D(englisch) - weil uns die Worte fehlen?

Alt 26.03.2007, 20:51   # 1
Bessel
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D(englisch) – weil uns die Worte fehlen?

Bleibt cool, relaxt. Wir leben im Zeitalter der Globalisierung. Wir sind „global player“. Englisch ist eine Weltsprache – zweifellos. Soweit – so gut.

Wenn aber unsere deutsche Sprache in fast allen Medien verpanscht wird, darf man nachdenklich werden und dieses Gebaren anprangern. Ich glaube, dass uns Schreiberlingen eine besondere Sorgfaltspflicht obliegt, aufzupassen, dass unsere Sprache nicht noch mehr verkommt.

Zugegeben, die Diskussion um das Denglisch in unserer Sprache hatten wir schon. Manchmal ergeben sich zu vermeintlich alten Hüten neue Sichtweisen.

Ist Ihnen schon aufgefallen, dass z. B. in allen überregionalen Zeitungen Stellenbeschreibungen auftauchen: „Business Unit Manager oder Key Account Manager gesucht“?

Verdammt, was sind das für Jobs? Suchen die einen Hausmeister?

Ich habe aus meinem Zeitschriftenständer wahllos einige Zeitungen herausgepickt. Ich fand nicht ein Blatt, das sich diesem Denglisch-Trend verweigerte.
Müssen wir uns sprachlich so extrem an das englische Vokabular anbiedern?

Unverständnis und Kopfschütteln löste bei mir die Sprache im deutschen „Journal“, Ausgabe 12/06 der Allianz Group - Insuerance/Asset Management/ Banking aus.
Das ist die Versicherung mit den höchsten Gewinnzahlen und dem ausgeprägtem Sharehoulder-Value-Denken und dem uncoolen Slogan: „Hoffentlich Allianz versichert“.

Hier ein “random abridgement” aus dieser besagten Ausgabe:
Ranking, Fulltime Job, Global Talent Community, Sustainability, Upload, Lifelong Learning, Asset Manager, Moments, Marketing Controller, Big Deals, Entertainment Worker, Net Promoter Score, Business-Dress, Ideenpool, Capital Partners, Know-How-Transfer, Workshops, ideas of success, Tools, Power Club, Cross Selling, Diversity Managerin, Cultural Collisions, Underwriter, Headhunter, Group Marketing, Large Caps, Brand Scorecard, eRecruiting, Pensions Trust.

Noch Fragen?

Schauen wir mal nach Frankreich, Japan oder China. Hier wird fast ausschließlich die Muttersprache verwendet. Polen und Franzosen legen größten Wert auf ihr Kulturgut Nummer eins – ihre Landessprache.
Deutsch ist in Europa die zweitgrößte Sprache. Haben wir es nötig, unsere Muttersprache mit überflüssigen Anglizismen zu vermanschen?

Offensichtlich.

Denn in Englisch wirbt’s sich besser. Sechstausend Anglizismen gibt es angeblich. Die meisten stammen aus der cleveren Werbesprache. Englisch kommt better over. Jugend und Werbung tunen unsere Sprache gerne auf, das ist trendy. Schlager in Englisch verfügen auch über einen besseren Sprachsound. Alles o. k.

Selbst große Firmen haben einen Blackout. Die Werbung floppt nämlich bei der Consumer-Group over 55. Ihre Products könnten much better boomen, wenn sie sich einer verständlicheren Sprache bedienten.

Die Generation „55 – plus“ ist eine Altersklasse mit ungeheurem Potential. Sie würde sicherlich mehr High End – Hightech shoppen, wenn sie doch nur dieses verdammte Denglisch und Englisch checken könnte.
Selbst Kids schnallen häufig die Bedienungsanleitung ihrer Dumping-Preis-Handys nicht.

Cover, Label, Flyer und Handsout werden von Oldies häufig nicht verstanden. Um keinen Imageverlust zu riskieren, outen sie sich nicht und verzichten auf den Deal.

Vermutlich mögen die sonst urkonservativen Schweizer ihre vier Amtsprachen (Deutsch, Italienisch, Französisch, Rätoromanisch) nicht mehr. Sie nutzen ebenfalls dieses Denglisch.

Aktueller Davoser Wintersportprospekt „Unsere Geheimtipps“ 2006/2007:

Mit der Davos Inclusive Card fahren Sie gratis mit dem Shuttle Bus. Sie ziehen auf den Pisten ihre Lines und surfen in der Halfpipe. Im Angebot: Freeriding in der Off-Piste, Freeridecamps, Training auf Rails und Railslides, Events und Incentives.
Ja, es gibt dort sogar eine Top Secret-Snowboardschule mit Weekendunterricht und Privat-Guiding.
Eine Snowtubing-Bahn bringt Sie ins Skigebiet.
Dies ist nur ein kleiner Teil der völlig überflüssigen Anglizismen. Natürlich erwartet man im Tourismusbüro ein Feedback.
Seit Jahren beobachte ich diesen denglisch- gestylten Prospekttrend auch in Österreich und Deutschland.

Bei Douglas konnte man vor Monaten den Werbespruch lesen: Come in and find out. Manche Kunden verstanden: „Kommen Sie rein, irgendwie finden Sie wieder hinaus.“
In einem Remscheider Taxi fand ich das Schild: “Fasten seat belt“ (bitte Sicherheitsgurt anlegen). Vielleicht ein Scherz des Unternehmers?
Soweit – so schlecht. Bin ich „behind the times“? Muss ich beim Lesen deutscher Druckschriften demnächst ständig mein Dictionary mitführen?

In der Informationstechnik ist die Computersprache leider unumkehrbar. Sie hat sich bereits in den Internetforen und Chatrooms als Netzkultur etabliert.

Ein Drittel unserer Bevölkerung versteht bei übertriebener Anwendung der Anglizismen nur noch Bahnhof. Sie machen nach einigen unverständlichen Vokabeln die Schotten dicht. Sie haben zwar ein Recht auf eine allgemeinverständliche Sprache, aber man grenzt die „Fossile“ einfach aus – sie sind vermutlich für die Werbeagenturen bereits, pardon – biologischer Müll.

Wie lange wird es dauern, bis die neue Unterwanderung der deutschen Sprache hinreichend auffällt?

Die voll krass „Kanak Sprak“.

Belauschen wir auf deutschen Schulhöfen, in Diskotheken oder öffentlichen Verkehrsbetrieben die Jugendlichen, dann erleben wir hier eine ätzende Veränderung der Deutschen Sprache. Was geht da ab? Was du wolle? Problem, Mann?

Nö, n o c h nicht!

Ich erwarte keine Standing Ovations und brauche nach diesem Flashback hoffentlich keinen Bodyguard gegen das verbale friendly Fire – ich wäre not amused.
 
Alt 26.03.2007, 23:23   # 2
sarazena
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Sowohl Denglisch als auch die Jugendsprache sind der Kollaterlaschaden dreier Dinge:

1.) der Globalisierung (Deutschland ist ein Zuwandererland)
2.) der geistigen Verarmung (kein Schwe** kann mehr wirklich Deutsch - es liest ja auch keiner mehr [ausser Bild])
3.) der Reformbegeisterung (die Rechtschreibreform hat uns mehr abverlangt als wir leisten wollten

Meine Unkenntnis: gibt es mehr Sprachzonen mit gleichgroßem Reformgeist
__________________
.
Wenn ihr eure Augen nicht gebraucht, um zu sehen,
werdet ihr sie brauchen um zu weinen!

2304 angela danke.......3maus1
 
Alt 26.03.2007, 23:49   # 3
Gudruninge
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Zitat:
Zitat von sarazena Beitrag anzeigen
Sowohl Denglisch als auch die Jugendsprache sind der Kollaterlaschaden dreier Dinge:

1.) der Globalisierung (Deutschland ist ein Zuwandererland)
2.) der geistigen Verarmung (kein Schwe** kann mehr wirklich Deutsch - es liest ja auch keiner mehr [ausser Bild])
3.) der Reformbegeisterung (die Rechtschreibreform hat uns mehr abverlangt als wir leisten wollten

Meine Unkenntnis: gibt es mehr Sprachzonen mit gleichgroßem Reformgeist
Es gab irgendwann in Teutschland mal Leute, die wegen des französischen Ursprungs das Wort NASE in Gesichtserker gewandelt wissen wollten. Ging nicht und war auch gut so - aber - das Eindringen der englischen Sprache hat einen anderen Hintegrund, Innovation findet heute hauptsächlich im anglikanischen Sprachraum statt, oder dort wo diese Sprache als Wissenschaftssprache anerkannt ist (Japan, China), egel ob Technik oder Werbung, da wir als das alte Zentrum Europas etwas ins Hintertreffen geraten sind, müssen wir uns nicht wundern, das uns die Anglizismen überrollen. Die Sprachverarmung ist ein ganz anderes Problem, versucht mal in einer Hauptschule in Berlin Rilke oder Schiller oder Heine oder einen der Mann-Brüder zu lesen. das ist einesehr grundsätzliche Frage, wie ich Muttersprache vermitteln will, wenn selbst Werbung und Fernsehen, Musik und Literatur ide verschiedensten Arten deutscher "Un"-Sprache verbreiten. Da ist denglisch noch mein kleinstes Problem
 
Alt 27.03.2007, 02:37   # 4
Hilly
 
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hauptsächlich beschränkt sich das ja auf die computer-und geschäftswelt. und dort ist internationales verständnis nun mal ein muss.

da leider heutzutage auch in deutschland schon 10-jährige vorm pc hocken und viele trends (zb hiphop, emocore, speed stacking und was weiss ich) ausm amiland übernommen werden, wird zwangsläufig auch die sprache übernommen.
so entwickelt sich das, denke ich, zur jugendsprache.

natürlich finde ich es schade, dass die deutsche sprache immer mehr und mehr verkommt. ich spreche ja nicht mal mehr plattdeutsch. aber das hat ja alles nichts mit dem englisch zu tun.

langsam finde ich schon, dass es übertrieben wird mit der englischen sprache im deutschen land, allerdings hat es auch viele vorteile.
ganz verzichten möchte ich nicht. abgesehen davon entwickeln sich sprachen immer weiter. das kann und sollte man nicht aufhalten wollen.
 
Alt 27.03.2007, 10:19   # 5
Pascal1984
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Was ist denn eigentlich Deutsch? Eine eigenständige Erfindung für sich? Wohl kaum. Viele Worte die wir heute als "Deutsch" bezeichnen stammen aus anderen Sprachen, allen voran aus dem Lateinischen.
Sprachen verändern sich, gehe nur ein bisschen in der Geschichte zurück und du würdest "Deutsch" nur noch schwer verstehen.

Rom war damals die Weltmacht, heute ist es Amerika und wer weiss, in Zukunft wird es vielleicht China sein.
Unsere Grosskinder werden in ihren SMS nicht mehr "I love you" sondern "Wo Ai Ni" tippen.

...Wenn ich mich recht an meinen Geschichtsunterricht erinnere, wurde Englisch doch stark vom Westgermanischen Stamm der Sachsen geprägt.

Zitat:
Zitat von Bessel Beitrag anzeigen
Wir sind „global player“.
Genau wie unsere Sprache selbst.
"global" kommt aus dem Französischen, die Franzosen wiederum haben’s aber aus dem Lateinischen. Und "player" kommt aus dem Holländischen.

Sprachen entwickeln und verändern sich laufend, das war schon immer so. In Zeiten der Globalisierung halt nur etwas schneller.

Gruss
Pascal
 
Alt 29.03.2007, 11:07   # 6
Gudruninge
weiss wovon sie redet
 
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Zitat:
Zitat von Pascal1984 Beitrag anzeigen
... Sprachen entwickeln und verändern sich laufend, das war schon immer so. In Zeiten der Globalisierung halt nur etwas schneller...
Stimmt, muss ich Dir Recht geben, nur ist Sprache auch ein wichtiges Kulturgut, über Sprache bildet sich nationale und kulturelle Identität und ein Volk, dass seine Sprache verliert, verliert eben auch seine (zum Teil wenigstens) Identität. Nicht umsonst kämpfen viele Nationen und nationale Minderheiten (z.B. Kurden) um die Anerkennung Ihrer Sprache.
Also sollte man sich doch überlegen, wie man der Verwässerung des Deutschen ein bisschen entgegenwirkt. Es ist nicht nur das Denglish, unsere Alltagssprache verarmt, der Wortschatz von Kindern ist erschreckend klein und es wird ein Slang benutzt, der weder etwas mit Deutsch noch mit Englisch zu tun hat.
 
Alt 29.03.2007, 11:58   # 7
Pascal1984
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Zitat:
Zitat von Gudruninge Beitrag anzeigen
der Wortschatz von Kindern ist erschreckend klein und es wird ein Slang benutzt, der weder etwas mit Deutsch noch mit Englisch zu tun hat.
Ja, da muss ich dir recht geben: Das ist besorgniserregend.
Schade, im Artikel werden Anglizismen und die "Kanak Sprak", wie sie von Bessel genant wird, in einen Topf geworfen. Das sind aber zwei verschiedene paar Schuhe, ich würde sogar sagen, sie stehen sich gegenteilig gegenüber.
Das eine ist eine Sprachverarmung, das andere eine Sprachbereicherung.

Englisch mag Deutsch verändern, nicht verdrängen. Aber wie gesagt, durch die Geschichte hindurch hat sich unsere Sprache steht’s verändert. Das gilt auch für unsere Kultur.

Mit den Kurden können wir das nicht vergleichen. Gerade das Osmanische Reich versuchte damals ihre Kultur (oder ihr gesammtes Volk) auszulöschen.

PS: "Krass" ist übrigens ein gutes altes deutschen Wort. Selbst Goethe verwendete es.
Aber es hat eindeutig einen "schlechten Nachgeschmack" bekommen, darum brauchen wir stattdessen zu recht das englische "Cool"

Gruss
Pascal
 
Alt 29.03.2007, 12:04   # 8
Lady
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Mir ist aufgefallen das viele englische wörter benutzen und nicht mal das deutsche Wort dafür kennen.Können wir überhaupt alle noch richtig Deutsch? Tatsache ist aber auch wenn wir wirklich alles in Deutsch sprechen hört sich das etwas langweilig an
 
Alt 29.03.2007, 12:08   # 9
Bentleman
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Zu diesem Thema kann ich Euch auch meine Kolumne wärmstens ans Herz legen:
http://www.netzwelt.de/news/74280-ve...-reloadet.html
 
Alt 29.03.2007, 12:35   # 10
Pascal1984
Swagman
 
Benutzerbild von Pascal1984
 
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Ort: Schweiz
Beiträge: 2.158
Zitat:
It's your Heimspiel"
Ja, darüber hatte ich mich auch aufgeregt :biglol: ...oder amüsiert.
Aber gerade das zeigt uns, dass man mit Denglisch nur bis zu einem gewissen Punkt gehen kann. Wer darüber hinausgeht, macht sich lächerlich und schiesst ein Eigentor.
Sat1 zum Beispiel, ist mit "powered by emotions" auch wieder zurückgekrebst.

Gruss
Pascal
 
Alt 09.04.2007, 21:32   # 11
Juliek
 
Benutzerbild von Juliek
 
Registriert seit: 14.12.2006
Beiträge: 82
Hallo!
Also da wo ich herkomme (Bayern-Franken) hat man in unserer Stadt früher schon eine "Art" Englsich geredet...
Z. B.
Meine Nase ist kalt - Mei Nous is kould
(ich kann es jetzt nicht richtig schreiben, weil nur noch wenige hier so reden aber es wurde/wird genau wie im englischen gesprochen)

Ich glaube aber dass vor allem ältere Menschen mit Denglisch Probleme haben. Junge Menschen gewöhnen sich schneller daran.
 
Alt 09.04.2007, 22:34   # 12
immorb
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Zitat:
Zitat von Bessel
Belauschen wir auf deutschen Schulhöfen, in Diskotheken oder öffentlichen Verkehrsbetrieben die Jugendlichen, dann erleben wir hier eine ätzende Veränderung der Deutschen Sprache.
Gehen sie einmal aus ihrem Schneckenhaus,und z.B. ins Ruhrgebiet.
Da hat eine Transformation der Sprache schon vor 100 Jahren stattgefunden.

In dem Sinne:
Ich frage mich was derartige Beiträge Ihrerseits sollen??
Werbung für einen Unfä..... Autoren der mittels derartiger Postings Werbung für seine Sache macht??
Sollten ihre Beiträge ernst gemeint sein,warum kommt Ihrerseits kein Reaktion??


Fazit:
Postings die ich nicht brauche.

M.f.G.
 

Alt 29.05.2012, 00:27 # --
News Flash
 
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