| Noten von Schülern und Eltern
Hallo Lehrer, es gibt Zeugnisse
Deutsche Lehrer gelten als zwar engagiert, aber nicht sehr kompetent und haben ihre Klassen kaum im Griff. Zu diesem Ergebnis kommt das Hamburger Gewis-Insitut in einer Umfrage unter Eltern und Schülern. Die Eltern seien allerdings mitverantwortlich für die Schulmisere - nur jeder Sechste kennt die Lehrer der Kinder überhaupt.
DPA
Der Rohrstock ist out, trotzdem hat jeder vierte Schüler Angst vor seinem Lehrer
Rund 1000 Eltern und Schüler haben die Sozialforscher im Auftrag der Zeitschrift "TV Hören und Sehen" interviewt und stellen als Fazit den Pädagogen ein durchwachsenes Zeugnis aus. Fünf von sechs Lehrern können sich nach Ansicht der befragten Schüler im Unterricht nicht richtig durchsetzen, 41 Prozent der Schüler fühlen sich von ihren Lehrern gemobbt; 27 Prozent haben sogar Angst, wenn es um bestimmte Pädagogen geht.
Bei der Benotung kommen die Lehrer insgesamt allerdings besser weg: 59 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass die Noten gerecht verteilt werden. Die Fachkompetenz der Lehrer wird dabei unterschiedlich beurteilt. Besonders gut schneiden die Sport-, Englisch- und Erdkundelehrer ab, weniger Kompetenz dagegen wird den Deutsch- und Sozialkundelehrern zugesprochen. Das zweite Lob für die Pädagogen gibt es laut Umfrage für die außerschulischen Aktivitäten: Drei von vier Lehrern engagieren sich trotz Stress und Pisa-Druck außerhalb des eigentlichen Unterrichts.
Eltern kennen die Lehrer ihrer Kinder nicht
Im Gespräch mit der Zeitschrift kritisiert der Bielefelder Jugendforscher Klaus Hurrelmann das geringe Engagement der Eltern, die für die Schulmisere mitverantwortlich seien. "Es ist ein ganz bitteres Ergebnis, dass 84 Prozent der Lehrer in der Wahrnehmung ihrer Schüler die Klassen nicht mehr im Griff haben. Brenzlig dabei ist, dass die Eltern hierbei mit ihren Kindern einig sind. Und das, obwohl 84 Prozent der Eltern die Lehrer ihres Kindes nicht kennen", sagt Hurrelmann.
Forscher Hurrelmann: Nimmt Lehrer in Schutz
So sei es unmöglich für die Lehrer, Eltern für sich zu gewinnen, wenn es mal Probleme mit den Kindern gebe. "Erst wenn ein Lehrer zehn Minuten lang mit Eltern gesprochen hat, kann er einschätzen, warum ein Schüler Probleme hat", sagt der Jugendforscher.
Dass jetzt eine Diskussion beginnt, in der nur auf die Pädagogen geschimpft wird, hält Klaus Hurrelmann für falsch. "Das haben die Lehrer nicht verdient. Sie tun, was sie können, aber sie kommen nicht gegen unser veraltetes Schulsystem an", sagte er. Um die Lehr- und Lern-Qualität an Deutschlands Schulen zu verbessern, müssten drei Dinge für die Lehrer getan werden: "Die Pädagogen bräuchten professionelle Unterstützung in Form einer Supervision. Zweitens müssen sie besser ausgebildet werden in pädagogischer Hinsicht, und drittens muss das Schulsystem reformiert werden." |