Kabel-Internet und Unicable-SAT-Anlage

Alt 03.07.2011, 23:38   # 1
s.g.
 
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Hallo zusammen,

habe eine Frage an die Spezialisten des Forums ;

Die Mietergemeinschaft unseres Hauses interessiert sich für den Internetzugang über Kabel, da die hier über DSL erzielbaren Bandbreiten für die meisten nicht mehr ausreichen.

Nun stellt sich folgendes Problem:

Ursprünglich wurde im Haus Kabel-TV verwendet, eine Baumstruktur mit 5 Zuleitungen für insgesamt 11 Wohnungen. Mittlerweile wird die Verkabelung für eine Unicable-SAT-Anlage verwendet. (3x Technisat TechniRouter + entsprechende Dosen in allen Wohnungen (RV 600))

Meine Frage:

Wäre es möglich das Kabelsignal in die bestehende Anlage einzukoppeln? Rein HF-technisch liegt der im Kabelnetz genutzte Frequenzbereich doch unter den vom Unicable-System genutzten Frequenzen.. Falls ja, welche Bauteile wären hier erforderlich?, könnte mir vorstellen das der Rückkanal der Modems auf dem Weg zur SAT-Hardware ausgefiltert werden muss. Darüber hinaus müssten auch die Dosen gegen Modelle mit doppelten F-Stecker getauscht werden.

Hat jemand von euch ein solches Mischsystem im Einsatz?

Anbei ein Bild der bestehenden Installation:

http://dl.dropbox.com/u/9913572/Cable/Foto-2.JPG

Danke und Gruß,

André
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Alt 04.07.2011, 03:44   # 2
King W.
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Hallo und nw welcome



Normalerweise funktioniert das Ganze so, daß man vom Hausübergabepunkt auf einen rückkanaltauglichen Hausanschlußverstärker geht und von dort aus auf ebenfalls rückkanaltaugliche Verteiler bzw. Router. In die einzelnen Wohnungen kommen dann Kabelmodems die an die - natürlich ebenfalls rückkanaltaugliche Dose angeschlossen wird. In der Regel wird der Anschluß von einem Techniker des Kabelnetzbetreibers durchgeführt. Ich könnte mir vorstellen, daß es dabei mit dem Rückkanal Schwierigkeiten geben könnte: TechniSat gibt an, daß ein Grundgerät mit "maximal einer Kaskade" ergänzt werden kann. Ihr habt deren zwei. Wobei die robuste SAT-ZF so etwas schon mal erlaubt, so daß alle Anschlüsse funktionieren, der Rückkanal beim Kabel ist aber empfindlicher. Zumindest stellt das keine ganz geringen Anforderungen an den Techniker, der die Anlage einmessen muß. Ganz sicher ist das aber ein Projekt, das sich dem Selbstbau entzieht.

Ob es mit einem Filter, Combiner oder was auch immer zwischen den Routern und den Anschlußdosen auch funktioniert weiß ich nicht, mir ist eine solche Konstruktion nicht bekannt.

Ohnehin macht die gesamte Anlage alles andere, als einen professionellen Eindruck. Bei 5 Zuführungen hätte ich schon mal jeden Strang separat versorgt, anstatt drei Router 5/1x8 hätte ich nur einen solchen Router und dazu zwei Router 5/2x4 eingesetzt. Damit hätte ich die hohen Frequenzen nicht gebraucht und auch die beiden Verteiler eingespart. Grundsätzlich gilt, daß man bei Unicable möglichst kleine Cluster aufbauen sollte. Das erhöht die Betriebssicherheit.

Das zweite, was mir auffällt, ist das Fehlen jeder Schutzmaßnahmen. Ich entdecke keinerlei Leitungen für die Erdung oder den Potentialausgleich. Hier besteht dringender Handlungsbedarf, wenn ihr nicht irgendwann einmal nach einem Gewitter auf den schwarzen Bildschirm gucken wollt. Dabei genügt schon der induktive Stromeintrag, wenn ein Blitz nur in der Nähe einschlägt, um die vorhandenen Geräte zu beschädigen oder zu zerstören, wenn sie nicht vernünftig geschützt sind.

Was noch auffällt, ist die - vorsichtig ausgedrückt - lieblose Ausführung der Verkabelung. Nicht nur, daß technisch überholte Schraubstecker verwendet wurden, die Montage ist auch alles andere als professionell. Die hervorstehenden Drähte und Fetzen der Abschirmfolie sehen nicht nur unschön aus, sondern sie können auch als Antennen wirken, über die Störungen in die Anlage eingetragen werden können. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: Es ist m.E. schon ein ziemliches Glück, wenn die Anlage überhaupt störungsfei funktioniert.
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Es gibt keine großen Entdeckungen und Fortschritte, solange es noch ein unglückliches Kind auf Erden gibt.
Albert Einstein


Nokia? Nein danke!
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Alt 04.07.2011, 11:49   # 3
Dipol
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Zitat:
Zitat von King W. Beitrag anzeigen
Normalerweise funktioniert das Ganze so, daß man vom Hausübergabepunkt auf einen rückkanaltauglichen Hausanschlußverstärker geht und von dort aus auf ebenfalls rückkanaltaugliche Verteiler bzw. Router.
Wenn die drei TechniRoutern über einen Dreifachverteiler pegelgleich parallel angefahren werden, ergäbe das für den Rückkanalbetrieb geringere Pegeldifferenzen als bei Kaskadierung. Das allein reicht aber nicht aus um diese Stümperinstallation rückkanaltauglich zu machen.
Zitat:
Zitat von King W. Beitrag anzeigen
In die einzelnen Wohnungen kommen dann Kabelmodems die an die - natürlich ebenfalls rückkanaltaugliche Dose angeschlossen wird. In der Regel wird der Anschluß von einem Techniker des Kabelnetzbetreibers durchgeführt.
Nach den Specs der Kabelnetzbetreiber sind heuzutage für einen BK-Anschlüss folgende Grundbedingungen gestellt:
  • Es ist ein Schutzpotenzialausgleich mit Hauserdung vorhanden
  • Das Kabel ist mindestens nach Class B doppelt geschirmt und die sonstigen Komponenten haben Class A Schirmungsmaß
  • Ein Internet-Anschluss erfolgt aus Gründen der Betriebsicherheit bei neuinstallationen nur über separate wohnungszuleitungen.
  • Selbst wohnungsintern ist eine Stenverteilung einer Reihenverteilung (max. 3 Dosen nach Kabel BW) voprzuziehen.
Dies gilt für BK-Versorgung mit TV und Radio gleichermaßen wie für den Internet- und Telefonanschluss. Nach heutigen Anforderungen dürfen an das BK-Netz somit weder Anlagen mit nur einfach geschirmten Altkabeln, noch solche mit Class Schirmung aber ohne Schutzpotenzialausgleich angeschlossen werden.

Bei ordnungsgemäßer Installation mag ein risikfreudiger HSI-Installateur auch mal zwei bis drei Wohnungen zusammen schalten. Wer das bei diesem Schaltungsgebilde macht, dem ist nicht zu helfen.
Zitat:
Zitat von King W. Beitrag anzeigen
Ob es mit einem Filter, Combiner oder was auch immer zwischen den Routern und den Anschlußdosen auch funktioniert weiß ich nicht, mir ist eine solche Konstruktion nicht bekannt.
Nach Kabel BW-Specs sind bei separaten Wohnungszuleitungen max. 3 Durchgangsdosen zulässig. Reihenverteilungen sind manipulationsanfällig. Die Einspeisung von Telefon und Internet in eine derart wohnungsübergreifende nicht manipulationssichere Reihenverteilung wäre aus Gründen der Betriebssicherheit schlicht hirnrissig. Ein manipulationssicherer HSI-Betrieb setzt eigene Wohnungszuleitungen voraus.

Steckdosen die sowohl für UniCable-Betrieb wie auch Rückkkanal-Anschluss taugen sind rar. Dabei ist darauf zu achten, dass der Rückkanal in voll ausgebauten BK-Gebieten bis 65 MHz ausgelegt ist. Vierloch-Durchgangssteckdosen mit Modem- und Sat.-Anschluss haben eine extrem hohe Durchgangsdämpfung, damit würden die bereits bestehenden Unterpegel nur noch weiter verschlimmert.
Zitat:
Zitat von King W. Beitrag anzeigen
Damit hätte ich die hohen Frequenzen nicht gebraucht und auch die beiden Verteiler eingespart. Grundsätzlich gilt, daß man bei Unicable möglichst kleine Cluster aufbauen sollte. Das erhöht die Betriebssicherheit.
Es ist ja noch schlimmer! Wie man aus der Skizze entnehmen kann, hat der antennentechnisch unterbelichtete Installateur die stärker bedämpften hohen Frequenzen völlig unnötig den Wohnungen mit langen Kabeln zugewiesen. Und das bei MidiKabeln mit relativ hoher Dämpfung. Zur Krönung fehlt eigentlich nur noch, dass im Netz noch 60 Ohm-Uraltkabel installiert sind.
Zitat:
Zitat von King W. Beitrag anzeigen
Es ist m.E. schon ein ziemliches Glück, wenn die Anlage überhaupt störungsfei funktioniert.
Das ist in der Tat verwunderlich. Midi-Zuleitungen zu drei TechniRoutern in Kaskadenschaltung sind schon problematisch genug. Dass an dieser Anlage der Receiver-Mindestpegel von 47 dB(µV) an zahlreichen Dosen unterschritten wird, braucht man schon nicht mehr nachzurechnen, das ist auf einen Blick zu erkennen.

Ob die Installation von einem 230 V Strippenzieher ohne Hochfrequenz-Kenntnis oder einem Laie installiert hat, die gehört in das Kapitel wie man es nicht machen soll.
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Alt 04.07.2011, 16:36   # 4
s.g.
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Hallo zusammen,

erst einmal vielen Dank für eure ausführlichen Antworten!, auch wenn meine Hoffnung auf einen Kabelanschluss damit deutlich schwindet

In der Tat handelt es sich um eine Stümperhafte installation, ohne alle HF-technischen Details überblicken zu können, wird es ja schon aufgrund der Optik auf den ersten Blick deutlich..

Das traurigste an der ganzen Sache ist, dass die Installation von einem Radio-Fernsehtechnik "Fachbetrieb" (Meisterbetrieb!) durchgeführt wurde, der hier in der Umgebung nicht wenige Sat-Anlagen etc. montiert.

Bisher sind mir keine Störungsmeldungen von Mietern im Haus bekannt, jedenfalls funktioniert mein Receiver bislang ohne Probleme.. Mal schauen wie lange das noch so bleibt.

Ich werde auf jeden Fall dafür sorgen das die Anlage an den Potentialausgleich geführt wird (dieser befindet sich nur ein klein wenig weiter unten ausserhalb des Bildes)

Würde es ausreichen eine Kaskade mit dem Potentialausgleich zu verbinden, oder müssen alle einzeln dorthin geführt werden?

Desweiteren würde ich gerne die "gefrickelten" Kabel durch ordentliche Ersetzen wollen. Habe auf Installationsbildern von Unitymedia-Aufbauten Kabel mit der Aufschrift "Cablecon" gesehen. Würde es (um wenigstens etwas Schadensbegrenzung zu betreiben) Sinn machen, solche zu verwenden? Auch wenn die strukturellen Probleme dadurch bestehen bleiben..

Seht ihr eine Möglichkeit wenigstens auf einer (meiner) Zuleitung das Kabelsignal mit aufzuschalten? Ich kenne den Kabelverlauf nicht genau, aber im schlimmsten Fall sollten an einer Zuleitung max. 3 Dosen hängen. Falls ja, könnten in den anderen Wohnungen die Unicable-Dosen bestehen bleiben? Das Haus ist Baujahr 1998, die verlegten Kabel sollten also nicht die aller schlechtesten sein(?)

Da das nachträgliche Verlegen eines weiteren Kabels bis in meine Wohnung aufgrund der engen Leerrohre und der ungewissen Kabelführung sehr schwierig sein dürfte, bleiben mir sonst nicht viele alternativen.

Habe schon drüber nachgedacht, ob ich das Kabelmodem nicht direkt am HÜP Installieren lasse, und das Netzwerksignal mittels Zweidrahttechnik (PLC oder VDSL) vom Keller über die Telefonkabel in meine Wohnung führe.. Dann kämen natürlich die Kosten für die Geräte hinzu..

Vielleicht hat jemand von euch noch andere Ideen?

Danke und Gruß,

André
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Alt 06.07.2011, 01:45   # 5
Dipol
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Zitat:
Zitat von s.g. Beitrag anzeigen
Würde es ausreichen eine Kaskade mit dem Potentialausgleich zu verbinden, oder müssen alle einzeln dorthin geführt werden?
Nach der noch übergangsweise bis 1.10.2013 anzuwendenden alten EN 60728-11 müssen alle Kabel über einen Erdblock geführt werden und alle metallichen Gehäuse so in den PA einbezogen werden, dass dieser auch nach Komponentenausbau erhalten bleibt. Nach der Neuausgabe vom Juni 2011 sind die Erdblöcke auch "temporär" erlaubt. Das ist nicht nur nach meiner Meinung riskant bis inpraktikabel.

Wird ein nicht rückspannungsfester Empfänger von der Antennendose abgeklemmt und wieder angeschlossen, kann dies ohne PA zur Zerstörung führen, wenn der Mittelleiter zuerst Dosenkontakt bekommt.
Zitat:
Zitat von s.g. Beitrag anzeigen
Desweiteren würde ich gerne die "gefrickelten" Kabel durch ordentliche Ersetzen wollen. Habe auf Installationsbildern von Unitymedia-Aufbauten Kabel mit der Aufschrift "Cablecon" gesehen.
Cablecon ist ein dänischer Premium-Hersteller von hochwertigen Steckern.
Zitat:
Zitat von s.g. Beitrag anzeigen
Würde es (um wenigstens etwas Schadensbegrenzung zu betreiben) Sinn machen, solche zu verwenden? Auch wenn die strukturellen Probleme dadurch bestehen bleiben..
Die Kabel kann man relativ einfach durch konfektionierte HQ-Hochschirmkabel ersetzten. Zwei Matritzen hätten auch bei den beengten Platzverhältnissen mittels F-Verbinder direkt verbunden werden können.
Zitat:
Zitat von s.g. Beitrag anzeigen
Seht ihr eine Möglichkeit wenigstens auf einer (meiner) Zuleitung das Kabelsignal mit aufzuschalten?
Prinzipiell kann man die Rückkanalsignale mittels einer Weiche auf ein Kabel aufschalten. Das macht aber selbst in einer vorbildlichen wohnungsübergreifenden Reihenschaltung kein vernünftiger Installateur. Die fachlich einwandfreie Alternative ist ein eigenes Hochschirmkabel für den Internetanschluss. Das kann durchaus auch ein Midi-Hochschirmkabel mit 5 mm Durchmesser sein.
Zitat:
Zitat von s.g. Beitrag anzeigen
Ich kenne den Kabelverlauf nicht genau, aber im schlimmsten Fall sollten an einer Zuleitung max. 3 Dosen hängen. Falls ja, könnten in den anderen Wohnungen die Unicable-Dosen bestehen bleiben? Das Haus ist Baujahr 1998, die verlegten Kabel sollten also nicht die aller schlechtesten sein(?)
Drei Dosen in einer Wohnung sind kein Problem, drei Dosen auf einer reinen BK-Leitung wären schon kritisch, drei Dosen in drei verschiedenen Wohnungen mit UniCable-Aufschaltung wird dein Kabelnetzbetreiber nicht schlucken.

Es würde dir ganz und gar nicht gefallen, wenn Telefon und Internet ausfallen, weil einer an seiner Steckdose manipuliert.
Zitat:
Zitat von s.g. Beitrag anzeigen
Vielleicht hat jemand von euch noch andere Ideen?
Außer einer zusätzlichen Midi-Kabelzuleitung: Keine mit Erfolgsaussicht vom Kabelnetzbetreiber akzeptiert zu werden. Es sei denn du findest einen Installations-Schluri, der entgegen den Specs über die UniCable-Leitung anschließt und das RK-Signal in der Wohnung mit abenteurlichen Kunstkniffen auskoppelt.
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Alt 28.05.2012, 10:49 # --
News Flash
 
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