da ich noch keine Sat Erfahrung habe und gerade ein 3 Etagen Reihenendhaus (Nr. 1 im Lageplan) ohne Keller über einen Bauträger in Berlin baue und dort eine SAT Anlage aufbauen möchte hätte ich ein paar Fragen die Ihr mir hoffentlich beantworten könnt.
1.Die Ausrichtung nach Astra wäre Osten?
Leider befindet sich meine Dachterasse Richtung SW und im Osten befindet sich in 20 Meter Abstand ein Gebäude mit gleicher Höhe.
Bei einem Aufbau auf der östl. Dachseite würde ich bei Problemen nur schwer wieder rankommen, daher müsste ich wohl eine 4 m Stange auf der Dachterasse anbringen und dort die Schüssel anbringen?
2.Wie wäre die Beste Verkabelung: Kabel von Der Schüssel zu Hauskasten und dann in die Zimmer oder vom Dachgeschoss in die Zimmer?Tv Kabel wird vom Bauträger verlegt, kann man das kombinieren? (gleicher Kabel für SAT uns TV Kabel).
3.Welche Komponenten benötige ich für den Aufbau einer SAT Anlage, wo müssten diese Installiert werden und welche Modelle könnt Ihr mir empfehlen?
Vielen Dank
12.03.2011, 12:44
#
2
Dipol
Team SAT-Technik
Registriert seit: 19.03.2007
Beiträge: 4.147
Hallo jensen,
Zitat:
Zitat von jensen
1.Die Ausrichtung nach Astra wäre Osten?
Leider befindet sich meine Dachterasse Richtung SW und im Osten befindet sich in 20 Meter Abstand ein Gebäude mit gleicher Höhe.
Siehe DishPointer. Süden = 180°, in Berlin liegt ASTRA 19,2° Ost um 7° östlich. Die quasifreie Sicht kann man mit der Hindernisfunktion kontrollieren.
Am Haus Nr. 13 könnte man die Antenne kostengünstig auf der Stirnseite im Schutzbereich der Fassade anbringen, wo sie nicht erdungspflichtig wäre.
Zitat:
Zitat von jensen
Bei einem Aufbau auf der östl. Dachseite würde ich bei Problemen nur schwer wieder rankommen, daher müsste ich wohl eine 4 m Stange auf der Dachterasse anbringen und dort die Schüssel anbringen?
Das kann weder von der Optik, noch der Statik eine ernsthafte Lösung sein. Damit würde der statisch nachweisfreie Biegemoment von 1.650 Nm überschritten und der Mast müsste durch eine Dreipunktabspannung abgesichert werden.
Zitat:
Zitat von jensen
2.Wie wäre die Beste Verkabelung: Kabel von Der Schüssel zu Hauskasten und dann in die Zimmer oder vom Dachgeschoss in die Zimmer?Tv Kabel wird vom Bauträger verlegt, kann man das kombinieren? (gleicher Kabel für SAT uns TV Kabel).
Beides ist möglich. Nach EN 60728-11 ist der Antennenmast bei einer Neuanlage mit einer Fangstange "isoliert" zu erden und in den Potenzialausgleich einzubeziehen. Beim Neubau ist eine Multischalteranordnung im UG zeitgemäßer. Damit lässt sich dann auch (bei Erdung mit Fangstange) ein optimaler Potenzialausgleich mit einem Erdungspunkt herstellen.
Zitat:
Zitat von jensen
3.Welche Komponenten benötige ich für den Aufbau einer SAT Anlage, wo müssten diese Installiert werden und welche Modelle könnt Ihr mir empfehlen?
Antenne GIBERTINI SE 85 oder Klone
LNB ALPS
Multischalter mit guten Richtkopplern > 35 dB, z. B. von TechniSat oder JULTEC
HQ-Kabel mit Schirmdämpfung nach Class A mit Kupferseele, Abschirmung mit > 80 % Geflechtbedeckung aus verzinntem Kupfer, Folie geklebt in S-Faltung. Keinesfalls Alu-Schirm!
Kompressions- oder Self-Install-Stecker, keine unzeitgemäßen F-Aufdrehstecker.
Dann weise deinen Bauträger mal dezent auf die DIN 18015 hin. Danach und dem Stand der Technik sind Antennenkabel zugfähig in Leerrohren zu verlegen. Gegen diese Norm wird wohl noch häufiger verstoßen als gegen die Vorschriften zu Erdung und Potenzialausgleich.
13.03.2011, 18:07
#
3
jensen
Threadstarter
Registriert seit: 12.03.2011
Beiträge: 11
Hallo,
vielen Dank für die kompetente Antwort die mir sehr geholfen hat.
Trotzdem noch ein paar Verständnissfragen:
1. Die Ausrichtung wäre also fast süden?
2. Anbringung der Schüssel also am besten auf dem Dach, was wird zur Befestigung benötigt?
3.Verkabelung vom Dach zum Hauskasten im EG zum Multischalter und dann zu jedem Anschluss in den Zimmern?
Danke
13.03.2011, 18:42
#
4
King W.
Team SAT-Technik
Registriert seit: 01.01.2006
Ort: mitten im Kohlenpott
Beiträge: 9.170
Meiner Meinung nach schreit dieses Objekt förmlich nach einer Mehrteilnehmeranlage. Das hätte zwei Vorteile:
1) kein Antennenwald auf den Dächern und
2) geringere Kosten für den Einzelnen.
Solange die Häuser noch im Rohbau sind, oder sogar noch in der Planungsphase, läßt sich ja alles noch sehr gut machen. Meiner Meinung nach sollten von einem zentralen Raum (z.B. gemeinsamer Kellerraum) aus Leerrohre in alle Wohnungen führen und zusätzlich ein etwas dickeres Leerrohr zur Aufnahme der Kabel für die Antenne. In diesem Raum könnte sich auch der Hausübergabepunkt für das Kabelfernsehen befinden, so daß jeder selbst entscheiden kann, ob er sich ans Kabelfernsehen oder an die Gemeinschaftsantenne anschließen will. Zudem könnte ein Anschluß auch später leicht und kostengünstig geändert werden.
Zu den Komponenten hat Dipol schon etwas gesagt. Kleine Ergänzung noch: Als Kabel empfiehlt sich, speziell für die Außenverlegung, eins mit besonders wetterfestem Mantel, z.B. dieses hier. Natürlich erfüllt das Kabel auch alle anderen hier genannten Qualitätskriterien. Nehmt bitte kein Billigkabel, wenn ihr euch nicht schon nach kurzer Zeit ärgern wollt.
__________________ Es gibt keine großen Entdeckungen und Fortschritte, solange es noch ein unglückliches Kind auf Erden gibt. Albert Einstein
Nokia? Nein danke!
13.03.2011, 20:44
#
5
Dipol
Team SAT-Technik
Registriert seit: 19.03.2007
Beiträge: 4.147
Zitat:
Zitat von jensen
1. Die Ausrichtung wäre also fast süden?
Siehe Dishpointer
Zitat:
Zitat von jensen
2. Anbringung der Schüssel also am besten auf dem Dach, was wird zur Befestigung benötigt?
Bei hypergedämmten Neubauten ein Dachsparrenhalter. Der muss auf möglichst direktem Weg mit mindestens 16 mm² Cu-Volldraht an die Haupterdungsschiene geerdet werden. Die vorgeschriebenen Trennungsabstände sind zumeist nur mit einer Außenableitung einzuhalten. Daher ist die Erdung mit Blitzableiterdraht meist die optisch und elektrisch bessere Variante.
Zitat:
Zitat von jensen
3.Verkabelung vom Dach zum Hauskasten im EG zum Multischalter und dann zu jedem Anschluss in den Zimmern?
Richtig! Vorsorglich zu den Satellitenkabeln noch ein Reservekabel für die Terrestrik und nach EN 60728-11 einen 4 mm² Cu-Draht für den PA-Anschluss am Mast vorsehen.
Evtl. ist dieses Objekt die Ausnahme von der Regel und der Erder wurde unter Anleitung einer Elektrofachkraft verlegt und ist ordentlich dokumentiert.
Zitat:
Zitat von Auszug DIN 18014:2007-09
Die Errichtung des Fundamenterders darf nur durch eine beim Netzbetreiber eingetragene Elektro-/Blitzschutzfachkraft oder unter deren Aufsicht durchgeführt werden.
Es ist eine Dokumentation der Maßnahme zu erstellen; Ist diese nicht vorhanden, ist eine normengerechte Ausführung in Frage zu stellen!
Für die Erstellung einer Gemeinschaftsanlage müssen die Fundamenterder miteinander galvanisch verbunden sein, was bei zweischaliger Bauweise gewöhnlich nicht der Fall ist.
14.03.2011, 01:10
#
6
King W.
Team SAT-Technik
Registriert seit: 01.01.2006
Ort: mitten im Kohlenpott
Beiträge: 9.170
Zitat:
Zitat von Dipol
Für die Erstellung einer Gemeinschaftsanlage müssen die Fundamenterder miteinander galvanisch verbunden sein, was bei zweischaliger Bauweise gewöhnlich nicht der Fall ist.
So ist es.
Je nachdem wie weit der Bau bisher gediehen ist, ist eine solche Verbindung aber vielleicht noch problemlos herzustellen.
23.03.2011, 19:11
#
7
jensen
Threadstarter
Registriert seit: 12.03.2011
Beiträge: 11
Hallo,
danke für die kompetenten Antworten .
Der Bauträger würde im Standard nur Kabel Tv verlegen, benötige ich dieses Kabel eigentlich noch wenn ich in jeden Raum Sat und Cat Kabel verlegen lasse?
Was ist Zukunftssicher?
Danke
jensen
23.03.2011, 22:08
#
8
webjunkie
Registriert seit: 19.06.2009
Beiträge: 217
Im Zweifelsfall beides!
Für TV ist SAT eindeutig vorzuziehen. Da hast Du unendlich viele Programme!
ABER erkundige dich mal ob bei dir DSL liegt und wenn wie schnell.
Wenn das nur 384 oder 1000er DSL ist, würde ich den Kabelanschluss für I-Net u. U. vorziehen. Deshalb würde ich auch Kabelanschluss so vorsehen, da Du von da aus dann LAN ins Haus verteilst. Ansonsten LAN sternförmig von der ersten Telefondose aus verteilen.
Lass Die Bauarbeiter lieber 50m Leerrohr mehr verlegen, da im Rohbau ein Klacks, wer weiss wofür Du es in ein paar Jahren brauchen kannst.
Nachträgliche Durchbrüche zwischen den Etagen sind alles andere als ein Klacks und viel Dreck.
So ein 40mm Leerrohr zwischen den einzelnen Etagen wo Du später mal eben ein Kabel durchziehst sind eine echte Erleichterung!
23.03.2011, 22:35
#
9
Dipol
Team SAT-Technik
Registriert seit: 19.03.2007
Beiträge: 4.147
Zitat:
Zitat von jensen
Der Bauträger würde im Standard nur Kabel Tv verlegen, benötige ich dieses Kabel eigentlich noch wenn ich in jeden Raum Sat und Cat Kabel verlegen lasse?
Das kommt darauf an welche Kabelgüte dein Bauträger verlegt und ob er ein zeitgemäßes Stern- oder ein veraltetes aber noch zulässiges Reihenverteilnetz ausführen wird. Lass dir doch einen Plan geben.
Zitat:
Zitat von jensen
Was ist Zukunftssicher?
Ein Kabelanschluss gilt in der Rechtssprechung als zukunftssicher.
Ein Bauträger schuldet eine Ausführung nach den Normen und auch nach den z. T. weiter reichenden anerkannten Regeln der Technik. Gegen die seit Jahrzehnten geltende DIN 18015 wird im Bauwesen -speziell bei nicht in Leerrohren oder Kabelkanälen zugfähig verlegten Antennenkabeln- wohl noch häufiger und elementarer verstoßen als gegen die Vorschriften zu Erdung und Potenzialausgleich.
Sollte auch dein Bauträger im Gegensatz zur DIN 18015 keine Leerrohranlage vorgesehen haben, im Anhang etwas Argumentationshilfe.