[PS3] [Review] Medal of Honor (2010)

Alt 04.12.2010, 03:04   # 1
HeadWind
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MEDAL OF HONOR

moh cover



  • Entwickler: Danger Close Games (Singleplayer) / DICE (Multiplayer)
  • Publisher: Electronic Arts
  • Plattform: PC, PlayStation 3, Xbox 360 (Getestet: PS3-Version)
  • Release: 14. Oktober 2010
  • Genre: First Person Shooter
  • Spieler: Singleplayer, Multiplayer
  • Altersfreigabe: USK18 / PEGI 18+ (deutsche Version gekürzt)
  • Trophies: Ja




moh 1

Es scheint ein niemals enden wollender Kampf zu sein und da rede ich nicht über den Story-Inhalt des jüngsten Medal of Honor Ablegers, sondern über den Konkurrenzkampf, den sich die Entwicklerstudios in Sachen Kriegs-Shooter liefern. Zu diesem Zeitpunkt sind auf der Konsole die drei größten Namen dieses Genres sicher Battlefield, Call of Duty und Medal of Honor. Während sich Battlefield meist durch alternatives Gameplay von der Konkurrenz absetzen konnte, schlagen sich die beiden anderen Größen schon seit Jahren um den ersten Platz der Ego-Shooter im linearen Kriegsszenario. Während Activision mit Call of Duty in den letzten Jahren einen Teil nach dem anderen auf den Markt geschmissen hat, kommt Electronic Arts nach drei Jahren Pause mit einem weiteren Medal of Honor Ableger zu uns. Die Messlatte wurde dabei besonders durch die Modern Warfare Reihe unheimlich hoch gelegt, so dass EA schon ein ordentliches Brett abliefern müsste, um den König vom Thron zu stoßen. Das Potential hätte das Spiel in jedem Fall. Ob es das auch ausreizen konnte, ist eine andere Sache...


moh 2

"Moderne Kriegsführung ist keine Fiktion.... "
... sondern bitterer Ernst. Wie ernst und real der Krieg sein kann, versucht Medal of Honor in seinem neusten Spiel zu demonstrieren und bedient sich bei der Story, am zeitnahen Weltgeschehen und thematisiert den Konflikt in Afghanistan. Dass man dabei gegen die Taliban vorgehen muss, bleibt somit nicht aus und sorgte auch in den vergangenen Tagen für hitzige Diskussionen in den Internetmedien und Foren. Zwar distanziert sich Medal of Honor aufgrund des brisanten Themas recht stark von übermäßig vorhandenen Patriotismus und setzt in einigen Momenten sogar eher auf Anti-Kriegsszenarien a la James Ryan, dennoch war das Thema kontrovers genug um im Multiplayer die Bezeichnung "Taliban" zu entfernen.
Die Handlung dreht sich im Großen und Ganzen um die Eroberung des "Shahi-Kot-Tals" was sozusagen auf einer wahren Begebenheit beruht, da diese Operation unter dem Namen "Anaconda" tatsächlich Ziel der US-Streitkräfte im März 2002 war. Man schlüpft dabei in verschiedene Rollen und erlebt die Geschichte jeweils aus der Sicht eines anderen Team-Mitglieds, welche letztendlich gemeinsam kooperieren. Als "Deuce" (Delta Force), "Rabbit (DEVGRU), "Dante Adams" (Specialist), oder Cpt. Brad “Hawk” Hawkins (Bordschütze) hangelt man sich durch die Missionsziele und erlebt dabei, wie sich der Verlauf der Geschichte immer weiter zuspitzt, so dass man das Ein oder Andere mal auf das Team stösst, welches man zuvor noch selbst gespielt hat. Von Rettungsmissionen, bis hin zu einfachen "Alle Feinde auslöschen" Missionen ist dabei jeder Standard vertreten. Leider bleibt dabei nichts, aber auch gar nichts im Gedächtnis hängen und von dem total enttäuschendem Ende fange ich auch gar nicht erst an. Die Protagonisten besitzen allesamt nicht genügend Tiefe um als Spieler in irgendeiner Form eine Beziehung zu den Figuren aufbauen zu können. All zu oft hatte ich den Gedanken: "Ach komm, hör auf zu labern, sag mir wo ich hin soll und los geht´s" und fühlte mich fast schon dazu gezwungen die Zwischensequenzen zu überspringen. Das hätte ich auch grundsätzlich getan, wenn da nicht doch das ein oder andere wirklich gute Filmchen wäre, welches in Sachen Action oder Dramatik doch noch Spannung und Atmosphäre aufbauen konnte. Aber wirklich was reißen, können es diese in Sachen Gesamt-Atmosphäre auch nicht mehr. Der ständige Wechsel zwischen den vier Teams kommt oft so abrupt, dass ich kaum folgen konnte, wer ich nun eigentlich bin, wo ich bin und was ich hier soll. Also einfach dem Missionsziel folgen und alles platt machen, was auf mich schießt. Klappt immer !


moh 3

"Programmiertes Selbstmordkommando"
Künstliche Intelligenz ist immer so eine Sache für sich. Es gibt auch genügend Unterhaltungsmedien zu dem Thema, dass sie uns eines Tages zum Verhängnis werden könnte. Wenn sie allerdings auf dem Niveau bleibt wie sie in Medal of Honor zum Einsatz kommt, hat man kaum etwas zu befürchten. Denn die eigenen Team-Mitglieder als auch Gegner scheinen einen stark ausgeprägten Suizidmodus im Betriebssystem zu haben. Das äußert sich in dem der Gegner gerne mal ziellos umher läuft um die nächste Kugel zu finden, die ihn tötet oder aber das eigene Team jede Deckung abbricht und sich fröhlich in den feindlichen Kugelhagel platziert. Alles stark gescripted eben, aber so schlecht ? Und damit sind wir auch schon beim nächsten Thema. Sicher mag man darüber streiten, ob es lieber ein interaktiver Film mit ausschließlich linearem Spielverlauf und schlauchartigem Leveldesign sein soll, oder ob man doch mehr Freiheiten genießen möchte. Allerdings sollten die Scripts bei Ersterem auch funktionieren. Doch das tun sie in Medal of Honor leider nicht immer. Es passiert zu oft, dass eine Aktion entweder zu spät los geht und man einige Sekunden rum steht, ohne zu wissen was zu tun ist, da das eigene Team im Weg steht und das nächste Script nicht starten will. Oder aber das eigene Team springt plötzlich auf und stürmt ohne jede Ankündigung mitten in die feindlichen Linien. Warum auch nicht ? Sind ja Kugelsicher ! Wenn schwache KI und teils schlecht getimte Scripts sich kreuzen, kommt sowas bei raus und das ist alles andere als schön. Was bleibt ist also eine reine Arcade Ballerei ohne Waffenphysik, aber einem beachtlichem Arsenal, immer auf der Suche nach dem nächsten Mündungsfeuer des Gegners zielgerade auf das nächste Missionsobjekt zu. Eine typische Moorhuhn Ballerei eben. Nebenbei gibt es allerdings dennoch Abwechslung in Form von Geschütz und Helikopter Sequenzen die auch recht gut gelungen sind. Auch eine Rennsequenz, wenn man sie so nennen kann, mit einem Quad-Bike ist vertreten. Allerdings wurde diese so müde rein geklatscht, dass es bei einer schwachen "Fahre Deinem Vordermann gemütlich hinterher" Sequenz bleibt. Ein sehr geniales Feature ist jedoch die Möglichkeit in Deckungen rutschen zu können. Genau das hab ich in schon so vielen Shootern schmerzlich vermisst. Es hat dabei ein wenig von Mirrors Edge und bietet in brenzligen Situation ein sehr nützliches und cooles Spielelement, wenn man mit Anlauf hinter eine Wand oder sonstige Deckungsmöglichkeiten schliddern kann. Um so tragischer, dass von diesem im Multiplayer nichts zu finden ist. Man kann halt nicht alles haben ( ... menno, will aber !)


moh 4

" 2 in 1 "
Bei Medal of Honor hat man sich gedacht, gleich zwei Grafikengines zu verwenden. So waren "Danger Close Games" mit der "Unreal 3 Engine" für den Einzelspieler und "DICE" mit der "Frostbite-Engine" (Battlefield: Bad Company 2) für den Mehrspieler verantwortlich. Warum so entschieden wurde, verstehe ich nicht. Die Unreal 3- Engine hat leider schon in vielen Konsolen Titeln bewiesen, dass sie mit aufpoppenden Texturen oder auch flimmernden Kanten zu kämpfen hat. So auch in Medal of Honor. Die Frostbite Engine dagegen ist aufgrund der Zerstörungsmöglichkeiten ein großes Element eines Battlefield: Bad Company 2 gewesen. Doch in Medal of Honor ist davon nichts zu sehen. In der Singleplayer-Kampagne sind neben Framerate Einbrüchen noch weitere grafische Schwächen zu entdecken. Zum Beispiel habe ich schon seit Jahren nicht mehr eine solch verpixelte Himmelstextur gesehen. Auch Explosionen hat man schon wesentlich bessere gesehen und so wirken sie teilweise ein wenig veraltet. Doch unterm Strich ist Medal of Honor ein recht gut aussehendes Spiel. Besonders die Lichteffekte, wie Blendung durch Sonnenlicht oder auch die Atmosphäre in nächtlichen Missionen sehen verdammt gut aus. Ebenfalls die Staubpartikel sorgen für ein kleines grafisches Erlebnis. Die ein oder andere verpixelte Textur und ausdruckslose Gesichtsanimation wird man aber dennoch verkraften müssen. Im Multiplayer dagegen scheinen vieler dieser Mängel, wesentlich weniger vertreten zu sein. Kein Wunder, denn DICE hat mit Bad Company 2 bereits bewiesen dass sie ein rundes Paket abliefern können.
Ganz besonders hat mir die wirklich gute Synchronisation gefallen. Hier waren mal wieder richtige Profis am Werk und besonders bei den Funksprüchen spürt man eine ständige Authentizität. Auch die akustischen-Effekte von Explosionen und Schüssen sind absolut bombastisch. 5.1 Anlage aufdrehen, Bass rein und schon wackelt das Wohnzimmer. Begleitet wird der gesamte Verlauf von erstklassiger Hintergrundmusik die leicht unterschwellig daher kommt. Aber wen wundert es, wenn schon Hans Zimmers Schüler "Ramin Djawadi" am Werk ist, kann es an sich nur gut zu solch einem Szenario passen.



moh 5

" Respawn Kills ? Geht mal garnicht ! "
Der absolute "worst case" eines Online-Shooters ist tatsächlich ein Respawn Kill. Sollen Gegner doch campen wie sie wollen, denn diese Spielweise wird man wohl kaum verbannen können (und in Medal of Honor wird gecampt ohne Ende, dazu an späterer Stelle mehr). Aber gegen Respawn Kills kann man definitiv etwas machen. Es gibt nichts frustrierenderes, als nach dem Wiedereinstieg, gleich den nächsten Abschuss zu kassieren und erneut die Respawn-Zeit abwarten zu müssen. Gepaart durch den mittlerweile standardisierten Umstand, am Anfang einer Online Karriere grundsätzlich im Nachteil zu sein, da erfahrenere Veteranen meist wesentlich bessere Waffen freigeschaltet haben, zusammen mit den für Einsteiger schwer überschaubaren Maps, kann in den ersten Stunden im Online Modus der Frust so hoch werden, dass man das Spiel lieber wieder in die Ecke stellen möchte.
Wer dazu noch ein Call of Duty gewohnt ist, wird sich zwar darüber freuen, dass die Standard Steuerung exakt die gleiche ist. Wenn man allerdings auf die selbe Taktik setzten möchte, wird sich schnell Ernüchterung breit machen. Denn wie bereits erwähnt, in Medal of Honor wird gecampt ohne Ende. Und fast hat man das Gefühl, als sei es ein geplantes Gameplay Element. Die Maps selbst laden förmlich dazu ein, sich irgendwo zu verschanzen und die Gegner ins Kreuzfeuer zu nehmen. Als Spieler wird man also quasi dazu gezwungen, langsam und taktisch vorzugehen. Ansonsten ist es schneller vorbei als man denkt. Im Vorteil sind sichtlich die Teams, welche mindestens in einer Dreiergruppe unterwegs sind und alle Ecken absichern. Als Einzelner im Rambo-Modus hat man dagegen kaum eine Chance. Hat man sich in diese Spielweise erstmal reingefuchst stehen einem vier verschiedenen Online-Modi zur Verfügung: "Team-Sturmlauf", was nichts anderes als simples Team Deathmatch darstellt, "Sektorenkontrolle" welches auf bekannte Flaggen-Herrschaft basiert, sowie "Kampfeinsatz" und "Ziel-Raid" bei dem sich alles um Angriff beziehungsweise Verteidigung von Stellungen dreht. Im Großen und Ganzen also altbewährte Kost. Dazu noch ein leicht geklautes Punkte und Rangsystem mit freischaltbaren Waffen und Ausrüstungsgegenständen, wie Artillerie oder Aufklärungsdrohnen, für die (nur) drei vorhandenen Klassen Schütze, Special Ops und Scharfschütze und fertig ist der Mainstream Online Shooter.
Wer sich jedoch nicht mit anderen Mitspielern auf dem virtuellen Schlachtfeld messen will und lieber gegen KI-gesteuerte Gegner kämpfen möchte darf sich im Herausforderungsmodus austoben. Dabei wählt man einzelne Missionen der Kampagne an und schießt sich im Highscore Verfahren an die Spitze der Ranglisten. Eine nette Sache, da sich Bestzeiten untereinander vergleichen lassen und somit dennoch eine gewisse Motivation geboten wird, Medal of Honor mehr als einmal in sein Laufwerk zu legen; insofern man dem Multiplayer aufgrund des doch vorhandenen Frustfaktors nichts abgewinnen kann.



moh 6

FAZIT:"Warum nur ... ?"
Wenn ich sagen würde, Medal of Honor ist nichts weiteres als eine schlecht aufgewärmte Mikrowellen-Version eines Modern Warfare 2 (außen heiß, aber innen noch kalt) dann klingt das ziemlich hart. Allerdings will mir genau dieser Vergleich nicht aus dem Kopf gehen. Es ist für mich unbegreiflich, warum man sich so nahe an einem Call of Duty orientiert hat, während ein Battlefield aus dem selben Haus kommt. Wenn schon kopieren, dann doch lieber von den eigenen Titeln. Dem Spiel hätte es sicher gut getan, eine ordentliche Portion mehr Zerstörungsmöglichkeiten spendiert zu bekommen, oder sich ein wenig mehr von stark gescripteten und schlauchartigen Leveldesign zu distanzieren. Stattdessen darf man sich durch ein Deja-Vu Erlebnis schaufeln, das nicht so recht im Gedächtnis hängen bleiben will. Leicht veraltete Texturen und Effekte tun da ihr Übriges, um einen bitteren Nachgeschmack zu hinterlassen. Einzig die großartige Soundkulisse sowie Hintergrundmusik und Synchronisation der deutschen Sprachausgabe, bleiben ohne Mängel und verdienen ein großes Lob. Im Multiplayer von Medal of Honor, sieht es da nicht anders aus. Alles erinnert sehr stark an schon dagewesenes, kann aber nicht mit eigenen Innovationen überzeugen. Was übrig bleibt ist ein mittelmäßiger Shooter, der allerhöchstens Neueinsteigern oder Gelegenheitszockern gefallen wird.
Aber dennoch, Medal of Honor ist nicht unbedingt als grundsätzlich schlechtes Spiel anzusehen. Es hat nur das große Problem komplett im Schatten der Konkurrenz unter zu gehen. Würde ich das Spiel eigenständig betrachten können, würde ich sicher sagen "Hammer Teil !". Doch so gab es einfach schon andere Spiele, die viele Sachen einfach besser gelöst haben. Wirklich Schade, denn Medal of Honor war für mich eigentlich der Hoffnungsträger für ein Spiel, das es besser als seine Konkurrenz hätte machen können.

moh 7

WERTUNG:

PRO:

+ zeitnahes Setting zum Afghanistan Konflikt
+ gutes Deckungssystem, eingängige Steuerung
+ sehr schicke Lichteffekte und Staubpartikel
+ sehr gute Soundkulisse Musik und Synchronisation
+ Herausforderungsmodus und verschiedene Online Modi
+ Medal of Honor: Frontline in HD bei der Special Edition enthalten

KONTRA:

- kaum beeindruckende und schwer durchschaubarer Handlungsstrang
- sehr schwache KI raubt sehr viel an Atmosphäre
- etwas veraltete Texturen und Effekte
- fehlende Mimik und teilweise nicht Lippensynchron
- alles wirkt sehr stark kopiert, kaum Innovationen
- deutsche Version stark geschnitten


  • STORY: 4/6 gut inszeniert, allerdings langweilig und kurz
  • GAMEPLAY: 4/6 solide Steuerung, aber komplett verblödete KI
  • GRAFIK: 5/6 ein wenig veraltet, muss sich aber dennoch nicht verstecken
  • SOUND: 6/6 in allen Punkten bombastisch
  • LANGZEITMOTIVATION: 4/6 Multiplayer hinkt stark seinem Vorbild "Modern Warfare 2" hinterher


GESAMT: 23 /30




LINKS
Homepage: Medal of Honor - Available Now
Trailer :
YouTube - Medal of Honor - E3 2010 Multiplayer Trailer (Deutsch)
YouTube - Medal of Honor - E3 2010 Single Player Trailer
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Alt 28.05.2012, 09:18 # --
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