Geschichten über das Leben mit und nach der Mauer.


Alt 05.03.2008, 17:22   # 1
schnippewippe
Gastposter
 
Da ich überstimmt wurde , stelle ich mal das Thema hier ein.
Wer eine Geschichte über die Zeit des Lebens mit und kurz nach der Mauer schreiben will, IMMER HER DAMIT.

So fing das Thema hier an.

@ Katrin-R
Ich weiß in etwa, wie das war, wenn man von West nach Ost wollte aber auch umgekehrt.

@ Schnippewippe
Meinen ersten Besuch, als wir wieder rüber durften werde ich nie vergessen. Meine Cousine lebte in Babelsberg. Heute ist man mit der S-Bahn, in 20 Minuten da.
Damals standen wir drei Stunden an der Grenze.

@ Katrin-R
Die werten Herrschaften brauchten Zeit für die Kontrollen .

@ Schnippewippe
Meine Eltern hatten mal eine Autopanne. Ein anderer Autofahrer hatte uns dann abgeschleppt. Damals musste man ja in 2 Stunden durch die Zone durch sein. Durch das Abschleppen dauerte es natürlich länger. Meine Eltern hatten einen Campingbus. Kannst dir ja vorstellen, wie sie den auseinander genommen haben. Haben uns behandelt wie Menschenschleuser.Dabei fanden die auch meine Berichtshefte für die Arbeit. Nun musste ich denen Seite für Seite erklären was da stand. Erkläre mal Jemand was eine Köperbindung -Leinwandbindung oder ein Hahnentritt ist. Der uns abgeschleppt hat, hätte ausreisen dürfen. Wir wegen meiner Hefte nicht. Er ist aber geblieben.Er wollte sich überzeugen, dass wir wieder rauskommen. Man hatte ich eine Angst gehabt. Sonst hatte die ganze Reise 5 Stunden gedauert. Hier waren es am Ende über 16 Stunden. Ich habe nie wieder meine Hefte mitgenommen.

Das kann sich die Jugend heute gar nicht mehr vorstellen.

@ Katrin-R
Ich habe mich köstlich amüsiert (obwohl es zu der Zeit nicht witzig war) ... wir könnten ja ein neues Thema eröffnen .

...gemeinsam lachen .

@ Schnippewippe
Es gäbe bestimmt viele Geschichten aus der Zeit zu schreiben.
Aber ich bin mir nicht so sicher, ob man es als Thema einstellen kann. Es gab doch auch viele Enttäuschungen , als die Mauer dann viel. Es ist in vielen Familien etwas kaputt gegangen. Auch wärend der Zeit ist so viel ,Schmerzliches geschehen. Ich glaube wir sollten es ruhen lassen.

@ Hans Der Driver
Warum denn, Schnippe, Du siehst doch, jeder (von uns "Alten") kann was dazu sagen, es war doch eine tolle Zeit damals ... Wenn es doch nur gelänge diese Aufbruchstimmung in die jetzige Gesellschaft zu implantieren. Da würde mehr als ein ruck durch D gehen

Also Leute ich bin schon auf eure Geschichten gespannt.
Werbung

  Mit Zitat antworten
Alt 05.03.2008, 17:44   # 2
perdita
Hat immer ein offenes Ohr
 
Benutzerbild von perdita
 
Registriert seit: 07.01.2008
Ort: laut verschwörungstheorien nicht existent! ;)
Beiträge: 4.970
am 3ten oktober 1989 lag ich hochschwanger auf dem sofa ( 14 tage später wurde mein zweiter sohn geboren) und habe rotz und wasser geheult. ich mußte an meine oma denken, die verwandte "drüben" hatte und als illegale grenzgängerin für eine nacht auf dem brocken sitzen mußte. wie sie 2 mal im jahr zum schuster gegangen ist um schuhe größe 52 anfertigen zu lassen und sie "rüber" zu schicken, weil es die dort nicht gab oder sie unbezahlbar waren. ich hab eigendlich nur an oma gedacht und wie schwer sie es hatte. die ganze familie ausser ihr, die vor dem krieg hier nach nordrheinwestfalen geheiratet hatte, war "drüben" geblieben und sie ganz allein. sie war unglaublich mutig und zäh. sie hat mal das hitlerbild aus dem küchenfenster geworfen und den deutschen gruß aus prinzip verweigert und mußte oft strafdienst machen. eine unglaublich couragierte frau.

wie glücklich war sie, als die mauer fiel.
__________________
965 augen 9 von 10 stimmen in meinem kopf sagen, ich bin irre, eine summt!2237 fliege
das ist perdita!
proggi: verkleinern von bildern anleitungen: alben und bilder bilder hochladen statt direktverlinken
  Mit Zitat antworten
Alt 05.03.2008, 18:09   # 3
schnippewippe
Gastposter
 
Zitat:
Zitat von perdita Beitrag anzeigen
wie glücklich war sie, als die mauer fiel.
Das kann ich mir gut vorstellen.
Als ich die ersten Bilder im Fernsehen sah, dachte ich echt ,dass ist ein ganz blöder Scherz.
Musste an die Sache in Prag denken.
Zitat:
Ab August 1989 geriet die Prager Botschaft in den Blickpunkt der Medien, als DDR-Bürger dort Zuflucht suchen. In den folgenden Wochen besetzen Tausende das Gelände, worauf die DDR-Behörden einlenken und ab 30. September insgesamt 17.000 ihrer Bürger die Ausreise in die Bundesrepublik erlauben. Am 3. November erlauben die ČSSR-Behörden den DDR-Bürgern die unreglementierte Ausreise in den Westen und heben somit ihren Teil des Eisernen Vorhanges, was als eine der wichtigsten Vorstufen zum Fall der Berliner Mauer gilt.
Aber es dauerte nicht lange , da hörten wir schon die ersten Autohupen vom Kudamm her. Ich bin dann mit meinen Kindern hin gegangen. Man kann es gar nicht beschreiben, was da los war.
Ich bekomme heute noch Gänsehaut wenn ich daran denke.
Zitat:
sie war unglaublich mutig und zäh. sie hat mal das hitlerbild aus dem küchenfenster geworfen und den deutschen gruß aus prinzip verweigert und mußte oft strafdienst machen.
Meine Ahnen waren im Untergrund tätig. Was meinen beiden Onkels das Leben gekostet hatte. Mein Vater hatte Glück gehabt . Er hatte bei Siemens gearbeitet. Sein Chef hatte ihn vor den Abtransport wieder frei bekommen.
Ich bin froh, dass wenigstens mein Vater den Mauerfall noch miterlebt hatte.
Ich finde es schade das diese Freude die damals war, so schnell vergessen wurde.

Hier mal zur Erinnerung :Mauerfall 09.11.1989 - born stream opel verrueckt - Video
  Mit Zitat antworten
Alt 05.03.2008, 21:16   # 4
Siechlinde
 
Registriert seit: 24.03.2007
Beiträge: 562
Das ist ein gutes Thema, Schnippi.

Ich habe keine Verwandten in der ehemaligen DDR. Ich kann mich aber erinnern, dass wir als Schülerinnen jedes Jahr zu Weihnachten Pakete an eine sogenannte Patenfamilie geschickt haben. Da wurde vorher in den Familien gesammelt, z.B. Kaffee, Kakao, Perlonstrümpfe, Schokolade und auch leicht gebrauchte Kleidung. Es gab eine Liste, aus der zu entnehmen war, welche Mengen jeweils in das Paket durften und welche Dinge verboten waren, z.B. Bücher u. Illustrierte.

Vor ca. 25 Jahren haben mein Mann und ich in einem Zug auf dem Weg zu einer unserer Rucksackwanderungen in Deutschland eine (damals für mich) ältere Dame aus der DDR kennengelernt, die aufgrund ihres Alters in Westdeutschland Verwandte besuchen durfte. Wir haben dann die Adressen ausgetauscht und dieser sehr netten Dame jedes Jahr ein Weihnachtspaket geschickt und dafür Jahr für Jahr einen Dresdner Stollen bekommen. Leider ist die Dame dann wohl verstorben, denn der Kontakt brach plötzlich ab und es hat uns natürlich niemand benachrichtigt. Manchmal denke ich daran, in diesen Ort zu fahren und auf dem Friedhof nachzusehen. Vielleicht haben wir auch in einem der vielen Briefe etwas "Falsches" geäußert - wer weiß -. Die Erinnerung an dieses Einzelschicksal macht mich immer etwas traurig.

Schade, dass wir die Begeisterung und die Aufbruchsstimmung der ersten Stunden nach dem Mauerfall nicht hinüberretten konnten in diese Zeit. Ich glaube, wir sind uns inzwischen fremder gewordern als vorher.

Siechlinde
  Mit Zitat antworten
Alt 05.03.2008, 21:28   # 5
schnippewippe
Gastposter
 
Danke Siechlinde
Aber das einstellen der Seite habt ihr " Katrin-R " zu verdanken. Sie hatte diese Idee.

Ich hatte erst nicht den Mut dazu. Erst als "Hans Der Driver" auch meinte, dass es gut wäre, habe ich es gemacht.
Die Mauer aus Stein ist zwar abgebaut worden , aber in vielen Köpfen ist eine neue aufgebaut worden.
  Mit Zitat antworten
Alt 06.03.2008, 10:08   # 6
Katrin-R
 
Benutzerbild von Katrin-R
 
Registriert seit: 23.01.2008
Ort: Dresden
Beiträge: 271
Zitat:
Zitat von schnippewippe Beitrag anzeigen
Danke Siechlinde
Aber das einstellen der Seite habt ihr " Katrin-R " zu verdanken. Sie hatte diese Idee.

Ich hatte erst nicht den Mut dazu. Erst als "Hans Der Driver" auch meinte, dass es gut wäre, habe ich es gemacht.
Die Mauer aus Stein ist zwar abgebaut worden , aber in vielen Köpfen ist eine neue aufgebaut worden.
Du hast sie aber am Ende eingestellt. Trotzdem Danke . Ich finde es toll, dass Du dieses Thread eröffnet hast .

Ich verbrachte meine Kindheit und Jugend zu DDR-Zeiten. Sehr wenige Tage nach dem Mauerfall bin ich dann 18 Jahre geworden. Meine Eltern durften, erst getrennt und einmal zusammen, nach "drüben" reisen. Meine Mutter ihre Schwester und mein Vater seine Mutter. Zusammen durften sie reisen, weil sie immer wieder kamen , zur Hochzeit meines Onkels. Man konnte von Mark zu D-Mark nur sehr begrenzt tauschen wenn uns aber Verwandte besuchen kamen, mussten sie pro Tag, ich glaube 25,00 DM in M tauschen. Bitte korrigiert mich, falls ich falsch liege.

Das reicht erst einmal als Anfang. Muss mir ja noch etwas für später aufheben
  Mit Zitat antworten
Alt 06.03.2008, 12:02   # 7
schnippewippe
Gastposter
 
Stimmt der Mindestumtausch betrug 25 DM pro Tag und Person.

Zur Weihnachtszeit sind wir mal zu fünft nach Ostberlin gefahren. Wir haben die Familie des Bruders meines Schwagers besucht. Das sollten die Nachbarn aber nicht mitbekommen. Sie hatten Angst ,dass die Schwägerin meines Schwagers ihren Arbeitsplatz verlieren würde. Also musste man das Auto immer wo anders abstellen.
Was ich nun wieder überhaupt nicht verstanden habe. Denn fast alle Möbel in der Wohnung , kamen aus dem Intershop.
Hört sich jetzt nicht so gut an , war aber so! Ostgeld wollte diese Familie nicht unbedingt haben.
Jeder von uns musste bei der Einreise 25 DM umtauschen. Das Geld durfte bei der Ausreise auch nicht mit rausgenommen werden. Also beschlossen wir , dass alle zusammen auf den Weihnachtsmarkt gehen.
Man oh man , was das ein Reinfall gewesen
Ich wollte einen Brattopf gewinnen. Habe eine MENGE Lose gekauft. Ich wusste ja nicht, dass man da auch Geld gewinnen konnte.
Das Ende vom Lied war, dass ich mehr Geld hatte als vorher.
Habe mir dann was anderes gekauft. :
  Mit Zitat antworten
Alt 06.03.2008, 12:47   # 8
Hans Der Driver
 
Benutzerbild von Hans Der Driver
 
Registriert seit: 10.11.2006
Ort: dort, wo Berlin schön ist
Beiträge: 1.279
Als die Mauer gebaut wurde, lebten wir in Mecklenburg, weit weg vom Schuss und ich kann mich erinnern, das meine Eltern sehr große Angst vor einem Krieg hatten, weil sie konnten sich nicht vorstellen, dass die Amis die Mauer einfach akzeptieren würden. na gut haben sie. Die Wege zur Verwandtschaft nach Hamburg und Kiel waren versperrt, es hat sehr lange gedauert, bis sich meine Lieblingstante wieder in den Osten getraut hat.
Vermisst habe ich an materiellen Dingen im Osten eigentlich nichts, was man nicht kannte, konnte man ja auch nicht vermissen. Aber ich fühlte mich immer irgendwie eingesperrt, mein Traum war Reisen, die Welt sehen.
@ Schnippe: Vielleicht hast Du meinen Trabbi hupen gehört, wir waren die ganze Nacht unterwegs, haben uns irgendwann nach Steglitz verirrt, dort schenkte uns ein netter Mensch seinen Stadtplan (hab ich heut noch), sonst wären wir nie nach Hause gekommen.
Ja und dann konnte man endlich reisen. 1990 Österreich, 1991 USA (California).
Hab dann auch im Westteil gearbeitet. Komischerweise in Steglitz. Die Westberliner waren nicht so begeistert über den Mauerfall. Die Berlin-Zulage ging flöten, Mieten stiegen und man lebte plötzlich in einer Weltstadt. Aber es war eine Euphorie überall, Wahnsinn. Leider war dann viel zu schnell der "graue" Alltag wieder dominierend
__________________
Übrigens ist es nicht schlimm, wenn dir nichts einfällt, aber eine Schande ist es, wenn du das dann auch noch aufschreibst.Joachim Panten 1947-2007
  Mit Zitat antworten
Alt 06.03.2008, 12:48   # 9
Katrin-R
 
Benutzerbild von Katrin-R
 
Registriert seit: 23.01.2008
Ort: Dresden
Beiträge: 271
Zitat:
Zitat von schnippewippe Beitrag anzeigen
Stimmt der Mindestumtausch betrug 25 DM pro Tag und Person.
Da ist mein Kopf aber noch gut .

Gesehen war es überhaupt nicht gerne, wenn ein "Ossi" einen "Wessi" kannte und diesen dann noch besuchen wollte. Es gabe sogar Berufe oder auch Tätigkeiten, die Verwandtschaft/Bekanntschaft ausschlossen .

Damals hieß das Fach "Staatsbürgerkunde". Die Aufgabe eines jeden Lehrers war, den "Westen" schlecht zu machen und uns für das System der DDR zu begeistern. Schon als Kind wurde man diesbezüglich "erzogen".

Was aber trotzdem sehr gut war: Es gab einen einheitlichen Unterricht. In jeder Stadt, in jedem Dorf wurde das gleiche gelehrt. Und auch wenn es einige nicht so sehen, aber die Lehrer hatten was zu sagen und die Schüler hatten Respekt und von Drogen (also richtige Drogen) hatte ich zwar gehört aber aktuell war das Thema damals nicht.

Geld gewinnen konnte man aber nie soviel, dass man reich hätte werden können . Nur das Geld musste trotzdem hierbleiben, aber wir hatten auch gute Produkte.

In meiner Kind- und Jugendzeit hat es mir an nichts gefehlt. Klar, wir hatten nicht alles und jedes Mal war ich begeistert, wenn wir ein "Westpaket" bekamen. Der Geruch war auch so schön . Heute bin ich froh, dass die Mauer nicht mehr steht. Nicht, weil mir jetzt Welt und Tor offen steht und ich reisen kann oder weil ich jetzt alles haben kann. Nein, ich bin der Meinung, dass Deutschland ein Land ist und dies auch zusammengehört. Schade ist nur, dass es bis heute in einigen Köpfen noch "Wessi" und "Ossi" gibt und die Teilung in den Köpfen verblieben ist.

Das ist wirklich schade. Wir sind "nur" in einer anderen Gesellschaft aufgewachsen aber niemand ist besser oder schlechter.

Mich würde interessieren, wenn Ostgeld nicht wichtig für diese Familie war, was die da verdient haben zu DDR-Zeiten!
  Mit Zitat antworten
Alt 06.03.2008, 14:03   # 10
schnippewippe
Gastposter
 
Zitat:
Mich würde interessieren, wenn Ostgeld nicht wichtig für diese Familie war, was die da verdient haben zu DDR-Zeiten!
Das kann ich dir nicht sagen. Aber sie waren es gewohnt, alles was sie sich wünschten, von hier zu bekommen. Bevor Westbesuch kam, wurde ein langer Wunschzettel geschickt.
Was man nicht von hier , mit rüber nehmen konnte, wurde dann im Intershop gekauft.
Sie gehörte zu dieser Gruppe.
Zitat:
Es gabe sogar Berufe oder auch Tätigkeiten, die Verwandtschaft/Bekanntschaft ausschlossen
Da sie fast alles aus den Westen hatten, haben sie auch kaum Besuch eingeladen.
Nach den Mauerfall kam dann der grosse Knall. Auf einmal wollten sie das ja alles gar nicht haben und man gab ihnen das Gefühl Bettler zu sein.
Es hatte Jahre gedauert bis die sich wieder besser verstanden. Tut mir leid Katrin-R aber sowas gab es auch.

Ein anderer Fall war. Das mein Schwager dort einen Freund von Kindheit an hatte. Diese Familie war ganz anders. Die haben schon immer darauf gewartet , dass meine Kinder aus ihren Sachen gewachsen sind. Natürlich haben sie auch Geschenke bekommen wenn meine Schwester und mein Schwager zu Besuch kamen. Aber gefordert haben sie nie.
Als dann die Mauer viel, waren sie ein Herz und eine Seele.

Ich glaube, dass wir mit unserer Rrüberschlepperei und Schickerei ein falsches Westbild geschaffen hatten.
Viele haben vielleicht auch noch rumgeprotzt. So wie mein damaliger Freund. Der ist nur dann rübergefahren wenn er sich wieder einen neuen besseren Mercedes gekauft hatte. Das war alle 2 Jahre. Das er aber dafür immer einen Kredit aufnehmen musste, sagte er nicht. Weiter will ich lieber nicht darauf eingehen.

Als dann die Mauer viel, mussten die DDR- Bewohner ,wohl erst einmal begreifen, dass es hier ja auch nicht alles so zum Besten steht.
  Mit Zitat antworten
Alt 06.03.2008, 14:47   # 11
Rammi
 
Benutzerbild von Rammi
 
Registriert seit: 22.10.2007
Ort: in Sachsen
Beiträge: 3.201
Hallo super Thema!
Ich bin auch in der DDR aufgewachsen und will sagen meine Kindheit und Jugend war wunderbar.Was man nicht kannte konnte man auch nicht vermissen.Jedes Jahr hatten wir Urlaub an der Ostsee,da eine Tante meiner Oma nach dem Krieg da hoch gezogen war.Wenn auch keinAuto da war,die Bahn fuhr.Als meine Oma in den Westen dürfte brachte sie mal eine ganze Ananasfrucht mit.Die hatte ich mir gewünscht.Sie stand so lange zum Anschauen da,dass man sie zum guten Schluß nicht mehr essen konnte.Schade um das Geld würde ich heute sagen.
__________________
Ich leide nicht an Realitätsverlust - Ich genieße ihn!!!!


  Mit Zitat antworten
Alt 06.03.2008, 16:19   # 12
Katrin-R
 
Benutzerbild von Katrin-R
 
Registriert seit: 23.01.2008
Ort: Dresden
Beiträge: 271
Ich hatte mir mal eine Kiwi gewünscht und am Ende mussten wir sie wegwerfen da ich sie auch zu lange "beobachtete" . Heute kauft man sich halt diese Kiwi o.a. bei Bedarf. Ich glaube, da so vieles für die DDR-Bewohner "exotisch" war haben wir viele Sachen sehr schätzen gelernt. Zu meiner Schuleinführung bekam ich von meiner Oma eine kleine Tanzpuppe (von drüben) geschenkt. Diese habe ich heute noch, funktionstüchtig.

Zitat: Schwippewippe
"Ich glaube, dass wir mit unserer Rrüberschlepperei und Schickerei ein falsches Westbild geschaffen hatten."

Das glaube ich eher nicht. Wer Verwandte/Bekannte in den alten Bundesländern hatte, hat viel eher die Wahrheit erfahren über diesen Teil als Menschen, die keine hatten. Die, die keine hatten, waren darauf angewiesen, das zu "glauben", was man in den Nachrichten brachte. Da dies aber zu viele offensichtliche Lügen waren, lt. Erzählungen, schlug dies genau ins Gegenteil um und es hob den "Goldenen Westen" in den Himmel. Was "verboten" ist, reizt gerade.
  Mit Zitat antworten
Alt 06.03.2008, 16:29   # 13
Hans Der Driver
 
Benutzerbild von Hans Der Driver
 
Registriert seit: 10.11.2006
Ort: dort, wo Berlin schön ist
Beiträge: 1.279
Das unser "Weltbild" in der DDR erhebliche Schieflagen hatte ist ja wohl unbestritten. Aber das hatte nur teilweise mit verbotenen Früchten zu tun. Das es auf der anderen Seite der Mauer vieles gab, was man auch gerne gehabt hätte, war auch klar. Manches bekam man ja auch (Intershop). Für uns in der DDR war die DM eine "Luxusmark", mit der man alles kaufte (wenn man hatte), was HO und Konsum nicht hergaben. Als hier die Gehälter in DM ausgezahlt wurden, hatten sich viele noch nicht umgestellt, es wurde viel Luxus (auch unnötiger) gekauft, man vergaß, das man nun auch seine Butter, seine Miete, seine Fahrkarten usw. mit DM zahlen mußte. Es gab plötzlich alles, nur hatte eben auch alles seinen Preis, auch wenn die Banken mit Krediten nur so um sich warfen. :hmm:
__________________
Übrigens ist es nicht schlimm, wenn dir nichts einfällt, aber eine Schande ist es, wenn du das dann auch noch aufschreibst.Joachim Panten 1947-2007
  Mit Zitat antworten
Alt 06.03.2008, 16:35   # 14
schnippewippe
Gastposter
 
@ Katrin-R
Ok. du hast es so bewertet wie du es damals wohl mitbekommen hast. Dann würde ich sagen , hast du recht.

Ich habe meine Schlüsse aus den Erfahrungen mit meinen Umfeld geschlossen. Waren leider nicht immer die besten Erfahrungen.

Das mit dem Obst , kann ich mir gut bei Euch vorstellen. Als wir das Erstemal nach Sachsen durften, hatten wir den Wagen voller Backsachen für meine Patentante. Damals hatte man ihr die Bäckerei noch nicht weggenommen gehabt. Für den Obstkuchen waren auch Kisten mit Apfelsinen im Auto . Als wir am auspacken waren hatte uns ein Junge ca. 8 Jahre beobachtet. Als mein Vater dann die Apfelsinen in den Laden brachte , gab er dem Jungen ein paar ab. Der strahlte übers ganze Gesicht und meinte nur Danke , ihr seit aus dem Westen und weg war er.
  Mit Zitat antworten
Alt 06.03.2008, 16:35   # 15
Rammi
 
Benutzerbild von Rammi
 
Registriert seit: 22.10.2007
Ort: in Sachsen
Beiträge: 3.201
Meine Oma kaufte mir,da war ich in der 5.Klasseglaube ich,einen Tintenkiller aus dem Intershop.Das war ein Knaller.Selbst als er nicht mehr killte habe ich h ihn aufgehoben,denn er schrieb ja noch.Heute ist sowas selbstverständlich.Wenn es z.B.Bananen gab stand man an und aß sie genüsslich,heute kauft man sie und isst sie,ist ja nichts besonderes mehr.
__________________
Ich leide nicht an Realitätsverlust - Ich genieße ihn!!!!


  Mit Zitat antworten
Alt 06.03.2008, 21:34   # 16
andrealr
weiss wovon sie redet
 
Benutzerbild von andrealr
 
Registriert seit: 11.08.2007
Ort: -1° 1'7.70" 100°21'47.10
Beiträge: 892
Auch wenn jetzt nicht so reinpasst (ich hab's den Tag über geschrieben), hier meine DDR-Erfahrung:

Meine Großeltern und meine Mama kommen aus (West-)Berlin. Also ich kenne die Geschichten rund um Rosinenbomber und Amerikaner, die den Kindern Kaugummis und Schokolade gaben. Meine Oma hat auch immer Pakete für "Zone" am packen, da kamen dann auch manchmal meine getragenen Jeans rein. War wohl sehr gefragt. Besuch aus der Zone hatten meine Großeltern auch, wir wohnten aber weiter weg, so habe ich die eigentlich nie so richtig kennengelernt.

Und dann haben wir 1982 eine Klassenfahrt in die DDR gemacht, 10 Tage, was damals recht ungewöhlich war. Eisenach, Berlin und Rügen, mit allen möglichen Städte- Sehenswürdigkeiten und Museums-Besichtigungen dazwischen. Gewappnet mit allerlei Ermahnungen unseres Lehrers sind wir zur Grenze nach Eisenach. Was war der wilde Haufen, unter den Blicken des Grenzbeamten, still geworden, ja ich glaube sogar, wir hatten Schiss, nur nicht auffallen... mit Spiegel-Kontrolle unter dem Bus.
Und dann fuhren die "Wohlstandskinder" in Eisenach rein. Und irgendwie hat mich das schon gewundert, es war alles so grau, als wäre alles nach dem Krieg so stehen geblieben. Es war schon anders bzw. wir waren anderes gewohnt: Das Toilettenpapier war echt zum ..., es gab oft Rotkraut (damals hasste ich Rotkraut, danach hatte ich mich dran gewöhnt) oder Gurkensalat, man musste sich den Tisch im Lokal zuteilen lassen... usw.
Ein Treffen mit FDJ'lern fand auch statt. Eine interessante Diskussion, aber durch die anwesende Kreisleitung (evt. auch Stasi?) doch sehr gemäßigt. In Berlin waren wir in einer Disko und haben mit NVA-Soldaten getanzt, ich war ganz schön geschockt, als er mir erzählte, dass er dafür in den Bau kommen könnte. Wir wunderten uns immer über die übertriebene Vorstellung der Jugendlichen über den "Goldenen Westen". Aber alles in allem war es war eine tolle Fahrt.

Wiedervereinigung... mir sind echt die Tränen gekommen. Endlich war wieder zusammen, was zusammen gehörte. Das habt ihr Ossis gut gemacht! Wenn ich dann hier einige Leute höre, was sie über den "Osten" denken, dann könnt ich gerade mal k.......! Aber irgendwann wirds schon werden! Meine Wessi-Tochter hat ja schon mit ihrem Ossi-Verlobten, meinen Wossi-Enkel!
  Mit Zitat antworten
Alt 06.03.2008, 21:53   # 17
schnippewippe
Gastposter
 
@andrealr
Zitat:
Wenn ich dann hier einige Leute höre, was sie über den "Osten" denken, dann könnt ich gerade mal k.......!
Ich bin mir jetzt nicht sicher,ob du jetzt den Westen meinst oder hier jetzt bei den Postings.
Da würde ich meinen du meinst das ,was ich über die Familie des Bruders meines Schwagers geschrieben habe.
Sorry, aber es war nun mal so. In unseren Bereich ist viel kaputt gegangen. Was ich echt schade finde.
  Mit Zitat antworten
Alt 06.03.2008, 22:17   # 18
andrealr
weiss wovon sie redet
 
Benutzerbild von andrealr
 
Registriert seit: 11.08.2007
Ort: -1° 1'7.70" 100°21'47.10
Beiträge: 892
Zitat:
Zitat von schnippewippe Beitrag anzeigen
@andrealr

Ich bin mir jetzt nicht sicher,ob du jetzt den Westen meinst oder hier jetzt bei den Postings.
Nein, ich meine nicht deine Erfahrung, sondern allgemein diese Vorurteile gegen den Osten.... Habe ich mich ein bisschen blöd ausgedrückt! Tschuldigung! Aber du hast schon recht, durch die Teilung ist viel kaputt gegangen.
  Mit Zitat antworten
Alt 06.03.2008, 23:11   # 19
schnippewippe
Gastposter
 
Zitat:
Zitat von andrealr Beitrag anzeigen
Nein, ich meine nicht deine Erfahrung, sondern allgemein diese Vorurteile gegen den Osten.... Habe ich mich ein bisschen blöd ausgedrückt! Tschuldigung! Aber du hast schon recht, durch die Teilung ist viel kaputt gegangen.
Diese Vorurteile werden bestimmt noch 2 Generationen so bleiben. Du wirst vielleicht nicht wissen was ich meine , aber die älteren Berliner bestimmt
Das mit Ost und West finde ich ,ist wie früher Bayern und die Berliner. Wir waren für die echt das Letzte. Wir waren die Saupreissen. Unsere Schule hatte da ein eigenes Schullandheim . Unsere Klasse war die ganzen Jahre über ,2 mal im Jahr für 3 –4 Wochen da. Wir haben oft zu spüren bekommen,wie es ist ein Saupreusse zu sein.Aber frage mich nicht warum ?

Zitat:
wikipedia
Preiß (Singular), Preißn (Plural) ist es eine aus Bayern stammende Dialektbezeichnung für Deutsche, deren Herkunft weiter im Norden liegt. Die Bezeichnung ist umgangssprachlich meist scherzhaft oder abwertend gemeint, wird allerdings auch durchaus ernsthaft als Herkunftsbezeichnung verwendet. Es existieren mehrere Wortzusammensetzungen, am bekanntesten ist wohl das Schimpfwort Saupreiß.

  Mit Zitat antworten
Alt 06.03.2008, 23:59   # 20
schnippewippe
Gastposter
 
Hier mal ein Erlebnis ,das bei meiner Freundin und mir ,gar nicht so richtig ankam.

Meine Freundin und ich waren damals 13 Jahre alt gewesen, als am Kuhgraben in Neukölln der Zaun errichtet wurde.. Wir haben uns immer aus den Graben die Stichlinge fürs Aquarium geholt. Da wir eh nie weiter als bis in den Graben gingen, hatte der Zaun uns auch nicht weiter gestört. Kurz bevor wir fertig waren , rannte plötzlich ein Mann auf den Zaun zu.
Wir standen vor Schreck ganz still. Ich dachte die ganze Zeit nur, hoffentlich schafft er es., hoffentlich schafft er es . Er hat es geschafft und ist dann in der Laubenkolonie verschwunden. In der Zwischenzeit kamen dann auch schon die beiden Vopos ,die sich zu der Zeit ,ein Stück weiter aufgehalten haben. Sie meinten wir sollten lieber verschwinden, sonst bekommen wir noch kalte Füsse. Wir sind danach nie wieder dahin gegangen.
Was ich nie verstanden habe, wieso hatten wir keine Angst.
  Mit Zitat antworten
Antwort


Alt 11.02.2012, 23:42 # --
News Flash
Mehr zum Thema
 
Benutzerbild von News Flash
 
 
 
Standard Mehr zum Thema

   
Themen-Optionen



Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 00:42 Uhr.