Baumnetz/Reihenverteilung für 30 Wohnungen digitalisieren

Alt 28.04.2011, 20:43   # 1
Georg144
 
Registriert seit: 28.04.2011
Beiträge: 3
Guten Tag!

In unserem Haus 30 EGTW-Wohnungen ist ein Umstieg von der vorhandenen Sat (Astra) Anlage im Gespräch.

Die vorhandene Verkabelung ist einfach abgeschirmt.
3er Dosen (Sat, Antenne-DVBT, Radio).

Wir empfangen DVBT , analog Astra und Rundfunk

Es bestehen 5 Stränge, die von einer zentralen Verteilung zu den darunterliegenden Wohnungen führen.

Ist die bestehende 1 Kabellösung auch für den digitalen Empfang möglich?

Umrüstung der Schüssel ist kein Thema, aber in erster Linie der evtl. Austausch der Kabel.

Danke für Tipps oder fachlichen Beistand
 
Alt 28.04.2011, 20:43 # --
netzwelt.de
 
Benutzerbild von netzwelt.de
 
 
 
   
Alt 28.04.2011, 23:52   # 2
Dipol
Team SAT-Technik
 
Registriert seit: 19.03.2007
Beiträge: 5.228
Hallo Georg, nw welcome

Zitat:
Zitat von Georg144 Beitrag anzeigen
In unserem Haus 30 EGTW-Wohnungen ist ein Umstieg von der vorhandenen Sat (Astra) Anlage im Gespräch.
Ja, es wird höchste Zeit für eine Umstellung, wenn die Bildschirme in einem Jahr über Satellit nicht nur noch Ameisenrennen zeigen sollen.

Zitat:
Zitat von Georg144 Beitrag anzeigen
Die vorhandene Verkabelung ist einfach abgeschirmt.
3er Dosen (Sat, Antenne-DVBT, Radio).
Nur einfach geschirmte 60 Ohm Koaxkabel haben drei Schwachpunkte:
  1. Falsche Impedanz von 60 statt 70 Ohm
  2. Die Kabel haben ein festes Dielektrikum mit vergleichsweise hoher Dämpfung
  3. Das Schirmungsmaß liegt mit zumeist < 50 dB weit unter zeitgemäßen 85 dB Class A Norm-Anforderungen. Solche Netze sind normwidrig und Worst-Case von einer Anlagenstilllegung durch den Funkstörungsmessdienst der Bundesnetzagentur bedroht.
Zitat:
Zitat von Georg144 Beitrag anzeigen
Wir empfangen DVBT , analog Astra und Rundfunk
Bereits die analoge Satelliteneinspeisung war normwidrig, vor dem Inkrafttreten der NB 30 bzw. SchuTSEV aber wesentlich unkritischer als heute.
Zitat:
Zitat von Georg144 Beitrag anzeigen
Es bestehen 5 Stränge, die von einer zentralen Verteilung zu den darunterliegenden Wohnungen führen.
Wenn es sich um ein 3-zügiges Gebäude mit 6 Etagen handelt ist die Lösung wesentlich aufwändiger als z. B. bei 3 Hausteilen à 2 x 3 Wohneinheiten.

Wohnungsüberschreitende Reihenverteilungen sind wegen ihrer eingeschränkten Betriebssicherheit und Manipulationsanfälligkeit nicht mehr zeitgemäß. Die Beibehaltung fordert selbst bei EMV-technisch unproblematischen Reihenverteilungen ihren Tribut. Man hat die Wahl zwischen Pest und Cholera.

Entweder eine Begrenzung der möglichen Programme durch Kopfstellenumsetzer oder ein statisches oder teilflexibles Sat.-ZF-Einkabelsystem mit 1 GHz Bandbreite, oder zukunftssicherer Vollbandempfang mit Begrenzung auf die anschließbaren Endgeräte.

Die hohe Kabeldämpfung von 60 Ohm-Altnetzen erfordert entsprechend hohe Verstärkerpegel, die meist mit einer Überschreitung der zulässigen EMV-Emissions-Grenzwerte verbunden sind. Abseits der Einhaltung von EMV-Normen sind in einem Baumnetz technisch folgende Varianten möglich
  • Traditionelle Kopfstellenumsetzung digitaler Sat.-Signale in analoges PAL (Reanalogisierung = schlechtes Bild auf Flat-TVs und für jedes Programm ein 7/8 MHz Übertragungskanal erforderlich)
  • Kopfstellenumsetzung digitaler Sat.-Signale in QAM (Umsetzung eines kompletten Satellitentransponders mit allen SD- und HD-Programmen möglich, KAbelbox oder DVB-C-Tuner im TV erforderlich)
  • Kopfstellenumsetzung digitaler Sat-Signale in die DVB-T-Modulation OFDM (Je 8 MHz-Kanal sind vier SD- oder zwei HD-Programme übertragbar und mit jedem TV mit DVB-T-Tuner oder DVb-T-Receiver empfangbar)
  • statisches oder teilflexible 1 GHz Einkabelsysteme, wobei digital deutlich mehr Programme als analog übertragbar sind (Empfang überdigitale Satellitenreceiver oder DVB-S-Tuner in TV). Diese Systeme sind aber auf ca. 1/4 der Vollbandbreite eines Satelliten beschränkt und wegen fehlender Zukunfstsicherheit nur eine Übergangslösung.
  • UniCable-System mit Vollbandempfang, das auf max. 2 Satelliten und 8 Receiver/Stammleitung beschränkt ist (Empfang über DVB-S-Tuner oder digitale Satellitenreceiver mit Befehlssatz nach EN 50494)
  • das neue JESS-System, welches sich in der Statphase befindet, zu dem aber noch keine Receiver erhältlich sind (Empfang von zunächst bis zu 64 Satelliten und 12 Teilnehmer/Stammleitung möglich, derzeit noch kein Angebot an Empfängern)
Zitat:
Zitat von Georg144 Beitrag anzeigen
Ist die bestehende 1 Kabellösung auch für den digitalen Empfang möglich?
Sofern die analoge Satellitenübertragung in der Sat.-ZF erfolgt (Empfang über Receiver) und das Norm-Pegelfenster eingehalten wird, werden digital zwar stärker bedämpfte höhere Frequenzen genutzt, die höhere Dämpfung ist jedoch lösbar. Das Damoklesschwert einer Anlagenstilllegung durch den Funkstörungsmessdienst der Bundesnetzagentur kann aber nicht ausgeschlossen werden. Frei zugängliche Altkabel oder in Leerrohr zugfähig verlegt Kabel sollten unbedingt gegen moderne dämpfungsarme Hochschirmkabel gewechselt werden.
Zitat:
Zitat von Georg144 Beitrag anzeigen
Umrüstung der Schüssel ist kein Thema, aber in erster Linie der evtl. Austausch der Kabel.
Wie üblich löst die Installation neuer Kabel keine Begeisterung aus. Das alte Motto "Wo kein Kläger, da kein Richter" gilt aber seit der SchuTSEV nicht mehr.

Eine Anlage ist nur dann zukunftssicher, wenn sie uneingeschränkten Vollbandempfang und bedarfsgerechte Anschlussmöglichkeiten vorsieht. Bei 30 WE wäre ein Unicable-System mit separaten Wohnungszuleitungen sinnvoll. Als Minimalausstattung sollte man pro Wohnung 3 Single- bzw. 1 Twin- und 1 Single-Receiver einplanen.
 

Alt 23.04.2014, 10:53 # --
netzwelt.de
 
Benutzerbild von netzwelt.de
 
 
 
   
 

Stichworte
einfach abgeschirmt, kabel
Themen-Optionen



Alle Zeitangaben in WEZ +1. Es ist jetzt 09:53 Uhr.