Kabel raus - Sat rauf

Alt 16.05.2010, 12:02   # 1
Radiosammler
 
Registriert seit: 16.05.2010
Ort: Bonn
Beiträge: 2
Hallo zusammen,

fast 9.000 €uronen jährlich sind nicht mehr lustig, also wollen wir die Kabel da hin zurückbringen, wo sie sind: In die Erde.

Ein Wohnanlage mit mehr als 40 Wohnungen unterschiedlicher Größe und Zimmerzahl, mehr breit als hoch, mit zwei Kabelzugängen, soll umgerüstet werden.

Das verlegte Kabel ist wie die Wohnanlage um die 30 Jahre alt und auch dummerweise 60 Ohm. Muß also raus.

Bei so vielen Sehern - Eigentümer und auch Mieter - ist natürlich Multikulti angesagt, weniger aus dem Süden, mehr aus dem Osten.

Die Wohnungen haben untereinander relativ gute Verbindungen über die Keller und ggf. Tiefgarage, aber in die Wohnräume nur einen Anschluß durch den Betonboden.

Da der Haus- und Hofsender mit DVB-T und UKW unverbaubar in nur ca. 3 Km entfernt steht, könnten für die Schlafzimmer- und Küchenglotzen auch diese Signale zusätzlich eingespeist werden.

Die Kabel von den Schüsseln in den Keller könnte man theoretisch durch Aufzugsschächte führen. Darf man oder darf man nicht?
Wenn ja, unter welchen Auflagen?

Wer hat Erfahrung mit einer Anlage diese Größenordnung und kann und möchte die weitergeben?

Beste Grüße vom Radiosammler

PS.: Mein erster Beitrag in diesem Forum, nun bin ich gespannt und freue mich auf die Antworten.
  Mit Zitat antworten
Alt 16.05.2010, 12:56   # 2
Dipol
Team SAT-Technik
 
Registriert seit: 19.03.2007
Beiträge: 4.147
Hallo Radiosammler, herzlich Willkommen im Forum!

Zitat:
Zitat von Radiosammler Beitrag anzeigen
Die Kabel von den Schüsseln in den Keller könnte man theoretisch durch Aufzugsschächte führen. Darf man oder darf man nicht?
Wenn ja, unter welchen Auflagen?
Im Regelfall ist der TÜV unter Brandschutzgesichtspunkten rigoros dagegen, wundersamer Weise wird es aber hin und wieder verzeinzelt zugelassen. Also erst mal beim zuständigen TÜV nachfragen, ob er die Leitungsführung in Stahlpanzerrohr oder ein Glasfaserkabel zulässt.

Zitat:
Zitat von Radiosammler Beitrag anzeigen
Wer hat Erfahrung mit einer Anlage diese Größenordnung und kann und möchte die weitergeben?
Bei 40 Wohnungen sollte man sich nicht an den Strippenzieher um die Ecke, sondern einen ausgewiesenen Antennenprofi mit Messequipment wenden. Wenn du uns noch die Gebäudestruktur und die gewünschten Satelliten näher beschreibst, folgen auch noch Vorschläge zur Hardware.
  Mit Zitat antworten
Alt 16.05.2010, 13:19   # 3
King W.
Team SAT-Technik
 
Benutzerbild von King W.
 
Registriert seit: 01.01.2006
Ort: mitten im Kohlenpott
Beiträge: 9.170
Boah, das juckt in den Fingern. Für ca. 3 Jahresbeträge ist solch eine Anlage schon zu machen. Das amortisiert sich schneller, als ihr denkt. Und dann spart ihr jedes Jahr 9000€, von der größeren Programmvielfalt mal ganz abgesehen.

Aber erst einmal Herzlich Willkommen bei uns im Forum! :liebegru:
Soviel Zeit muß sein.

Etwas Erfahrung mit größeren Anlagen (> 20 Teilnehmer) habe ich schon, in letzter Zeit gibt es aber eine stürmische Entwicklung auf dem Markt - Stichwort: Unicable. Das vereinfacht die Installation sehr, weil in jede Wohnung nur noch ein Kabel geführt werden muß. In einem Punkt hast du allerdings Recht: die 30 Jahre alten Kabel müssen raus und durch vernünftige 75 Ohm Kabel ersetzt werden. Bei dem 60 Ohm Kabel fehlt normalerweise eine Abschirmfolie, mit solch einem Uralt-Zeugs produziert ihr Störsender allererster Güte.

Für die Verteilung selbst gibt es seit einiger Zeit die Unicable-Router von Jultec. Durch die enorme Auswahl an verschiedenen Komponenten, alle geregelt und mit stabilem Ausgangspegel, wird die Planung einfach. Ich stelle mir das so vor, daß jeder Teilnehmer die deutschen Programme, sowie über einen weiteren Satelliten Programme seines Heimatlands bekommt.

Natürlich müßte im Vorfeld geklärt werden, welche Satelliten von wie vielen Teilnehmern benötigt werden. Ich denke, die Planung hierfür ist bereits der schwierigere Teil, die Ausführung ist eher einfach, mal abgesehen von den vielen Leitungen.

DVB-T und UKW mit einzuspeisen, dürfte kein Problem sein. Hier ist mal der Einkabelkatalog von Jultec. Auf der Seite 5 ist mal eine Beispielinstallation zu sehen. So, bzw. etwas modifiziert, stelle ich mir eure Anlage vor.

Frage nur: Bekommt ihr denn überhaupt alle Mieter und Eigentümer unter einen Hut? Dürfte bei 40 Einheiten nicht so leicht sein.
__________________
Es gibt keine großen Entdeckungen und Fortschritte, solange es noch ein unglückliches Kind auf Erden gibt.
Albert Einstein


Nokia? Nein danke!
  Mit Zitat antworten
Alt 16.05.2010, 16:16   # 4
Radiosammler
Threadstarter
 
Registriert seit: 16.05.2010
Ort: Bonn
Beiträge: 2
Danke für die freundliche Aufnahme und die spontanen und schon mal hilfreichen Antworten.

Zum Haus:
Die ebenerdigen Wohnungen haben einen Keller, Erdgeschoß und eine erste Etage. Bis auf 4 Wohnungen haben alle unteren Wohnungen eine Einliegerwohnung mit seperaten Eingang darüber liegen, die aber vom gleichen Keller darunter versorgt wird. Bei einem Gebäudeteil gibt es noch eine Penthauswohnung, das sind damit dann 3 Stockwerke.
Es ist also eine bunte Mischung.

Bisher hatte ich drei Anbieter hier, die drei verschiedene Ansätze vorstellten.
Neben der herkömmlichen sternförmigen Verteilung mit der Sauerkrautverdrahtung auch die Einkabellösungen von Politron und Telestar.
Dabei konnte ich feststellen, dass die beiden letzten kombinierbar wären, wenn man auf DVB-T verzichtet.
Bei der Sternverteilung könnte u. U. auch eine 2-Anlagen Lösung zum Tragen kommen, da die Wohnanlage fast 100 m lang ist und die Schüsseln ja nicht der ganz große Kostenfaktor sind.
Jetzt ist es auch so gelöst, denn wir haben zwei getrennte Kabel-Anlagen mit dem jeweiligen separaten Kabel-Hausanschluß.

Danke für den Hinweis von Jultec. Den Prospekt hatte ich schon hier liegen, muß mich da aber erst noch einlesen.
Bei diesen proprietären Lösungen habe ich aber immer ein wenig Bauchschmerzen wegen der Ersatzteilversorgung über einen längeren Zeitraum.

Zum Thema Überzeugungsarbeit:
Wir haben die Kündigung bei der letzten Eigentümerversammlung beschlossen. Der Verwalter hatte seine Vorschläge gemacht, und als er fertig war, habe ich noch zu seinen Ausführungen Korrekturen, Ergänzungen und neue Aspekte eingebracht und hatte damit den Job. Nun soll ich eine Entscheidungvorlage erstellen. Dann wird abgestimmt. Das ist dann bindend.
Da ich selber davon auch betroffen bin, will ich natürlich eine möglichst universelle Lösung finden.

Neben den üblichen Verdächtigen wie Astra und Hotbird, ist für die russische Klientel sicher noch der Sirius interessant. Hier würde ich mich über darüber hinausgehende Empfehlung freuen.

Vielen Dank für die Hilfe und das Interesse.
  Mit Zitat antworten
Alt 16.05.2010, 19:25   # 5
King W.
Team SAT-Technik
 
Benutzerbild von King W.
 
Registriert seit: 01.01.2006
Ort: mitten im Kohlenpott
Beiträge: 9.170
Zitat:
Zitat von Radiosammler Beitrag anzeigen
Neben der herkömmlichen sternförmigen Verteilung mit der Sauerkrautverdrahtung ...
Bis vor noch nicht allzu langer Zeit gab es gar keine andere Möglichkeit. Eine sternförmige Verdrahtung wäre auch heute noch die preisgünstigste Lösung, vom Material her gesehen. Von FTE (früher Ankaro) gibt es einen Multischalter 17 x 32 sowie eine Kaskade 17 x 16 dazu. Damit könnte man das Satellitensignal von bis zu 4 Satelliten problemlos an 48 Anschlüsse verteilen - mit nur 2 Geräten.

Nachteil dieser Lösung allerdings: Es steht jeweils nur eine Leitung pro Wohnung zur Verfügung. Das ist wohl nicht mehr zeitgemäß. Natürlich könnte die Anlage auch um weitere Anschlüsse ergänzt werden, dann aber um den Preis einer noch aufwendigeren Verdrahtung.
Zitat:
[...] wenn man auf DVB-T verzichtet.
Brauchst du bei Jultec nicht.
Zitat:
Bei der Sternverteilung könnte u. U. auch eine 2-Anlagen Lösung zum Tragen kommen, da die Wohnanlage fast 100 m lang ist und die Schüsseln ja nicht der ganz große Kostenfaktor sind.
Braucht ihr bei Jultec auch nicht. Nach der Schüssel kommt ein Startgerät, der das Signal erst einmal kräftig verstärkt. Und dann geht es richtig "mit Schmackes" in die Leitungen. Die Jultec-Router sind nun eingangsseitig geregelt.
Zitat:
Zitat von Jultec
Input level range full sat band 60..90dBμV
Gutes Koax-Kabel hat eine Dämpfung von ca. 30 dB pro 100m bei der höchsten vorkommenden Frequenz. Wenn am Anfang der Kabelstrecke z.B. 90 dBµV zur Verfügung stehen, reicht es am Ende immer noch aus. Die Startverstärker liefern nun bis zu 108 dBµV, also mehr als genug.
Zitat:
Bei diesen proprietären Lösungen habe ich aber immer ein wenig Bauchschmerzen wegen der Ersatzteilversorgung über einen längeren Zeitraum.
Ich denke, da brauchst du dir keine Sorgen zu machen. Ich hatte auf der Anga-Cable ein längeres Gespräch mit Herrn Müller von Jultec. Die Firma gibt es seit 6 Jahren und sie ist kerngesund. Herr Müller versicherte mir, er könne deutlich mehr verkaufen, als er überhaupt produzieren kann. Das Credo seiner Firma ist es, Spitzenqualität zu liefern, ohne wenn und aber. Das wissen die Kunden auch zu schätzen, obgleich die Produkte alles andere als Sonderangebote sind.

So solide, wie die Schalter aussehen, wirst du auf absehbare Zeit gar keine Ersatzteile brauchen.
Zitat:
Da ich selber davon auch betroffen bin, will ich natürlich eine möglichst universelle Lösung finden.
Absolut Verständlich.
Zitat:
Neben den üblichen Verdächtigen wie Astra und Hotbird, ist für die russische Klientel sicher noch der Sirius interessant. Hier würde ich mich über darüber hinausgehende Empfehlung freuen.

Vielen Dank für die Hilfe und das Interesse.
Den Sirius zu empfangen, ist überhaupt kein Problem. Eine vernünftige Schüssel, z.B. die Gibertint SE oder die Kathrein CAS 90 kann mit drei LNB's ausgestattet werden. Ausgerichtet wird auf den mittleren Satellit, in diesem Fall Hotbird, und auf die beiden anderen Satelliten wird geschielt. Bei dem geringen Unterschied von 6° zur einen und 8° zur anderen Seite ist dabei nicht mit nennenswerten Empfangseinbußen zu rechnen.

Anschließend könnte es so gemacht werden, daß jeder Teilnehmer als Grundversorgung das Signal vom Astra bekommt, dazu einen weiteren Satelliten als Option, also entweder Hotbird oder Sirius.

Es wäre auch denkbar, nicht alle 4 Bänder eines Satelliten zu übertragen, sondern z.B. 2 Bänder des Hotbird und 2 des Sirius. Das Unicable-Protokoll läßt die Verteilung von bis zu 8 SAT-Ebenen zu. Welche das konkret sind und ob es für alle die gleichen sind, ist dem Router dabei herzlich egal.

Kannst du mal recherchieren, wie viele ausländische Familien es sind, und welche Heimatprogramme die gern haben möchten. Je genauer die Daten vorliegen, desto besser kann man planen und dafür sorgen, daß es keine unliebsamen Überraschungen es gibt.
__________________
Es gibt keine großen Entdeckungen und Fortschritte, solange es noch ein unglückliches Kind auf Erden gibt.
Albert Einstein


Nokia? Nein danke!
  Mit Zitat antworten
Alt 17.05.2010, 09:48   # 6
Dipol
Team SAT-Technik
 
Registriert seit: 19.03.2007
Beiträge: 4.147
Zitat:
Zitat von Radiosammler Beitrag anzeigen
Neben der herkömmlichen sternförmigen Verteilung mit der Sauerkrautverdrahtung auch die Einkabellösungen von Politron und Telestar.
Dabei konnte ich feststellen, dass die beiden letzten kombinierbar wären, wenn man auf DVB-T verzichtet.
Bislang haben sich noch sämtliche Einkabelsysteme ohne Vollbandübertragung selbst für rein deutsche Programmversorgung als Übergangslösung auf Zeit erwiesen. Auch die digitalen Nachfolgesysteme der früheren "Analogen Einkabellösungen" habe sich schon mehrfach als nicht zukunftssicher erwiesen. Auch flexiblere Systeme mit IF-Umsetzern werden selbst bei reiner ASTRA-Übertragung an der Kapazitätsgrenze von 1, 2 GHz irgendwann scheitern. Eine Konzeption in der dieses Nadelöhr für drei bis vier Satelliten genutzt werden muss, wird sich ungleich früher als untauglich erweisen.

Die Schilderung der Kombination TELSTAR/POLYTRON lässt mehrere Deutungsmöglichkeiten zu. Ich befürchte dass hier eine Kombination aus einer TELESTAR Telepro 3 oder 5 (= baugleich ASTRO SEV 300 bzw. 500) mit einer POLYTRON TST 1200 erwogen wird. Davon rate ich dringlichst ab! Der für diese Kombination erforderliche Dosenumsetzer mit 13/18 V-Umschaltung ist zurzeit nicht erhältlich und ob er überhaupt kommt ist noch fraglich.
Zitat:
Zitat von Radiosammler Beitrag anzeigen
Bei der Sternverteilung könnte u. U. auch eine 2-Anlagen Lösung zum Tragen kommen, da die Wohnanlage fast 100 m lang ist und die Schüsseln ja nicht der ganz große Kostenfaktor sind.
Jetzt ist es auch so gelöst, denn wir haben zwei getrennte Kabel-Anlagen mit dem jeweiligen separaten Kabel-Hausanschluß.
Je mehr Satelliten gewünscht werden, umso eher rentiert sich eine gemeinsame Kopfstelle. Sind denn bei 100 m Distanz auch Erdkabel erforderlich oder erfolgt die Leitungsführung durchgängig im Gebäude? Insbesondere für künftige DVB-x2-Übertragungen wird es noch eminent wichtig werden, ob alle Fundamenterder galvanisch miteinander verbunden sind. Diese Anlagenplanung sollte unbedingt von einem Antennenhersteller oder einem Fachingenieurbüro geleitet werden, um die vielfach möglichen Fehler zu vermeiden.
Zitat:
Zitat von Radiosammler Beitrag anzeigen
Danke für den Hinweis von Jultec. Den Prospekt hatte ich schon hier liegen, muß mich da aber erst noch einlesen.
Bei diesen proprietären Lösungen habe ich aber immer ein wenig Bauchschmerzen wegen der Ersatzteilversorgung über einen längeren Zeitraum.
Was bitte ist an EN 50494-kompatiblen Geräten, besser unter UniCable bekannt, proprietär? Das ist ein genormter Standard den die meisten neuen Receiver beherrschen.
Zitat:
Zitat von Radiosammler Beitrag anzeigen
Neben den üblichen Verdächtigen wie Astra und Hotbird, ist für die russische Klientel sicher noch der Sirius interessant. Hier würde ich mich über darüber hinausgehende Empfehlung freuen.
Das wäre dann der vierte Satellit. Die Installation einer Multischalter-Sternverteilung für vier Satelliten ist technisch kein Problem. Allerdings werden auch die Teilnehmer welche die Exoten-Satelliten nicht nutzen werden, mit erheblichen Mehrkosten belastet.

Weder die mit UniCable möglichen max. 8 Satellitenebenen, noch das Konstrukt aus einem überwiegend statischen Sat.-ZF-Einkabelsystem mit 3 bis 5 variablen Satellitentranspondern + 12 Transpondern über TST 1200, kann den genannten Programmbedarf mittelfristig ausreichend abdecken. Die TST 1200 wurde von POLYTRON speziell für Hotels mit Uraltnetzen konzipiert, blockiert den gesamten VHF/UHF-Bereich und verhindert damit jegliche künftige Erweiterungsmöglichkeit.

Orientiert man sich an den bisherigen Fremdsprachenpaketen im Kabel, könnte auch eine Ergänzung durch Umsetzung in die DVB-T-Norm COFDM (das kann jeder neue Flat-TV ohne ein Beistellgerät empfangen) oder die Umsetzung in DVB-C (QAM) eine wirtschaftliche Alternative sein. Bereits mit der Umsetzung in DVB-T sind mit 4 Programmen in einem 8 MHz breiten Übertragungskanal wesentlich mehr Programme als mit der als Notlösung für alte Hotelanlagen konzipierten TST 1200 möglich. In DVB-C (QAM) kann pro 8 MHz-Kanal sogar ein kompletter Satellitentransponder übertragen werden.
  Mit Zitat antworten

Alt 28.05.2012, 11:54 # --
News Flash
 
Benutzerbild von News Flash
 
 
 

Das könnte Dich auch noch interessieren:

Nicht fündig geworden? Dann ohne Anmeldung in unserem Gast-Forum nachfragen.