- Developer/Publisher: "Level 5" (bekannt durch "Professor Layton") / SONY SCE (Europa/Asien), D3 (Nordamerika)
- Genre: Rollenspiel (RPG)
- Originaltitel: Shirokishi Monogatari: Hikari to Yami no Kakusei
- Erscheinungsdatum: 10.06.2011
- Anzahl Spieler: 1 (Singleplayer), bis 6 (Multiplayer/online)
- Altersfreigabe: USK12
- MOVE-Support: nein
- 3D-Support: nein
- Trophys: 10xBronze, 6xSilber, 8xGold, 1xPlatin
- HOME-Awards: ja. Zum Beispiel eine WK-Statue für die eigene Wohnung
Ein japanisches Rollenspiel!
Noch eines!
Als Liebhaber dieses Genre kann man sich als Playstation3-Besitzer wahrlich nicht beschweren wenn man sich die bisherigen Erscheinungen und Vorankündigungen kommender Titel vor Augen führt.
Nun ist also der zweite Teil der "White Knight"-Chronik erschienen und es stellt sich die Frage ob er auf der einen Seite mehr überzeugen kann als sein Vorgänger, und sich auf der anderen Seite gegen die stetig wachsende Konkurrenz behaupten kann.
Wollen wir doch mal schauen...
Vorkenntnisse wünschenswert!
Grundsätzlich knüpft der zweite Teil direkt an das Erstlingswerk an, die Charakterwerte und Ausrüstungsgegenstände werden daher aus dem letzten Speicherstand des ersten Teiles generiert.
Dabei wird der Charakterlevel automatisch auf Stufe 35 reduziert, sofern man bereits einen höheren erreicht hat (Maximum: Level 80).
Somit ist es von Vorteil
"White Knight Chronicles 1" im Vorfeld gespielt zu haben.
Sollte man das nicht getan haben, gibt einem das Spiel die Möglichkeit das direkt zu tun, denn der erste Teil ist netterweise mit auf der Blaustrahl-Scheibe enthalten.
Dies sogar in überarbeiteter Form - sinnvolle Verbesserungen der Spielengine, die aus der Entwicklung des vorliegenden zweiten Teiles resultierten, flossen in den optional spielbaren ersten Teil mit ein.
Möchte man jedoch direkt mit dem vorliegenden Nachfolger beginnen so ist auch das möglich: man startet dann mit einem vorgelevelten Charakter, dessen Erfahrungslevel und Attributwerte einer importierten Spielefigur des Vorgängers entspricht.
Zu dem ersten Teil sei gesagt das die Kritiken eher durchschnittlich waren, es aber trotzdem eine eingeschworene, wenn auch verhältnismäßig kleine, Fanbase gibt.
Um mir selbst ein Bild zu machen habe ich mich ebenfalls dazu entschieden mit
"White Knight Chronicles 1" zu beginnen.
Der erste Eindruck: das Design erinnert einen so brutal an diverse JRPG-Vorbilder das Vergleiche einem schon nahezu aufgezwungen werden.
Hierbei sei besonders die "Grandia"-Reihe (1997-2009) erwähnt, der Stil entspricht so ziemlich 1:1 dem vorliegenden Werk.

(Kampfszene aus "White Knight Chronicles")

(Kampfszene aus "Grandia III")
Leider zieht sich dieser
"habe ich schon mal gesehen"-Effekt durch das ganze Spiel.
Zynisch ausgedrückt könnte man an dem Titel den Begriff "konventionell" neu definieren.
Die Bären kommen aus "Gothic", das Schloss aus diversen Mario-Spielen ("Peach´s Castle"), Grafikstil wie gesagt volle Pulle "Grandia" mit einer guten Prise "Zelda" im Leveldesign, hierbei besonders die Außenbereiche, usw.
Es dürfte klar sein das man nicht erwarten kann das jedes Projekt das Rad neu erfindet, und auch das "Klauen" (politisch korrekter: "inspirieren lassen") von Designs und Spielmechaniken ist in der Branche absoluter Alltag, aber so ein ganz klein wenig eigene Note sollte ein Spiel trotzdem mitbringen.
HALT! - da war ja sogar etwas!
Allerdings ist dieser eigenständige Punkt schon eindeutig Geschmacksache.
"WKC II" ist zwar für den deutschen Raum lokalisiert worden, jedoch liegen nur die Untertitel in good old german vor; die Sprachausgabe beschränkt sich auf die englische Tonspur.
Das muss ja nicht kategorisch schlecht sein - ganz im Gegenteil: bei vielen Spielen bleiben so der Wortwitz und die Idioms auch in der deutschen Version lustig.
In diesem Spiel hat man sich jedoch für einen eher unüblichen Sprachstil für ein Rollenspiel entschieden, die Protagonisten sind nämlich richtige ´Checker´!
Das steht ein wenig im Wiederspruch zu dem was man nach einem Blick auf das Cover erwartet.
Dort geht es eher düster und archaisch zu: ein stolzer Ritter mit edler Waffe blickt dem Spieler kampfbereit in die Augen, als wolle er einen dazu auffordern endlich ein paar Barbaren zu schlachten.
Im Spiel selber hat man es dann aber primär nur mit Teenies zu tun, deren Ausdrucksweise und Jargon eher zu der "Jackass"-Truppe beim Sender MTV passen würde, als zu einem archetypischen Rollenspiel in einer feudalistischen Welt mit den obligatorischen Kobolden, Zwergen und Magiern.
Aber eines muss man ganz klar sagen:
Level5 hat das überhaupt nicht beabsichtigt!
In der japanischen Urfassung hören sich die Dialoge gewohnt neutral an, der Sprecher Leonards,
Daisuke Namikawa, spricht ein energisches Japanisch, wie man es auch erwartet. Hier passt die Akustik mit dem optischen Bild überein.
Wer weiß was die Verantwortlichen vom amerikanischem Publisher D3 sich dabei gedacht haben, als sie die Ausrichtung der Dialoge im Rahmen der Synchronisation festgelegt haben und ihren Sprecher,
Daniel Taylor, beauftragten der Spielfigur eher den Charme eines jugendlichen Rabauken mit deftiger Rhetorik zu verpassen.
Ob man das jetzt mag oder nicht sei jedem selber überlassen, ein kleiner Stilbruch ist es auf jeden Fall.
Wer sich nun berechtigterweise fragt wo denn dann die Namenspatronen des Spieles, jene weissen Ritter, überhaupt zu finden sind, dem sei gesagt das es sich dabei nicht um wirkliche Protagonisten handelt, sondern um eine Art Extrawaffe.
Unsere Hauptfigur hat nämlich aus nicht näher erläuterten Gründen ein nicht näher erläutertes Artefakt, welches er unter bestimmten Bedingungen im Kampf einsetzen kann um sich in einen grossen weissen Ritter zu verwandeln.
Man muss schon zugeben das diese Erscheinung durchaus zu imponieren versteht!, auch wenn sich der Nutzen wirklich nur auf starke Angriffe und extrem cool aussehen reduziert; sonstige (z.B.: magische) Eigenschaften bringt der blecherne Zwirn nicht mit sich.
C´mon, Dude - let´s start the Game!
Na gut, Sprachausgabe deaktiviert und rein ins Spiel - letztendlich zählen ja auch nur die inneren Werte.
Startpunkt ist ein Dorf, welches auch Sitz des Staatskönigs ist, und hier fällt auf das man zumindest sagen kann das die Grafik sehr farbenfroh und schlichtweg bunt gestaltet ist.
"Grandia" halt.
Es geht auch direkt los, mein Protagonist ist ein junger Typ mit dem Namen "Leonard", welcher sich aktuell mit einem Kneipenjob über Wasser hält.
In dieser Funktion wird er beauftragt Fässer zu transportieren und gerät dabei mitten in einen Komplott gegen den König.
Und an dieser Stelle steht sich das Konzept mit den Konventionen selbst im Weg: die Figuren sind allesamt so konventionell, das kein Interpretationsspielraum für den Spieler mehr bleibt.
Der König ist
so blöd, der Attentäter
so infam und seine Anhänger
so grimmig das die Geschichte für die Person am Dualshock3 mehr als transparent ist.
Aufgrund dieser Vorhersehbarkeit entschied ich mich dann doch den ersten Teil abzubrechen und direkt mit dem zweiten Teil zu starten, um die angekündigten Verbesserungen in flagranti zu erfahren.
Tröphäenjägern sei zudem gesagt das in der überarbeiteten Version von WKC1 kein Trophäenpaket mehr enthalten ist.

(Das isser! Der Star, der weisse Ritter, der Schrecken der Prärie: Leonard! Unsere Spielfigur)
Gesagt, getan: wenden wir uns dem zweiten Teil zu.
Dieser beginnt nicht ganz so gemütlich wie der erste in einem Klischeeüberladenen Dörfchen, sondern man findet sich direkt auf dem Schlachtfeld im Getümmel.
Wer nun nicht den Weg gegangen ist den ersten Teil zumindest anzuspielen wird wohl schon hier den Kaffee aufhaben: pure Hektik auf hohem Niveau -da wie gesagt ein komplett neuer Leonard ausgerüstet und hochgelevelt ist wie einer, der bereits 20-30 Stunden in Teil 1 hinter sich hat- und kaum Luft um die komplexe Buttonbelegung und das Navigieren der zahlreichen Unter- und Hauptmenüs zu erlernen.
Zu dem Kampfsystem als solchem sei gesagt das es den Ansprüchen eines modernen RPGs durchaus gerecht wird.
Im Gegensatz zum ersten Teil geht es hier nun auch deutlich flotter zur Sache!
Die Optik der in Echtzeit geführten Kämpfe weiß durchaus zu gefallen, dynamische Trefferzonen sind zeitgemäß mit an Bord und die Metamorphose zum weissen Ritter kommt immer gut an.
Die taktische Komponente geht allerdings im SinglePlayer-Mode etwas flöten, da man zwar bis zu zwei NPCs mit ins Gefecht nehmen darf, diese aber gewöhnlich lieber in einer Ecke parkt, da ein Ableben einer dieser Figuren das spontane "Game Over!" bedeutet.
Bei niederklassigen Gegnern ist es nicht so das Problem, aber bei Bosskämpfen steht man oft besser alleine da.
Einzige Alternative: eine Online-Partie mit bis zu fünf Freunden.
Damit erhöht man generell seine Chancen gegen schwere Bossgegner und kann zudem wirklich taktisch agieren.

(Schön gemacht: Kampfsystem und Ritterverwandlung gehören zu den Höhepunkten des Spiels)
Vom reinen Kampf abgesehen hat man natürlich schon Einfluss auf die Schlagfertigkeit der Spielfigur, je nachdem welche Talente man mit dem Erreichen neuer Erfahrungsstufen fördert, welche Rüstungen und Waffen man verwendet, welche Combos man verinnerlicht und welche magischen Fertigkeiten man im Laufe des Abenteuers erwirbt.
Allerdings bleibt die Magie eine etwas unausgewogene Technik im Spiel.
Für bestimmte dämonische Gegner ist sie zwingend erforderlich, da diese über einen "heiligen" Spruch erst zum Abmeucheln ´aufbereitet´ werden müssen - sonst bleiben sie unverwundbar.
Generell sind aber sämtliche Magieattacken, unabhängig von ihrer Ausbaustufe, nie so stark wie ein ordinärer Wemser auf die Schnauze.
Das Ballancing geht hier ganz klar den Weg des schlaglustigen Draufkloppers und weniger des bedachten Zauberkünstlers.
Ein weiterer unschöner Aspekt ist die automatische Reinkarnation (Fachjargon: "respawning") der Gegner wenn man ein bereits abgegrastes Territorium wieder betritt.
Verschärft wird dieser Umstand zudem durch die Tatsache das man im Rahmen der obligatorischen "besorg´ mir jenes und bring es mir"-Sidequests dazu gezwungen wird um mehr oder weniger sinnvolle Gegenstände als Belohnung zu erhalten.
Zusätzlich erschwert wird das ganze aufgrund des Mangels einer Zielmarkierung für solche Quests in der Miniaturkarte.
Wer sich verläuft verschenkt dadurch viel Zeit in Wiederholungskämpfen.
Die Essenz des Spieles
OK, versuchen wir das ganze mal auf einen Punkt zu bringen.
Reizvoll ist das Spiel auf jeden Fall für Sammler und Jäger, es gibt viele Gegenstände zu finden, man kann Ackerbau betreiben, sich mit NPCs auf den Weg machen und durch die Gegend streunen.
Das gefällt auch ebenso wie die Kämpfe und die Möglichkeit sich ein eigenes kleines Dörfchen zu errichten; letzteres unter Zuhilfenahme des bereits aus
"Dark Cloud" bekannten "Georama"-Modus.
Interessanterweise kann man sich dafür auch kostenpflichtiger DLCs bedienen, so ist es u.a. sogar möglich für knappe fünf Euro eine Geschlechtsumwandlung vorzunehmen(!).

(Schaffe schaffe, Häusle baue. Hierher kann man auch Online-Freunde einladen und sich austauschen)
Auch die Grafik und Animationen sind gute Wertarbeit, optisch kann der Titel durchaus mithalten.
Ganz harte Mängel gibt es an der Story.
Diese ist einfach entweder viel zu durchschaubar oder viel zu banal.
Hier vermag auch der zweite Teil keine Wende herbeizuführen, denn unterm Strich handelt es sich zu 90% um die bereits aus Teil 1 bekannten Gebiete und Gegnertypen - man geht den Weg streng genommen nur einmal rückwärts.
Nach Spielende werden noch kleinere Gebiete als Bonus freigeschaltet, aber streng genommen rechtfertigt das nicht wirklich den Status "Nachfolger", man könnte es ebenso gut als Add-On verstehen.
Einzig die Anzahl der Gegenstände wurde im Vergleich zu Teil 1 deutlich erhöht, der umfangreichen Modifikation der eigenen Ausrüstung steht nichts mehr im Wege.
Alles andere kennt man bereits - die Örtlichkeiten, die Charaktäre, die Gegner (ok, mancher Bär ist jetzt blau statt braun....) - deja vu wo man nur hinschaut.
Fairerweise sind aber nun einmal beide Teile auf der Disc und da man wirklich nur dringend empfehlen kann diese auch nacheinander zu spielen bietet SCE hier wirklich lange Stunden Spielspaß, wenn man sich auf das Kämpfen und Erkunden konzentriert und der Story keinen so gewichtigen Aspekt abverlangt.
Das machen viele RPGs einfach besser und dafür muss man noch nicht mal in solche ganz abskrusen Titel wie etwa
"Hyperdimension: Neptunia" abtauchen.
Man kann es einfach nicht schönreden: die Hintergrundgeschichte trampelt auf ausgetretenen Pfaden und die Erzählweise hat einen infantilen Touch.
Somit bekommt der Titel das Prädikat: guter Durchschnitt, nicht Fisch - nicht Fleisch.
Hartgesottene Fans der japanischen Rollenspiele werden mit Sicherheit nicht enttäuscht, aber selbst bei denen dürfte WKC2(+1) nicht in die Analen eingehen.
Im Umkehrschluss ist das Spiel aber auch nicht bedingungslos für Einsteiger empfehlenswert, da der Schwierigkeitsgrad nicht von Pappe ist und zudem die Zugänglichkeit keine Glanznote verdient.
Ein Tutorial gibt es nicht - aber zu lernen wiederum sehr viel.
Fazit: viel Spiel fürs Geld, dafür aber wenig Abwechslung und Spannung.
Gäbe es nicht so viele gute Konkurrenzprodukte wäre das ja gar nicht so tragisch, so aber läuft das Spiel Gefahr in der Versenkung zu verschwinden.
Was nebenbei gesagt den nackten Zahlen nach in Japan bereits mit Teil 1 passiert ist; nach langem Hype im Vorfeld waren die Verkaufszahlen so schlecht das es zwei Jahre Überlegung gebraucht hat ob man das Spiel überhaupt in anderen Regionen anbietet.
Und in Japan leben standesgemäß die meisten JRPG-Fans *zwinker*.

(Manch einer hat wahrscheinlich mehr Spaß mit den Figuren als mit dem Spiel selber)
Wertung
*
Story / Atmosphäre :
3 / 6 -
Teil1 war belanglos, Teil2 macht nur eine Rolle rückwärts
*
Optik / Grafik :
5 / 6 -
Ist gut! Da hat man sich guter Vorbilder bedient
*
Steuerung / Gameplay :
4 / 6 -
Steuerung ist ok, Gameplay wiederholt sich zu oft
*
Sound / Musik :
4 / 6 -
stimmungsvolle Musik mit viel Ambiente. Die Wahl der Sprecher bzw. des Jargon ist Geschmacksache!
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Langzeitmotivation :
3 / 6 -
Wer gerne sammelt und erkundet addiert 2 Punkte, wer die Story verfolgen möchte wir nicht über eine 3 kommen GESAMT : 19/30 Punkten.