Lilalaunebär, solche Drohungen verschaffen mir regelmäßig schlechte Laune. Was soll das? Gerade Baker leistet hier unermüdlich gute Arbeit, hat so manchen Betroffenen beruhigen können und ihm/ihr erste Tipps für die nächsten Schritte gegeben. Wenn Du mit Baker ein persönliches Problem hast, wenn Dir seine Art nicht passt oder ähnliches, dann mach das doch bitte privat mit ihm aus.
Lieber Lilalaunebär, Deine Drohung beinhaltet ja den unausgesprochenen Wunsch: "Baker, hau ab!" - Das kann ich nicht unkommentiert lassen und möchte dagegenstellen: "Baker, bleib hier!"
Ich denke, wir sollten uns hier alle auf das eigentliche Ziel konzentrieren, nämlich denjenigen zu helfen, die von der unsäglichen Furcht- Angst und Verklagestrategie der Musikindustrie betroffen sind. Manchmal fühle ich mich fast in Zeiten zurückversetzt, wo man seinen Feinden die Köpfe abschlug, um diese dann - auf Lanzen aufgespießt - rechts und links der Wege der Öffentlichkeit zur Abschreckung zu präsentieren.
"Jeder soll jemanden kennen, den es schon mal erwischt hat" ist ja dann auch das zentrale Motto bei der Filesharer-Verfolgung. Finsterstes Mittelalter, wenn ihr mich fragt.
Zitat:
Zitat von Lilalaunebär [...] RA Rasch hat 3 Jahre Zeit, den Schadensersatz durchzusetzen. Sie haben einige zusätzliche Anwälte eingestellt, um die ganzen Klagen vorzubereiten, sagte man meinem Anwalt. Und die Gerichte werden ihm Recht geben. Das Vorgehen der Musikindustrie ist grundsätzlich gerechtfertigt, [...] |
Die Gerichte geben ihm nicht immer Recht:
LG München I: Keine Mitstörerhaftung des Anschluss-Inhabers für P2P-Urheberrechtsverletzung (Wer Zeit hat, sollte sich einmal das ganze Urteil durchlesen, da hat jemand wieder mal prima auf die Mütze bekommen. Der Anschlußinhaber haftet da nicht einmal auf Unterlassung!)
oder
Eltern haften nicht immer für Tauschbörsennutzung ihrer Kinder (OLG Frankfurt AZ 11 W 58/07)
Findest Du das Vorgehen tatsächlich gerechtfertigt? Ich nicht, ich finde es zum Kotzen, um es mal deutlich zu sagen. Erwischt und geschröpft werden nämlich keine Schwerverbrecher oder Dauersauger, sondern eher die unbedarften und ahnungslosen Menschen. User, die vergessen, ihren Incoming-Ordner ab und zu mal zu leeren, weil sie oft nicht einmal wissen, was das ist. Einige mehr oder weniger zufällig ausgewählte Verbraucher werden förmlich in den Ruin getrieben, nur um unter den Übriggebliebenen Furcht und Angst zu verbreiten. Was soll das? Musik ist eine "freundliche" Angelegenheit, die ich mit Wärme, emotionaler Ruhe, Entspannung usw. verbinde. Schon das Wort "Musikindustrie" führt bei mir aber zu exakt entgegengesetzten Gefühlen.
Es ist ja prinzipiell verständlich, wenn die Contentindustrie gegen illegale Downloads vorgeht, die Art und Weise kann ich persönlich jedoch nicht tolerieren. Es gibt ganz andere Möglichkeiten, den schwindenden Profiten entgegenzuwirken, da wird seitens der Musikindustrie viel zu wenig getan. Man ist einfach gierig und verwöhnt vom alten Dukatenscheisser "Schallplattenverkauf". Weshalb war denn AllofMP3 so erfolgreich? Warum macht man sich nicht darüber mal Gedanken? Nichts dergleichen, stattdessen Kontrolle, Kriminalisierung, Bestrafung.
Ich halte diese ganze schreckliche "Verklage-den-Kunden-Strategie" noch nicht einmal für sonderlich wirksam, um eine Verbesserung herbeizuführen, der Schuss könnte durchaus auch nach hinten losgehen. Immer mehr Menschen haben die herkömmliche Musikindustrie und ihre Erfüllungsgehilfen gründlich satt, Künstler suchen nach neuen, freieren Vertriebs- und Lizenzmodellen und haben keinen Bock mehr auf Knebelverträge bei den großen Majors. "
Netlabels" ist hier das Zauberwort, ein Konzept mit Zukunft. Als Einstieg möchte ich mal auf
jamendo verweisen, ein Portal, auf dem ausschließlich freie Musik unter der Creative Commons-Lizenz zum Download angeboten wird.
Hat einem die herkömmliche Musikindustrie auch erstmal den Spaß an der Musik gründlich versaut, dann können diese neuen Formen dabei helfen, die verlorene Freude wieder zurückzugewinnen. Es ist ja nicht strafbar, zum Konsumverzicht aufzurufen, deshalb mache ich das hiermit: Hört auf, euch Musik von den
großen Labels zu kaufen! In meinen Augen ruinieren sie Menschen, behandeln ihre potentiellen Kunden schäbig, möchten sich nicht an geänderte Bedingungen anpassen. Sie sind teuer. Sie verkaufen schlechte Produkte.
Mein persönlicher Wunsch für das Jahr 2008: Jeder soll jemanden kennen, der ihm von den unerträglichen Machenschaften der Musikindustrie berichtet. Jeder soll jemanden kennen, der ihm Alternativen zeigt. Erst verklagt werden und dann wieder reumütig in den Hintern der Majors kriechen? Pah, wohl kaum! Schließlich haben wir unseren Stolz. Umso besser, dass sowohl Künstler als auch Verbraucher immer weniger auf diese kapitalistischen Gesäße angewiesen sind.
Unterstützt neue Vertriebs- und Lizenzmodelle, habt wieder Spaß an der Musik! Wartet nicht darauf, bis die Lobby der Musikindustrie den Gesetzgeber dazu bringt, mit dem 3. Korb der Urheberrechtsnovelle auch noch Web-Radio-Aufnahmen zu verbieten und zu kriminalisieren, macht euch vorher auf die Suche nach Alternativen, umso eher ist keiner mehr auf die Musikindustrie angewiesen, umso eher sind die Tage des geldgierigen Molochs gezählt.
Wenn überhaupt werden nämlich nur weitere Umsatzeinbrüche bei der Musikindustrie zur Einsicht führen. Die Anzahl der illegalen Downloads mag zurückgegangen sein, die Umsätze sind aber keineswegs gestiegen! Ganz im Gegenteil, die sind weiter rückläufig. Ich bin ziemlich sicher: daran wird sich auch so bald nicht viel ändern. Die können munter weiter klagen und vielleicht sogar die Anzahl der (messbaren) illegalen Downloads auf Null pressen. Dann werden sie sich verwundert anschauen und nicht begreifen, weshalb sie trotzdem keine neue finanzielle Blüte erleben.
Möglicherweise und hoffentlich ist die Musikindustrie, wie wir sie kennen, in 10 bis 15 Jahren völlig überflüssig. Wenn die Künstler dann auf andere Art und Weise ausreichend und gerecht vergütet werden können, dann kann man sich über den Tod der Musikindustrie nur freuen.