[Allgemein] Dead Space 3

Alt 14.03.2013, 15:43   # 1
Mayhem
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DS3Cover



  • Entwickler: Visceral Games
  • Publisher: EA
  • Release: 07.02.2013
  • Plattform(en): PC / PS3 / X360
  • Getestet: PS3
  • Genre: Third-Person-Shooter
  • Spielmodi: Singeplayer / Koop (Online)
  • Altersfreigabe: USK 18 / PEGI 18





Free-2-Play ist angeblich das Geschäftsmodell der Zukunft der Gamingbranche. Womöglich ist es nur eine Frage der Zeit bis selbst die großen Publisher auf den Zug aufspringen und dieses Konzept auf die heimischen Konsolen transportieren. Wirklich vorstellen kann man sich das bei AAA-Titeln noch nicht so ganz. Wann hört aber der Spaß auf? Wenn Vollpreistitel auch noch Mikrotransaktionen intus haben. Womit wir beim Thema wären: „Dead Space 3“ aus dem Hause Visceral Games (das EA gehört). Es waren nicht die Gameplayvideos die zum Gruseln eingeladen haben, sondern die Meldungen über die Politik der Spieleeinnahmen. Selbstverständlich bleiben Hoffnungsschimmer. „Dead Space 2“ (ihr könnt die Review vom Kollegen HeadWind hier nachlesen: Klick!) habe ich sehr ernüchternd aufgefasst. Stellenweise war es atmosphärischer als der erste Teil, war aber dennoch weitaus actionorientierter. Ein Gräuel zu hören, dass der dritte Ableger eine Ecke weiter actiongeladener daherkommt.




Guter Weltraum, Schlechter Weltraum


Nach den schrecklichen Ereignissen aus den beiden Vorgängern hat sich der Protagonist Isaac Clarke eine Pause verdient, auf der Erde geht Clarke höchstwahrscheinlich seinem Ingenieurwesen nach, leider wird nicht viel über ihn erzählt, sodass man nicht wirklich eine Identifikation mit dem Charakter aufbauen kann. Nein, stattdessen wird er in etwas hineingezogen, dass nicht nur seinen Mord sondern die Vernichtung der Menschheit zum Ziel hat. Verantwortlich ist die Unitology-Religionsgemeinschaft, Fanatiker die von der Vorstellung der „großen Konvergenz“ durch die Marker besessen sind und durch die Ausrottung der Menschen den nächsten Schritt der Evolution erreichen möchten; angeführt von dem Propheten Danik. Daraufhin versuchen zwei Marines Isaac mit Gewalt zu überreden auf den Eisplaneten Tau Volantis zu kommen um einerseits die Marker zu zerstören und dem Wahnsinn endgültig ein Ende zu bereiten zum anderen eine Frau namens Ellie Langford zu retten. Der Gag: die Dame war offenbar vorher mit Isaac zusammen, mittlerweile hat sie was mit einem der Soldaten. Ich fragte mich sofort: „Hä?“ und musste im Laufe des Spieles meinen Kopf sehr oft um der lächerlich präsentierten Charaktere schütteln. Es hat ja schon dieser Sektenkasper gereicht mit seiner ultralangweiligen Präsentation, der mal so gar keine Untergangsstimmung in mir aufrufen konnte, nein, dann haben wir noch dämlich inszenierte Pseudodreiecksbeziehung bei denen die Männer sich irgendwie um ihre Dame in Not prügeln und dieser offenbar egal ist mit wem sie was hat, solange sie da befreit wird, aber doch irgendwie zu Isaac tendiert. Der gute Isaac ist offenbar relativ schnell über die verstorbene Nicole hinweggekommen. Himmel, jede Seifenoper ist besser arrangiert. Aber gut, was muss das muss. Also habe ich weiter gemacht, und dann setzte der Horror tatsächlich ein!




DS3Screen2




The Good, The Bad and The Ugly KI


„Es war eine finstere Nacht; der Wind verstummte und der Mond schien sich zu verstecken, als bangte er vor dem bevorstehenden Ereignis. Ich schob das Spiel „Resident Evil 7“ in das Laufwerk der Playstation 4 und...es war ein First-Person-Shooter!“ Die Kinder versteckten sich unter ihren Betten.


Leider, leider ist es diese Art von Horror, die „Dead Space 3“ verbreitet. Stellenweise versucht, ja versucht das Studio dem Spieler offenbar Angst einzujagen, aber nach zwei Ablegern ist man die typischen Schreckmomente gewohnt, und es hilft nicht, wenn man die auch noch stark berechenbar macht (ihr wisst schon, dunkle Ecke, etwas klappert, schriller Sound und 'nen Necromorph springt raus). Visceral Games (ich denke man sollte lieber EA dafür verantwortlich machen) lassen die einst starke Marke zu einem generischen Third-Person-Shooter verkommen. Es tut mir so schrecklich leid nur über drei Faktoren positives erzählen zu können:
das Licht, die Partikeleffekte sowie die Musik. Diese drei Elemente sind verdammt gut entwickelt und arrangiert. Es sieht einfach unfassbar genial aus, wenn man in nahezu absoluter Dunkelheit rumläuft und der Helm seinen Schein auf die Wand wirft, perfekt positioniert relativ zur Kamera. Sämtliche Partikeleffekte, vom Blut bis zu den Schüssen oder Explosionen sehen klasse aus. Vom astreinen Sound, wie auch in den vorherigen Ablegern, will ich gar nicht erst anfangen. Die schrillen Töne, die beklemmende Musik die so gut zur generellen Atmosphäre passt. Mir will es einfach nicht in den Sinn warum man zwei unglaublich wesentliche Elemente des Horror-Genres (Licht/Schatten und Musik) soweit ausbaut und bei anderen Punkten sehr versagt. Wollte das Studio damit nur mal andeuten: „Ja, öh, das war mal so!“
Das Schlimmste an dem Spiel ist einfach die Unfähigkeit zu entscheiden, was es eigentlich ist. Insofern fällt es sehr schwer, das Spiel als das was es nunmal ist zu akzeptieren. Auf der einen Seite versucht es düster und beängstigend zu wirken, auf der anderen Seite macht es keinen Hehl daraus die vorher aufgebaute Atmosphäre umgehend mit purer Action niederzuschmettern. Ernüchternd.
Dies macht sich vor allem in den Parts mit menschlichen Gegnern deutlich. Richtig, nachwievor sind die Unitologen Isaac hinterher; Prophet und Freizeitwahnsinniger Danik schickt in regelmäßigen Abständen Mordkommandos los. Allerdings kann man hier gar nicht wirklich von Action reden, es ist vielmehr ein Drama, da es schon fast traurig mit anzusehen ist, wie dumm die KI ist und wie langweilig die Feuergefechte sind. Wer denkt: „Hey, na wenn das actionorientierter ist, dann haben die Entwickler doch sicher ordentliche Schusswechsel eingebaut samt gutem Deckungssystem.“ Ducken. Man kann sich nur Ducken. Wenn man den König der Deckungssysteme, „Gears of War“, ansieht und mit „Dead Space 3“ vergleicht ist letzteres einfach nur ein Armutszeugnis. Es ist nicht möglich sich an Wände oder ähnliches zu pressen oder Deckungen schnell zu wechseln. Die menschliche KI ist ähnlich schlecht wie die bei Uncharted; wobei sie durchaus mal darauf kommen den Spieler mit Sprengstoffen aus der Reserve zu locken, das muss ich der Fairness halber zugeben! Aber das generelle Verhalten ist nicht sehr schick. Da stehe ich, ziele, warte bis sich der Kopf zeigt und drücke schließlich ab. Einer weg, der Nächste. Gleiche Prozedur. Klar, man kann nun sagen, dass es per se in jedem Shootergefecht so abläuft, aber es fehlt hier eindeutig an Dynamik. Ich meine ein „Vanquish“ (die Review lest ihr hier: Klick!) hat eine (nicht die beste) aber starke, allerdings auch faire Gegner-KI, die überlegt handelt. Nichts von dem trifft auf die menschliche Gegner-KI bei „Dead Space 3“. Bei jedem Treffen auf Unitologen habe ich laut gestöhnt und genervt die Gegner ausgeknipst.




DS3Screen1





Brothers in Spacearms


Was daran so störend ist, ist ja Folgendes: wenn sich die Entwickler entscheiden, aus dem Ganzen einen Fast-Paced-Shooter zu machen, dann doch bitte richtig. Und hier muss ich „Resident Evil 6“ (die Review könnt ihr hier lesen: Klick!) ganz stark loben, aber auch nur in diesem Punkt: Capcom ging in diese Fast-Paced-Richtung, hat aber begriffen, dass sie dementsprechend an der Technik feilen müssen. Die Schusswechsel fallen besser aus, man kann in Deckung gehen, man kann sich sogar auf den Boden schmeißen und von dort aus weiter agieren. Isaac Clarke allerdings ist nach wie vor ein langsamer Klotz; das ist leider kein Vorteil in einer actiongeladenen Umgebung, schon gar nicht, wenn man so stark limitiert ist in der Interaktionsweise.
Da wirkt nämlich das Waffenbaukasten-Feature ein wenig Fehl am Platz. Der Spieler ist in der Lage im Laufe des Abenteuers diverse Materialien zum Bau von Waffen zu ergattern, neben wertvollen Komponenten, die wichtig für die Herstellung sind. An solch einem Craftingtisch ist es möglich der Waffe eingesammelte Upgrades zu verpassen, sie zu modifizieren oder eben eine ganz neue Waffe mit zu entwickeln. Neben den Komponenten, die die Waffe dann ausmachen soll (z.B. unterer und oberer Lauf für doppelte Schüsse), benötigt man oben genannte Materialien. Diese sind im gesamtem Spiel hier und da platziert, zudem erhält man später noch kleine Suchroboter die für einen das Zeug in bestimmten Abständen finden und an die Craftingtische schicken. Allerdings sind die Erträge relativ gering, und da setzen die Mikrotransaktionen ein. Am Arbeitstisch kann man nämlich schnell in das PSN um dort den nötigen Kleimkram gegen Eurobeträge einzukaufen. Schlimm? Absolut. Das hat nichts in einem Vollpreistitel verloren. Es stellt sich auch die Frage, ob das alles überhaupt nötig ist, denn wie es sich herausstellen sollte, ist der Waffenbau nur ein nettes Feature, denn das Balancing ist so aufgebaut, dass man (wie schon bei den Vorgängern...) per se nur seinen Plasmacutter braucht. Es gibt auch keine Gegnertypen, die auf andere Waffen reagieren. Schade. Nun weiß ich nicht so genau, ob das gut oder schlecht sein soll. Es hätte auch anders sein können, sodass EA aufgrund des Balancings den Spieler dazu nötigt bessere Waffen herzustellen, was für den Publisher natürlich lukrativer ist, glücklicherweise ist dem nicht so. Auf der anderen Seite ist der Waffenbau dann doch nur ein nutzloses Gimmick.
Schön ist allerdings, dass im Fortschritt des Spieles optionale Missionen erledigt werden können, die teilweise sogar mehr Spaß machen als dem Plot zu folgen, da sie ein wenig mehr über die Geschehnisse auf Tau Volantis erzählen. Zur Verteidigung, der Planet selbst ist sehr atmosphärisch; die vom Schnee bedeckte Landschaft ist sehr schön anzusehen, die Eisstürme gefährlich, denn ohne passenden Anzug droht eine Unterkühlung: klasse aufgebaut! Ist man aber dann auf dem Planeten, wird vieles nur noch rudimentär. Die Storymissionen führen durch die gleichen Abschnitte mit den immer wieder gleichen Gegner. Da empfiehlt sich sogar der Koop-Modus (der aber auch nur Online funktioniert), der zwar nicht der Knüller ist, aber durch bestimmte Mittel wie Halluzinationen ein kleines bisschen Würze reinbringt.




DS3Screen3






Fazit

Interessant ist tatsächlich, dass „Dead Space 3“ stellenweise atmosphärischer ist als „Resident Evil 6“. Beide Titel sind mit mehr Action ausgestattet als einem lieb ist und dennoch. Die wundervollen Soundkulisse, die astreinen Licht- und Partikeleffekte machen sehr viel her. „Dead Space 3“ wirkt runder. Aber auch nur in diesem einen Punkt. Technisch ist das Spiel fast schon eine Zumutung. Wenn mehr Action in das Spiel implementiert werden soll, dann sollte man dem Spieler auch genügend Möglichkeiten zur Interaktion bieten. Deckungssystem? Gibt es nicht (man kann sich ducken. Ui!). Die Schussgefechte mit Menschen? Unglaublig langweilig, insofern: die gegnerische KI ist zum Weglaufen dämlich. Das Ressourcenmanagement und das Crafting sind löblich, die damit in Verbindung stehende Mikrotransaktionspolitik ist allerdings mehr als fragwürdig. Die Story ist platter als der Polygoncount bei den Gesichtsmodellen; der Plot lässt somit die Charaktere äußerst unglaubwürdig aussehen und in bestimmten gefühlsträchtigen Momente lächerlich wirken. Und auch in diesem Spiel gilt: ein Koop-Partner schadet einem Survival-Horror-Spiel (das soll es ja angeblich sein) in seiner Atmosphäre, wenigstens ist das nur optional. Alles in allem: „Dead Space 3“ versucht sehr stark ein Third-Person-Shooter zu sein und dabei doch den alten Wurzeln treu zu bleiben, dumm ist nur: weder den einen noch den anderen Ansatz konnte man umsetzen.






Pro

  • + optionale Zusatzmissionen / optionale Koop-Kampagne
  • + sehr schöne Licht- und Schatteneffekte
  • + motivierendes Craftingsystem...


Contra

  • - ...dessen Design mit Skepsis zu betrachten ist (kleine Eurobeträge für Ressourcen? Nogo!)
  • - menschliche Gegner-KI ist ein Witz
  • - lächerliche Shootereinlagen (kein Deckungssystem, schwache Implementierung!)
  • - ab der Hälfte des Spieles oft wiederholende Abschnitte
  • - lahme Story, unterirdische Charakterdarstellung






  • Story / Atmosphäre: 2/6 – Schwach inszenierte Story, lahme Charaktere samt Entwicklung; driftet viel zu schnell in generische Shooter-Kost ab
  • Gameplay / Steuerung: 3/6 – Interessante Neuerungen wie das Crafting bereichern das Gameplay, die Mikrotransaktionen sind allerdings eine Spaßbremse; die Gegner-KI ist fürchterlich und den Shooter-Einlagen fehlt es an Würze
  • Grafik: 4/6 – Die Lichtspielereien sind wiedermal wundervoll zu betrachten, die Kulissen sind sehr schön, allein teils schwammige Texturen und die eher schlecht als recht aussehenden Charaktere sorgen für ein getrübtes Gesamtbild.
  • Sound: 6/6 – wahrscheinlich das Beste am gesamten Spiel. Schrille Sounds, unheilsschwangere Untermalungen, top!
  • Multiplayer / Langzeit: 4/6 – unterschiedliche Schwierigkeitsgrade und veränderte Modi laden aufs Neue ein, der optionale Koop-Modus ist zwar löblich, funktioniert aber leider nicht offline!



  • Gesamt: 19/30
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Alt 25.07.2014, 12:48 # --
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