschöpften Kerle die Lissy rechts vom Grabrand ab.
In diesem Moment fing et furchtbar an zu plästern. Der Lehmboden war im Nu weich wie Butter. Niemand hatte n Schirm. Ich fragte:
„Kommen noch mehr Kollegen oder Kolleginnen? Kann ich anfangen?“
Kalle antwortete kurz und knapp: „F-fang an.“
Ehrlich, ich hatte son bissken Lampenfieber. Mir war klar: Die Kerle erwarteten für dat Geld ne professionelle Rede.

„Guten Morgen, Glück auf! Scheiß Wetter heute. Kommt ma son bissken näher, ich beiß nich.“ Die Trauergestalten bildeten murrend n Halbkreis.
„Ja, meine Lieben, jetz habt ihr dat Theater. Dat Lissi iss hinüber, meine natürlich – hinübergegangen in eine bessere Welt. Ohne jede Ankündigung lag se Montagmorgen total tot im Stadtpark. Ich kann gut verstehen, dat ihr ganz schön sauer seid. Sie hätte sich vorher wenigstens ordentlich abmelden können, man muss sich ja schließlich auf sonne Situation vorbereiten.
Ihr steht hier also verdattert und sprachlos vor der Lisbeth Lusenkamp, eurer lieben Weggefährtin in warmen wie in kalten Nächten. Ihr habt heute Gelegenheit, ihr zu verzeihen, dat se sich einfach so aussem Staub gemacht hat.
Wie ich sehen tu, habt ihr die geklauten Blumen vom Bahnhofsvorplatz und Stadtpark inne Hände, die werft gleich schön brav auf eure Lissi, die freut sich darüber.
Seid nich traurig, glaubt mir, dat Lissi lebt, ja, sie lebt in eurer Erinnerung weiter, die iss nur im Moment son bissken weiter weg.
Ich denke, dat die Sack..., ääh..., die Sargträger, sich von ihrem anstrengenden Marsch langsam erholt haben und bitte euch nun, dat Lissi schön langsam inne Erde zu tun.
Also, allet hört auf mein Kommando: Heeebt an! Gut so, langsam, langsam, stolper nicht, du Trottel! Sooo, jetz schön sachte, sachte weiter runter. Fertig, ausgezeichnete Arbeit! Ihr anderen dürft klatschen.“ Dat taten se auch wie berauscht und freuten sich wie die Blagen.

„Passt ma gut auf, euch vergeht gleich die Begeisterung. Wer von euch iss der Hännes Kowalski? Iss der Kotzbrocken hier?“ Kalle zeigte mit ausgestreckter Hand in Richtung Weg und lallte: „D-da, da kommt er.“
Nee, wat hatte ich mir mit dieser Beerdigung angetan!
Da wankte der zehnte Trauergast sternhagelvoll auf uns zu, hatte noch ne Pulle Schnaps inne Hand und reichte die hier rum. Jetz wurd ich aber ösig.
„Verdammte Schluckspechte, wat seid ihr für ehrlose Halunken, könnt ihr dat Saufen nich ma während der Trauerrede unterbrechen?“
Kalle klärte mich auf:
„Willi, r-r-reg dich nich auf, wir sind sehr, sehr t-r-r-aurig und müssen uns ab und zu ma stär-ken. Ob vor, da-dabei oder nach der T-r-r-auerfeier, dat iss der Lissi heute scheißegal.“
„Gut“, sachte ich, „dat iss einleuchtend.
Hännes Kowalski, komm du ma nach vorne.“
Der Hännes wankte zum Grabrand und glotzte mich fragend an.
„Hännes, du biss an Lissys Tod der Hauptschuldige, du hass der armen Lisbeth fünfmal die Ehe versprochen, sie hat dir sogar Lesen und Schreiben beigebracht. Wat war mit die Heiraterei? Nix war. Du mieser Sack hass dat Lissi schändlich belogen, und wie ich aus sicherer Quelle erfuhr, auch mehrfach beklaut. Du biss der längste und stinkigste Sargnagel an ihrer Kiste. Wärsse nich mit ner anderen Schlampe abgehauen, wär dat arme Lissi noch am leben!“
Hännes fuhr sich nervös durch die nassen Strähnen und kuckte verschämt zur Seite.
Ich war noch nich fertig mit dem widerlichen Patzköttel:
„Lissi hat sich wegen deiner Untreue bei klirrendem Nachtfrost in den Park gelegt und iss voll – und voller menschlicher Enttäuschung in einem Krokusbeet erfroren.
Stumpen Jupp und Schienen Kalle tretet auch vor. Die beiden schlurften gehorsam zum Grab.
„Auch ihr beiden Piesepampel habt mit dem Lissi n Klüngel gehabt, konntet ihr nich besser auf dat Mädchen aufpassen? Ich kann dat Lisbeth gut verstehen, dat se nix mehr von euch Tippelbrüdern wissen wollte. Sie hatte von euch allen die Schnauze voll! Schämt euch!“
Junge, ich war vielleicht in Fahrt. Ich sah bei den meisten Unglücksvögeln die ersten Krokodilstränen ausse Ölaugen quellen. Ich verurteilte die gesamte Trauergesellschaft:
„Ihr sagt jetz alle im Chor: „Lissi, dat tut uns allet sehr leid, Lisbethchen, bitte, bitte, verzeih uns.“
Die Saufköppe wiederholten den Satz und heulten dabei Rotz und Wasser.
„So“, sachte ich, „jetz nehmt die Pannschüppe und die geklauten Blumen und wünscht der Lissi: ‚Gute Reise’!“

Kaum hatte ich ausgesprochen, da passierte et. Ich traute meinen Augen nicht. Nee, wie furchtbar!
Der Hännes Kowalski torkelte zum Grabrand, wollte gerade mit Schmackes ne Schüppe Dreck auf dat Grab werfen, da rutschte der Kerl auf dem sauglatten Lehmboden aus, fiel seitwärts in die Grube und knallte mit dem Kopp auf die Kiste.
Wir erstarrten. Der Hännes lag besoffen auf der Lissi.
„Hännes, mach kein Scheiss, komm endlich wieder rauf, mach hier keine Spirensken!“
Er antwortete nich. Ich fasste mich schnell und kommandierte: „Vier Mann, ab inne Grube, hievt den Hännes hoch!“
Gehorsam rutschten vier Freiwillige auf dem glitschigen Lehm in dat Loch, hoben den Hännes fluchend nach oben, zwei Kameraden nahmen ihn in Empfang und legten ihn neben den Erdaushub.

Mit weit aufgerissenen Augen lag der Hännes inne Matsche, er hatte nen Gesichtsausdruck als wär ihm unten der Leibhaftige begegnet. Er rührte sich nich mehr. Ich fühlte seinen Puls, da gab et gab nix mehr zu fühlen! Wiederbelebungsversuche mit die Knie auf seine Brust und n paar saftige Ohrfeigen waren ebenfalls erfolglos. Der Hännes war hin! Wat nu?
Ausgerechnet bei meiner ersten bezahlten Trauerrede musste so wat passieren!

Vorsichtig peilte ich nach allen Seiten, rief die schockierten Kerle zu mir und trug meinen Plan vor:
„Hört jetz ma gut zu, kommt ma son bissken näher. Dat wat ich euch jetz sagen tu, iss streng geheim. Wir haben hier ne total beschissene Situation. Dat Lissi hat sich bitter gerächt. Die hat den Hännes eiskalt zu sich geholt. Die hatte übermenschliche Kräfte, so wat gibt et. Sie hat im Tod noch gesiegt, dat war ne wirklich starke Leistung von der Frau! Dat iss hier kein Traum! Normalerweise müssten wir jetzt von wegen Todesursache und son anderen Unfug, den Arzt und die Bullen rufen, wollt ihr dat?“
Alle schüttelten bei dem Wort „Bullen“ verängstigt die Köppe. Flüsternd sprach ich weiter:
„Ihr müsst jetz auch an den Hännes denken. Dat iss eure verdammte Pennerpflicht. Wie mir der Kalle sachte, hatte der Hännes keine Angehörigen, nur euch. Et tut ihn also keiner vermissen, nur son paar schrappige Wirte, weil da noch n paar Saufpicken offen sind. Ich frag euch: Wat wär wohl Hännes letzter Wunsch gewesen?“

Ich wartete die Antwort nich ab. Ich konnte ihre Gedanken lesen.
„Richtig“, sachte ich, „genau, dat hab ich auch gedacht. Der Hännes wäre am liebsten besoffen auf seine Fünffachverlobte gefallen, um mit ihr vereint, diese schöne Welt zu verlassen.
Ihr müsst auch nich wieder für ne neue Kiste sammeln, und kein Honorar für den Hännes latzen.“ Alle hatten verstanden.
Langanhaltender Beifall – und die Schnapspulle, ja, die kreiste natürlich wieder nach dieser genialen Lösung. Ich sachte zu den Trauerweiden:
„Bildet ma son Sichtschutz, und dann schnell runter mit dem Hännes. Legt ihn schön mit Bauch und Gesicht auf die Kiste, Blickrichtung Lissi. Opfert zwei Jacken und dann schnell zuschaufeln, bevor hier noch jemand blöde Fragen stellt. Ich verdrück mich ma ne Weile, ich hab nix gesehen. Pfeift kurz, ich komm dann und sprech noch n paar Worte.“
Ruckzuck war dat Loch zu.
Nach dem verabredeten Pfiff hab ich den Spritköppen noch ma die Leviten gelesen:
„Ihr habt jetzt mit die eigenen Augen gesehen, wat passieren tut, wenn man son erbärmlichen Lebenswandel führt. Lissi und Hännes sind tot, Tote halten zusammen. Passt auf, dat se euch nich auch noch holen. Hört auf mit der Sauferei, geht malochen, sucht ne feste Bleibe und nehmt euch ne anständige Frau, dann hat euer Leben wieder Sinn. Wenn ihr wollt, werft jetz die restlichen Blümkes auf die beiden und singt noch ein Abschiedsliedchen.“
Wat meinen Sie wohl, wat die Arschgeigen hier am Grab gesungen haben. Man glaubt dat nich, die sangen doch tatsächlich:
„Einer geht noch, einer passt noch rein!“
 
Alt 07.04.2007, 15:47   # 4
Bessel
Gastposter
 
Tod auffem Hochsitz

Bei meiner Berta war vonne Aktion „Doppelpack“ noch nix durchgesickert. Ich überlegte, ob ich ihr dat Drama überhaupt beichten sollte. Man kennt ja die Weiber bei so wat.
Bin mit nem schlechtem Gewissen eine Woche um sie rumscharwenzelt und hab um den heißen Brei rumgeredet: „Berta, du hass überhaupt noch nicht gefragt, wie et denn bei die Beerdigung von dat Lissi so war.“
„Willi, wie soll et schon gewesen sein, ich denke, wie immer, sonst hättesse mir doch wat erzählt, oder?“
Hätt ich doch bloß mein Maul gehalten!
Wat meinen Se wohl, wat meine Frau mir allet an den Kopp geschmissen hat? Die tobte und heulte zugleich:
„Du? Du biss ein Idiot! Und wat für einer! Du biss keinen Deut besser als die Bahnhofspenner, nein, als Anstifter zu dem Verbrechen bisse noch viel schlimmer, du biss n Kriminellen. Zeig dich selbst an, dann krisse eventuell mildernde Umstände und n paar Jahre weniger Knast.“ Dann kam aber dat Schlimmste:
„Mit so einem bin ich verheiratet und hab von dem Kerl auch noch zwei Blagen.“ Dat saß!
Gut, son bissken Recht hatte se ja, aber musste se mir dat so gemein an den Kopp knallen? Ich hab se auskeifen lassen und nach ner guten Stunde kleinlaut gefragt, wie sie denn die Situation geschaukelt hätte.
Junge, da kam dat Berta aber ins Schwitzen. „Jedenfalls so nich, Wilhelm!“
„Wie denn?“, bohrte ich weiter.
Bedröppeltet Schweigen.
„Berta, jetz siehsse ma, in wat für ne fiese Lage ich da schuldlos reingeschlittert bin. Dat war nur n Unfall mit Todesfolge, mehr nich! Der arme Teufel hat ne Wunschbeerdigung gekriegt, schön zusammen mit seiner Liebsten. Mein gutet Herz hat meine Gedanken geführt. Jawoll, der Plan kam aus meiner tiefsten Seele. Übrigens, ich war beim Einschaufeln überhaupt nich anwesend, hab nix gesehen und hab für den Hännes auch kein Honorar verlangt.“
Berta hielt sich duckes, sie grummelte nur: „Bete, dat die Suffköppe dichthalten.“
„Berta, dat kommt so schnell nich wieder vor, ich versprech dir dat. Komm, gib Papa Küsschen.“ Berta hat mir wat gepfiffen! Dat Küsschen hab ich erst drei Wochen später kassiert. Wissen Se warum?
Wir kriegten Telefon. Ich hatte dat mit dem Anschluss ganz stiekum bei der Post eingefädelt.
Ich war dat stinkeleid, wegen son Ferngespräch extra inne Kneipe latschen zu müssen. So Gespräche wurden dann meistens sehr lang und teuer, weil man da immer Bekannte traf. Außerdem dachte ich auch als weitblickender Grabredner, als Unternehmer gewissermaßen, der brauchte son modernet Kommuni ... also, son Telefon, und wenn et nur zum Strunzen im Korridor rumstand.
Als Berta dat herrliche schwatte Drehscheibentelefon im Flürken entdeckte, fiel sie mir um den Hals, küsste mich ungewöhnlich intensiv, also viel länger als sonst, sogar mit geschlossenen Augen.
Ich wollte die Situation gerade ausnutzen, da schellte et draußen.
Ich zuckte zusammen. Mir ging der ***** auf Grundeis. Die Bullen? Kamen die schon mit nem Haftbefehl wegen die verdammte Doppelbeerdigung?
Nee, warn se nich.
Ne kurante Dame, so Mitte vierzig, stand mit nem grünen, knöchellangen Lodenmantel im Türrahmen. Sie trug ne dunkle Sonnenbrille. Ihr grüner Lodenhut war mit ner langen Feder bestückt, der die Frau noch größer erschienen ließ. Sie grüßte ganz eigenartig:
„Waidmannsheil, Herr Püttmann, mein Name ist Patrizia-Eleonore Dachs, geborene Grimbart, darf ich eintreten?“
Ich dachte: Die Alte hat nen Knall, Waidmannsheil, wo bin ich denn hier?
Ich sachte für die Olle: „Glück auf, treten Se in unsere bescheidene Bude. Darf ich Ihnen den Mantel abnehmen?“
„Ja, bitte, gerne, Herr Püttmann“, hauchte sie.
Ihre grünen Augen passten gut zu den roten Haaren, die schön breit über ihre Schulter lagen.
Mann, die war ja auch unter dem Mantel total ansehnlich. In der engen Trachtenbluse wurden ihre Ottos mächtig nach oben gehievt, wie bei der Pompadour. Ihr süßet Parfum kroch sofort in meinen Riecher rein, und meine Augen klebten an ihren vollen Lippen und knallroten Fingernägeln.
Sie trug so komische Zahnklunker anne Finger und hatte obendrein noch ne Kette mit die gleichen Zähne am Hals hängen.
„Frau Dachs, wat sind dat für Beißer, die Sie aufe Brust tragen?“, wollte ich wissen und fummelte ihr dabei son bissken anne Bluse rum.
„Grandeln sind das, Herr Püttmann, die hat mein Hubertus alle selbst geschossen und zu Schmuck verarbeiten lassen.“
„Frau Dachs, wieso kann man auf Zähne schießen? Dat hab ich ja noch nie gehört, gibt’s da auch Schonzeiten für die Grandel-Zähne?“
Hätt ich doch nur nich so dösig gefragt! Die Frau laberte ne Viertelstunde über die Zähne beim Rotwild. Endlich war ich wieder dran:
„Sagen Se ma, Frau Dachs, wat darf ich mit Ihnen anstellen? Meine ..., wat kann ich Gutet für Sie tun?“
Blattschuss! Die Frau fing an zu flennen. Mit einem Schlag ahnte ich, wat die wollte.
Berta stürzte mit Lockenwicklern und Küchenschürze aus dem Schlafzimmer und nahm die Frau in den Arm.
Ich reichte ihr nen alten Abtrockner zum Tränentunken und fragte scheinheilig: „Wird schon nich so schlimm sein, oder hat vielleicht jemand dat Zeitliche gesegnet?“
Die Heulerei ging jetz erst ma richtig los.
„Bertaaa!“, rief ich, „hol Block und Bleistift!“
Ich drängte: „Kann ich jetz endlich ma erfahren, wat Sache iss?“
Berta funkte mir inne Parade: „Lass doch die arme Frau erst ma son bissken ihre Trauer bewältigen, hasse gar kein Mitgefühl?“
Ich kloppte ungeduldig mit die Finger auffem Küchentisch rum und peilte gereizt auffe Uhr. Nach dreimaligem Schnäuzen machte Frau Dachs endlich den Mund auf:
„Ich komme aus Wanne-Eickel. Dort vernahm ich von Ihren vortrefflichen Grabreden. Mein Mann ...“ Ich unterbrach den Redeschwall –„iss tot“, ergänzte ich den Satz.
„Nein“, widersprach die Tante, „er ist in die ewigen Jagdgründe eingegangen.“
Jetz wurd et mir aber zu bunt.
„Gute Frau Dachs, sind wie hier bei die Sioux-Indianer in Dakota oder in Herne bei Willi Püttmann?“
Sie ließ sich nicht beirren: „Bitte, Herr Püttmann, verstehen Sie das richtig, mein Mann und ich sind leidenschaftliche Jäger. Die Jagd ist uns heilig, und die Jägersprache ist Hauptbestandteil unserer Konversation.“
„Frau Dachs, woran iss denn ihr Hubertus inne ewigen Jagdgründe gewandert?“
„Eingegangen heißt es, Herr Püttmann“, in die ewigen Jagdgründe eingegangen,“ verbesserte mich die Jagdtante.
„Mein Mann fuhr auf die Jagd. Als er nach zwei Tagen immer noch kein Laut gab, meldete ich ihn als vermisst. Mann fand ihn erschossen auf dem Hochsitz. Stellen Sie sich vor, mein guter Hubertus kam durch einen tragischen Unfall ums Leben.“
Sie schluchzte: „Wir sind keine Kirchenmitglieder.“
„Ja, ja, dat kenn ich“, unterbrach ich sie, „jetz kommt kein Kirchenmann an dat Grab, der Püttmann muss ran, herzlichet Beileid! Berta, spitz die Ohren, schreib allet schön auf, und Sie, Frau Dachs, erzählen ma wat von Ihrem verendeten Hubertus.“
Berta hatte inzwischen n Köppchen Kaffee gekocht, et konnte losgehen.
Die Frau begann bei Adam und Eva und belobhudelte ihren Mann in den höchsten Tönen.
Alle gemeinsamen Jagdreisen und Jagderlebnisse erzählte sie haarklein in dieser bescheuerten Jägersprache. Drei Stunden haute sie uns dat ganze Jagdgedöns um die Löffel, ääh ..., um die Ohren. Wir hätten nach diesem Vortrag problemlos die Jägerprüfung bestanden. Sie verlangte, dat die Jägersprache in die Trauerrede eingebunden werden müsse. Viele Jäger wären anwesend, auch eine Bläsergruppe aus dem Hegering Herne-Baukau. Die würden dat letzte Halali oder Halligalli, oder so wat Ähnlichet blasen, ich hab dat komische Wort nich richtig verstanden.
Sie übergab mir ne dicke Schwarte. „Teutsches Jagdbrauchtum – Jägersprache 1864“, ich möge mich darin kundig machen.
„Wissen Se wat, Frau Dachs? Ich hab die Schnauze voll, wat soll ich denn noch allet bis übermorgen einstudieren? Haben Se noch mehr so bescheuerte Wünsche auf Lager?“ Berta erschrak über meinen Wutausbruch.
Frau Dachs schob, ohne zu antworten, zwei Blaue, in Worten: „Zweihundert Deutsche Mark“, über den Tisch.
Ich hielt meinen Rand, stammelte verwirrt: „W-waidmannsdank, gnädigste Frau Grimbart von Dachs, ich werde Sie nich vergrämen ..., ich meine, enttäuschen.“
„Herr Püttmann, ich heiße ‚Dachs’, wenn ich bitten darf.“
Berta zitterten beim Anblick vonne Moneten die Hände. Wo, wann, wie lange und ob son kleinet Gebetchen drin wär, allet wurde genau besprochen.
Ich fragte beim Abschied: „Frau Dachs, von wem haben Se denn meine Adresse?“ Sie wollte erst nicht so recht mit der Sprache raus. Dann flüsterte sie mir zu: „Von Herrn Oberbürgermeister Ratlos höchst persönlich. Man kennt Sie bereits auch in Wanne-Eickel, mein lieber Herr Püttmann“, dabei schaute sie mir tief inne Pupillen.

Ich war bestrebt, ne prima Rede zu halten, Stümperei konnte ich mir bei dieser Kundschaft nicht erlauben.
 
Alt 11.04.2007, 10:47   # 5
Bessel
Gastposter
 
So nimm denn meine Hände …

Berta und ich überlegten bis weit inne Nacht, wie wir dat Beerdigungsfest für den Hubertus Dachs würdig gestalten könnten.
Berta meinte, ich müsse ma langsam meine Trauerkleidung auswechseln, der enge Hochzeitsanzug wär nich mehr so ganz dat Richtige.
„Willi, morgen früh marschiersse zuallererst inne Bahnhofs-Pfandleihe und kucks da nach m vernünftigen schwatten Anzug. Schuhe und n weißet Hemd hasse auch dringend nötig. Mehr als zwanzig Mark darf der Kram nich kosten, hasse mich verstanden?“
Recht hatte se. Bei so vornehme Leute wie die Jäger durfte ich mich durch mein Äußeret nich lächerlich machen

Ich köppte gerade mein Frühstücksei und peilte inne Tageszeitung rein. Ich las dat Käseblatt neuerdings von hinten und dachte: Wo steht denn nur die verdammte Traueranzeige von dem Hubertus Dachs?
Aha, da isse ja. Mann, toll aufgemotzt! Dann schlug ich den Lokalteil auf. Da las ich n halbseitigen Bericht: „Jäger ohne Jagdschein erschossen auf Hochsitz...“
Jäger D. aus W., natürlich, dat war der Dachs aus Wanne. Dat durfte doch wohl nich wahr sein!
„Bertaaa!“, rief ich, „kuck ma hier inne Zeitung. ‚Jäger ohne Jagdschein …’, seltsam, Berta, höchst seltsam! Ich fahr schnell ma nach Wanne. Ich muss da dringend wat klären. Hier iss wat faul, dat wittere ich!“

Nein, ich bin nich zuerst inne Zeitungsredaktion geradelt, nee, ich fuhr direkt zur stadtbekannten Jägerkneipe „Mümmelmann“. Die Jäger saßen hier schon morgens nach dem Frühansitz und gaben sich tüchtig die Kante.
„Waidmannsheil und Glück auf“, begrüßte ich fünf grüne Frühaufsteher am Jägerstammtisch: „Darf ich mich n Moment setzen?“
„Sitz!“, befahl der Oberplatzhirsch.
„Mein Name iss Willi Püttmann, ich komme aus …“, ich brauchte gar nich weiterreden, da antworteten die Jäger im Chor: „… aus Herne.“ Nee, sonne Popolarität hätte ich hier wirklich nich erwartet. Ich schmiss ne Doppelrunde und kam zur Sache.
„Hört ma, ich soll da Freitag son paar Worte über den Hubertus Dachs sagen. Wat war da los auffem Hochsitz? Seine Alte hat mir wat von Jagdunfall erzählt und wat für’n guter Waidmann ihr Hubertus war, die hat mich mit eurer Jägersprache ganz bekloppt gemacht.“

Die Jäger lachten sich kaputt. Dann zogen die Grünröcke vom Leder.
Hubertus Dachs hätte jahrelang mit seiner Frau in fremden Revieren gewildert. Der Schurke hätte endlich seine gerechte Strafe erhalten. Familie Dachs hätte nur noch vom gewilderten Wildbret gelebt. Seine Baufirma sei seit vier Jahren pleite. Die Dachsens wären keinen Schuss Pulver wert. Frau Dachs wäre die Gewissenlosere von beiden und betrüge schon seit Jahren ihren Mann. Die Revierinhaber ringsum könnten endlich aufatmen. Ein Strafverfahren wegen Wilderei wäre bereits eingeleitet.

Dat waren ja tolle Geschichten! Ich dankte den Jägern mit ner Doppelrunde.
„Willi, wir kommen alle zur Beisetzung. Nein, nicht wegen dem Dachs, dem Schuft, nee, nur um deine Rede zu hören, Waidmannsheil!“

Stolz wie Oskar bin ich dann ab inne Pfandleihe und kam dort bestens parat. Hab alle Klamotten für nur achtzehn Mark erstanden. Berta würde sich freuen.
Weil die Jagdkerle bekanntlich schon ma Jägerlatein erzählen, erkundigte ich mich noch sicherheitshalber bei meinem alten Schulfreund Albert Brygulla. Der war bei der Kripo in Herne und bestätigte den Sachverhalt. Die Ermittlungen liefen noch.

Scheißegal, dachte ich. Der Dachs iss auch nur n Mensch, der muss inne Erde. Außerdem hasse ja schon dat Geld für die Rede inne Tasche. Ein Mann, ein Wort. Wenn einer inne Klemme steckt, dem helfe ich. Ja, und für dat gute Honorar mach ich auch gerne ma wat Besonderet. Hubertus Dachs war son Fall.

Ich fuhr zur Volksschule am Adolf-Hitler-Platz, oh, nee, der hieß ja jetz Schützenplatz. Herr Direktor Traugott Trampel, der Klassenlehrer von meinem Sohn Niklas, begrüßte mich überschwänglich und gratulierte zu meiner neuen beruflichen Tätigkeit als Grabredner. Dat wusste der Schleimer auch schon! Nee, dachte ich, wat iss dat hier fürn Provinzloch, dat sich allet so schnell rumquatschen tut.
„Herr Direktor, ich bin verzweifelt, morgen muss ich n Waidmann beerdigen. Der Kunde wünscht sich zum Abschied n Jägerlied. Könnten Sie mir vielleicht mit Ihrem Schulchor ausse Patsche helfen?“
Der Mistkerl zögerte. Ich griff inne Tasche und zückte nen Zehner. „Herr Direktor, ich lass mich nich lumpen. Ich geb wat für die Schulkasse.“
„Aber, aber, Herr Püttmann, das ist doch selbstverständlich. Ich helfe Ihnen gerne. Wir haben in den letzten Wochen ein wunder-wunderschönes Jägerliedlein geprobt. Sie kennen es sicherlich. ‚Im grünen Wald, da …’“ – ich unterbrach ihn, als er mir gerade dat ganze Lied vorsingen wollte.
„Ich kenn dat Lied, dat iss goldrichtig. Dat iss dat Lied, wo der Jäger seine Knarre an den Baum knallt. Herr Direktor Trampel, gern würde ich noch mit Ihnen plaudern, ich muss mich leider sputen. Hier auffem Spickzettel steht allet für die Beerdigung drauf. Wann, wo, usw.“

Beim Verabschieden hab ich ihm die zehn Mark inne Hand gedrückt.
Wahrscheinlich hat sich der Schweinehund die inne eigene Tasche gesteckt. War mir egal, Hauptsache, der kam mit dem Chor.
Ich rief ihm noch zu: „Für dat Geld muss noch wat Ergreifendet geschmettert werden, ein Tränenlied, wat jeder kennen tut.“
Der Blödmann verbesserte mich: „Was jeder kennt, Herr Püttmann. Alles sonst vorbildlich. Ich werde den Chor selbst leiten. Stets zu Diensten. Auf Wiedersehen, Herr Püttmann."

Die halbe Nacht studierte ich die Teutsche Jagdbrauchtumslehre und war morgens für die Rede bestens gerüstet. Et konnte losgehen.
Ich schwang mich mit den neuen Trauerklamotten auf mein Fahrrad und radelte zum Friedhof. Ich traute meinen Augen nicht. Etwa hundert Leute standen da in langer Reihe und wollten von Hubertus Dachs Abschied nehmen. Ich wurde nervös, fast übel wurde mir. Sogar Presseleute lungerten mit ihren Kameras am Grab rum.
Patrizia-Eleonore Dachs stand in ihren jagdgrünen Klamotten inne ersten Reihe. Sie hatte wieder ihren schrecklichen Jagdhut auffem Kopp, von dem fiesen Dingen hing heute n schwatter Schleier über ihr hübschet Gesicht.
Mit lauter Stimme weckte ich die Trauergäste mit dem starken Satz:
„Hubertus Dachs ist eingegangen, eingegangen in die ewigen Jagdgründe.“
Sofort hatte ich die nötige Aufmerksamkeit.

„Ich frage euch: Glaubt ihr, dat Hubertus Dachs ein Sünder war, weil er nich inne Kirche gelatscht iss, sich lieber in Gottes freier Natur aufhielt?
Nein, meine Freunde, so iss dat ma überhaupt nich.“

Ich hob mein Gesicht gen Himmel. Dat untermauerte den nächsten
Satz: „Hubertus’ frommer Blick im Wald zum Himmel war besser als dat falsche Gebet von so manch einem scheinheiligen Frömmling in euren Reihen. Dat schreibt euch ma alle hinter die Löffel! Wer von euch hat noch nie im Leben Schei …, äh, Mist gebaut, der werfe dem Hubertus den ersten Wackermann auf die Kiste drauf.
Er war mit seinen 82 Jahren noch ein verdammt guter Schütze und hat waidgerecht gejagt. Leider nich ganz legal und leider immer nur in fremden Revieren. Dat iss wohl wahr, aber, Herrschaften, ne eigene Jagd iss ja auch fürn normalen Sterblichen unerschwinglich! Ich sage euch: Dem Wild war dat egal, von wem et erlegt wurde. Die Tierleins wollten den Schuss nur nich mehr mitkriegen, vor allem nich leiden. Dat war den Tierkes sehr wichtig. Und unserem Hubertus Dachs auch! Er schoss ne saubere Kugel, alle Tiere lagen im Knall! Nur darauf kommt et bei der Jagd an!“

Ich rief den angetretenen Jagdhornbläsern zu: „Bläsergruppe, bitte Aufstellung nehmen und dat letzte ‚Halligalli’, Verzeihung, ich meine, das letzte ‚Halali’ blasen!“ Sechs Bläser bildeten eine Reihe und waren über meine präzise Anweisung höchst erstaunt.

Nach dieser musikalischen Einlage redete ich weiter.
„Hubertus Dachs war durch und durch leidenschaftlicher Jäger. Seine Passion hat ihn sogar in den finanziellen Ruin getrieben. Jagdpassion iss Sucht, und Sucht iss ne Krankheit! Durch diese schwere Erkrankung musste er sogar seine Baufirma platt machen.“

Die Jäger inne ersten Reihe kuckten böse und murmelten sich wat Verächtlichet in ihre Bärte rein.
„Liebe Jägersleute, nehmt dem Hubertus Dachs dat nich so krumm mit seinen krummen Sachen. Er konnte seine junge, anspruchsvolle Frau doch nur noch auf der Jagd befriedigen. Sie half ihm nach besten Kräften, wenn er auf dem Hochsitz seine Büchse nich mehr hochkriegte, er war ja schließlich nich mehr der Jüngste. Auch seiner Frau solltet ihr vergeben und sie in eure Jagdreviere einladen, dann hört dat Wildern automatisch auf.“

Die Träger ließen Hubertus Dachs mit Hörnerklang in die ewigen
Jagdgründe hinab. Dat klappte hier allet wie am Schnürchen. Die ersten Tränen kullerten.
Wo blieb nur der verdammte Kinderchor? Aha, endlich! Nee, dat gab et doch nich!
Da kam Direktor Trampel mit der halben Schule anmarschiert. Wo
sollte ich denn diesen „Fischerchor“ noch unterbringen? Blitzschnell kombinierte ich und rief mit fester Stimme: „Ey, da vorne, ma herhörn! Allet zehn Schritte zurück! Lasst den Chor durch.

Der Schuldirektor dirigierte mit gewichtiger Miene seinen Chor. Dat war unheimlich ergreifend. Mir standen Tränen inne Augen drin. Ich nahm meinen Schappoklack vom Kopp.
„Ja“, sachte ich nach der letzten Strophe, „Hubertus hätte seine leere Büchse auch besser vor son Baum gehauen, sein Leben war wirklich nur ein Traum, ein Albtraum.

Der Schulchor schmettert noch ein letztet Lied. Danach pirscht ihr Jäger alle zum Hubertus und verzeiht ihm, soweit ihr dat können tut.“
Patrizia-Eleonore Dachs verabschiedete sich als Erste von ihrem geliebten Mann. An ihrer Seite stand Oberbürgermeister Ratlos. Sie zog von ihrem Jagdhut einen Fichtenzweig und warf ihn auf den Hubertus.

Der Schulchor begann mit dem Abschiedsliedchen: „So nimm denn
meine Hände …“
Wat war denn da plötzlich in die Frau Dachs gefahren? Drehte die Frau jetz durch? Ich sah schockiert, wie die arme Frau dat Liedchen wörtlich umsetzte und tatsächlich ihre Hände weit nach vorne ausstreckte. Warum tat se dat, verdammt noch ma?
Ich hörte Handschellen klicken. Zwei Männer im Trenchcoat und
Schlapphut führten sie ab.
Der fesche Oberbürgermeister Sigismund Ratlos erhielt die gleiche Behandlung!
Die Presseleute hatten auf diesen Moment gelauert. Sie zückten
die Kameras. Blitzlichtgewitter! Die Zeitungskerle waren voll eingeweiht.

Laut Morgenpresse fand die Kripo bei der Hausdurchsuchung
den zweiten Jagdhandschuh von Frau Dachs - mit eindeutigen Blut und Schmauchspuren. Im Keller – im Keller von Oberbürgermeister Ratlos.

Fortsetzung folgt.
 
Alt 12.04.2007, 22:17   # 6
immorb
Gastposter
 
Zitat:
Zitat von Bessel
schwarze Ruhrpottsatire
Es tut mir aufrichtig leid wenn ich ihre poetischen Ergüsse unterbreche.
Wenn sie schon so etwas von sich geben,dann bitte im richtigen Ruhrpottdeutsch,ein Ruhrie versteht das Gelaber nicht.
Das geht nehmlich ganz anders.
Also hoemma, da gibbet doch noch die Regel mit den " am fangen", ne, dat gebrauchse doch so, wensse ne Tätichkeit beschreiben tus, die de gerade beginnn wills! Zum Beispiel: am backn fangn, am singn fangn etc. - Wennse getz nich bald am lernen faengs, dann faengse dir ne paar!
Frage:
Was ist ein Mutterklötzchen??
Was ist ein Brötchen

In dem Sinne,selbstzerstörendes Posting.

M.f.G.
 
Alt 24.04.2007, 15:42   # 7
King W.
Team SAT-Technik
 
Benutzerbild von King W.
 
Registriert seit: 01.01.2006
Ort: mitten im Kohlenpott
Beiträge: 8.847
Jetz hasse ihn faärgert. Jetz schreipta nix mehr.
 
Alt 24.04.2007, 15:48   # 8
Pascal1984
Swagman
 
Benutzerbild von Pascal1984
 
Registriert seit: 21.12.2006
Ort: Solothurn, Schweiz
Beiträge: 2.138
Ach, "Schriftsteller" haben wir hier zur Zeit doch wie Sand am Meer
 
Alt 24.04.2007, 15:55   # 9
Lady
weiss wovon sie redet
 
Benutzerbild von Lady
 
Registriert seit: 29.06.2005
Ort: Planet Erde
Beiträge: 2.301
und schreiben eh nur Müll:doener:
 
Alt 24.04.2007, 15:55   # 10
Gudruninge
weiss wovon sie redet
 
Benutzerbild von Gudruninge
 
Registriert seit: 22.03.2007
Beiträge: 475
Zitat:
Zitat von Pascal1984 Beitrag anzeigen
Ach, "Schriftsteller" haben wir hier zur Zeit doch wie Sand am Meer
kann ja nicht jeder gleich ein philosoph sein

Gut mit den Anführungszeichen kann man das gelten lassen :tuedelit:
 
Alt 24.04.2007, 15:59   # 11
Pascal1984
Swagman
 
Benutzerbild von Pascal1984
 
Registriert seit: 21.12.2006
Ort: Solothurn, Schweiz
Beiträge: 2.138
Zitat:
Zitat von Gudruninge Beitrag anzeigen
Gut mit den Anführungszeichen kann man das gelten lassen
Oh ja, auf die Anführungszeichen lege ich in diesem Fall besonders wert
 
Alt 24.04.2007, 16:04   # 12
Lady
weiss wovon sie redet
 
Benutzerbild von Lady
 
Registriert seit: 29.06.2005
Ort: Planet Erde
Beiträge: 2.301
Das würde ich an deiner Stelle auch tun
immorb ein Brötchen ist so ein kleines rundes oder eckiges Teil gibt es meist beim Bäcker und in verschiedenen Sorten devielbae: kannst auch bei nachsehen:aufelefa: latzer: latzer:
__________________
Erst Lesen dann Denken dann Posten
 
Alt 24.04.2007, 16:16   # 13
egomane
 
Benutzerbild von egomane
 
Registriert seit: 13.02.2007
Ort: Zu Hause
Beiträge: 2.402
Zitat:
Zitat von Lady Beitrag anzeigen
Das würde ich an deiner Stelle auch tun
immorb ein Brötchen ist so ein kleines rundes oder eckiges Teil gibt es meist beim Bäcker und in verschiedenen Sorten devielbae: kannst auch bei nachsehen:aufelefa: latzer: latzer:
kannste tatsächlich bei google nachsehen

Brötchen ---> Steine, die zum Beschweren der Talfahrt auf das Förderband gelegt werden

Mutterklötzchen ---> etwa 30 cm langes Mittenstück (astfrei) aus Holzstempeln herausgeschnitten. Es wurde mit Draht oben, mittig und unten umwunden und dann mit Grubenbeil und Fäustel so immer wieder längs gespaltet, dass man zu Hause "bei Mutter" nach dem Entfernen der Drähte fix und fertiges Anmachholz für den Ofen hatte. Es wurden natürlich nur von den Stempeln "Mutterklötzchen" geschnitten, die nicht unmittelbar für den Ausbau gebraucht wurden, also die im Streb oder in der Strecke als Vorrat gelagert waren.

__________________
putze
Das Auge eines Straußes ist größer als sein Gehirn. (Ich kenne Menschen, bei denen ist das nicht anders) 4072lo3
 
Alt 25.05.2007, 11:22   # 14
Bessel
Gastposter
 
Lohengrin

Ruckzuck ging dat mit dem Umzug von unserer Zweizimmer-Hucke in dat Einfamilienhaus.
Wir hatten an guten Möbeln nix inne alten Bude stehn, deshalb landete fast allet aufm Sperrmüll.
Son bissken weh tat dat schon, schließlich waren dat unsere ersten Brocken. Der Abschied vonne vertrauten Zechensiedlung und die Nachbarn war auch nich so ohne. Berta baute tagelang am Wasserwerk.

Vonne Penunzen ausse Trauerfestreden und dat bissken Stütze richteten wir uns rundum neu ein. Nich in Schippedähl oder wie dat heißen tut, nee, nur in echtet, klassischet Gelsenkirchener Barock. Die Knete reichte sogar noch für ne gebrauchte Flimmerkiste. Unseren uralten schwatten Volksempfänger tauschten wir beim Antiquitätenhändler gegen ein fast neuet Röhrengerät.
Jeder Sohnemann hatte sein eigenet Zimmer, Berta bekam ne große Küche, sogar mit Kühlschrank drin, und ich richtete mir n repräservativet Büro ein. Endlich konnte ich meine lieben Verstorbenen, ich meine natürlich, deren Angehörige, würdig empfangen.
Vor dem Haus prangte n großet Schild:

„Wilhelm Püttmann, Spezialist für alle weltlichen Trauerreden“

Ja, und die Wohngegend, die war einsame Spitze! Hier wohnten fast nur Doktors, Studienräte, Obersteigers und Neureiche in ihre Villas.
Zuerst fielen uns zwei Nachbarn auf. Dat waren für mich zwei völlig undefinierbare Gestalten. Nach denen konnze die Uhr stellen. Morgens um 8.30 Uhr, mittags um 12.30 Uhr und abends um 19.45 Uhr verließen die mit ihrem Kläffer dat Nachbarhaus und drehten ne halbe Stunde ihre Gassirunde.
Nun, dat wär uns bestimmt nich sonderlich aufgefallen, wenn die Typen nich mit so komischen Klamotten rumgelaufen wären und ihren Köter nich im rosa Strickpullover und ner langen lila Hundeleine ausgeführt hätten.
Dat größere Wesen hatte rote Stöckeltreter anne Füße, trug nen braunen, eng taillierten Damenledermantel und hatte ne breite gelbe Filzbombe auffem Kopp. Der Kerl setzte seine Stelzen wie n Manneköng und schaukelte dabei den Hintern.
Die andere Figur, dat war son Blonder mit nem strengen Bubikoppschnitt. Der hatte n grauet Flanellkostüm am Balg und trug schwatte Lackstiefel, die ihm bis anne Knie reichten. Diese Person ließ wie ne Prosti …, Prosta …, also wie ne Bordsteinschwalbe son rotet Lacktäschchen am langen Arm baumeln, ging pillegrad und hakte sich bei dem langen Geschöpf ein. Die Kerle gibbelten auffallend laut, turtelten wie blöd und himmelten sich an. Die knutschten sich sogar manchma mitten auffe Straße, dat schamlose Gesindel!

Mir kam der Verdacht, dat mit den beiden irgendwat nich stimmen tat.
Selbst unseren Blagen war dat dösige Getue dieser seltenen Heinis längst aufgefallen. Die lachten sich jedet Mal über die zwei kaputt, winkten hinter den Gardinen, kloppten anne Fensterscheiben und warfen Kusshändchen.
Dafür sahen se regelmäßig den Stinkefinger.
Ich fragte meine Berta: „Hömma, Berta, die Kerle sind mir unheimlich. Könnte et sein, dat die vom andern Ufer, also, du weiss schon, son bissken andersrum sind?“
„Nee, Willi, dat sind nur Tunten. Die sind harmlos, aber manche sind auch stockschwul.“ Ich war überrascht, dat Berta im Beisein vonne Blagen so abscheuliche Wörter gebrauchen tat.
„Sach ma, Berta, iss Schwulsein in Deutschland nich streng verboten? Gibt et da nich son Sittenparagraf, der die Kerle einlochen könnte? Die stellen doch ne große Gefahr für die Allgemeinheit dar!“

Da sachte doch tatsächlich unser zwölfjähriger Sohnemann: „Nu weisse, Papa, du biss ja wirklich noch von vorgestern. Dat sind 175-er, der 17. 5. iss deren höchster Feiertag. Hasse denn noch nix vonne Schwulenreform gehört? Wir Männer dürfen uns jetz, wenn wir über 18 sind, ungestraft knutschen.“

Ich hab nix mehr zu dem Thema gesacht, hab nur ma heimlich in unser Lexikon gepeilt und mich über diese verdrehten Typen schlau gemacht. Mir war danach richtig kodderich.

Zwei Tage später hörte ich vor unserem Haus quietschende Reifen und n dumpfen Knall. Ich stürzte zum Fenster und sah die Bescherung. Die beiden Tunten liefen völlig aufgelöst um einen VW rum. Ihr Bello im rosa Strick, der regelmäßig an unsere Eingangstür pisste, lag vor dem Auto und war hinüber.
Sonst ging der Köter immer anne Leine, warum heute nich? Ging mich nix an. Wat hatte ich mit den beiden Schwuchteln und dem Türpisser zu tun? Nix. Also konzentrierte ich mich wieder auf die nächste Trauerfestrede.

Am Nachmittag, so gegen drei, standen die zwei Süßen vor unserer Tür. Beide trugen Hüte mit langen Trauerschleiern, die ihnen bis zum Hintern hingen. Der Kurze hatte sich um seinen rechten Unterarm noch zusätzlich ne schwatte Trauerbinde gebunden.
„Glück auf“, grüßte ich und fragte höflich, „wat wollt ihr von mir? Karneval iss erst in zwei Wochen. Wat soll eure bekloppte Maskerade?“
Der Lange machte zuerst seinen ekelhaft geschminkten Mund auf:
„Lieber, lieber Nachbar Wilhelm Püttimann …, äh …, sorry, Püttmann. Uns ist überhaupt nicht nach Karneval zumute, nein, nein.“
Er schluchzte laut, und der Kurze stimmte mit in dat Gewinsel ein.
Ich dachte: Verdammt, iss die Trauer nur gespielt, oder sind die wirklich so daneben? Wat machsse mit die Typen? Auf keinen Fall lässt du die Jammerlappen inne Bude rein!
Berta hörte dat Schluchzen und kam zur Haustür geflitzt. Sie hatte natürlich wieder Mitleid mit den Armen – den Warmen.

„Kommen Se doch bitte rein“, sachte se, „dat iss aber nett, dat Se sich als unsere Nachbarn vorstellen wollen. Ich bin Berta Püttmann, und dat iss mein lieber Willi. Legen Se doch bitte ab und setzen Se sich int Bürochen rein. Ich koch gleich ma n Köppchen Kaffee, ich hab auch noch n Stücksken Pflaumenkuchen.“

„Pardon, gnädige Frau“, schnulzte der Lange, „wegen unserer tiefen Trauer vergaßen wir, uns vorzustellen. Ich bin Rudolfo von der Tucke, und das ist mein lieber Lebensgefährte Eribert Hinterlader.“

Ich kriegte fast die Motten. Da führte doch tatsächlich meine Frau zwei Schwuchteln in unser ehrenwertet, unschuldiget Haus rein. Wenn dat unsere Vermieterin gesehen hätte, die würde uns sofort den Mietvertrag kündigen, dat war so sicher wie dat Amen inne Kirche. Ich war schwer in Brass.
„Ihr habt euch vorgestellt, wollt ihr sonst noch wat? Meine Zeit iss knapp, ich hab nen Haufen Arbeit auffem Schreibtisch.“
„Ach, mein lieber Willili, schicken Sie uns doch nicht sogleich fort. Sehen Sie denn nicht, dass wir in tiefer Trauer sind? Wir sind völlig verzweifelt. Haben Sie denn nichts von dem schrecklichen Unfall heute Morgen gehört? Drang unser Klagen nicht an Ihr Öhrchen? Unser armer kleiner Lohengrin wurde vor Ihrer Haustür überfahren.“
Ich unterbrach ma kurz.
„Hömma, Kamerad, ich bin nich euer Willili, merkt euch dat. Und übrigens, ich hab da wat gehört. Dat passiert doch hunderttausend Mal am Tach. Da macht man doch nich son Theater. Dat Auto hatte doch vorne nur ne kleine Beule.“

Ich fragte die beiden Heulsusen scheinheilig: „Sacht mir doch ma, wer iss dat denn, der Lohengrin, iss dat n Familienmitglied?“
„Oh, unwissender Wilhelm, das war unser Herzblatt, unser kleiner Sonnenschein, unser liebes Hundilein. Er riss sich von der dummen, dummen Leine und lief direkt in ein böses, böses Auto. Er ist jetzt tot – mausetot.“ Die beiden heulten wieder um die Wette.
„Ey, beruhigt euch ma, wat hab ich denn mit dem kaputten Auto zu tun?“
„Willi“, ereiferte sich der Kurze, „es geht hier doch nicht um das beschissene Auto, es geht hier um unser armes Baby, bitte strapazieren Sie nicht noch gemeiner unsere dünnen Nerven, ich bin der Ohnmacht nahe. Unser armes Hundilein, unser Baby, ist entseelt.“ Beide heulten wieder auf. Schrecklich!

„Berta, hasse dat mitgekriegt? Der Strickhund von die beiden iss kaputt. Ich weiß nich, wat dat mit uns zu tun hat.“
„Ja, Wilhelm, dat weiß ich auch nich. Vielleicht sagt ihr ma wat dazu.“
Wir kuckten die Weicheier gespannt an. Berta holte ne Rolle Lokuspapier, damit die Tränenströme nich auf unseren guten Teppich flossen.
Jetz kam der Rudolfo ausse Höhle:
„Bitte, Wilhelmchen, wir flehen Sie an, bitte, bitte, sprechen Sie am Grab unseres Babys ein paar klitzekleine tröstende Worte. Wir können das nicht in unserem Zustand. Wir bringen keinen Ton heraus.
Ein lieber, schnuckeliger Freund, unser Leibcoiffeur Rosario Hecktriebli wird die äußere Gestaltung des Grabes vornehmen. Unser Lohengrin, unser armer Schatz, wird unter einer kleinen Birke in bester Südwestlage seine letzte Ruhestätte finden. Schluchz. Es ist ja alles so schrecklich, so ungerecht, sooo gemein. Warum nahm man ausgerechnet uns das Liebste von der Welt?“
Ging dat Geheule schon wieder los. Die halbe Lokusrolle hatten die beiden schon verbraucht. Die Lidschattenfarbe und Wimperntusche waren schon in den Gesichtern verlaufen. Ekelhaft!
Die beiden gingen mir echt auffen Keks. Ich hatte mir allet verhältnismäßig ruhig angehört. Dat „Wilhelmchen“ hab ich auch noch geschluckt, dann platzte mir aber der Kragen:
„Seid ihr beiden total bekloppt? Wat fällt euch durchgeknallten Vögel eigentlich ein, mich hier für sonne abartige Grabrede anzubaggern? Macht, dat ihr rauskommt, ich kann euer Parfümgestank und dösiget Gejammer nich mehr ertragen!“
Berta war über meine Reaktion entsetzt und lenkte ma wieder ein.
„Willi, beruhige dich doch. Wat iss denn daran so schlimm, son kleinen Hund zu beerdigen?“

Der Kurze wurde sogar noch saufrech: „Lieber Herr Püttmann, lieber Nachbar Wilhelm, warum sind Sie so intolerant gegen Menschen, die Ihren hetero-fanatischen Vorstellungen nicht entsprechen?“
„Hömma, mein Freund, wenn dat Hetero-Gedöns wat Unanständiget iss, dann vermöbel ich dich hier auffe Stelle. Berta, hol ma dat Lexikon aussem Schrank. Ihr bleibt bis zur Aufklärung hier sitzen!“
Ich kuckte in dat schlaue Buch. „Aha, ‚Hetero’, so einer iss dat, ja, da habt ihr noch ma Massel gehabt.“ Ich verließ den Raum, ich konnte die Spinatwachteln nich mehr sehen.

Berta beschwichtigte die zwei Elendshäufchen, die zusammengesackt auf ihren Stühlen hockten: „Mein Mann iss durch den Umzug und die viele Arbeit sehr nervös und gereizt, bitte entschuldigen Sie sein Verhalten.
Er wird morgen selbstverständlich ein paar Worte am Grab von Ihrem armen Lohengrin sprechen, dafür sorge ich, Sie können sich auf mich verlassen.“
„Ach, Frau Püttmann“, sülzte der Rudolfo, „Sie Gute sind ja so einfühlsam, so mitempfindend, Sie blicken ja so tief in unsere traurigen Herzen. Bitte überreden Sie Ihren zornigen Wilhelm.“
Er zückte die Brieftasche und legte 150 DM auffen Schreibtisch.

Nachdem Berta die beiden verabschiedet hatte, kam ich anne Reihe. Berta machte mich rund. Und wie! Ich kriegte nen Einlauf über Toleranz und Mitgefühl:
„Wilhelm, dir gehen menschliche Gefühle total ab, du biss ein stinkkonservativer Ignorator und eiskalter Knochen! Willi, dat sind unsere Nachbarn. Von Einfühlsamkeit hasse wohl noch nie wat läuten gehört.
Die beiden haben uns nix getan. Dat sind hochsensible Menschen, die tun keiner Fliege wat zuleide. Sei froh, dat dich die Natur nich so hart bestraft hat. Und übrigens, ich hab bereits dat Honorar vom Hinterlader inne Tasche.
Und noch wat, Wilhelm, hasse Tomaten auffe Augen? Geh ma vor die Tür und kuck dir ma dein Reklameschild an. Wat steht da drauf, he? Ich sach et dir. Angeblich bisse Spezialist für alle weltlichen Trauerreden.“

Dat stimmte! Berta hatte leider wieder ma Recht.

Aber da war noch wat anderet, wat mir plötzlich wie Schuppen ausse Haare fiel: Ich hatte ne neue, ergiebige Geldquelle angebohrt. Tierbestattungen!
So Trauerreden für Tiere könnten, verdammtjuchhe, der Renner werden.
Willi, dachte ich, du muss dat jetz pragma …, prag …, prag…, also, ganz nüchtern sehn.
Ratzfatz schrieb ich ne extra süße Trauerrede für den Lohengrin, damit sich dat bei die Tierhalters in Herne ganz schnell rumquatschen tat.
Zu meiner ersten Tierbestattung setzte ich mir selbstverständlich auch wieder den Schappoklack auffe Birne und dackelte mit Berta zu Hinterlader und Co.

Hier kriegte ich wie mit nem Knüppel einen vorn Kopp!
Da standen ungefähr zwanzig Backenspalter und Kampflesben in den schicksten Trauerklamotten um son kleinet, mit roten Rosen ausgeschmücktet Loch. Ich erkannte ausse Herner Prominenz jede Menge Leute. Dat hätt ich ja nie zu glauben gewagt, dat die auch …, nee, so wat!

Überall im Garten brannten weiße Kerzen und rote Grablichter. Ein weißer Baldachin mit rosa Schleifchen überdeckte dat Hundegrab. Ein Plattenspieler orgelte dat Konzert C von dem alten Bach.
Ne rosa Kiste stand neben dem Erdhäufchen. Ein riesiger Oschi von Basaltstein mit der eingemeißelten Inschrift „Lohengrin“ stand anne Koppseite.

Nach dem letzten Orgelton setzte ich mein Trauergesicht auf und bat die jammernde Trauerschar um Ruhe.

„Glück auf! Ja, liebe Trauergäste, dat Leben iss verdammt kurz. Der Lohengrin wurde nur drei Jahre jung. Er war für Eribert Hinterlader und Rudolfo von der Tucke der kleine Sonnenschein, ihr süßet Baby. Hundi Lohengrin hat dat Leben der beiden mit tierischer Freude erfüllt. Die Engel des Tierhimmels trugen Lohengrin auf rosa Schwingen in den unendlichen Hundihimmel.“

Ach du dicket Ei, Rudolfo fiel mit einem langen Seufzer in Ohnmacht.
Sofort kamen zwei Obertunten und hielten ihm Riechfläschchen unter seine Gurke. Eribert lief zum Telefon und rief den Notarzt.
Rudolfo bekrabbelte sich wieder, stand leicht verwirrt auf und ließ sich vorsorglich von zwei Schönlingen stützen. Sie streichelten mitfühlend über seinen Hintern.
Dat gefiel dem Eribert Hinterlader gar nich.
Eifersüchtig brauste er auf dat hilfsbereite Gespann zu und zischte: „Haut ab, ihr geilen Ratten, Rudolfi stütze ich, nur ich, verpisst euch!“ Er trampelte vor Eifersucht wie Rumpelstilzchen auffe Wiese rum.
Ich bat um Ruhe.
„Ja, et iss wirklich nen traurigen Anlass, dat wir Hundi Lohengrin heute inne Erde tun müssen, aber, meine Lieben, seid fröhlich, denn er iss inne andere, ne bessere Welt eingegangen. Dort gibt et keine bösen, bösen Autos und abartige Tierquäler, nur ein friedvollet Neben- und Übereinander.“
„Huch, wie schön, oh, wie herrlich, auch übereinander, ratatatata!“, rief da son Lüstling hochentzückt.

Solche Anspielungen verbat ich mir.

„Lohengrin hatte gute Menscheneltern, sie gaben ihm allet, wat son Hund braucht. Auslauf, Liebe, Schutz und Schappi. Gern hätten Rudolfo und Eribert ihr Baby Lohengrin auch die Brust gegeben.“
„Oh jaaa, das hätten wir, nicht wahr, Rudolfi? “

Ich fuhr fort: „Ihr habt den Lohengrin sehr verwöhnt. Ein Hund spürt so wat und vergisst dat nie. Er wird euch die Liebe tausendfach aus seinem Hundihimmel zurückschenken und auf ewig euer treuer Schutzengel sein. Lasst uns nun den Kläf …, äh, ich meine, den armen Lohengrin einbuddeln.“

Wat sich jetz vor dem Grab für Szenen abspielten, hatte ich noch bei keiner Beerdigung erlebt. Son kollektivet Aufheulen kann sich kein normaler Mensch vorstellen. Entweder standen hier nur Weltmeister im Trauerheucheln, oder die waren wirklich alle so bestusst. Die tuntige Trauergemeinde lag sich tröstend inne Arme und beweinte die Töle.
Plötzlich hörte ich hinter mir Schüsse. Ich versteckte mich hinter Berta.
Wat war da los?

Drei Amazonen ließen Sektkorken knallen, zwei andere kesse Väter schenkten roten Schampus in rosa Kelche ein. Im Nu hatte diese schrille Bande alle Trauer abgeschüttelt, und Rambazamba-Musik dröhnte volle Kanne aus vier Boxen. Hier war auf einmal der Bär los.
Die tuntigen Typen tanzten und knutschten miteinander. Aus der Trauerfeier machten die verdammten Heuchler blitzartig ne ausgelassene Sauf- und Sexorgie.
Berta gefiel dieses heitere Trauerfest. Sie soff mit, lachte und schwofte wie übergeschnappt mit diesen Hutzeputzels!

Dat war doch die Höhe! Ich riss sie wütend von diesen ausgelassenen Heimchen weg und flüchtete in unser gesittetet Heim, in dem noch Anstand und Ordnung herrschten.
 
Alt 29.05.2007, 11:46   # 15
Anoly
weiss wovon sie redet
 
Benutzerbild von Anoly
 
Registriert seit: 12.02.2007
Beiträge: 1.200
Mein Gott, wer hat hier Lust und Zeit, sich das alles reinzuziehen???:color: :n00b:
 
Alt 30.05.2007, 17:42   # 16
Bessel
Gastposter
 
Lohengrin

Ruckzuck ging dat mit dem Umzug von unserer Zweizimmer-Hucke in dat gemietete Einfamilienhaus.
Wir hatten an guten Möbeln nix inne alten Bude stehn, deshalb landete fast allet aufm Sperrmüll.
Son bissken weh tat dat schon, schließlich waren dat unsere ersten Brocken. Der Abschied vonne vertrauten Zechensiedlung und die Nachbarn war auch nich so ohne. Berta baute tagelang am Wasserwerk.

Vonne Penunzen ausse Trauerfestreden und dat bissken Stütze richteten wir uns rundum neu ein. Nich in Schippedähl oder wie dat heißen tut, nee, nur in echtet, klassischet Gelsenkirchener Barock. Die Knete reichte sogar noch für ne gebrauchte Flimmerkiste. Unseren uralten schwatten Volksempfänger tauschten wir beim Antiquitätenhändler gegen ein fast neuet Röhrengerät.
Jeder Sohnemann hatte sein eigenet Zimmer, Berta bekam ne große Küche, sogar mit Kühlschrank drin, und ich richtete mir n repräservativet Büro ein. Endlich konnte ich meine lieben Verstorbenen, ich meine natürlich, deren Angehörige würdig empfangen.
Vor dem Haus prangte n großet Schild:

„Wilhelm Püttmann, Spezialist für alle weltlichen Trauerreden“

Ja, und die Wohngegend, die war einsame Spitze! Hier wohnten nur Doktors, Studienräte, Obersteigers und Neureiche in ihre Villas.
Zuerst fielen uns zwei Nachbarn auf. Dat waren für mich zwei völlig undefinierbare Gestalten. Nach denen konnze die Uhr stellen. Morgens um 8.30 Uhr, mittags um 12.30 Uhr und abends um 19.45 Uhr verließen die mit ihrem Kläffer dat Nachbarhaus und drehten ne halbe Stunde ihre Gassirunde.
Nun, dat wär uns bestimmt nich sonderlich aufgefallen, wenn die Typen nich mit so komischen Klamotten rumgelaufen wären und ihren Köter nich im rosa Strickpullover und ner langen lila Hundeleine ausgeführt hätten.
Dat größere Wesen hatte rote Stöckeltreter anne Füße, trug nen braunen, eng taillierten Damenledermantel und hatte ne breite gelbe Filzbombe auffem Kopp. Der Kerl setzte seine Stelzen wie n Manneköng und schaukelte dabei den Hintern.
Die andere Figur, dat war son Blonder mit nem strengen Bubikoppschnitt. Der hatte n grauet Flanellkostüm am Balg und trug schwatte Lackstiefel, die ihm bis anne Knie reichten. Diese Person ließ wie ne Prosti …, Prosta …, also wie ne Bordsteinschwalbe son rotet Lacktäschchen am langen Arm baumeln, ging pillegrad und hakte sich bei dem langen Geschöpf ein. Die Kerle gibbelten auffallend laut, turtelten wie blöd und himmelten sich an. Die knutschten sich sogar manchma mitten auffe Straße, dat schamlose Gesindel!

Mir kam der Verdacht, dat mit den beiden irgendwat nich stimmen tat.
Selbst unseren Blagen war dat dösige Getue dieser seltenen Heinis längst aufgefallen. Die lachten sich jedet Mal über die zwei kaputt, winkten hinter den Gardinen, kloppten anne Fensterscheiben und warfen Kusshändchen. Dafür sahen se regelmäßig den Stinkefinger.
Ich fragte meine Berta: „Hömma, Berta, die Kerle sind mir unheimlich. Könnte et sein, dat die vom andern Ufer, also, du weiss schon, son bissken andersrum sind?“
„Nee, Willi, dat sind nur Tunten. Die sind harmlos, aber manche sind auch stockschwul.“
Ich war überrascht, dat Berta im Beisein vonne Blagen so abscheuliche Wörter gebrauchen tat.
„Sach ma, Berta, iss Schwulsein in Deutschland nich streng verboten? Gibt et da nich son Sittenparagraf, der die Kerle einlochen könnte? Die stellen doch ne große Gefahr für die Allgemeinheit dar!“

Da sachte doch tatsächlich unser zwölfjähriger Sohnemann: „Nu weisse, Papa, du biss ja wirklich noch von vorgestern. Dat sind 175-er, der 17. 5. iss deren höchster Feiertag. Hasse denn noch nix vonne Schwulenreform gehört? Wir Männer dürfen uns jetz, wenn wir über 18 sind, ungestraft knutschen.“

Ich hab nix mehr zu dem Thema gesacht, hab nur ma heimlich in unser Lexikon gepeilt und mich über diese verdrehten Typen schlau gemacht. Mir war danach richtig kodderich.

Zwei Tage später hörte ich vor unserem Haus quietschende Reifen und n dumpfen Knall. Ich stürzte zum Fenster und sah die Bescherung. Die beiden Tunten liefen völlig aufgelöst um einen VW rum. Ihr Bello im rosa Strick, der regelmäßig an unsere Eingangstür pisste, lag vor dem Auto und war hinüber.
Sonst ging der Köter immer anne Leine, warum heute nich? Ging mich nix an. Wat hatte ich mit den beiden Schwuchteln und dem Türpisser zu tun? Nix. Also konzentrierte ich mich wieder auf die nächste Trauerfestrede.

Am Nachmittag, so gegen drei, standen die zwei Süßen vor unserer Tür. Beide trugen Hüte mit langen Trauerschleiern, die ihnen bis zum Hintern hingen. Der Kurze hatte sich um seinen rechten Unterarm noch zusätzlich ne schwatte Trauerbinde gewickelt.
„Glück auf“, grüßte ich und fragte höflich, „wat wollt ihr von mir? Karneval iss erst in zwei Wochen. Wat soll eure bekloppte Maskerade?“
Der Lange machte zuerst seinen ekelhaft geschminkten Mund auf:
„Lieber, lieber Nachbar Wilhelm Püttimann …, äh …, sorry, Püttmann. Uns ist überhaupt nicht nach Karneval zumute, nein, nein.“
Er schluchzte laut, und der Kurze stimmte mit in dat Gewinsel ein.
Ich dachte: Verdammt, iss die Trauer nur gespielt, oder sind die wirklich so daneben? Wat machsse mit die Typen? Auf keinen Fall lässt du die Jammerlappen inne Bude rein!
Berta hörte dat Schluchzen und kam zur Haustür geflitzt. Sie hatte natürlich wieder Mitleid mit den Armen – den Warmen.

„Kommen Se doch bitte rein“, sachte se, „dat iss aber nett, dat Se sich als unsere Nachbarn vorstellen wollen. Ich bin Berta Püttmann, und dat iss mein lieber Willi. Legen Se doch bitte ab und setzen Se sich int Bürochen rein. Ich koch gleich ma n Köppchen Kaffee, ich hab auch noch n Stücksken Pflaumenkuchen.“

„Pardon, gnädige Frau“, schnulzte der Lange, „wegen unserer tiefen Trauer vergaßen wir, uns vorzustellen. Ich bin Rudolfo von der Tucke, und das ist mein lieber Lebensgefährte Eribert Hinterlader.“

Ich kriegte fast die Motten. Da führte doch tatsächlich meine Frau zwei Schwuchteln in unser ehrenwertet, unschuldiget Haus rein. Wenn dat unsere Vermieterin gesehen hätte, die würde uns sofort den Mietvertrag kündigen, dat war so sicher wie dat Amen inne Kirche. Ich war schwer in Brass.
„Ihr habt euch vorgestellt, wollt ihr sonst noch wat? Meine Zeit iss knapp, ich hab nen Haufen Arbeit auffem Schreibtisch.“
„Ach, mein lieber Willili, schicken Sie uns doch nicht sogleich fort. Sehen Sie denn nicht, dass wir in tiefer Trauer sind? Wir sind völlig verzweifelt.Haben Sie denn nichts von dem schrecklichen Unfall heute Morgen gehört? Drang unser Klagen nicht an Ihr Öhrchen? Unser armer kleiner Lohengrin wurde vor Ihrer Haustür überfahren.“
Ich unterbrach ma kurz.
„Hömma, Kamerad, ich bin nich euer Willili, merkt euch dat. Und übrigens, ich hab da wat gehört. Dat passiert doch hunderttausend Mal am Tach. Da macht man doch nich son Theater. Dat Auto hatte doch vorne nur ne kleine Beule.“
Ich fragte die beiden Heulsusen scheinheilig: „Sacht mir doch ma, wer iss dat denn, der Lohengrin, iss dat n Familienmitglied?“
„Oh, unwissender Wilhelm, das war unser Herzblatt, unser kleiner Sonnenschein, unser liebes Hundilein. Er riss sich von der dummen, dummen Leine und lief direkt in ein böses, böses Auto. Er ist jetzt tot – mausetot.“ Die beiden heulten wieder um die Wette.
„Ey, beruhigt euch ma, wat hab ich denn mit dem kaputten Auto zu tun?“
„Willi“, ereiferte sich der Kurze, „es geht hier doch nicht um das beschissene Auto, es geht hier um unser armes Baby, bitte strapazieren Sie nicht noch gemeiner unsere dünnen Nerven, ich bin der Ohnmacht nahe. Unser armes Hundilein, unser Baby, ist entseelt.“ Beide heulten wieder auf. Schrecklich!

„Berta, hasse dat mitgekriegt? Der Strickhund von die beiden iss kaputt. Ich weiß nich, wat dat mit uns zu tun hat.“
„Ja, Wilhelm, dat weiß ich auch nich. Vielleicht sagt ihr ma wat dazu.“
Wir kuckten die Weicheier gespannt an. Berta holte ne Rolle Lokuspapier, damit die Tränenströme nich auf unseren guten Teppich flossen.
Jetz kam auch der Rudolfo ausse Höhle:
„Bitte, Wilhelmchen, wir flehen Sie an, bitte, bitte, sprechen Sie am Grab unseres Babys ein paar klitzekleine tröstende Worte. Wir können das nicht in unserem Zustand. Wir bringen keinen Ton heraus. Ein lieber, schnuckeliger Freund, unser Leibcoiffeur Rosario Hecktriebli wird die äußere Gestaltung des Grabes vornehmen. Unser Lohengrin, unser armer Schatz, wird unter einer kleinen Birke in bester Südwestlage seine letzte Ruhestätte finden. Schluchz. Es ist ja alles so schrecklich, so ungerecht, sooo gemein. Warum nahm man ausgerechnet uns das Liebste von der Welt?“
Ging dat Geheule schon wieder los. Die halbe Lokusrolle hatten die beiden schon verbraucht. Die Lidschattenfarbe und Wimperntusche waren schon in den Gesichtern verlaufen. Ekelhaft!
Die beiden gingen mir echt auffen Keks. Ich hatte mir allet verhältnismäßig ruhig angehört. Dat „Wilhelmchen“ hab ich auch noch geschluckt, dann platzte mir aber der Kragen:
„Seid ihr beiden total bekloppt? Wat fällt euch durchgeknallten Vögel eigentlich ein, mich hier für sonne abartige Grabrede anzubaggern? Macht, dat ihr rauskommt, ich kann euer Parfümgestank und dösiget Gejammer nich mehr ertragen!“
Berta war über meine Reaktion entsetzt und lenkte ma wieder ein.
„Willi, beruhige dich doch. Wat iss denn daran so schlimm, son kleinen Hund zu beerdigen?“

Der Kurze wurde sogar noch saufrech: „Lieber Herr Püttmann, lieber Nachbar Wilhelm, warum sind Sie so intolerant gegen Menschen, die Ihren hetero-fanatischen Vorstellungen nicht entsprechen?“
„Hömma, mein Freund, wenn dat Hetero-Gedöns wat Unanständiget iss, dann vermöbel ich dich hier auffe Stelle. Berta, hol ma dat Lexikon aussem Schrank. Ihr bleibt bis zur Aufklärung hier sitzen!“
Ich kuckte in dat schlaue Buch. „Aha, ‚Hetero’, so einer iss dat, ja, da habt ihr noch ma Massel gehabt.“ Ich verließ den Raum, ich konnte die Spinatwachteln nich mehr sehen.
Berta beschwichtigte die zwei Elendshäufchen, die zusammengesackt auf ihren Stühlen hockten: „Mein Mann iss durch den Umzug und die viele Arbeit sehr nervös und gereizt, bitte entschuldigen Sie sein Verhalten.
Er wird morgen selbstverständlich ein paar Worte am Grab von Ihrem armen Lohengrin sprechen, dafür sorge ich, Sie können sich auf mich verlassen.“
„Ach, Frau Püttmann“, sülzte der Rudolfo, „Sie Gute sind ja so einfühlsam, so mitempfindend, Sie blicken ja so tief in unsere traurigen Herzen. Bitte überreden Sie Ihren zornigen Wilhelm.“ Er zückte die Brieftasche und legte 150 DM auffen Schreibtisch.
Nachdem Berta die beiden verabschiedet hatte, kam ich anne Reihe. Berta machte mich rund. Und wie! Ich kriegte nen Einlauf über Toleranz und Mitgefühl:
„Wilhelm, dir gehen menschliche Gefühle total ab, du biss ein stinkkonservativer Ignorator und eiskalter Knochen! Willi, dat sind unsere Nachbarn. Von Einfühlsamkeit hasse wohl noch nie wat läuten gehört.
Die beiden haben uns nix getan. Dat sind hochsensible Menschen, die tun keiner Fliege wat zuleide. Sei froh, dat dich die Natur nich so hart bestraft hat. Und übrigens, ich hab bereits dat Honorar vom Hinterlader inne Tasche. Und noch wat, Wilhelm, hasse Tomaten auffe Augen? Geh ma vor die Tür und kuck dir ma dein Reklameschild an. Wat steht da drauf, he? Ich sach et dir. Angeblich bisse Spezialist für alle weltlichen Trauerreden.“
Dat stimmte! Berta hatte wieder ma Recht.
Aber da war noch wat anderet, wat mir plötzlich wie Schuppen ausse Haare fiel: Ich hatte ne neue, ergiebige Geldquelle angebohrt. Tierbestattungen!
So Trauerreden für Tiere könnten, verdammtjuchhe, der Renner werden. Willi, dachte ich, du muss dat jetz pragma …, prag …, prag…, also, ganz nüchtern sehn.
Ratzfatz schrieb ich ne extra süße Trauerrede für den Lohengrin, damit sich dat bei die Tierhalters in Herne ganz schnell rumquatschen tat.
Zu meiner ersten Tierbestattung setzte ich mir selbstverständlich auch wieder den Schappoklack auffe Birne und dackelte mit Berta zu Hinterlader und Co.
Hier kriegte ich wie mit nem Knüppel einen vorn Kopp!
Da standen ungefähr zwanzig Backenspalter und Kampflesben in den schicksten Trauerklamotten um son kleinet, mit roten Rosen ausgeschmücktet Loch. Ich erkannte ausse Herner Prominenz jede Menge Leute. Dat hätt ich ja nie zu glauben gewagt, dat die auch …, nee, so wat!
Überall im Garten brannten weiße Kerzen und rote Grablichter. Ein weißer Baldachin mit rosa Schleifchen überdeckte dat Hundegrab. Ein Plattenspieler orgelte dat Konzert C von dem alten Bach. Ne rosa Kiste stand neben dem Erdhäufchen. Ein riesiger Oschi von Basaltstein mit der eingemeißelten Inschrift „Lohengrin“ stand anne Koppseite. Nach dem letzten Orgelton setzte ich mein Trauergesicht auf und bat die jammernde Trauerschar um Ruhe.

„Glück auf! Ja, liebe Trauergäste, dat Leben iss verdammt kurz. Der Lohengrin wurde nur drei Jahre jung. Er war für Eribert Hinterlader und Rudolfo von der Tucke der kleine Sonnenschein, ihr süßet Baby. Hundi Lohengrin hat dat Leben der beiden mit tierischer Freude erfüllt. Die Engel des Tierhimmels trugen Lohengrin auf rosa Schwingen in den unendlichen Hundihimmel.“
Ach du dicket Ei, Rudolfo fiel mit einem langen Seufzer in Ohnmacht.
Sofort kamen zwei Obertunten und hielten ihm Riechfläschchen unter seine Gurke. Eribert lief zum Telefon und rief den Notarzt.
Rudolfo bekrabbelte sich wieder, stand leicht verwirrt auf und ließ sich vorsorglich von zwei Schönlingen stützen. Sie streichelten mitfühlend über seinen Hintern. Dat gefiel dem Eribert Hinterlader gar nich. Eifersüchtig brauste er auf dat hilfsbereite Gespann zu und zischte: „Haut ab, ihr geilen Ratten, Rudolfi stütze ich, nur ich, verpisst euch! “ Er trampelte vor Eifersucht wie Rumpelstilzchen auffe Wiese rum.
Ich bat um Ruhe.
„Ja, et iss wirklich nen traurigen Anlass, dat wir Hundi Lohengrin heute inne Erde tun müssen, aber, meine Lieben, seid fröhlich, denn er iss inne andere, ne bessere Welt eingegangen. Dort gibt et keine bösen, bösen Autos und abartige Tierquäler, nur ein friedvollet Neben- und Übereinander.“
„Huch, wie schön, oh, wie herrlich, auch übereinander, ratatatata !“, rief da son Lüstling hochentzückt.
Solche Anspielungen verbat ich mir.
„Lohengrin hatte gute Menscheneltern, sie gaben ihm allet, wat son Hund braucht. Auslauf, Liebe, Schutz und Schappi. Gern hätten Rudolfo und Eribert ihr Baby Lohengrin auch die Brust gegeben.“
„Oh jaaa, das hätten wir, nicht wahr, Rudolfi? “
Ich fuhr fort: „Ihr habt den Lohengrin sehr verwöhnt. Ein Hund spürt so wat und vergisst dat nie. Er wird euch die Liebe tausendfach aus seinem Hundihimmel zurückschenken und auf ewig euer treuer Schutzengel sein. Lasst uns nun den Kläf …, äh, ich meine, den armen Lohengrin einbuddeln.“
Wat sich jetz vor dem Grab für Szenen abspielten, hatte ich noch bei keiner Beerdigung erlebt. Son kollektivet Aufheulen kann sich kein normaler Mensch vorstellen. Entweder standen hier nur Weltmeister im Trauerheucheln, oder die waren wirklich alle so bestusst. Die tuntige Trauergemeinde lag sich tröstend inne Arme und beweinte die Töle.
Plötzlich hörte ich hinter mir Schüsse. Ich versteckte mich hinter Berta.
Wat war da los ?

Drei Amazonen ließen Sektkorken knallen, zwei andere kesse Väter schenkten roten Schampus in rosa Kelche ein. Im Nu hatte diese schrille Bande alle Trauer abgeschüttelt, und Rambazamba-Musik dröhnte volle Kanne aus vier Boxen. Hier war auf einmal der Bär los. Die tuntigen Typen tanzten und knutschten miteinander. Aus der Trauerfeier machten die verdammten Heuchler blitzartig ne ausgelassene Sauf- und Sexorgie.
Berta gefiel dieses heitere Trauerfest. Sie soff, lachte und schwofte wie übergeschnappt mit diesen Hutzeputzels!

Dat war doch die Höhe! Ich riss sie wütend von diesen ausgelassenen Heimchen weg und flüchtete in unser gesittetet Heim, in dem noch Anstand und Ordnung herrschten.
 
Alt 30.05.2007, 18:03   # 17
immorb
Gastposter
 
Zitat:
Zitat von Bessel
AW: Püttmanns ehrliche Grabreden - Folge 7
Herren ADMINS und MODS.
Ich fordere Schmerzensgeld.
Ich habe mich doch gebessert,bin nicht mehr so ein generatephpiy9

Ich =Pilatus,@Herr Bessel=Jesus und der löbliche @Reinhard Pfaffenberg= Barabas

"Wen soll ich euch freigeben: Barabas oder Jesus, der auch Christus genannt wird?

PS. wer den löblichen Herrn Pfaffenberg noch nicht kennt
==>> Reinhard Pfaffenbergs Heimseite

M.f.G.
 
Alt 30.05.2007, 18:53   # 18
Bessel
Gastposter
 
Die Inquisitte

Ich machte et mir gerade mit nem Tässken Kaffee inne Küche gemütlich.
Berta brachte mir die Tageszeitung, und ich ging wie jeden Morgen die Anzeigen mit die schwatten Kreuze durch. Schade, et war heute kein Bekannter dabei.
Ich blätterte zwei Seiten vor, da sprang mir n interessanter Artikel inne Augen rein.
Schlaue Buchforscher hatten inne geheimen vatikanischen Keller rumgestöbert und wat Bemerkenswertet rausgefunden.

„Berta, hömma zu: Die römische Inquisitte, nee, Inquisition steht da, hatte 1820 dat Benimmbuch, den ‚Knigge’, inne Buchzensur. Die guten Sitten von dem Freiherr von Knigge, widerstrebten dem Geist der katholischen Kirche’. Auch ‚Onkel Toms Hütte’ machte sich bei den Kerlen in Rom schwer verdächtig. Dat Buch sei son versteckten Aufruf für ne Revolution gewesen. Sach ma, Berta, sind die in Rom eigentlich total bekloppt?
Stell dir ma vor, du hättest damals unschuldig den Knigge gelesen, um dir für mich son paar Anstandsregeln einzutrichtern, da wärsse wahrscheinlich als Ketzerin auffem Scheiterhaufen gelandet wie die Jungfrau von New Orleans.
Hier steht noch wat, kuck ma: Die Bücher von dem Martin Luther wurden damals auch als äußerst verwerflich eingestuft. Den armen Martin hätten die frommen Brüder damals am liebsten kalt lächelnd abgemurkst.
Nur die Revoluzzerbücher von dem Charly Darwin und Hitlers ‚Mein Kampf ’ haben die Buchforscher vergeblich bei die verbotenen Bücher gesucht, iss dat nich seltsam?
Berta, glaub et mir, die Kirche hat auch heute noch überall die Finger drin und will alle Welt vorschreiben, wat se zu tun oder zu lassen hat.
Selbst inne Politik mischen die immer noch fleißig mit, und wenne nich gehorchen oder kapieren willz, bisse direkt n Ketzer.
Wat dann mit dir passiert, wirsse überhaupt nich mehr gewahr, weil dich die römische Inquisitte mit ihren neuzeitlichen Mafiamethoden ruck, zuck aussem Verkehr ziehen tut. Die Querdenker werden nich mehr öffentlich verbrannt oder gevierteilt, nee, son Ketzer von heute kriegt auffem Spaziergang unverhofft einen über die Birne oder findet sich tot unterm LKW wieder.“

Während wir so angeregt über den Zeitungsartikel quasselten, schellte dat Telefon.
„Berta, geh ma dran.“
„Willi, iss für dich, da iss son komischen Sekretär am Apparat.“
„Püttmann, Glück auf, wat kann ich für Sie tun? Termin? Kein Problem, heute 15 Uhr. Bis nachher, Glück auf.
Berta, dat war der Sekretär von som theologischen Privatdozent, wat der bloß von uns will? Hoffentlich hat man unser Gespräch von vorhin nich heimlich abgehört, und wir kriegen jetz mit die Brüder Ärger. Die schicken dich nämlich, wenne denen nich ganz koscher biss, son Exorzisten inne Bude, der dich so lange foltert, bisse nix Kritischet mehr über die Kirche quatschen tus.“
„Willi, jetz fängsse aber an zu spinnen. In unserem Haus haben die doch keine Wanzen versteckt. Vielleicht hängt der Besuch mit deinen Grabreden zusammen. Die haben nen Pick auf dich, weil du den Pfaffen int Handwerk pfuschst. Die haben dich bestimmt schon lange auffem Kieker.“
Dat war von meiner Berta verdammt logisch erklärt. Ich kriegte Muffe. Man kann dat bei die scheinheiligen Brüder nie so genau wissen, wat die im Schilde führn. Bis drei Uhr waren dat noch knapp fünf Stunden.
Hatten unsere Wände Ohren?

„Berta, dat ganze Haus wird sofort vom Dach bis zum Keller auf Wanzen und Kameras überprüft. Uns spioniert die vatikanische Mafia nich aus. Ruf die Blagen vonne Straße, die suchen mit.“
Ja, selbst den Telefonhörer hab ich auseinandergeruppt und gekuckt, ob da wat Auffälliget drinsteckte. Wir fanden im ganzen Haus keinen verdächtigen Hinweis auf Spionageaktivitäten.

Um fünfzehn Uhr hielt ein schwatter BMW vor unserem Haus. Wir beobachteten hinter der Gardine, wie ein Mann mit nem langen Staubmantel, also mit som typischen Agentenmantel, aus dem Auto stieg und schnurstracks die Treppe zu uns hochsprang. Flink, zu flink.
„Berta, der hat unser Haus bestimmt schon tagelang beobachtet, sonst hätte der Kerl zuerst ma die Hausnummer gesucht. Dat iss sehr verdächtig.
Solln wir die Tür überhaupt aufmachen?“
„Quatsch, Willi, mach dir nich inne Hose. Du hass doch dat große Reklameschild vor der Tür, dat kann man doch gar nich übersehen.“
Der Klingelton erschien mir viel lauter als sonst. Alle Sinne waren angespannt. Ich öffnete ängstlich die Haustür.

„Gott zum Gruße, Herr Püttmann, ich bin Bruder Franziskus Fröhlich. Darf ich eintreten?“
„Glück auf, Bruder Franziskus, kommen Se rein. Wolln Se ablegen? “
Er schüttelte uns ungewöhnlich lange die Flossen, Berta half ihm aussem Mantel und führte ihn in mein Büro. Ich fragte ihn:
„Bruder Franziskus, trinken Se n Pülleken Bier mit mir?“ Er lehnte mein Angebot dankend ab und bat verlegen um ein Tässchen Kaffee.

Er wirkte jetz überhaupt nich mehr geheimnisvoll, im Gegenteil, richtig sympathisch war der Kerl. Er war um die vierzig, trug n silbernet Kreuz auf seinem grauen Pullover, und seine blauen Augen passten gut
zu seinem Namen. Fröhlich blitzten sie uns an, checkten uns aber sehr genau ab.
„Lieber Bruder Fröhlich, womit kann ich dienen? Sammeln Se wat fürn guten Zweck?“
„Nein, nein, Herr Püttmann, ich komme zu Ihnen in einer sehr heiklen Mission, die absolute Verschwiegenheit gegenüber jedermann verlangt.
Mein Auftrag ist streng geheim und entbehrt nicht einer gewissen Tragik.“
„Bruder Franziskus, machen Se dat ma nich so spannend. Worum geht et denn? Und nebenbei, wat hier besprochen wird, bleibt hier inne vier Wände drin, dieser Raum iss verschwiegener als der Beichtstuhl vom Heiligen Vater. Und jetz ma raus mit die Sprache.“
„Ja, wie soll ich beginnen? Ich bin der Sekretär eines bekannten Theologen. Seine kritische Lehre war unserem Bischof und dem Heiligen Stuhl nicht genehm, man suspendierte ihn vom Priesteramt.“
Ich unterbrach ihn ma kurz:
„Bruder Franziskus, sagen Se jetz nich, dat Ihr Chef der Kirchenrebell Antonius Streitbürger iss?“
„Herr Püttmann, Sie überraschen mich. Sie sind nicht nur ein über die Gemeindegrenzen beliebter weltlicher Grabredner, sondern setzen sich auch mit dem Zeitgeschehen und der Kirche auseinander. Sie haben den Nagel auf den Kopf getroffen, ich komme tatsächlich in geheimer Mission von Hochwürden Antonius Streitbürger.“ Mir fiel der Kitt ausse Brille!

„Ihr Chef iss der bekannte Theo … äh, Theologe Streitbürger? Franziskus, ich verrate Ihnen watt, der Mann besitzt unsere ungebremste Verehrung. Der war doch der einzige Priester auffe Welt, der den Heuchlern in Rom ma gezeigt hat, wat son echten Theo …, Theologe aussem Ruhrpott drauf hat. Der machte eben nich jeden Mist mit, den die Kostümheiligen in Rom ihm auffe Augen drückten. Ich wette, dat auf Ihren Chef der Scharfrichter warten tut, um ihn als Ketzer öffentlich auffem Petersplatz zu köppen.
Aber sagen Se ma, wat hab ich und meine Familie damit zu tun? Wir können doch nix für seine vernünftigen Ansichten. Ich meine, et wär doch Opfer genug, wenn er stellvertretend für alle Ketzer im Ruhrpott dat Schafott besteigen würde, da muss er uns doch nich gleich mit reinziehen.“

„Herr Püttmann, ich bitte Sie, haben Sie keine Angst, so weit wird es nicht kommen. Mein Auftrag ist nicht nur äußerst heikel, nein, auch sehr, sehr traurig. Hochwürden lässt durch mich fragen, ob Sie an seinem Grab sprechen würden.“

„Wie? Wat soll ich? Wieso soll ich für einen lebenden Hirten der römisch-katholischen Kirche ne Grabrede halten? Ausgerechnet ich? Sie sind vielleicht gut! Sind Sie vom Messwein noch son bissken schicker?“
„Lieber Herr Püttmann, ich bin nüchtern, bitte lassen Sie mich erklären. Hochwürden ist krank, todkrank, sein Leibarzt bestätigte vor zwei Tagen, dass er nur noch wenige Wochen zu leben hat.
Sie, werter Herr Püttmann, hat Hochwürden auserkoren, die Grabrede zu halten. Er will keinen Priester oder Abgesandten aus Rom am Grab sehen. Er wünscht eine weltliche Beerdigungsfeier im kleinsten Kreis.“

„Nix da, ich hab doch kein Rad ab. Dat läuft nich mit mir. Meinen Se, ich würde mich mit Rom anlegen? Die machen mich und meine Familie fertig. Nee, bestellen Se Ihrem Chef nen schönen Gruß, ich danke für dat Vertrauen, aber noch bin ich nich lebensmüde. Außerdem bin ich kein Kirchenmitglied mehr.“

„Lieber Herr Püttmann, das wissen wir. Bitte kommen Sie dem Wunsche unseres sterbenskranken Hochwürden nach. Wir haben das Thema ‚weltliche Bestattung’ zwei Tage diskutiert, er wünscht nur Sie als Grabredner. Selbst ich darf die Trauerrede nicht halten, weil ich noch zu sehr mit den starren Riten unserer Kirche verwurzelt bin.“

Jetzt mischte sich wutschnaubend Berta ein:
„Willi, du biss ein elender Feigling! Die Zeiten mit die Inquisitte sind doch längst vorbei, du kannst doch den Letzten Willen einer so angesehenen Person nich einfach ablehnen. Dat iss doch für uns ne besondere Ehre. Für son tapferen Mann, der allen Gläubigen die Augen geöffnet hat, für den wirst du am Grab sprechen, iss dat klar?“
„Berta, du hass gut reden. Wen vierteilen se denn nach der Rede, he?“
Ich bat um zwei Tage Bedenkzeit. Bruder Franziskus übergab mir n Zettel mit der Telefonnummer vom Sekretariat und ein paar Daten aussem Leben von Hochwürden. Dann lächelte er milde: „Herr Püttmann, ich habe Ihre Bedenken erwartet und in unserem kurzen Gespräch erfahren dürfen, dass Sie wirklich der richtige Mann für uns sind. Außerdem möchte ich Ihnen nicht verschweigen, dass ich eine Ihrer letzten Grabreden persönlich beiwohnte und für Hochwürden heimlich mitschnitt.
Hochwürden waren begeistert. Gott mit Ihnen.“

Bruder Franziskus dankte sehr herzlich für das Gespräch und verließ unser Haus.
Er fuhr los, und ich beobachtete, wie ihn ein schwarzer 2,5-l-Adler-Diplomat folgte.

Ich besprach mit Berta die Lage. Sie bestand darauf, dat ich ohne Honorar den Auftrag erfüllen müsse, dat wäre doch wohl selbstverständlich. Und vonne vatikanischen Bestrafung wollte sie auch nix mehr hören.

Gegen siebzehn Uhr schellte et draußen Sturm. Ich riss genervt die Tür auf, da stockte mir der Atem.
Man stelle sich dat vor! Zwei hohe katholische Würdenträger standen mit ihren langen, prunkvollen Klamotten bei uns auffe Matte. Beide hatten so kleine, runde Käppis auffem Kopp. Dat eine war rot, dat andere schwatt.
Einer stellte sich als Bischof Rabenschwarz vor und machte mich mit seinem Kumpel, Seiner Eminenz, Kardinal Höllenzorn bekannt.
Ich peilte auf den vor unserem Haus geparkten Mercedes-Pullmann, da kriegte ich fast nen Ohnmachtsanfall. Vorne rechts und links war jeweils ne gelbweiße Fahne angebracht. Ich war mir sicher, dat war die Standarte vom Vatikanstaat. Am Steuer saß n Chauffeur oder sogar der Papst höchstpersönlich. Ich konnte dat nich so genau erkennen.

Die beiden stellten sich als Abgesandte des Heiligen Stuhls vor und baten um ne kurze Unterredung.
Sicherheitshalber ließ ich mir ihre Ausweise zeigen, denn et war der 11. im 11.!
Dann bat ich die Herren höflich herein. Klar, dat ich jetz schwer beunruhigt war, so hohe Kirchentiere statteten uns nich ohne Grund nen Besuch ab. Et musste um wat ganz Wichtiget gehen. Ich kriegte Schiss.

Mich befiel nämlich plötzlich sonne seltsame Vermutung. Ich fragte vorsichtshalber ma nach: „Ma wat anderet, meine Herren, iss Ihr oberster Chef auch schwer erkrankt?“
„Nein, Herr Püttmann, der Heilige Vater erfreut sich bester Gesundheit und lässt Sie und Ihre werte Familie, auch wenn Sie nicht mehr zu unseren Schafen zählen, herzlich grüßen.“
Ich war vonne Socken.
„Wie? Sie solln uns vom Papst grüßen? Der kennt uns doch überhaupt nich. Und woher wisst ihr, dat ich ausse Kirche ausgetreten bin?“
„Mein Sohn, der Heilige Vater weiß alles und kennt Sie, lieber Herr Püttmann, ganz besonders gut. Lassen Sie uns nun über Hochwürden Streitbürger sprechen.“

Der Bischof wurde auf einmal sehr sachlich.

„Wir wissen von dem 15-Uhr-Gespräch mit Sekretär Fröhlich. Wir wissen auch über die Krankheit unseres verlorenen Sohnes Streitbürger. Wir ahnen auch, dass Sie, mein Sohn, die Grabrede halten sollen. Das wird der Heilige Stuhl aus grundsätzlichen Erwägungen unter allen Umständen verhindern. Das ist auch der Grund unseres Besuchs, mein Sohn.“

Jetz hatte ich aber die Schnauze voll:
„Entschuldigen Sie bitte, meine Herren, aber dat geht zu weit! Dat geht Sie wirklich nix an, ob ich spreche, für wen ich spreche und wat ich sprechen tu, dat iss ganz allein mein Bier. Ich bin nur meiner Kundschaft verpflichtet.
Ich bin übrigens auch nich Ihr Sohn, ich kenne meinen Vater, merken Sie sich dat.“
Die beiden kuckten mich plötzlich so durchdringend an, als wär mein Todesurteil beschlossene Sache und von Rom längst abgesegnet.
Vorsichtshalber rief ich laut nach meiner Berta, denn die beiden wurden mir unheimlich. Irgendwie ging von denen Gefahr aus, dat spürte ich.
Dat waren mit Sicherheit neuzeitliche Inquisitöre, schlimmer noch, die wirkten auf mich wie zwei leibhaftige Hufentünnesse ausse Hölle.

Berta stürzte in dat Arbeitszimmer und erstarrte vor Ehrfurcht, als sie die hohen Würdenträger erblickte.
Der Bischof hielt ihr die Hand mit dem dicken Strunzring entgegen.
Berta ignorierte dat Angebot. Ich hätte den Klunkerkuss auch verhindert. Wer weiß denn, wer dat Dingen schon allet abgeleckt hatte. Igitt, pfui Deibel, und dat bei die fiesen Krankheiten von heute.
Und außerdem – wer küsste denn noch son albernen Ring oder grüßte n alten Hut auf ner Stange? Dat hatte doch damals schon der olle Schiller dem Willi Tell verboten.

„Meine Herren, bitte kommen Se ma zur Sache. Warum wollen Se meine Grabrede verhindern? Nennen Se mir ma son paar überzeugende Gründe.“
„Gut, Herr Püttmann“, erklärte Bischof Rabenschwarz, „wie Sie wissen, ist Hochwürden Streitbürger ein unbelehrbarer Theologe, der sich mit dem Heiligen Stuhl überworfen hat. Leider ist er nicht ein einfacher Katholik, sondern ein bekannter Geistlicher, der im Sinne unserer Heiligen Kirche eine christliche Beerdigung erhalten wird.
Die katholische Welt erwartet das. Das verstehen Sie doch! Das ist eine kirchenpolitische Entscheidung. Eine Entscheidung des Heiligen Vaters in Rom.“
„Entschuldigen Se ma, Ihr habt dem Antonius Streitbürger dat Priesteramt geklaut, dat war doch auch ne kirchenpolitische Entscheidung. Und meine Entscheidung iss, dat ich die Grabrede auf Wunsch Ihres verlorenen Sohnes halten werde und kein anderer, iss dat jetz klar?
Grüßen Se den Heiligen Vater schön von Willi und Berta Püttmann aus Herne-Baukau und trinken Se mit uns zum Abschied als Geste der Versöhnung noch n kleinet Körnchen.“

„Lieber Herr Püttmann“, versuchte Kardinal Höllenzorn eine letzte Erklärung, „wir trinken gerne ein Schnäpschen mit Ihnen. Wir flehen Sie an, denken Sie doch bitte auch an die Skandalpresse, wenn Hochwürden Streitbürger eine weltliche Beisetzung erfährt! Der Heilige Stuhl würde von den Schmierfinken wieder wochenlang gedemütigt und beleidigt.“

„Liebe Kirchenmänner, dat seid ihr doch selbst schuld. Ihr habt doch den Antonius Streitbürger jahrelang als Ketzer verteufelt. Jetz auf einmal wollt ihr ihn am liebsten wieder heiligsprechen. Dat glaubt euch doch kein Schwein, äh, dat nimmt euch doch kein Mensch ab, verlogener geht et doch nich mehr!“
Rabenschwarz stand dem Höllenzorn bei:
„Herr Püttmann, so sollten wir nicht miteinander reden. Bitte lenken Sie doch ein. Wir haben Ihnen vom Heiligen Vater auch ein großartiges Geschenk mitgebracht.
Wenn Sie uns entgegenkommen, erhalten Sie eine Dauereintrittskarte für den Petersdom. Das ist aber unser letztes Angebot. Bitte überlassen Sie uns die Grabrede.“

„Nein, nix zu machen, meine Herren, mit Bestechung läuft bei Willi Püttmann schon überhaupt nix. Schämt euch, grüßt euren Chef in Rom, dat Gespräch ist hiermit beendet. Glück auf.“

Die Herren kuckten mich wie versteinert an, kippten sich wütend den Schnaps hinter die Binde und verließen uns ohne Gruß. Sie stiegen in den vatikanischen Strunzschlitten, der mittlerweile von zwei Dutzend Menschen von allen Seiten begafft wurde, und rauschten davon.

Mir war klar, dat die vatikanischen Henker von nun an überall auf mich lauerten. Sonne Demütigung ließ sich Rom von mir armseligem arbeitslosen Würstchen nich bieten.
Ich hatte zwar dat gute Gefühl, meine Seele nich verkauft zu haben, sah mich aber im Geiste schon als Märtyrer, gefoltert, gesteinigt, gekreuzigt und als Häufchen Asche in alle Winde fliegen. Ich fühlte mich innerlich einsam, verdammt einsam.

Berta zitterten die Knie. Sie war kreidebleich.
„Ganz ruhig, Berta, ich ruf ma schnell Sekretär Fröhlich an.“
Ich wählte die Nummer vom Sekretariat. Verdammt, wen hatte ich denn da am Telefon?
„Hier Streitbürger. Ach, Sie sind es, Herr Püttmann! Haben Sie sich entschieden? Sprechen Sie an meinem Grab?“
Ich schluckte, ich konnte doch nich wissen, dat mein künftiger Kunde da plötzlich inne Leitung hing, noch voll lebendig. Ich fasste mich erstaunlich schnell:
„Hochwürdigste Heiligkeit, oder wie darf ich Sie anreden? Dat iss aber wirklich schön, dat ich Sie noch ma lebend sprechen darf. Ich hatte soeben hohen Besuch aus Rom. Man wollte mich von Ihrer Grabrede unter allen Umständen abbringen.“
„Herr Püttmann, ich weiß es bereits, auch ich habe meine Beobachter. Welche Botschaft haben Sie dem Heiligen Stuhl zuteil werden lassen?“
„Ich hab die Kerle abblitzen lassen, ich bin Ihr Mann. Ich steh voll hinter Ihnen, meine Berta auch, ich soll Sie von ihr auch schön grüßen. Wir sind Fans von Ihnen, weil Sie so tapfer sind und auch aussem Ruhrpott stammen.
Wir hätten dat sehr gerne gesehen, wenn Se noch son paar Jährchen machen würden, um den scheinheiligen Brüdern in Rom die Meinung zu geigen. Haben Se schon an son Nachfolger gedacht? Der Bruder Franziskus macht doch nen ganz vernünftigen Eindruck.“
„Gut, Herr Püttmann, ich freue mich über Ihre tapfere Entscheidung. Ich muss mich jetzt ausruhen. Bis bald, mein Lieber.“
Sein „bis bald“ ging mir nich mehr aussem Kopp, die zwei Worte kratzten schwer anne Nieren!

Fünf Tage später klingelte dat Telefon: Bruder Fröhlich war am Apparat, er hörte sich traurig an.
Sein Chef war von seinem Leiden erlöst. Am Freitag um elf sollte die Beisetzung im engsten Kreis stattfinden, auffem Kommunalfriedhof in Herne, Feld vier, Wiese Nr. sieben, dat war der Platz für anonyme Bestattungen.

Der Tod von Antonius Streitbürger blieb nicht geheim. Presse, Fernsehen und viele Neugierige wollten Zeugen der Trauerfeier sein. Allet belagerte den Friedhofseingang. Die Polizei ordnete den Rummel und ließ außer namentlich gemeldeten Personen keinen Menschen durch. Oder doch?
Um dat Erdloch herum standen mit mir genau sechs Personen. Zwei Brüder und eine Schwester von Hochwürden, Bruder Franziskus, Berta und ich.

„Glück auf, liebe Trauergäste, wir nehmen heute Abschied von einem großen Theo…, theologischen Kämpfer aussem Ruhrpott. Antonius Streitbürger wollte keine christliche Beerdigung, deshalb hat er mich gebeten, diese traurige Pflicht zu übernehmen.
Er wollte keine Kränze, keine Blümkes, nur ne einfache Fichtenholzkiste mit nem schlichten schwatten Kreuz drauf. Das Grab sollte nach Südosten angelegt werden, Richtung Mekka. Der Kopf sollte gen Westen, Richtung Kaaba liegen.

Niemand aus Rom sollte wissen, wo man ihn inne Erde tut. Schon der weise Prophet Mohammed soll ma gesacht haben: ‚Dat beste Grab iss dat Grab, dat man nich sieht.’
Hochwürden wollte den scheinfrommen Glaubensbrüdern mit dieser weltlichen, fast islamischen Beerdigung nochma richtig einen zwischen die Hörner hauen.
Pastor Antonius scheute et nich, sich mit die Mächtigen im Vatikan anzulegen. Man jagte ihn aus seinem Priesteramt, weil er laut zu denken wagte. Er lehrte seine Überzeugung, anders als seine heuchelnden, kuschenden Amtsbrüder mit ihren verkrusteten Doggen …, äh …, ich meine Dogmen, oder wie man dat nennen tut.
Gut, er hatte schwer Glück, dat die römischen Inquisitöre ihn nich noch kurz vor seinem Abgang beim Wickel hatten und auffem Scheiterhaufen schmissen.
Er war für uns einfache Menschen aussem Ruhrpott ein Held, ein großet Vorbild, ein starker Ruhrpöttler.
Seine aufklärenden Worte haben viele Menschen inne Welt wachgerüttelt. Seine unbequeme Botschaft war: Man muss nich allet glauben, wat da so inne Schriften drin steht, man darf auch ruhig ma wat anders inter …, äh …, interpretitieren. So manchet biblische Ereignis soll nämlich nich so gelaufen sein, wie et später übersetzt wurde.
Unser Antonius meinte, dat man viele Bibelgeschichten nur symbolisch sehen müsste, so als mist …, äh…, mystische Begebenheiten, die vonne besten arabischen Märchenerzähler über Generationen überliefert und ausgeschmückt wurden.

Dat höchste katholische Institut in Rom hat unseren lieben Antonius Streitbürger einfach fallenlassen. Ob unser lieber Herr Jesus auch so gehandelt hätte?
Er wurde Rom gefährlich, weil lautet Denken inne kirchlichen Welt riskant und hochgradig ansteckend iss.
Wir sehen hier am Grab n treuen Wegbegleiter, den Bruder Franziskus Fröhlich, und wie ich glaube, auch n würdigen und streitbaren Nachfolger. Bruder Franziskus, bitte sprechen Sie für Ihren Chef n kleinet Gebetchen.“

Ich gab den Trägern n Wink. Sie ließen Hochwürden schön langsam inne kühle Erde gleiten und schaufelten danach schnell dat Grab zu. Sie bedeckten seine letzte Ruhestätte sorgfältig mit frischen, grünen Grasnarben und verschwanden diskret. Rein äußerlich war nix mehr vom Antonius zu sehen.

Während wir beteten, beobachtete ich ausse verkniffenen Augenwinkel zwei Kerle, die uns mit Fernglas und Kamera hinter ner dicken Linde bespinksten. Dat waren mit Sicherheit Vatikanagenten in Mönchskutten.
Die haben vermutlich mit hochempfindlichen Mikrofonen meine Rede aufgezeichnet und später dem Heiligen Vater vorgespielt.

Genauso war et.
Der iss, wie ich später aus sicherer Quelle erfuhr, total ausgeflippt, hat im Vatikan wie n Bestusster getobt, Kardinal Höllenzorn und Bischof Rabenschwarz Kerzen anne Köppe geworfen, die Versager für impotent und unfähig erklärt, degradiert und als Missionare nach Hippen-Indien gejagt.

Er ersetzte die armen Kerle durch die schlimmsten vatikanischen Finsterlinge, die aus Sizilien stammenden Bischöfe Diabolo Satanus und Inkubus Inferno.

Ja, und meine Grabrede, die landete natürlich auffen Ketzerindex und kam für vierhundert Jahre unter Verschluss, viel länger als dat Benimmbuch vom ollen Knigge
 
Alt 30.05.2007, 18:57   # 19
egomane
 
Benutzerbild von egomane
 
Registriert seit: 13.02.2007
Ort: Zu Hause
Beiträge: 2.402
Zitat:
Zitat von immorb Beitrag anzeigen

Ich =Pilatus,@Herr Bessel=Jesus und der löbliche @Reinhard Pfaffenberg= Barabas

"Wen soll ich euch freigeben: Barabas oder Jesus, der auch Christus genannt wird?

PS. wer den löblichen Herrn Pfaffenberg noch nicht kennt
==>> Reinhard Pfaffenbergs Heimseite

M.f.G.
Nachdem ich über deinen löblichen Link auf diese keusche und löbliche Seite gelangt bin, brauch ich erstmal nen diabolischen Kasten Bier. Nagle beide an die Latte. Sie habens beide verdient
__________________
putze
Das Auge eines Straußes ist größer als sein Gehirn. (Ich kenne Menschen, bei denen ist das nicht anders) 4072lo3
 
Alt 30.05.2007, 19:02   # 20
Arthur Spooner
Der Mann fürs Grobe
 
Benutzerbild von Arthur Spooner
 
Registriert seit: 10.05.2006
Beiträge: 3.785
Was ist denn eigentlich los in letzter Zeit? Zuerst Sven Uwe und jetzt das. Hab ich irgendetwas verpasst?
 
Thema geschlossen


Alt 12.02.2012, 07:03 # --
News Flash
Mehr zum Thema
 
Benutzerbild von News Flash
 
 
 
Standard Mehr zum Thema

   
Themen-Optionen



Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 08:03 Uhr.