Handel: Spürbarer Umsatzrückgang bei Grundig-Produkten
Grundig-Betriebsratschef Thomas Schwarz rechnet für Montag mit einem Insolvenzantrag des Nürnberger Elektronikherstellers. Es liege die Befürchtung nahe, dass der Konzern mit 3790 Beschäftigten aufgeteilt werde, sagte Schwarz der "Süddeutschen Zeitung". Am Montagmittag seien Betriebsversammlungen in allen Grundig-Werken angekündigt. Bei Grundig sei der "Motor kaputt", fügte das Aufsichtsratsmitglied hinzu.
Nach einem Bericht der "Nürnberger Nachrichten" ist jedoch auch nach einem Insolvenzantrag die Fortführung des Betriebes gesichert. Das Blatt zitiert Bankenkreise, wonach ein Massekredit in Aussicht gestellt worden sei, der für zunächst zwei Monate Liquidität gewähren werde. Durch das vorgeschriebene Konkursausfallgeld seien die Gehälter für drei Monate gesichert.
Umsatzrückgänge im Fachhandel
Der Niedergang von Grundig führt im Fachhandel bereits zu spürbaren Umsatzrückgängen mit Grundig-Geräten. "Die Kunden sind verunsichert", sagte der Geschäftsführer des Handelsverbunds R.I.C., Peter Keller, in einem dpa-Gespräch in Nürnberg. Es wird erwartet, dass die überschuldete Grundig AG zu Beginn der kommenden Woche Insolvenz anmeldet.
"Auch der Handel hat Angst und verhält sich zurückhaltend", sagte Keller. Für die R.I.C.-Mitgliedsgeschäfte sei die Marke Grundig im TV-Bereich jedoch noch immer sehr wichtig. "Sie hat von allen Herstellern die höchste Verbreitung." Die R.I.C. GmbH vertritt als zweitgrößter deutsche Einkaufsverbund für Konsumelektronik rund 2500 Elektronik-Fachhändler.
Bei einer Insolvenz könnte nach Kellers Einschätzung rasch eine Auffanglösung gefunden werden. Dabei dürfte der türkische Beko- Konzern erneut eine Rolle spielen, mutmaßte der Branchenexperte. Die Türken hatten die Übernahmeverhandlungen mit Grundig vor wenigen Tagen überraschend platzen lassen. "Ein Szenario mit Beko wäre uns am liebsten", sagte Keller. Nach einer unvermeidlichen "Absatzdelle" könne es dann zu einem Neuanfang kommen. "Wir hoffen, dass mit der Marke Grundig weiterhin Geschäfte möglich sind."
Sollte Grundig jedoch vom Markt verschwinden, so werden sich die Marktanteile des Nürnberger Traditionsunternehmens nach Kellers Ansicht auf viele andere Anbieter verteilen. Es werde keine Umsatzverlagerung "eins zu eins" etwa zu den anderen beiden deutschen Fernseh-Herstellern Loewe oder Metz geben. Eine Ausverkauf von Grundig-Geräten zu Dumping-Preisen steht nach Worten des R.I.C.- Geschäftsführers auch bei einer Abwicklung des Unternehmens nicht bevor. "Der Handel hat bereits auf die Bremse gedrückt. Der Markt ist nicht voll gepumpt mit Grundig-Geräten."