Koax-Kabel -> Potentialausgleich

Alt 21.06.2010, 01:37   # 1
awadoma
 
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Hallo zusammen,
bin gerade hier aufgrund der vielen Beiträge zum Thema Sat-Technik gestrandet.

Ich hab nun auch viel dazu gelesen, aber habe dennoch keine vernünftige und klare Aussage zu meinem Anliegen gefunden.

Situation:
Ich: Newbie@Sat
Ort: Wohnung drittes (oberstes) Stockwerk
Sat Schüssel: Am Balkongeländer 4 Meter unterhalb der Dachkante montiert
LNB: Hama Quad Switch Lypsi
...zunächst sollen nur 2 Receiver angeschlossen werden.

Nach meinen Recherchen müsste die "Schüssel" vor Blitzschlag ausreichend geschützt sein.

Wie ist das aber mit dem Pot-Ausgleich der Koax-Kabel?
Nun wär für mich die einfachste Lösung die Koax Kabel direkt an den Receivern in der Wohnung anzuschließen.
Habe aber auch gehört, dass die Mantelung der Kabel nochmals an ein Potentialausgleich mittels einem Erdungsblock/schiene verbunden werden sollte. Nur ist in der Wohnung weit und breit kein PA in Sicht. Das nächstbeste was es gibt wär der Schutzleiter der Schuko-Steckdose. Dazu habe ich jedoch die unterschiedlichsten Reaktionen erhalten, weil dies ja eine Erdungsleitung ist.

Brauche ich für meine Anlage überhaupt den Potausgleich?
Für die nicht verwendeten Anschlüsse am LNB habe ich mir mal ein paar Abschlusswiderstände von Kathrein mitbestellt. In einem anderen Thread hab ich gelesen, dass die nur Strom verbraten. Soll ich die lieber vergessen?


Ich bin dankbar für jede hilfreiche Antwort.
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Alt 21.06.2010, 09:00   # 2
Dipol
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Hallo awadoma, herzlich Willkommen im Forum!

Zitat:
Zitat von awadoma Beitrag anzeigen
Situation:
Ort: Wohnung drittes (oberstes) Stockwerk
Sat Schüssel: Am Balkongeländer 4 Meter unterhalb der Dachkante montiert
Wenn der max. Wandabstand von 1,5 Meter eingehalten wird, ist dei Antenne nicht erdungspflichtig.
Zitat:
Zitat von awadoma Beitrag anzeigen
Wie ist das aber mit dem Pot-Ausgleich der Koax-Kabel?
Nun wär für mich die einfachste Lösung die Koax Kabel direkt an den Receivern in der Wohnung anzuschließen.
Bei nicht erdungspflichtigen Antennen kann der Potenzialausgleich an beliebiger Stelle erfolgen.
Zitat:
Zitat von awadoma Beitrag anzeigen
Das nächstbeste was es gibt wär der Schutzleiter der Schuko-Steckdose.
Der Neutralleiter ist nach allen Normen als PA-Anschluss absolut tabu und kann sogar einen Netzbrumm eintragen. Früher durfte man noch die häuslichen Sanitärnetze für Erdung und PA nutzen. Das ist wegen des zunehmenden Einsatzes von Verbundrohren schon länger nicht mehr normkonfonform.

So lange die Rohre mit dem Schutzpotenzialausgleich galvanisch verbunden sind, bietet der normwidrige Anschluss an den Heizungsrücklauf oder eine Wasserleitung (ohne ausbaubare Wasseruhr!) einen Schutz. Wird aber nachträglich ein Verbundrohr eingesetzt, kann durch diese Massnahme Netzspannung ins Sanitärnetz verschleppt werden und man hat eine Gefahrenquelle installiert.
Zitat:
Zitat von awadoma Beitrag anzeigen
Brauche ich für meine Anlage überhaupt den Potausgleich?
Nach alter europäischer EN 50083-1 war es ohne Wenn und Aber zwingend, in der international harmonisierten Forlgenorm EN 60728-11 ist es abgeschwächt eine sehr dringliche Soll-Bestimmung.
Zitat:
Zitat von awadoma Beitrag anzeigen
Für die nicht verwendeten Anschlüsse am LNB habe ich mir mal ein paar Abschlusswiderstände von Kathrein mitbestellt. In einem anderen Thread hab ich gelesen, dass die nur Strom verbraten.
Grundsätzlich sollte man alle offenen Anschlüsse gegen EMV sichern und terminieren. Wenn ein Quad-LNB die Receiverspannung von einem Ausgang auf einen anderen weiterleitet ist er kaputt. Bei intaktem LNB kann kein Strom verbraten werden. Ich habe noch keinen Fall erlebt, in dem nicht terminierte Ausgänge eines Twin-, Quad- oder Okto-LNB Störungen verursacht hätten.
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Alt 21.06.2010, 09:06   # 3
Dipol
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Alt 21.06.2010, 20:01   # 4
awadoma
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Danke für die ausführliche Antwort.

Also Nutzung des Schutzleiters (Steckdose) würde Netzbrummen in der Stromleitung auf den Weg bis zur Schutzpotentialausgleich zur Folge haben?!

Das mit der Heizung wird nicht gehen, wir haben Bodenheizung.

Mir ist da aber noch was anderes eingefallen.
Wir haben im Wohnzimmer ja noch den Stecker für den Kabel-Anschluss der nun ja nicht mehr benutzt wird. Das Kabel müsste doch auch am PA dran hängen.
Wäre das nicht eine gute Lösung?

Gruß
Luke
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Alt 21.06.2010, 20:57   # 5
Dipol
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Zitat:
Zitat von awadoma Beitrag anzeigen
Also Nutzung des Schutzleiters (Steckdose) würde Netzbrummen in der Stromleitung auf den Weg bis zur Schutzpotentialausgleich zur Folge haben?!
Das Risko besteht besteht insbesondere bei klassischer Nullung. Wenn im Nulleiter eine Unterbrechung auftritt, reicht ein einziger angeschlossener Kleinverbraucher um das Potential auf 230 Volt anzuheben.
Zitat:
Zitat von awadoma Beitrag anzeigen
Wir haben im Wohnzimmer ja noch den Stecker für den Kabel-Anschluss der nun ja nicht mehr benutzt wird. Das Kabel müsste doch auch am PA dran hängen.
Wäre das nicht eine gute Lösung?
Wäre dieses Kabel die Signalzuleitung einer nicht erdungspflichtigen Satellitenantenne, dürfte an jeder beliebigen Stelle ein Erdblock eingefügt und mit dem Schutzpotenzialausgleich des Hauses verbunden werden.

Als Erdungsdraht für den PA ist ein Cu-Draht mit mindestens 4 mm² Querschnitt zugelassen. Ein passives Koaxkabel ist jedoch nach Norm als indirekter Erdungsdraht unzulässig.
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Alt 23.06.2010, 00:37   # 6
awadoma
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Ich sehe schon, das wird eine schwere Geburt.

Bitte sag mir was ich tun kann um die Koax-Kabel normgerecht mittels Potentialausgleich zu sichern.

Muss ich meinen Vermieter wirklich anhauen, damit er mir eine Leitung aus dem Keller in die Wohnung zieht?

Bzw. wo könnten sich in einer Wohnung besagte Leitungen verbergen?
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Alt 23.06.2010, 09:51   # 7
Dipol
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Zitat:
Zitat von awadoma Beitrag anzeigen
Bitte sag mir was ich tun kann um die Koax-Kabel normgerecht mittels Potentialausgleich zu sichern.

Muss ich meinen Vermieter wirklich anhauen, damit er mir eine Leitung aus dem Keller in die Wohnung zieht?
Kein Wunder, dass ein normgerechter Potenzialausgleich so selten vorkommt. Primär ist es überaus wichtig, dass sich die Antenne vollständig im Schutzbereich der Fassade befindet.

In meiner Wohnung habe ich Kabelanschluss und zu Kontrollzwecken auf dem Balkon eine 55er GFK-Antenne mit Dufeed für 19,2° Ost und 13° Ost. Die WEG würde niemals zulassen, dass an der Fassade ein Erdungsdraht verlegt wird. Im Konflikt kein PA oder normwidriger PA, habe ich einen Anschluss an ein Heizungsrücklaufrohr gewählt. In meinem Fall kann auch bei Arbeiten am zentralen Heizungskessel nichts passieren, weil in diesem Teilgebäude für die Sanitärnetze ein eigener örtlicher PA ausgeführt ist und definitiv eine galvanische Verbindung besteht.

Unter den vorliegenden baulichen Gegebenheiten ist der Normverstoß für meine Einzelanlage eigenverantwortlich vertretbar, da er zusätzliche Sicherheit schafft. Für Fremdanlagen würde ich dies aber selbst unter solch günstigen Voraussetzungen nicht installieren, auch nicht die Notlösung mit dem PA über das BK-Koaxkabel.
Zitat:
Zitat von awadoma Beitrag anzeigen
Bzw. wo könnten sich in einer Wohnung besagte Leitungen verbergen?
Nur der Anschluss an die Haupterdungsschiene oder einen örtlichen Potenzialausgleich ist normgerecht, es gibt keine Patentlösung.
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Alt 26.06.2010, 09:51   # 8
elo22
 
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Zitat:
Zitat von Dipol
Der Neutralleiter ist nach allen Normen als PA-Anschluss absolut tabu und kann sogar einen Netzbrumm eintragen.
Neutralleiter N ≠ Schutzleiter PE

Lutz
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Alt 26.06.2010, 14:25   # 9
awadoma
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Beiträge: 6
Der Schutzleiter wäre also okay, wäre er stärker dimensioniert (4mm Querschnitt). Ich könnte drei Schutzleiterkabel aus zwei Steckdosen entnehmen dann hätte ich schonmal 3.5mm =)

Ansonsten bleibt mir wohl doch nur die Möglichkeit über den Heizungskasten im Flur. Dort laufen alle Kunsstoffrohre der Bodenheizung zusammen. Der Zu- und Rücklauf selbst sind aus Kupferrohren. Ich habe im Keller nachgeschaut und alle Metallelemente unter anderem auch die Heizungsrohre sind mit dem Potentialausgleich verbunden. Das schaut schonmal gut aus.
Dann bräuchte ich wohl nur noch ein wenig Kabel um den PE vom Flur bis ins Wohzimmer zu verlegen (17 Meter) und eine Klemme um das Kabel am Rohr anzubringen. Ist es okay wenn ich die Leitung parallel zu einem Koax-Kabel und einen Netzwerkkabel verlege?

Luke
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Alt 27.06.2010, 04:28   # 10
elo22
 
Registriert seit: 03.10.2008
Beiträge: 219
Zitat:
Zitat von awadoma
Ich könnte drei Schutzleiterkabel aus zwei Steckdosen entnehmen dann hätte ich schonmal 3.5mm =)
Wenn schon dann 3,5 mm². Aber das ist schon kriminell.

Zitat:
Zitat von awadoma
Ist es okay wenn ich die Leitung parallel zu einem Koax-Kabel und einen Netzwerkkabel verlege?
Jo.

Lutz
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Alt 27.06.2010, 08:54   # 11
Dipol
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Beiträge: 4.147
Die Verlegung von Stark-und Schwachstromkabeln oder Antennenleitungen wurde gegenüber früher stark vereinfacht. Die früher übliche Abschottung z. B. durch einen Trennsteg in den Kabelkanälen ist nicht mehr grundsätzlich erforderlich.

Von all deinen Varianten enthält die mit der Verwendung des BK-Koaxkabels sicherheitstechnisch noch die wenigsten Risiken. Auch wenn die Verbindungen der Kabelschirme fachlich einwandfrei sind, gibt es für diese Variante keinen Freibrief. Es wäre auch sicherzustellen, dass der PA des BK-Kabels normgerecht ist und die Masseverbindung nicht von Dritten aufgetrennt wird.

Wie Lutz schon gepostet hat, vergiss alle schaltungstechnischen Kunststücke an einen 1,5 mm² Cu-Draht vom Stromnetz, egal ob der blaue oder grün-gelbe Farbe hat. Es sind genug Fälle aufgetreten, in denen der PA-Anschluss an zwei verschiedene örtliche Potenzialausgleiche einen Brumm eingetragen hat.
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Alt 27.06.2010, 11:29   # 12
awadoma
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Beiträge: 6
Also ist der Pot-Ausgleich über das BK (Antennensteckdose?) doch der über die Heißung zu bevorzugen?

Die Schirmung der Antennenkabel ist ebenfalls korrekt mit 4mm² geerdet.

Luke
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Alt 27.06.2010, 21:22   # 13
Dipol
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Zitat:
Zitat von awadoma Beitrag anzeigen
Also ist der Pot-Ausgleich über das BK (Antennensteckdose?) doch der über die Heißung zu bevorzugen?

Die Schirmung der Antennenkabel ist ebenfalls korrekt mit 4mm² geerdet.
Normgerecht ist weder das eine noch das andere. Soweit man die die Risiken aus der Distanz abschätzen kann, ist der PA an die Heizung oder das BK-Kabel weniger riskant als an das Stromnetz.

Das setzt aber auch voraus, dass
  • Sowohl der Schutzpotenzialausgleich der Sanitärinstallation bzw. der PA des BK-Kabels normgerecht ist. Das ist oft genug nur alibimäßig ausgeführt. Der 4 mm² Cu-Draht muss direkt an der Haupterdungschiene angeklemmt sein.
  • Auszuschließen ist, dass Dritte die Funktionstüchtigkeit einschränken.
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Alt 28.05.2012, 13:33 # --
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