Australische Musikindustrie verheimlicht Rekordjahr

Alt 30.03.2004, 23:08   # 1
seba79
 
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Australische Musikindustrie verheimlicht Rekordjahr



Mit Überschriften wie 'Musik-DVDs nach wie vor erfolgreich, CD-Singles rutschen weiter ab' bemüht sich die australische Musikindustrie derzeit nach Kräften, den desolaten Zustand der Branche im Jahre 5 nach Napster zu dokumentieren. Zu dumm nur, dass man dort nicht alle Zahlen so unter Verschluss halten kann, wie die deutsche Musikindustrie ihre Gewinnzahlen. Und so war es nicht schwer für einen Journalisten, die Wahrheit auszugraben und festzustellen, dass die australischen Jammerkönige gerade ihr bestes Geschäftsjahr hinter sich gebracht haben...

Schon einmal einen optimistischen Wirtschaftsvertreter gehört? Eben. Wie bei Bauern das Wetter entweder zu gut, zu schlecht oder zu durchwachsen ist, so ist die wirtschaftliche Lage generell auch dann bescheiden, wenn es eigentlich nichts zu meckern gibt. Hauptsache, man kann dem Verbraucher plausibel machen, warum eine Preiserhöhung gerade jetzt angebracht ist, neue Gesetze her oder Angestellte gehen müssen.

Nach dem gleichen Prinzip funktioniert offensichtlich auch die Musikindustrie weltweit. Kaum, dass es Peer to Peer-Netze und CD-Brenner gab, mussten die Musik tauschenden und kopierenden Anwender auch schon dafür herhalten, die größte Umstrukturierung der gesamten Branche seit Einführung der CD argumentativ vorzubereiten - denn welcher rechtschaffene Bürger kann schon ernsthaft widersprechen, wenn es um die Bekämpfung krimineller Machenschaften geht, denen man mit neuen Copyright-Gesetze quasi als Notwehr begegnen möchte - und nicht etwa, um völlig neue und unglaublich hohe Profitmargen staatlich absichern zu lassen?

Dumm nur, wenn dabei mal die eine oder andere Sache außer Kontrolle gerät - so wie jetzt bei der australischen Musikindustrie, die trotz lückenloser Jammerei eigentlich ein Jubeljahr verzeichnen könnte. Nicht, dass solche Nachrichten ernsthaft etwas im Sinne eines Kurswechsels auszurichten vermögen, weil die Umstrukturierung so oder so unter Ausschluss der Öffentlichkeit vor sich geht und zwischen Lobbyisten und Politikern quasi am Restauranttisch ausgehandelt wird, genauso wenig, wie Berichte und Studien über Gefährdungen des Fortschritts, der Wissenschaft und des Kulturlebens durch zu restriktive Urheberrechte dies vermochten. Aber interessant ist es allemal, wenn sich der australische Journalist Peter Martin von SBS die jüngsten Pressemeldungen des dortigen Branchenverbands ARIA vornimmt und in Selbigen zwar genügend über fallende CD-Single- und ein wenig über steigende DVD-Verkäufe findet, aber nichts darüber, dass die Branche eigentlich über ihr bestes Jahr jubeln könnte - wenn sie nur wollte, wie das australische smh.com.au schreibt.

Zugegeben: Wem wäre es nicht peinlich, wenn am Ende einer arbeitsreichen Kampagne herauskommt, dass Selbige auf äußerst tönernen Füßen steht? Da hackt man seit Jahren auf Filesharer und CD-Brenner und deren negativen Einfluss auf die Verkaufszahlen herum und dann das: Die eigenen Zahlen stellen einen als Lügner bloß.

Wie Martin, der Zugang zu den ARIA-Verkaufszahlen bis in die frühen Achtziger des letzten Jahrhunderts besaß, herausfand, sind die für 2003 angegebenen 50 Millionen verkauften Alben ein absolutes Novum. Auch die 65 Millionen Einheiten aller Formate zusammen sind niemals vorher in der Geschichte der australischen Musikindustrie zustande gekommen. Während man 1998, also ein Jahr vor Napster, rund 39,6 Millionen CDs absetzen konnte, sind es fünf Jahre später satte 50,5 Millionen. Tatsächlich der Wahrheit entsprechen nur die sinkenden Zahlen für die CD-Singles-Abverkäufe - aber die 16,5 Prozent Minus hier werden durch die 7,85 Prozent Plus bei den rund vier Mal so teuren Alben locker ausgeglichen. Abgesehen davon stolperte der Journalist bei der Gelegenheit auch noch über eine weitere Unwahrheit: Irgendwie vergaß die Musikindustrie, zu erwähnen, dass man in den letzten Jahren so oder so spürbar weniger Singles veröffentlichte als in den Jahren zuvor. Viel Geld konnte hier noch nie gemacht werden und meistens dienen die Scheiben eher als Promotion für das dazugehörende Album.

Bleibt die Frage, was mit den Studien ist, die belegen wollen, dass Filesharer spürbar weniger CDs kaufen als vorher. Auch hier findet smh.com.au eine ebenso schlüssige Antwort wie die Musikindustrie: Die überwältigende Mehrheit der Kauf-Abstinenzler findet man bei Jugendlichen, die so oder so wenig Geld besitzen. Umgekehrt gehört die finanzstarke Gruppe über 45 aber zu jenen Käufern, die dank Filesharing mehr Geld für CDs ausgeben als jemals zuvor...
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Alt 28.05.2012, 22:22 # --
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