| Die gegenseitigen Einschätzungen von Martin Luther King und Malcolm X zeugten nicht von übermäßiger Sympathie füreinander. Dabei traten die beiden doch für dieselbe Sache ein: die Gleichberechtigung der Schwarzen in den von Rassismus geprägten USA. Doch oft führen mehrere Wege zum selben Ziel und die von King und Malcolm X waren so unterschiedlich, wie Wege nur sein können. Ersterer glaubte an die US-Gesellschaft und plädierte für deren gewaltfreie Reform, der Zweite verachtete das System und trat für den nötigenfalls bewaffneten Widerstand ein. Kings Vision der Integration stand Malcolm X' Idee des Separatismus gegenüber, und das macht sie zu höchstinteressanten Kandidaten für die Gegenspieler-Reihe des Fischer Verlages.
In der reihentypischen Gegeneinanderstellung der beiden Lebensläufe offenbaren sich Parallelitäten und Gegensätze. Beide erlebten Rassismus hautnah, beide waren stark durch ihren Glauben beeinflusst, beide wollten endlich Gerechtigkeit für die Farbigen, und beide starben durch Attentate im Alter von 39 Jahren. Aber als King Mitte der Vierziger Jahre sein Universitätsstudium begann, saß Malcolm Little (so X' Geburtsname) wegen Einbruchdiebstahl in einer Gefängniszelle. Als King 1948 Baptistenpfarrer wurde, konvertierte Little zum Islam. Während King mit friedlichen Mitteln wie einem Busboykott arbeitete, belagerte Malcolm X eine Polizeiwache oder rief zur Bewaffnung der Schwarzen auf. Erst spät näherte sich Malcolm X den Visionen Kings an, doch da beendeten Gewehrkugeln die Leben der beiden.
Kurz gesagt: Der eine galt als charismatischer Vertreter des gewaltlosen Widerstandes, der andere als teufelgesandter Agitator einer blutigen Revolution. Martin Luther King träumte von einem besseren Amerika, Malcolm X verfluchte den amerikanischen Alptraum. Doch erst die doppelte Wirkung ihrer suggestiven Lehren verlieh in den Sechziger Jahren dem Kampf gegen Rassismus die entscheidende Energie. |