| | # 1 |
| Registriert seit: 02.02.2011 Ort: schwaben land
Beiträge: 91
| Das Internet platzt aus allen Nähten – jetzt wird ausgebaut. Der IPv6-Adressraum schafft noch in diesem Jahr neuen Platz. Ist Ihr Rechner bereit für den Umstieg? Für rund 7,5 Millionen US-Dollar hat Microsoft in diesem März 666 624 IP-Adressen gekauft. Der Grund: Die heute genutzten IPv4-Adressen sind so gut wie aufgebraucht – und der Handel floriert. Wer das nötige Kleingeld hat, kann etwa über Websites wie tradeipv4.com eine der letzten Adressen ergattern oder auch seine eigenen Adressen versteigern. Lange wird sich dieses Geschäftsfeld aber nicht halten, denn der Ausweg aus der IP-Knappheit wurde längst gefunden: Mit dem Netzwerkprotokoll IPv6 gibt es keine Netzgrenzen mehr, da weit mehr Adressen als User und Geräte bereitstehen. Die Internetprovider wollen noch in diesem Jahr IPv6 einführen, und auch Website-Betreiber denken langsam um. Für den Nutzer bringt der Umstieg viele Vorteile, aber auch neue Sicherheitsprobleme. Welche Vorteile bringt IPv6? Das wichtigste Pro-Argument ist, dass es keine Wachstumsgrenze mehr im Internet gibt. Im Prinzip können die Adressen mit IPv6 nicht mehr ausgehen, denn im Vergleich zum alten Protokoll IPv4, das insgesamt nur 4 294 967 296 (rund vier Milliarden) Adressen bereitstellt, hat IPv6 fast 340 ***tillionen Adressen mehr. Somit stehen 49 102 794 649 486 069 763 834 719 687 (rund 50 Quadrilliarden) Adressen pro Mensch zur Verfügung – eine unerschöpfliche Menge. Das heißt, jedes Gerät kann mit IPv6 eine eindeutige Adresse bekommen, etwa elektronische Haushaltsgeräte und Autos, die im Austausch mit dem Nutzer stehen. Diese ständige Kommunikation mit allen Geräten heißt daher auch das „Internet der Dinge“. Dass beim IPv6-Protokoll wesentlich mehr Adressen vorhanden sind als bei IPv4, liegt vor allem an der Bit-Länge. Die alten IPv4- Adressen sind nur 32 Bit lang. IPv6 hingegen ist bis zu 128 Bit lang und besteht aus acht Blöcken mit Hexadezimalzahlen. Generell sind die IPv6-Adressen daher zwar länger als bei IPv4, allerdings lassen sich viele Stellen abkürzen. So darf man Nullen, die am Anfang eines Blocks stehen, auslassen, und einen Block, der nur aus Nullen besteht, einfach durch zwei Doppelpunkte ersetzen. ![]() IPv6 hat aber nicht nur den Vorteil des größeren Adressraums, es vereinfacht etwa in der Netzwerk-Administration die Arbeit. Viele Funktionen von IPv6 kann man zwar auch mit IPv4 lösen, allerdings ist dies nur durch Erweiterungen wie NAT-Verfahren (Network Address Translation) möglich. IPv6 kann für den Heimanwender kurzfristig aber auch Arbeitsaufwand bedeuten: Firewalls benötigen neue Filter, und der Router muss auf dem neuesten Stand sein. Durch die Adressdarstellung ergibt sich zudem ein Browserproblem: Versucht man eine IPv6-Adresse wie gewohnt einzutippen, streikt der Browser, da er die Eingabe nicht interpretieren kann – Doppelpunkte bezeichnen eine Portnummer. Um mit den Adressen weiterhin arbeiten zu können, muss man sie deshalb zur Unterscheidung in eckige Klammern setzen, etwa »http://[IPv6-Adresse]«. Die Portnummer lässt sich anschließend einfach hinten dranhängen, zum Beispiel »http://[IPv6-Adresse]:21«. Wann ist der Umstellungsstichtag? Die deutschen Internetanbieter wollen noch in diesem Jahr das IPv6-Protokoll einführen, allen voran die Telekom. Das heißt aber nicht, dass Sie mit einem alten Router, der das neue Internetprotokoll nicht unterstützt, keinen Internetzugang mehr haben. Die Provider lassen beide Versionen zunächst parallel laufen. Die IPv6-fähigen PCs entscheiden dann selbstständig, welches Protokoll sie nutzen (Dual-Stack), indem sich das System den Webservern anpasst. Selbst wenn die von Ihnen besuchte Seite nur IPv6 einsetzt, ihr Internetanbieter aber nicht auf das Protokoll umgestellt hat, ist das kein Problem. Hier kommt ein Tunnelprotokoll (6to4-Tunnel) zum Einsatz, das die IPv6-Pakete mittels IPv4 transportiert. Anders sieht es aus, wenn Ihr Router nur IPv4 versteht, die Gegenstelle aber nur IPv6 anbietet – die Netzwerke sind nicht kompatibel, und die Seite, die man besuchen will, ist nicht erreichbar. Vorerst wird dieser Fall aber wohl nicht eintreten, denn alle Anbieter werden parallel IPv4 unterstützen. Sind meine Geräte IPv6-ready? Da das Adressproblem seit einigen Jahren bekannt ist, sind viele Geräte und Systeme bereits IPv6-fähig – Microsoft etwa hat seit dem Service Pack 2 für XP eine IPv6-Unterstützung in seine Systeme integriert und alle gängigen Browser verstehen seit Jahren das Protokoll. Wenn Sie keine uralte PC-Ausstattung haben, stehen die Chancen daher gut, dass Sie bereits perfekt ausgerüstet sind. In Ausnahmefällen kommen allerdings auch heute noch Geräte auf den Markt, die kein IPv6 beherrschen. Wenn Sie herausfinden möchten, ob Ihr Rechner das Netzwerkprotokoll versteht, öffnen Sie unter Windows die Kommandozeile (»cmd.exe«) und geben den Befehl »ipcon fig« ein. Ist Ihr Netzwerk IPv6-ready, zeigt das System den Eintrag »Verbindungslokale IPv6-Adresse« und die dazugehörige IP an, die mit »fe80« beginnt. Diese Adressen sind nur innerhalb eines Netzwerks gültig und lassen sich daher nicht für eine Internetverbindung nutzen, IPv6-Adressen, die ins Netz kommunizieren beginnen immer mit »2001« oder »2002«. ![]() Um zu testen, ob die angezeigte Adresse auch erreichbar ist, geben Sie den Befehl »ping -6 IP-Adresse« ein. Unter Vista und Windows 7 sollten die Tests problemlos funktionieren, unter XP müssen Sie IPv6 manuell aktivieren, was Sie in der Kommandozeile per »netsh interface ipv6 install« erledigen. Danach finden Sie unter »Start | Systemsteuerung | Netzwerkverbindung« in den Eigenschaften Ihrer LAN-Verbindung den Eintrag »Microsoft TCP/IP Version 6«. ![]() Um im Internet per IPv6-Protokoll zu kommunizieren, prüfen Sie zunächst Ihren Router. Selbst wenn das Gerät IPv6 unterstützt, ist das Protokoll oft deaktiviert und muss manuell eingeschaltet werden. Das sollte jedoch kein Problem sein, denn aktuelle Router sind in der Regel mit IPv6 ausgestattet – falls nicht, liefern einige Hersteller die Funktion per Firmware-Update nach. Bei den FritzBox-Geräten von AVM finden Sie die Einstellung unter »Internet / Zugangsdaten«. Wie sicher ist IPv6 im Internet? Beim bisherigen IPv4-Protokoll ändert sich die persönliche Adresse alle 24 Stunden mit der Zwangstrennung der Provider oder wenn Sie selbst die Verbindung kappen. Diese Adressen lassen sich anschließend nicht mehr auf einen bestimmten User zurückführen – es sei denn, der Internetanbieter speichert sie über einen längeren Zeitraum, wie es die geforderte „Vorratsdatenspeicherung“ vorsieht. Aber selbst dann ist lediglich das Netzwerk, nicht aber ein bestimmtes Gerät identifizierbar. Nur anhand der IP-Adresse können Datensammler wie Webshops, Suchmaschinen und Werbeanbieter daher keine Benutzerprofile erstellen, sie setzen zusätzlich etwa Cookies ein, um eine Person wiederzuerkennen. Bei IPv6 hingegen hat jedes internetfähige Gerät eine feste Adresse, die es ein Leben lang behält, den „Interface Identifier“. Unter dem Aspekt des Datenschutzes sind die Adressen daher ein Problem, weshalb die „Privacy Extension“ eingeführt wurde. Hier erhält das Netzwerkgerät je nach Konfiguration regelmäßig eine neue IP, die das System zufällig erstellt. Unter Windows müssen Sie dazu keine Konfigurationen vornehmen, da das Betriebssystem die Adressen automatisch ändert – Windows 7 etwa wechselt die IP standardmäßig nach einem Tag, manuell lässt sich dieser Zeitraum auf maximal sieben Tage verlängern. Mac OS X und Linux haben die „Privacy Extention“ dagegen abgeschaltet, der User muss selbst für seine Sicherheit sorgen. Noch problematischer sind Smartphones, denn die modernen Geräte nutzen immer IPv6-Adressen, wenn das Protokoll zur Verfügung steht, zum Beispiel im WLAN. Aber ausgerechnet die beiden beliebtesten Handy- Systeme Android und iOS kennen keine „Privacy Extension“. Zumindest Apple hat reagiert und die Funktion mit der Version 4.3 offiziell fürs iPhone 4 und 3GS nachgeliefert – ältere iPhones senden aber nach wie vor ihre feste IP. Google hat noch nicht eingegriffen, und wer die IP-Adresse seines Android-Smartphones anonymisieren will, muss das Handy knacken und ein selbst gebasteltes Skript im System hinterlegen. Ohne „Privacy Extension“ sind die IPv6- Adressen ein gefundenes Fressen für Datensammler. Wer die Sicherheitsfunktion aktiviert, ist damit aber genauso sicher im Netz unterwegs wie mit IPv4. Kann ich IPv6 im Internet testen? IPv6-Seiten sind bisher sehr selten. Laut einer Studie der OECD sind nur 1,45 Prozent der 1000 weltweit am häufigsten besuchten Websites über das neue Netzwerkprotokoll erreichbar – Tendenz steigend, denn viele Website-Anbieter sind bereits seit einiger Zeit dabei, ihre Server mit IPv6-Support auszurüsten und zu testen. Damit Sie Ihre Geräte auf IPv6-Fähigkeit im Netz testen können, besuchen Sie die Site test-ipv6.com. Der Test läuft vollautomatisch ab und dauert nur ein paar Sekunden. In einer übersichtlichen Zusammenfassung zeigt Ihnen die Seite anschließend, ob eine Verbindung aufgebaut werden konnte und wie stabil die Übertragung war. ![]() Am 8. Juni ist der „Welt-IPv6-Tag“, an dem unter anderem Facebook, Google und Yahoo für 24 Stunden IPv6 freischalten – perfekt, um Ihre Hard- und Software unter realen Bedingungen zu testen. Übersteht Ihre PC-Ausrüstung auch diesen Live-Test problemlos, können Sie dem IPv6-Umstieg gegen Ende des Jahres gelassen entgegensehen. Quelle: chip/ via Focus
__________________ Für Schriftliche fehler keine Haftung! Diskutiere nie mit Idioten - sie holen Dich auf ihr Niveau und schlagen Dich dort mit Erfahrung |
|
| | # -- |
| News Flash | Das könnte Dich auch noch interessieren:
Nicht fündig geworden? Dann ohne Anmeldung in unserem Gast-Forum nachfragen. |








