Der Misanthrop als Idealist.

Alt 16.06.2009, 16:35   # 1
Mayhem
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Vorsicht: Mehr Fragen als Antworten. Philosophiethema.

Dieses Thema kam vor Kurzem bei einer angeregten Debatte zwischen mir und einem guten Bekannten zum Tragen. Da es etwas schwierig aus dem Stehgreif zu erläutern ist, muss die Grundidee angesprochen werden. Hintergrund dieses Threads ist der, dass Misanthropen - vermeintliche Menschenfeinde - Wertvorstellungen an den Tag legen, Erwartungen an die Menschen stellen und die eigene Spezies dafür verabscheuen, dass sie jene Messlatte - oft an sich als exemplarisches Beispiel / der Wunschvorstellung von sich selbt orientiert - nicht erreichen können. Sie haben oft die Idee einer besseren Gesellschaftsform, einem Utopia, oder von einer besseren Daseins-Existenz. So ist dieser Meinung nach eine idealistische Gesellschaft, gänzlich ohne Hass und jeden Nährboden für Selbigen, Habgier und Leid denkbar. Der Störfaktor Mensch macht genau das jedoch zu Nichte.

Der Fehlglaube.

Wenn wir uns die bekannte Geschichte ansehen, können wir uns eine bewegende Frage stellen: War die Menschheit jemals glücklich? Die Antwort sollte auf der Hand liegen. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass wir es eigentlich gar nicht besser kennen können. Woher kommt dann aber der Drang und Wunsch unserer Art, nach etwas Besserem zu streben? Etwas Besserem, was es noch nie gegeben hat und bei logischer Betrachtung auch für uns unerreichbar ist? Ob es der Antrieb durch unser Ego ist, oder das Lenken der eigenen Energien auf etwas, dass uns jene Befriedigung verleiht, uns nicht mit dem "Schlechten" abzufinden?

Warum ist es schlecht?

Wer hat jenem Wort den Wert zugedichtet, dass es in der Lage wäre, unsere Gesellschacht negativ zu beschreiben? Wie kann etwas als negativ bewertet werden, dessen positive Äquivalente wir nie kannten? Wäre unsere Gesellschaft dann kein Massstab an Normalität oder gar der gute Punkt? Haben Philanthropen vielleicht allen Grund dazu, jene zu sein, weil der Mensch nunmal nicht mehr aus sich holen kann, das Maximum erreicht ist? Wird er damit nicht zu einem guten Wesen? Wir sehen wie aus Menschen Helden werden, weil sie etwas taten, was für jeden selbstverständlich sein sollte - Es aber nicht ist. Es ist aussergewöhnlich, weil "normal" und "gut" andere Dinge beschreiben, als solche, die wir uns geblendet einreden wollen.

Das Bewusstsein ist eine anormale Krankheit auf Erden, dessen Wirt die Menschheit ist. Als wir uns über Tiere gestellt und unsere geistige wie wesentliche Überlegenheit ausgerufen haben, haben wir begonnen mehr von uns zu erwarten. Der Wirtschaftshai, der um die Patentrechte seines AIDS-Mittels kämpft, damit er den maximalen Profit herausholt, statt afrikanischen Kindern eine günstige Behandlung zu bieten ist ein Monster, weil er eben genau weiss, was er tut. Ein Löwe, der eine Antilope tötet, ist allerdings absolut im grünen Rahmen. Er macht das eben so. Zum Überleben. Eine Hausfrau, die ihrer Katze gehacktes Rind in der Dose serviert, hält sich für einen guten Menschen. Beispiele in viele Richtungen mit folgendem Kernpunkt:

Das Bewusstsein über unsere Existenz macht uns zu keinen besseren Wesen.
Wieso wird Gutmütigkeit, Hilfbereitschaft als Grundvorraussetzung, aggressive Ausbeutung und "über andere Stellen" als diabolisch betrachtet?

Tiere praktizieren dies seit jeher. Tiere, so wie wir es sind - Nur gehen Menschen stets davon aus, dass sie etwas Besseres wären. Aber sind sie das, nur weil Sie bewusst denken können? Gehen wir gar davon aus, dass wir es, als Spitze der Nahrungskette und faktische Eroberer der Erde, sind. Was veranlasst uns, ein höheres, wahrscheinlich utopisches, Verhalten, eine, dem hedonisch veranlagten Wesen widerstrebende, Moral und eine Gesellschaftsform anzustreben, die immer etwas "besser" ist, als die Jetzige? Während früher die Schichten zwischen Adel und Armen klar im Land defininiert waren, existiert heute eine regional bedingte Wohlstandswelt - Europa als Adel, die dritte Welt als die weniger Priveligierten (Zum Beispiel). Es war nie Anders, aber dennoch streben wir nach mehr. Der Versuch, jene Armut mit allen Mitteln zu bekämpfen, sei es aus uneigennützigen Motiven, oder nur aus dem Grunde, sein Ego zu streicheln, ist definitiv nachvollziehbar und wahrscheinlich auch gut. Aber warum geben wir uns nicht glücklich mit dem zufrieden, was hier - zum Beispiel in Europa - vor sich geht?

Der Misanthrop als Idealist.

Der Menschenfeind sieht in den meisten Fällen all jenes nicht und appeliert an das Potenzial in der Welt und der Gesellschaft, welches vom gemeinen Menschen blockiert wird. Aber eben, weil er es sieht, ist er nicht mehr als ein Idealist, gepaart mit einer Prise Naivität, der wirklich etwas Gutes und Besseres für seine Artgenossen will - Wenn auch indirekt.

Der Misanthrop als hoffnungsvoller, indirekter Menschenfreund.
Der abgestumpfte Zyniker als absoluter Realist.


Worauf will ich hinaus?

Unklar. Es ist mehr ein Gedanke, den ich niederschreiben wollte, denn eine Tatsache, auf die ich hinweisen will. Ich will keinen Aufruf dazu starten, kein Fleisch mehr zu essen (Also bitte, eher dazu, den Menschen als Tier zu behandeln!) oder zu vermeintlich zu resignieren in unserer Zeit. Denkanstoss, zu dem ich Meinungen hören möchte. Und auch wenn die Formulierung nicht all zu gelungen, etwas verwirrend oder zu sehr gespickt mit "Gedankensprüngen" sein mag - Ich hoffe es wurde klar, worauf ich hinaus will. Es fällt schwer, diese Gedanken kurz geposted zu erklären.

Warum sind wir nie zufrieden mit dem, was wir haben und gehen davon aus, dass es dort viel mehr gäbe - Obgleich es nie anders war?
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Alt 19.06.2009, 21:47   # 2
Mayhem
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Kann doch nicht sein, dass über jeden anderen Mist diskutiert wird, aber wenn mal etwas Pseudophilosophie rankommt, packen alle ihre aufgeblasenen Schwänze wieder ein?
Gibt hier doch genug Gossenphilosophen.
O Brother, Where Art Thou?
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Alt 20.06.2009, 00:26   # 3
HeadWind
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Ui..schau mal, da hat er was geschrieben.. und das schon vor Tagen. Is völlig an mir vorbei gegangen.

Wenn ich einiges davon so lese, dann müsste ich mich fragen ob die Bezeichnung Misanthrop nicht doch auf mich zutreffen würde.
Oder ob ich einfach wirklich nur ein Idealist bin, der versucht seine Prinzipien durch zu drücken und andere zu missionieren das zu tun, was sie auch sagen, dass sie es tun wollen. Ein grosses, starkes meiner Prinizipien, wenn ich es so sage ... MUSS ich es auch so tun.
Ebenfalls gibt es einige Menschen die ich sogar ein kleines Stück verachte, da sie definitiv alles ausbremsen was in irgend einer Form mit Denken oder Fortschritt zu tun hat. Aber ich denke mal es bleibt definitionssache...es würde aber sicherlich Menschen geben, die würden mich privat so betiteln Dennoch weiss ich nicht, ob man mich als Menschenfeind bezeichnen könnte, wenn meine Nachricht ist: " Denkt !!!, der Mensch kann es, also tut es " Aber die Methoden sind schon sehr ähnlich.
Privat gibts von mir immer eins auf die Fresse... aber mit Charme

Ansich scheint es mir aber um die Kernfrage "Was ist richtig oder falsch", oder wie definiert man "Gut und Böse" zu gehen.
Gäbe es einen Weg der "richtig" ist, würden wir ihn warscheinlich schon längst gehen. Oder sogar gegangen sein, mit der Feststellung, dass es doch nicht der Richtige war
Fakt ist für mich jedoch, dass es richtig und falsch letzendlich nicht gibt, sondern es frei definierbare Sachen sind, die jeweils auf den Standpunkt ankommen. Und definition ist "leider" ein Umstand des Bewusstseins.

So ist es auch mit der Wertvorstellung. Man kann definieren, dass der Mensch mehr Wert sein könnte, als ein Tier. Man kann es sogar begründen. Aber auch das kommt auf den Standpunkt an, von wo man es sieht.
Bestimmen lässt es sich nicht.

Ich habe mich selber jahrelang mit hoch philosophischen Fragen "gefoltert" und versucht sie zu beantworten. Der Witz ist, dass die Frage IMMER gleich die Antwort ist. Da es meist frei definierbare Fragen sind, die jeder für sich beantworten muss.
Für mich ist es nichts weiter geworden, als das Bewustsein über mein kindlichen Verstand, der in der Lage ist, die Dinge die sich stätig verändern, wieder von neuem zu betrachten.

May, ... an der Stelle auch mal eine direkte Frage an Dich:
Warum fragst Du, wenn Du die Antworten eigentlich schon kennst ?
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Alt 20.06.2009, 00:43   # 4
TheManiac
 
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Häh? Wann hast du dads geschrieben? Na ja egal, werde wie in deinem anderen Thread mal meine Meinung abgeben...aber erst wenn ich wieder npüchtern bin;=
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Alt 23.06.2009, 11:55   # 5
Mayhem
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Heady. Es geht so garnichtmal um die Dialektik zwischen Gut und Böse/Recht und Unrecht. Vielmehr um die Auflösung des Drangs nach Besserem wobei der Status doch ansich erreicht wurde bzw.

Zitat:
Wer hat jenem Wort den Wert zugedichtet, dass es in der Lage wäre, unsere Gesellschacht negativ zu beschreiben? Wie kann etwas als negativ bewertet werden, dessen positive Äquivalente wir nie kannten? Wäre unsere Gesellschaft dann kein Massstab an Normalität oder gar der gute Punkt? Haben Philanthropen vielleicht allen Grund dazu, jene zu sein, weil der Mensch nunmal nicht mehr aus sich holen kann, das Maximum erreicht ist?
Mir geht es auch ein wenig um das ständige Gejammer von Allen Seiten. Sicher, einige Staaten/Länder sind/leben in jenen negativen Äquivalenten. Hungersnot, fehlende Menschenrechte, tödliche Krankheiten, aber ich habe mit Absicht pauschalisiert.

[quote=HeadWind;396981
May, ... an der Stelle auch mal eine direkte Frage an Dich:
Warum fragst Du, wenn Du die Antworten eigentlich schon kennst ? [/quote]

Na, allwissend bin ich ja nicht, wa? Der Sinn dieses Topics ist, eine Diskussion zu starten. Herrscht in letzter Zeit ein wenig ein Mangel hier im Spot
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Alt 23.06.2009, 12:23   # 6
HeadWind
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Zitat:
Zitat von Mayhem Beitrag anzeigen
Na, allwissend bin ich ja nicht, wa? Der Sinn dieses Topics ist, eine Diskussion zu starten. Herrscht in letzter Zeit ein wenig ein Mangel hier im Spot
Gut ! Ich stell mir nur einfach die Frage, ohne Dich jetzt zu kritisieren, ob Du mit solchen Diskusionen versuchst Dich selbst zu reflektieren, oder es vielmehr eine kleine Hinterlist ist, gewisse Leute einfach zum nachdenken anzuregen. Wäre in beiden Fällen meinerseits nichts gegen einzuwenden. Ich versuche nur raus zu bekommen wie Du tickst

Denn wenn Du diese Diskusion so auf diesen Punkt fixieren möchtest, ist es eine verdammt schwierige Sache, das aufzudröseln. Wenn ich dass nun richtig verstanden habe, dann: " soll sich keiner beschweren, wenn er nicht weiss wie es besser geht", richig ?

So ganz habe ich aber noch nicht verstanden, wie Du den Menschenliebhaber, und den Menschenhasser in diese Sache mit rein bringst, oder geht es Dir darum, wer von beiden nun doch die "passendere" Art und Weise dazu hat ?

Ich glaube das Thema hat potential.....ich muss nur immernoch erst raffen, was Du eigentlich willst
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Alt 24.06.2009, 18:13   # 7
Mayhem
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Zitat von HeadWind Beitrag anzeigen
Gut ! Ich stell mir nur einfach die Frage, ohne Dich jetzt zu kritisieren, ob Du mit solchen Diskusionen versuchst Dich selbst zu reflektieren, oder es vielmehr eine kleine Hinterlist ist, gewisse Leute einfach zum nachdenken anzuregen. Wäre in beiden Fällen meinerseits nichts gegen einzuwenden. Ich versuche nur raus zu bekommen wie Du tickst
Ich versuche auch dauernd rauszufinden wie ich ticke
Ich weiß lediglich nur, dass ich Prinzipien habe, ansonsten ein recht verrückter Hund. Aber nein, es ist nicht direkt eine Reflexion meiner Selbst, eher garnicht, ich bin da eher der Philantrop. Aber da auch eher der böse Philantrop ; )

Zitat:
Denn wenn Du diese Diskusion so auf diesen Punkt fixieren möchtest, ist es eine verdammt schwierige Sache, das aufzudröseln. Wenn ich dass nun richtig verstanden habe, dann: " soll sich keiner beschweren, wenn er nicht weiss wie es besser geht", richig ?
Das trifft den Kern der Sache recht gut. Doch stellt sich Fragen:

a) Nur weil man sich beschwert, heißt es nicht, dass es ein objektiv negativer Zustand ist
b) Wenn man es nun besser macht, ist dies keine Vorraussetzung dafür, dass der "Wohlstand" nicht weiter maximiert werden kann. I.d.R. wird es ohnehin wieder daraufhinaus laufen, dass sich dennoch alle beschweren, weil der Mensch einfach missmutig ist. Dann gilt es ihn wieder zu verbesser. Es ist ein Teufelskreis

Zitat:
So ganz habe ich aber noch nicht verstanden, wie Du den Menschenliebhaber, und den Menschenhasser in diese Sache mit rein bringst, oder geht es Dir darum, wer von beiden nun doch die "passendere" Art und Weise dazu hat ?
Japp. Ich vertrete die Ansicht, oder eher den Gedanken, dass genau der Menschen"feind" der beste Freund des Menschen ist, da dieser den Menschen auf makabere Art besser erzieht.
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Alt 25.06.2009, 00:53   # 8
HeadWind
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Bevor ich da nochmal näher drauf eingehe... hast Du Dich mal mit Aleister Crowley beschäftigt (sofern das überhaupt möglich ist)
Der Räumt gedanklich ganz gut mit schwarz und weiss auf und macht einem das Grau ein wenig klarer ... oder auch nicht

Ich weiss jetzt zumindest worauf Du hinaus willst, aber dazu schreibe ich morgen erst was, wenn die Birne auch funktioniert.
Verdammt interessanter Gedankenansatz.
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Alt 26.05.2012, 14:07 # --
News Flash
 
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