Die Anpassung des OGG-Codecs auf die in den MP3-Playern verbauten DSPs ist wohl nicht so trivial, wie man sich das als Laie vorstellen könnte.
1. Sourcen des OGG-Codecs besorgen (<10 Minuten)
2. Schnittstelle zur Hardware anpassen (6 Wochen)
3. Interner Test (1 Woche)
4. Öffentlicher Beta-Test (4 Wochen)
5. Offizielles Release
Die Realität sieht eher so aus, dass man als Entwickler arg mit den Beschränkungen des Hardware zu kämpfen hat.
1. Beschränkter Speicherplatz
Ohne Anpassung passt der OGG-Codec nicht in die Firmware, weil er viel zu gross ist. Mit gängigen Optimierungsmethoden, die keine tiefgreifenden Änderungen am Codec vornehmen, lässt sich eine Reduzierung um max. 20% erzielen. Das reicht in den meisten Fällen bei weitem nicht aus. Die Zielgrösse liegt nach Angaben von Herstellern wie iRiver bei einer 50%igen-Reduzierung!
2. Beschränkte Rechenleistung
Die Rechenkapazität der mp3-Player ist knapp bemessen. Das Gerät soll nur Musikstücke decodieren können und wurde daher nicht mit etwaigen Leistungsreservern ausgestattet. Der Codec muss die zur Verfügung stehende Hardware effizient verwenden. Das setzt eine Anpassung auf unterster Ebene (Register, Befehlssatz) voraus, sonst scheitert eine Echtzeit-Decodierung.
3. Stromsparende Implementierung
Die Erwartungshaltung der Kunden geht dahin, dass die OGG-Implementierung eine ähnliche hohe Batterie-Laufzeit wie der mp3-Codec erreicht.
Das Hauptproblem sind allerdings die Punkte 1 & 2. Für deren Lösung muss die Arbeitsweise von OGG bis in letzte Detail verstanden worden sein, was aufgrund seiner Komplexität keine einfache Aufgabe ist. Und dann kommen da noch die beiden Zielvorgaben 'Halbierung der Grösse' sowie 'Anpassung an die Hardware' hinzu. Auch keine Trivialitäten.
Aber in den meisten Firmen bestimmt nun mal die Marketing-Abteilung, was nach draussen kommuniziert wird und nimmt keine Rücksicht auf die Entwicklungsabteilung oder die Tatsache, dass sich komplexe Entwicklungsprozesse selten genau terminieren lassen. Als Marketing-Abteilung kündigt man gross-spurig OGG-Support an, schliesslich will man im Konzert der anderen Firmen, die OGG-Support bieten, allerdings auch nicht liefern können, nicht untergehen.
Und das führt zur Unzufriedenheit bei den Kunden, die sich getäuscht fühlen. Die Entwickler werden wohl ihr Bestes geben und wahrscheinlich auch genügend Druck bekommen (PR-Abteilung + Vorstand).
Ich sehe die Schuld ganz klar bei den PR-Leuten und nehme die Entwickler hiermit in Schutz. Wir werden unseren OGG-Codec schon noch bekommen. Lieber ein paar Wochen später und dafür einen stabilen OGG-Support, als einen instabilen Quick-Hack.