BVG macht pro Streiktag 300.000 Euro Minus

Alt 06.03.2008, 18:29   # 1
Mabuhay
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Der Streik im öffentlichen Nahverkehr hat am Donnerstag erneut den Verkehr in Berlin lahmgelegt. Wer kann, meidet die übervolle S-Bahn und fährt per Rad oder eigenem Auto zur Arbeit. Das haben die Tankstellen erkannt: Sie erhöhten die Benzinpreise. Auch für die BVG ist der Ausstand teuer.

Der von Ver.di ausgerufene Streik bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) wird das landeseigene Nahverkehrsunternehmen teuer zu stehen kommen. Jeder Streiktag sorgt bei der BVG – nach ersten Berechnungen – für Einnahmeverluste in Höhe von mindestens 1,3 Millionen Euro. Dagegen stehen streikbedingte Einsparungen etwa bei Löhnen, Kraftstoff und Strom. Diese liegen bei rund einer Million Euro pro Tag. Unterm Strich bleibt aber ein Minus von mindestens 300.000 Euro. Ungeachtet dessen vertritt Berlins Finanzsenator und BVG-Aufsichtsrat Thilo Sarrazin (SPD) weiterhin die Auffassung, dass die BVG mit jedem Streiktag Geld spare.

Ein besonders hoher Verlustfaktor sind die ausbleibenden Zahlungen vom Land Berlin. Nach dem 2007 geschlossenen Verkehrsvertrag kann der Senat seine Zuschüsse an die BVG verringern oder gar aussetzen, wenn das Unternehmen die vom Land bestellten Leistungen ganz oder teilweise nicht erbringt. Dabei geht es nach BVG-Angaben um Überweisungen von bis zu 2,5 Millionen Euro pro Tag, eine Summe, die aber auch die Finanzierung von Baumaßnahmen oder den Kauf von Fahrzeugen und Ersatzteilen einschließt.

Mit dem Notverkehr, den die BVG mit Hilfe ihrer privaten Subunternehmer derzeit auf 30 Linien von U-Bahn, Straßenbahn oder Bus anbietet, kann das Unternehmen derzeit aber nicht einmal fünf Prozent der vom Senat bestellten Fahrleistung erbringen. Laut Manuela Damianakis, Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, könnten sich die Zahlungen des Landes dadurch um 700.000 bis 900.000 Euro pro Tag reduzieren. "Allerdings wird nicht von einem Tag zum anderen der Geldhahn zugedreht", betont sie. Es gebe eine langfristige Überwachung der erbrachten Leistung, nach der die Abrechnung erfolgt.

"Es ist ja nicht so, dass wir gar nicht fahren. Wir gehen von Kürzungen von höchstens 500.000 Euro aus“, so BVG-Sprecherin Petra Reetz. Kaum ausgleichbar sind die herben Verluste im Ticketverkauf. So entgehen der BVG pro Streiktag etwa 500.000 Euro aus dem Verkauf von Einzelfahrscheinen. Weitere 300.000 Euro büßt die BVG im Geschäft mit Zeitkarten ein. "Gerade bei einem Streik zu Monatsbeginn sind diese Verluste für uns besonders hoch", sagt BVG-Marketingchef Wilfried Kramer. Die Folgeschäden seien immens, sagte Reetz. Schließlich ruhten an etwa 100 Stellen im U-Bahn-Netz die nächtlichen Bauarbeiten. Sollten Linien wie die U3 deshalb nicht rechtzeitig fertig gestellt werden, könnte das Land Berlin auch nach Streikende die Zahlungen kürzen. Weil auch in den Werkstätten die Arbeit ruhe, könnten Busse und Bahnen nicht gewartet oder repariert werden. Auch diese Kosten fielen erst nach einer Beendigung des Streiks an, wenn die Beschäftigten in den Werkstätten vermutlich teure Überstunden schieben müssten. Hinzu komme noch der große Imageschaden, dessen Folgen in Geld schwer zu bemessen sind. "Der Ansehensverlust hat vor allem Langzeitwirkung", so Reetz. Die Berliner seien gewohnt, dass Busse und Bahnen der BVG sehr zuverlässig seien. Könne das für längere Zeit nicht gewährleistet werden, schwinde auch das Vertrauen der Kunden.
Finanzsenator droht höhere Fahrpreise an
Berlins Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) zeigte sich vom BVG-Streik unbeeindruckt. Der Ausstand treffe nur die Fahrgäste, sagte Sarrazin im Inforadio des RBB. Er kündigte höhere Fahrpreise an, sollte Ver.di Erfolg haben. „Dann müssen wir in genau dem Umfang, in dem die Kosten der BVG steigen, natürlich auch die Fahrpreise erhöhen“, sagte der Finanzsenator. Viele derjenigen, die an normalen Tagen die Karten für die BVG kaufen, sind auf das eigene Auto umgestiegen, zumal selbst die Taxi-Vermittlungen inzwischen ausgebucht sind. Darauf haben inzwischen auch die Tankstellen reagiert. Seit Streikbeginn schnellten die Preise für Benzin in die Höhe. Laut ADAC und dem Auto Club Europa (ACE) soll Sprit in Berlin und Brandenburg bereits um sechs Cent teurer geworden sein. Der Zeitung "BZ" sagte Eberhardt Waldau, Vorstand Verkehr beim ADAC: "Die Mineralölkonzerne nutzen den Streik aus. Denn der Rohölpreis ist gesunken, damit müssten auch die Benzinpreise fallen." Doch die Unternehmen wissen genau, dass jetzt viele Berliner und Brandenburger auf das Auto angewiesen sind, sonst gar nicht wissen, wie sie zur Arbeit kommen sollen. Bahn-Streik ab Montag steht "bombenfest" Vorerst gilt weiter, dass Fahrgäste auf die S-Bahn und Regionalzüge ausweichen können. Doch diese Alternative fällt ab kommender Woche weg. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) sieht trotz eines neuen Tarifvertrags ihre Forderung nach Eigenständigkeit immer noch nicht erfüllt. Am Montag ab 0 Uhr will sie daher den gesamten Fern-, Güter- und Regionalverkehr der Deutschen Bahn unbefristet bestreiken. Davon betroffen ist dann auch die Berliner S-Bahn. GDL-Chef Manfred Schell sagte "sueddeutsche.de": "Für uns steht das bombenfest, dass wir Montag beginnen." Das Gebaren der Bahn könne die GDL nicht tolerieren. "Man hat einen fertigen Tarifvertrag und macht seine Unterschrift davon abhängig, dass zwei Zusatzverträge geschlossen werden." "Eine Aussetzung des Streiks wegen des gleichzeitig laufenden Arbeitskampfes bei der BVG ist im Augenblick nicht vorgesehen", sagt der GDL-Bezirksvorsitzende für Berlin, Brandenburg und Sachsen, Hans-Joachim Kernchen. Die besondere Situation in der Hauptstadt sei der GDL aber bekannt, und es gebe Überlegungen, den Streik "nicht in der bislang geplanten ultimativen Form" durchzuführen. Die Entscheidung darüber liege aber beim geschäftsführenden Vorstand der GDL.

Auch der Ver.di-Verhandlungsführer im BVG-Streik, Frank Bäsler, sagte, sollte es in der kommenden Woche im Tarifstreit bei der Bahn zu Arbeitsniederlegungen der Lokführer kommen, werde dies keine Auswirkungen auf den BVG-Streik haben.

Ver.di bekräftige, für die Forderung von acht bis zwölf Prozent mehr Geld für die rund 11.500 BVG-Beschäftigten auch lange im Ausstand zu bleiben. Die Arbeitgeberseite beharrte darauf, kein neues Angebot vorzulegen. Die BVG ist nicht in das bundesweit geltende öffentliche Tarifwerk eingebunden, hier geht es um einen Haustarifvertrag. Bislang gebe es noch „gar keine Reaktion des Arbeitgebers“, sagte Ver.di-Verhandlungsführer Frank Bäsler. Derzeit gehe die Gewerkschaft davon aus, dass der insgesamt unbefristete Streik zunächst wie geplant bis zum 14. März fortgesetzt werden müsse. Bei einem neuen, „vernünftigen Angebot“ sei man grundsätzlich bereit, den Arbeitskampf sofort auszusetzen. Die Verbraucherzentrale Berlin überlegt indessen, vor Gericht Musterklagen einzureichen. Das berichtet die Zeitung "BZ". Zeitkarten-Besitzern soll nach dem Willen der Verbraucherschützer anteilig ihr Geld zurück erstattet werden.

Beim Senat will man noch nicht direkt in die Arbeitskämpfe eingreifen. Senatssprecher Richard Meng sagte: "Wir hoffen sehr, dass es gelingt, das Thema in Verhandlungen zu lösen, bevor es zu einem Streik bei den Lokführern kommt." Von Wegducken könne aber keine Rede sein. Der Senat wisse sehr wohl um das Problem, wenn nun auch noch die S-Bahn bestreikt werde.

Quelle: Welt Online
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Alt 06.03.2008, 18:40   # 2
hartelmann1
 
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Beiträge: 29
und prompt werden die Fahrpreise erhöht !
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Alt 06.03.2008, 19:21   # 3
immorb
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Zitat:
Zitat von Mabuhay/Welt Online
Unterm Strich bleibt aber ein Minus von mindestens 300.000 Euro.
Da macht aber jemand die Rechnung ohne den Wirt.
Ich nehme an das die BVG an einem Streik verdient.
Der grösste Teil der Kunden (Pendler) hat den Fahrpreis im voraus bezahlt. (Monatskarte/Wochenkarte).
Zitat:
Zitat von hartelmann1
und prompt werden die Fahrpreise erhöht !
Was ist daran falsch?
Jeder Unternehmer schlägt erhöhte Einstandskosten auf den Verkaufspreis auf.
Bei Erhöhung von Kosten bei den öffentlichen Diensten, fragen sie Streikende oder Verdi.
Die Herren der Gewerkschaft vergessen eins,vieles bei den öffentlichen Diensten wird bezuschusst, also über Steuern.
Die Streikende streiken für eine Lohnerhöhung die sie selbst bezahlen müssen.
Werden die Preise nicht erhöht,sparen die an anderer Stelle, z.B. Personalabbau.
Die Streikende sägen ihren Pupssessel ab.

m.f.G.
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Alt 06.03.2008, 20:26   # 4
schnippewippe
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Am Wochenende droht Berlin der Ausnahmezustand.
Mindestens 250 Euro ( 12 %) mehr Gehalt pro Monat wollen sie haben.
In Berlin fährt kein Bus, keine U-Bahn und keine Tram. Der Warnstreik wird erstmal bis Samstag 15:00 Uhr dauern. Mit Verzögerungen ist aber auch am Samstag noch bis in den späten Abend zu rechnen.
Die Gewerkschaft geht davon aus, dass der insgesamt unbefristete Streik zunächst wie geplant bis zum 14. März fortgesetzt wird..Und was wenn es nicht zur Einigung kommt.
Danach gibt es wieder höhere Fahrpreise . Langsam überlegt man sich dann echt, ob man noch zu Besuch fährt
Für eine Familie mit Kindern und wenig Einkommen , ist es jetzt schon kaum noch zu bezahlen.
Ich habe nur eine kleine Rente und durch den Streik, geht mir das Geld, was ich mir dazu verdienen kann flöten. Habe heute einen Termin in einer Klinik absagen müssen. Taxe ist nicht drin. Ich bin stinke sauer.
Ein Freund meiner Tochter ist Busfahrer. Er hat als Alleinstehender mehr Netto raus ,als viele Familienväter. Die wären froh über den Lohn.
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Alt 07.03.2008, 09:44   # 5
hartelmann1
 
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Registriert seit: 13.01.2008
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Beiträge: 29
Mein Vorschlag:
Die Fahrpreise verdoppeln
Folge: Es fahren nur noch halb so viele Fahrgäste.

Das ganze mehrmals wiederholen.
Inzwischen kann das Personal entlassen werden.
Ein Kunde, der von A nach B will, bestellt sich bei der BVG zu der Zeit eine Sonderfahrt zum entsprechenden Preis.

Dann wird das Fahren zum Luxus, den sich nur noch die Begüterten leisten können.
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Alt 09.03.2008, 14:13   # 6
anemo
 
Registriert seit: 25.05.2007
Beiträge: 245
Zitat:
Zitat von hartelmann1 Beitrag anzeigen
Mein Vorschlag:
Die Fahrpreise verdoppeln
Folge: Es fahren nur noch halb so viele Fahrgäste.

Das ganze mehrmals wiederholen.
Inzwischen kann das Personal entlassen werden.
Ein Kunde, der von A nach B will, bestellt sich bei der BVG zu der Zeit eine Sonderfahrt zum entsprechenden Preis.

Dann wird das Fahren zum Luxus, den sich nur noch die Begüterten leisten können.
Apropos Begüterte: Man könnte ja auf einen Güterzug aufspringen und da mitfahren, ist halt nur etwas zugig. Bisher konnte ich mein morgen- und abendliches Berufspendlerleben noch in vollen Zügen geniessen, wenn die GDL jetzt wieder streikt, muss ich halt wieder einsam im Auto am Auspuff der oder des Vorausfahrenden schnuppern
__________________
Anemo:fressmei:
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Alt 09.03.2008, 18:43   # 7
perdita
Hat immer ein offenes Ohr
 
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Registriert seit: 07.01.2008
Ort: laut verschwörungstheorien nicht existent! ;)
Beiträge: 4.981
nun hat die bahn sich zu guter letzt doch noch mit den gewerkschaften geeinigt und eigendlich könnte morgen in berlin alles wieder in ruhigen bahnen gehen ( im wahrsten sinne des wortes).
da die bahn aber fest mit dem streik gerechnet hat, also nicht mit einer lösung, habt sie einen notfallfahrplan aufgestellt, von dem sie nicht mehr rechzeitig umschwenken kann.

also morgen behinderungen im bahnverkehr, aber nicht wegen streik, sondern weil die bahn sich verkalkuliert hat. :eyegrazy:
__________________
965 augen 9 von 10 stimmen in meinem kopf sagen, ich bin irre, eine summt!2237 fliege
das ist perdita!
proggi: verkleinern von bildern anleitungen: alben und bilder bilder hochladen statt direktverlinken
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Alt 26.05.2012, 10:54 # --
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